Dienstag, 18. Dezember 2007

Threnen des Vatterlandes

Der amerikanische History Arno J. Mayer brachte 1988 die Bezeichnung Zweiter Dreißigjähriger Krieg für den 1. und 2. Weltkrieg und die Zwischenkriegszeit in die Diskussion ein. Vielleicht ist es also hilfreich für die Untersuchung von Kriegsfolgen die beiden Konflikte miteinander zu vergleichen. Zwei Quellentexte gehen mir da schon lange im Kopf herum:


Threnen des Vatterlandes/Anno 1636

Wir sind doch numer gantz / ja mehr denn gantz verheret!
Der frechen völker schar / die rasende posaun,
das von blutt fette schwerdt / die donnernde carthaun
hatt aller schweiss / und fleiss / und vorrath aufgezehret.


Die türme stehn in glutt / die Kirche ist umbgekehret
das Rathaus liegt im graus / die starcken sind zerhaun.
Die Jungfraun sind geschändt / und wo wir hin nur schaun
ist fewer / pest und todt der hertz und geist durchfehret.


Hier durch die Schantz und Stadt / rint allzeit frisches Blutt
Dreymall sind schon sechs jahr als unser ströme flutt
von so viel leichen schwer / sich langsam fortgedrungen.


Doch schweig ich noch von dem was ärger als der todt,
was grimmer als die pest / und glutt und hunger noth
das nun der Selen schatz / so vielen abgezwungen.

Andreas Gryphius.


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"Mir hat einmal ein Mann gesagt: 'Hören Sie, wenn Sie das machen, dann geht Deutschland in sechs Wochen zugrunde.' Ich sage: 'Was verstehen Sie darunter?' 'Dann hört Deutschland eben auf.' Ich habe geantwortet: 'Das deutsche Volk hat einst die Kriege mit den Römern überstanden. Das deutsche Volk hat die Völkerwanderung überstanden. Das deutsche Volk hat dann die späteren großen Kämpfe des frühen und späten Mittelalters überstanden. Das deutsche Volk hat dann die späteren großen Kämpfe des frühen und späten Mittelalters überstanden. Das deutsche Volk hat dann die Glaubenskämpfe der neueren Zeit überstanden. Das deutsche Volk hat dann einen Dreißigjährigen Krieg überstanden. Das deutsche Volk hat dann später die Napoleonischen Kriege, die Freiheitskriege, es hat sogar einen Weltkrieg überstanden, sogar die Revolution, - es wird auch mich überstehen!'"

Adolf Hitler im Jahr 1938, zit. nach Joachim Fest, Hitler, Ullstein Verl. 1973 S. 1027.


Überstanden hat das Volk auch den Doppel-Weltkrieg, trotz Hitler, nur wie halt...siehe Gryphius.

Ob Gryphius allgemeine Verrohung, Abstumpfung und Kälte als Kriegsfolgen meinte, als er noch im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) schrieb,
"das nun der Seelen Schatz / so vielen abgezwungen",
oder ob er sich auf konkrete Traumata und psychische Erkrankungen aufgrund erlittener Gewalt bezog?

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