Sonntag, 9. Dezember 2007

Dr. Spock

Die Diskussion über Eva Herman ist noch nicht ganz abgeflaut. Kommentatoren bemerkten, dass ihr familienpolitisches Geschichtsbild doch noch sehr auf den Nationalsozialismus fixiert sei, und damit nicht auf dem neuesten Stand der wissenschaftliche Debatte. Dies legt auch ein Blick in ihr erstes Buch nahe:

“Was viele nicht wissen: Unserer distanzierte Haltung zu unseren Kindern steht auch in einem direkten Zusammenhang mit einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, dem dritten Reich… Damit wurden Kinder zum Politikum. Um ihre Erziehung zu nationalsozialistischen Bürgern zu gewährleisten, sollten sie der elterlichen Fürsorge so früh wie möglich entzogen werden. Es gab nur ein Problem: die emotionale Bindung der Eltern an ihre Kinder. So lag es nahe, diese konsequent in Frage zu stellen und zu zerstören.” Das Eva-Prinzip, 2. Auflg., S. 140 f.


Die Beobachtung, dass in der Zeit des Nationalsozialismus die Forderung nach ausgesprochener Kälte in der Kindererziehung verbreitet war, ist richtig, aber das war nicht nur in Deutschland so.
Vor kurzem fiel mir folgender Beitrag in dem Blog "USA erklärt" über den amerikanischen Kinderarzt Dr. Spock auf:


Der Kinderarzt schrieb 1946 ein Buch mit dem Namen The Common Sense Book of Baby and Child Care. Inzwischen wurde es in 39 Sprachen übersetzt und 50 Millionen Mal verkauft - angeblich eines der zehn größten Bestseller aller Zeiten. Amerikanische Eltern nennen es auch the manual.

Spocks Buch erschien zu einer Zeit, als Eltern angehalten wurden, ihre weinenden Kinder nicht hochzunehmen, sie nicht zu küssen oder mit ihnen zu kuscheln, damit aus ihnen echte Männer (und Frauen) werden würden. Die richtige Fütterung, so die Experten der Zeit, habe nach einem strengen Zeitschema mit genau dosierten Mengen stattzufinden, an das sich Mutter und Baby unbedingt halten müssten, egal wie sehr es beide quälte. Nach der Geburt wurde das Kind weggenommen statt im gleichen Zimmer wie die Mutter bleiben zu können.

Dummes Zeug, sagte Spock. Jedes Baby sei anders, die Eltern sollten ihren Instinkten trauen und die Kinder mit Respekt und Liebe behandeln - und das auch zeigen. Das Kind wisse selbst am besten, wann es wie viel Hunger habe. Der Yale- und Columbia-Absolvent setzte mit Baby and Child Care den gesunden Menschenverstand auf ein hartes medizinisches Fundament: A good hug sei die beste Medizin für die kleinen Wehwehchen des Lebens, aber Antibiotika die für Lungenentzündungen; Kinder sollen viel gehalten, aber auch geimpft werden.



Quelle: USA erklärt

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