Dienstag, 30. Dezember 2008

Verlorene Verwandte

In der Süddeutschen fand sich gerade unter der Überschrift "Aus den Augen, wieder in den Sinn", 29.12. 2008, ein Bericht über den Personensuchdienst "Wiedersehen macht Freude". Ein verlorenes Familienmitglied über Anfragen bei Behörden und Institutione zu finden, kann man als verständiger Mensch zwar ohne weiteres selbst in die Hand nehmen, wenn man allerdings die Zeit nicht investieren kann, lohnt sich vielleiht die Beauftragung einer derartigen Agentur, zumal dadurch noch ein diplomatischer und sondierender Vermittler zwischen Suchendem und gesuchter Person tritt.

Gerade in Deutschland gab es durch Krieg und Nachkriegszeit schwere Verwerfungen und ungeklärte Verluste in Familien, die durch derartige Suchen wieder gekittet werden können, wobei für Vertriebene und Kriegsvermisste im engeren Sinn immer noch der Suchdienst des Roten Kreuzes zuständig ist.

Montag, 29. Dezember 2008

Huntington tot

Samuel P. Huntington ist gestorben. Ein wohlwollender Nachruf findet sich im Tagesspiegel.

Auch Gérard Bökenkamp stellt unter Beweis, dass er Huntington wenigstens gelesen hat. Da habe ich sonst bei den tausenden von Trash-Kommentaren zu Huntington in der deutschen Presse meine Zweifel.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Weitere Kritik am Zentrum für Antisemitismusforschung

Eine lesenswerte Reaktion auf die Konferenz des Zentrums für Antisemitismusforschung "Feindbild Jude - Feindbild Muslim" findet sich bei Clemens Heni.

Er verweist auf die enormen Unterschiede zwischen Antisemitismus und "Islamopobie": Vor allem ist zu bemerken, dass die Juden in der Vergangenheit bis heute den Hass auf den Kapitalismus abbekommen haben und abbekommen. Er notiert auch den Paradigmenwechsel, den die Konferenz mit dem Vergleich vornahm, den im deutschen Blätterwald schon kaum jemand mehr skandalisierte, wie das vor einigen Jahren sicherlich noch der Fall gewesen wäre.

Verglichen muss allerdings auch Clemens Heni haben, wie könnte er sonst die Unterschiede benennen?

Hier noch der Link zu Matthias Küntzel "Zentrum für Antisemitismusforschung auf Abwegen".

Derweil hat schon längst Mitte dieses Jahres in England eine wissenschaftliche Konferenz mit genau demselben Thema wie die des ZfA stattgefunden.

Die Klage von europäischen Moslems sie seien "die neuen Juden" findet sich ebenfalls nicht nur in Deutschland.

Der muslimische Blogger von Islamically Incorrect aus Deutschland trägt allerdings gleich richtig dick auf und warnt vor der "Auferstehung des nächsten Holocausts", womit er einen zukünftigen Völkermord an den Muslimen meint.

Mit diesen teils wohl durchaus ernstgemeinten Ängsten muss man sich zwar auseinandersetzen, darf sie aber nicht auch noch schüren.

Unruhe der Zukunft

Eine CIA-Analyse prognostiziert bürgerkriegsähnliche Zustände in Europa für das Jahr 2020. Eine Studie erwartet aber auch mittelfristig Unruhen in den USA.

Washington Post, 1. Mai 2008: CIA Chef Sees Unrest Rising With Population.

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Alan Posener, Äpfel, Birnen

Auf den Geschmack gekommen, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, ist auch Alan Posener. Hier vergleicht er den Koran mit den Protokollen der Weisen von Zion. Beides diene zum Beweis einer Verschwörung zur Erlangung der Weltherrschaft. Unterschied: Die Protokolle der Weisen von Zion sind von Antisemiten (genauer: dem zaristischen Geheimdienst) frei erfunden und eine Fälschung, ohne jeden Belang für das Verhalten von Juden. Der Koran ist für Muslime hingegen verbindlich und wird von diesen als authentisch angesehen.

Ist das nicht eigentlich islambeleidigend und antisemitisch zugleich, was Posener da von sich gibt? So kann es enden, wenn man als Liberaler zwischen den Eiferern vermitteln will.

