Die Parteivorsitzende der Linkspartei, Gesine Lötzsch, machte sich Gedanken über Wege zum Kommunismus. Damit wich sie vom üblichen Sprachgebrauch ab, der vom "Demokratischen Sozialismus" spricht. In der Art und Weise, wie Lötzsch beide Begriffe durcheinander und austauschbar verwendet, wird deutlich: Beim "Demokratischen Sozialismus", den die Linkspartei anstrebt, muss es sich um eine Ersatzvokabel für Kommunismus handeln, so wie die Neonazis nicht mehr von Nationalsozialismus, sondern vom "Nationalen Sozialismus" reden.
Beim Plappern ist Lötzsch doch ganz schön auf kommunikative Abwege geraten, aber inhaltlich wohl gar nicht von der Parteilinie abgewichen.
Montag, 10. Januar 2011
Mittwoch, 5. Januar 2011
Bertrand Russel über Institutionen und Nationalgefühl
"Das Nationalgefühl ist eine Tatsache und muss von den Institutionen berücksichtigt werden. Wenn es ignoriert wird, verbirgt es sich und wird zu einer Quelle des Streits. Es kann nur harmlos bleiben, wenn ihm freie Bahn gelassen wird, solange es nicht räuberisch ist. Aber es ist an sich nicht ein gutes oder bewundernswertes Gefühl. Es gibt nichts Vernünftiges und Wünschenswertes in der Begrenzung der Sympathie, die sich auf einen Bruchteil der Menschheit beschränkt. Ein Mensch tut in der Regel recht, wenn sich seine Gedanken mehr mit den Interessen seiner eigenen Nation beschäftigen als mit denen anderer, weil seine Handlungen eher seine eigene Nation berühren."
Bertrand Russel: Politische Ideale, in: Wie die Welt gemacht werden kann, Darmstädter Blätter 1989, S. 80 f.
Sonntag, 12. September 2010
"The Truth about Communism"
Eine antikommunistische Dokumentation, eingeleitet von Alexander Kerenskij, erzählt von Ronald Reagan. Der Film ist zerstückelt bei Youtube eingestellt, bei Google Video findet er sich in voller Länge (ca. 75 min. + ein weiterer Film) am Stück.
Montag, 23. August 2010
Kleine Aster
Ein ersoffener Bierfahrer wurde auf den Tisch gestemmt.
Irgendeiner hatte ihm eine dunkelhellila Aster
zwischen die Zähne geklemmt.
Als ich von der Brust aus
unter der Haut
mit einem langen Messer
Zunge und Gaumen herausschnitt,
muß ich sie angestoßen haben, denn sie glitt
in das nebenliegende Gehirn.
Ich packte sie ihm in die Brusthöhle
zwischen die Holzwolle,
als man zunähte.
Trinke dich satt in deiner Vase!
Ruhe sanft,
kleine Aster!
Gottfried Benn, 1912
Irgendeiner hatte ihm eine dunkelhellila Aster
zwischen die Zähne geklemmt.
Als ich von der Brust aus
unter der Haut
mit einem langen Messer
Zunge und Gaumen herausschnitt,
muß ich sie angestoßen haben, denn sie glitt
in das nebenliegende Gehirn.
Ich packte sie ihm in die Brusthöhle
zwischen die Holzwolle,
als man zunähte.
Trinke dich satt in deiner Vase!
Ruhe sanft,
kleine Aster!
Gottfried Benn, 1912
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Lyrik
Mittwoch, 18. August 2010
Gottfried Benn: Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke
Der Mann:
Hier diese Reihe sind zerfallene Schöße
und diese Reihe ist zerfallene Brust.
Bett stinkt bei Bett. Die Schwestern wechseln stündlich.
Komm, hebe ruhig diese Decke auf.
Sieh, dieser Klumpen Fett und faule Säfte,
das war einst irgendeinem Mann groß
und hieß auch Rausch und Heimat.
Komm, sieh auf diese Narbe an der Brust.
