Dienstag, 18. Dezember 2007

Ludin

In einestages findet sich ein Eintrag über Hanns Ludin, geschrieben von der Enkelin Alexandra Senfft:


Wir Deutsche haben unsere Vergangenheit akademisch und politisch weit aufgearbeitet, biographisch allerdings kaum. Solange wir uns der Vergangenheit unserer Vorväter und -mütter nicht stellen und die Täterschaft nur an denen aufarbeiten, die außerhalb der Familie sind, kann keine nachhaltige Auseinandersetzung stattfinden. Denn das Verschwiegene, das Verdrängte, arbeitet über Generationen hinweg weiter - in der Gesellschaft, in den Familien und in uns selbst, auch wenn es immer wieder neue Formen und Symptome annimmt, die mit den Verbrechen, den Methoden und ideologischen Vorstellungen des Nazi-Systems nicht mehr unmittelbar in Verbindung zu bringen sind.


Vielleicht sind aber Nicht-Familienangehörige besser zur Erforschung dieser Art von Vergangenheit geeignet, da sie eben unbefangen sind?
Die Frage, ob der Vater ein Verbrecher sei und inwieweit er überhaupt von der Judenvernichtung wusste, zu der er durch Deportationsbefehle beitrug, ist nicht nur in der Familie umstritten.
Letztlich ist die Familie Ludin auch ein Beispiel für Familienbeschädigung und -Zerfall durch Vaterlosigkeit als Folge von Krieg und Gewaltherrschaft - und für Ratlosigkeit im Umgang mit historischen Regimewechseln, die zum kompletten Austausch von Moralsystemen führen.

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