Man muss fragen, ob der Vergleich mit Judentum und Antisemitismus die Sicht auf den Islam und die Islamfeindlichkeit nicht mehr vernebelt, als sie erhellt.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Zentrum für Antisemitismusforschung im politischen Fahrwasser

Vergleichen kann man alles, auch Äpfel und Birnen. Das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) widmete sich am vergangenen Montag dem Vergleich "Feindbild Jude - Feindbild Muslim". Derartige Vergleiche seien zulässig, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten festzustellen, so Wolfgang Benz, Leiter des ZfA, eine Gleichsetzung bedeute dies keineswegs. Welche Gemeinsamkeiten zwischen dem (historischen) Antisemitismus und der "Islamophobie" erkennen die Wissenschaftler? Unter dem Strich verbleibt in der Schnittmenge, dass 1. Muslime wie (einst) Juden zunehmende als aggressiver Störfaktor in der Gesellschaft wahrgenommen würden,
2. Muslimen wie (einst) den Juden der Vorwurf gemacht werde, sie würden täuschen, lügen und betrügen. Verglichen wurden ferner die Bemühungen von Antisemiten aus dem Talmud die angebliche Schlechtigkeit der Juden herzuleiten mit Bemühungen heutiger Islamkritiker, den Koran zu interpretieren. Recht bemüht wirkt die These von Angelika Königseder, den Muslimen würde wie (einst) den Juden eine Art Verschwörung vorgeworfen, diesmal zur "schleichenden Islamisierung" Europas. Islamisierung lässt sich statistisch mit der Zahl von Muslimen und Übertritten zum Islam messen, wenn Königseder Szenarien und Prognosen über eine "demographische Entwicklung" als "Verschwörungstheorie" bezeichnet, ist das wenig überzeugend. Den Juden wurde als reine Projektion eine Verschwörung zur Erringung der Weltherrschaft vorgeworfen, Islamisten hingegen erklären nachweislich Machtambitionen, so warfen kritische Stimmen auf der gutbesuchten Tagung ein.

Diese strukturellen Gemeinsamkeiten, die den Forschern um Wolfgang Benz schon ausgereicht haben, um diese Konferenz zu veranstalten, sind also relativ dünn. Interessanter als der Vergleich war daher die Stoffsammlung der Islamfeindlichkeit und die dichte Analyse etwa einer Webseite wie Politically Incorrect durch Yasemin Shoeman. Welches "Feindbild Christ" bzw. "Feindbild Ungläubiger" in der islamischen Welt bestehen könnte, wurde eher versehentlich angedeutet, leider nicht ausgebreitet, man konnte dies aber indirekt erahnen, da die Vorträge starken islamophilen Agitationscharakter gegen Islamkritiker wie Udo Ulfkotte und Alice Schwarzer hatten. Dass die "Islamophobie" dem historischen Antisemitismus immer ähnlicher werden könnte, wurde von Wolfang Benz Befürchung für die Zukunft geäußert, für den Fall, dass Muslime in gesellschaftlich anerkannte Berufe wie Arzt, Mediziner oder Lehrer vorrücken. Das Zentrum hält die Differenzierung zwischen "dem Islam", den es also monolithischen Block sowieso nicht gebe, und Islamismus für sinnvoll und unbedingt geboten, um die Muslime in Deutschland vor Vorurteilen und Verallgemeinerungen zu verschonen.

Ob es dem Zentrum für Antisemitismusforschung gelingen wird, inmitten des "Clash of Civilizations" die gebotene wissenschaftliche Neutralität zu wahren? Der Vortrag von Juliane Wetzel über islamisierten Antisemitismus kam fast wie ein Feigenblatt daher. Die deutsche Gesellschaft nicht mehr die gleiche wie vor 70 Jahren, sie ist nicht mehr so dynamisch und vergreist zusehends. Es spricht also viel dafür, dass diejenigen, die auf die Wiederholung der deutschen Geschichte warten, vergeblich bangen müssen, wenn sie ihre eigenen Parallelisierungen denn tatsächlich für relevant erachten.