Fühlst du den Rosenkranz von weichen Knoten?
Fühl ruhig hin. Das Fleisch ist weich und schmerzt nicht.
Hier diese blutet wie aus dreißig Leibern.
Kein Mensch hat soviel Blut.
Hier dieser schnitt man
erst noch ein Kind aus dem verkrebsten Schoß.
Man läßt sie schlafen. Tag und Nacht. - Den Neuen
sagt man: hier schläft man sich gesund. - Nur sonntags
für den Besuch läßt man sie etwas wacher.
Nahrung wird wenig noch verzehrt. Die Rücken
sind wund. Du siehst die Fliegen. Manchmal
wäscht sie die Schwester. Wie man Bänke wäscht.
Hier schwillt der Acker schon um jedes Bett.
Fleisch ebnet sich zu Land. Glut gibt sich fort,
Saft schickt sich an zu rinnen. Erde ruft.
Gottfried Benn, 1912
Hier diese Reihe sind zerfallene Schöße
und diese Reihe ist zerfallene Brust.
Bett stinkt bei Bett. Die Schwestern wechseln stündlich.
Komm, hebe ruhig diese Decke auf.
Sieh, dieser Klumpen Fett und faule Säfte,
das war einst irgendeinem Mann groß
und hieß auch Rausch und Heimat.
Komm, sieh auf diese Narbe an der Brust.
Fühlst du den Rosenkranz von weichen Knoten?
Fühl ruhig hin. Das Fleisch ist weich und schmerzt nicht.
Hier diese blutet wie aus dreißig Leibern.
Kein Mensch hat soviel Blut.
Hier dieser schnitt man
erst noch ein Kind aus dem verkrebsten Schoß.
Man läßt sie schlafen. Tag und Nacht. - Den Neuen
sagt man: hier schläft man sich gesund. - Nur sonntags
für den Besuch läßt man sie etwas wacher.
Nahrung wird wenig noch verzehrt. Die Rücken
sind wund. Du siehst die Fliegen. Manchmal
wäscht sie die Schwester. Wie man Bänke wäscht.
Hier schwillt der Acker schon um jedes Bett.
Fleisch ebnet sich zu Land. Glut gibt sich fort,
Saft schickt sich an zu rinnen. Erde ruft.
Gottfried Benn, 1912
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Dienstag, 3. August 2010
Ilja Ehrenburg: Der Ernst Moritz Arndt der Sowjetunion
Ilja Ehrenburg ist ein umstrittener Kriegsagitator der Sowjetunion. In Rostock ist eine Straße nach ihm benannt, die nach Auffassung der Jungen Union umbenannt werden soll. Es ergibt sich eine Parallele zu der verflossenen Umbenennungsinitiative der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald, auch hier erregte die historische Kriegsagitation des Namensgebers Anstoß.
Allgemeine Tötungsaufrufe gegen Deutsche sind gesichert, es ist Ehrenburg jedoch kaum nachzuweisen, speziell zur Vergewaltigung von Frauen aufgerufen zu haben, was ihm oft zum Vorwurf gemacht wird, gesichert überliefert sind Aufforderungen, von den "Frauen der Schlächter" Abstand zu halten. Jedoch sind Veröffentlichungen überliefert, in denen er vulgärpsychologische Überlegungen dahingehend anstellt, dass die deutschen Soldaten von ihren durch Ehrenburg mit viel Verbalinvektiven belegten Frauen zu immer neuen Schandtaten und Beutemachen angestiftet worden seien.
Die Kontroverse wirft die Frage auf, inwieweit Kriegspropagandisten überhaupft Einfluss auf das Verhalten von Soldaten haben können. Die Gegner der Umbenennung machen wie üblich bei solchen Streitigkeiten auf die positiven Verdienste des Namensgebers aufmerksam, wie hier etwa Ehrenburgs Bemühen um die Dokumentation der Judenvernichtung und die Verbreitung der Kunde darüber, reklamieren aber auch Textfälschungen der seinerzeitigen deutschen Kriegspropaganda und Übersetzungsmängel.
