Samstag, 29. Dezember 2007

Weltende

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
in allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
und an den Küsten - liest man - steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
an Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.


Jakob von Hoddis, 1911


Passend zum Jahresende das Gedicht "Weltende". Auffallend ist vor allem der Lakonismus, mit dem der Dichter die Weltuntergangsstimmung seiner Jahrhundertwende-Zeit zu verspotten scheint. Und lesen wir auch nicht heute tagtäglich in der Zeitung von irgendeinem Weltuntergang, einer Flutkatastrophe, einem Flugzeugabsturz, einer Grippeepidemie? Der Weltuntergang ist zum Normalfall geworden, und wird mittlerweile in Form des "Klimawandels" in Permanenz propagiert bis hin zur "Klimakatastrophe" grüner Apokalyptiker. Mein Schwesterherz meinte einmal, sie schaue kein Fernsehen mehr, da sie die Nachrichten nicht mehr ertragen könne. Das bewahrt sie auch vor Abstumpfung und erhält den Sinn für die Katastrophen im Nahbereich, die tatsächlich von uns abgewendet werden können.

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