Sonntag, 18. November 2007

Deutschland - Quo vadis?

Der amerikanische Historiker Steve Ozment schreibt in seinem Buch: A Mighty Fortress- A New History of the German People /Eine feste Burg – Die Geschichte der Deutschen, Manuscriptum 2006, Übersetzung von Robert Grözinger, S. 381:

„Wenn die lange Geschichte der Deutschen eine Richtschnur ist, ist es wahrscheinlich, dass die künftige Demokratie im Vergleich zu heute mit mehr Verantwortung verbunden und weniger 'naiv' sein wird. Im Verlauf dieser Geschichte haben die Deutschen Autorität und Ordnung ebenso sehr wie Freiheit und Gleichheit geschätzt, überzeugt davon, dass die beste Staatsform beides braucht und beides schützt. Die Fähigkeit, kollektiv zu handeln – nationale Einheit -, und das Recht, individuell zu handeln – politische Vertretung -, sind mindestens seit dem sechzehnten Jahrhundert die Zwillingssorgen der Deutschen gewesen, wobei die erste Selbstaufopferung und Konformität verlangt, die zweite Selbstbehauptung und Abweichung erlaubt. Ein historisch fundiertes, reifes deutsches Staatswesen wird wahrscheinlich die Freiheit mehr einschränken als die egalitären Demokratien Frankreichs und der USA, die wohl vergessen haben, wie Freiheit zu disziplinieren ist und infolgedessen die Kontrolle über das Individuum verloren haben. In der Weiterentwicklung des Frankreich von Rousseau und Robespierre und des Amerika von Jefferson und Emerson scheint individuelle Freiheit zu einem Recht des Egozentrismus geworden zu sein, das die Verantwortung des Bürgers der Öffentlichkeit gegenüber bedroht sowie die Verpflichtung des Gläubigen gegenüber Gott. Die Deutschen glauben nicht, dass die wahre Freiheit ohne Ordnung sein muss oder dass ein freies Volk das Recht hat, Amok zu laufen […]In dem Maße, wie schwindende Autorität und Ordnung für die älteren Demokratien der Welt problematischer geworden ist als die Ausweitung von Freiheit und Gleichheit, könnte die neue deutsche Demokratie eine Lösung für die modernen Krankheiten der liberalen Demokratien bereithalten."

Und weiter, S. 382:
"Die Befreiungsbewegungen des zwanzigsten Jahrhunderts haben seitdem die Überreste der kaiserlichen Regierungsform, des Rassismus und des Sozialdarwinismus des neunzehnten Jahrhunderts in die Schranken gewiesen, und eine machtvolle Gleichheitsgesinnung floriert in den meisten Teilen des Westens. Allerdings haben radikaler Individualismus und Atheismus, radikales Elitedenken und radikaler Utopismus der intellektuellen und kulturellen Rebellion jenes Jahrhunderts bis ins einundzwanzigste Jahrhundert hinein überlebt. Die Bestrebungen dieser Revolution, die noch heute stark sind, bedrohen eine nachhaltige Demokratie ebensosehr, wie es irgendeine glaubwürdige Wiederbelebung des Faschismus tun würde. Die beste Verteidigung gegen beide sind alt und bewährt: Fakten und Beweise, Skeptizismus und gesunder Menschenverstand, Nüchternheit und Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Stärke."

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