Der Großteil der Schriften Ehrenburg ist noch gar nicht ins Deutsche übersetzt worden. Straßenschilder können also auch als Hinweis auf Forschungslücken und als Ansporn, sich mit einem Thema zu beschäftigen, wertvoll sein, selbst wenn der Namenspatron eine fragwürdige Figur ist. Man muss dabei freilich hoffen, dass das irre Kriegsgeschrei, das aus den historischen Kämpfen noch zu uns dringt, nicht Idioten als Handlungsanweisung für heute dient.
In folgendem Filmausschnitt ist Ehrenburg als Gast bei einem Schau-Kriegsverbrecherprozess zu sehen:
Allgemeine Tötungsaufrufe gegen Deutsche sind gesichert, es ist Ehrenburg jedoch kaum nachzuweisen, speziell zur Vergewaltigung von Frauen aufgerufen zu haben, was ihm oft zum Vorwurf gemacht wird, gesichert überliefert sind Aufforderungen, von den "Frauen der Schlächter" Abstand zu halten. Jedoch sind Veröffentlichungen überliefert, in denen er vulgärpsychologische Überlegungen dahingehend anstellt, dass die deutschen Soldaten von ihren durch Ehrenburg mit viel Verbalinvektiven belegten Frauen zu immer neuen Schandtaten und Beutemachen angestiftet worden seien.
Die Kontroverse wirft die Frage auf, inwieweit Kriegspropagandisten überhaupft Einfluss auf das Verhalten von Soldaten haben können. Die Gegner der Umbenennung machen wie üblich bei solchen Streitigkeiten auf die positiven Verdienste des Namensgebers aufmerksam, wie hier etwa Ehrenburgs Bemühen um die Dokumentation der Judenvernichtung und die Verbreitung der Kunde darüber, reklamieren aber auch Textfälschungen der seinerzeitigen deutschen Kriegspropaganda und Übersetzungsmängel.
Der Großteil der Schriften Ehrenburg ist noch gar nicht ins Deutsche übersetzt worden. Straßenschilder können also auch als Hinweis auf Forschungslücken und als Ansporn, sich mit einem Thema zu beschäftigen, wertvoll sein, selbst wenn der Namenspatron eine fragwürdige Figur ist. Man muss dabei freilich hoffen, dass das irre Kriegsgeschrei, das aus den historischen Kämpfen noch zu uns dringt, nicht Idioten als Handlungsanweisung für heute dient.
In folgendem Filmausschnitt ist Ehrenburg als Gast bei einem Schau-Kriegsverbrecherprozess zu sehen:
Mittwoch, 14. Juli 2010
"Best of" Karl-Herrmann Flach
Was liberale Politiker in rot geprägten Dekaden so von sich geben, dafür ist Karl-Herrmann Flach ein warnendes historisches Beispiel:
aus VLA (Hrsg): Liberale Perspektiven 4/2009
Karl-Herrmann Flach feiert in der FDP gerade wieder eine gewisse Auferstehung, wie es heißt.
"Die Auffassung, daß Liberalismus und Privateigentum an Produktionsmitteln in jedem Fall identisch seien, gehört zu den Grundirrtümern der Geschichte."
"Der Kapitalismus als vermeintlich logische Folge des Liberalismus lastet auf ihm wie eine Hypothek. Die Befreiung des Liberalismus aus seiner Klassengebundenheit und damit vom Kapitalismus ist daher die Voraussetzung seiner Zukunft."
"Der Egoismus der Menschen wird als Triebfeder zwar nicht verschwinden, kann aber durch Veränderung der Wertmaßstäbe zugunsten gemeinschaftsbezogener Leistungskriterien sublimiert werden."
aus VLA (Hrsg): Liberale Perspektiven 4/2009
Karl-Herrmann Flach feiert in der FDP gerade wieder eine gewisse Auferstehung, wie es heißt.
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