Am Hintereingang der Veranstaltung lag Werbematerial der Jusos aus.

Samstag, 6. Dezember 2008

Helmut Schmidt räsoniert über die Weltlage...

Was der hochbetagte Ex-Kanzler Helmut Schmidt zur Weltlage äußert, wird schrittweise unerträglicher. Hier beklagt er eine mangelnde Sensibilität des Westens gegenüber dem Islam. So weit so richtig, so wünschenswert. Aber die Beispiele, die er bringt? Die mangelnde Sensibilität äußere sich darin, dass der Westen wiederholt in "islamische Staaten" einmarschiere. Dazu rechnet Schmidt Bosnien und das Kosovo!
Warum ist "der Westen" denn in Bosnien (ehemals Jugoslawien) und das Kosovo (ehemals Serbien) eingerückt? Um Muslime vor ethnischer Verfolgung zu schützen! Und leben nicht in Bosnien beträchtliche nichtmuslimische Bevölkerungsanteile?

Schmidt ist übrigens relativ kritisch gegenüber Israel eingestellt. Ich lese dazu gerade einen Aufsatz von Shlomo Shafir, "Helmut Schmidt: Seine Beziehungen zu Israel und den Juden."

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Migrationsbericht: Deutsche verlassen die BRD

Der Migrationsbericht für 2007 ist da. Demnach verliert Deutschland 55091 deutsche Staatsangehörige mehr ans Ausland, als hinzukommen, also eine ganze mittelgroße Stadt. Dafür stoßen 99003 Ausländer mehr ins Land, als Ausländer abwandern. Ingesamt ist die Wanderungsbilanz positiv. Über die Qualifikation der Zu- und Abgewanderten sagt der Bericht nichts. Es ist wohl aber so, dass eher die Hochqualifizierten das Land verlassen, ohne durch hochqualifizierte Einwanderer ersetzt zu werden.

Wenn Jugend in der Realität landet...

...kommt ein derartiger Artikel über die bedrohte Situation des Wesents in einer neuen Weltlage heraus. Statt um die weltweite Verbreitung von Menschenrechten wird es für den Westen zunehmend ums Überleben gehen. Pluriversum statt westliches Universum steht bevor. Aber nicht von heute auf morgen. Man muss nicht gleich das Ende des "neuenglischen Weltpolizisten" (Bettina Röhl) ausrufen, weil erstmals kein "Weißer" zum amerikanischen Präsidenten gewählt worden ist.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Die Sprache in der Bundesrepublik Deutschland ist Deutsch?

Die CDU will jetzt Deutsch als "die Sprache in der Bundesrepublik Deutschland" festschreiben lassen.

Die Amtsprache in Verfassungen festzuschreiben ist international nichts Ungewöhnliches. Denn Urhebern des Grundgesetz schien Deutsch als Amtsprache wohl so selbstverständlich, dass sie sie gar nicht ins Grundgesetz schrieben.

Erstaunlich finde ich aber die Formulierung, die in der Tat zum Ausdruck bringt, dass es noch um viel mehr geht, als um die Amtssprache, es geht offenbar darum, die Landessprache normativ festschreiben zu wollen.
Da muss man fragen, ob sich der Gesetzgeber damit nicht überhaupt überhebt, denn ist stimmt nun einfach nicht, dass auf dem Gebiet der Bundesrepublik nur Deutsch gesprochen wird, und ich halte das auch nicht für durchsetzbar. Bestimmte Nationalsprachen durchzusetzen und Minderheiten Sprachverbote zu erteilen, hat man in der nationalitischen Vergangenheit Europas in verschiedenen Ländern versucht, das hat dann zu schlimmen ethnischen Konflikten geführt.

Dagegen, Deutsch als Amtssprache nicht mehr nur wie bisher einfachgesetzlich, sondern grundgesetzlich festzuschreiben, spricht unter dem Gesichtspunkt der Deregulierung eigentlich nichts, die einfachgesetzlichen Regelungen erübrigen sich damit. Wenn Deutsch im Grundgesetz festgeschrieben wird, lässt sie sich das Deutsche allerdings nicht mehr wieder so leicht als Amtssprache rückgängig machen. Der CDU-Beschluss zeigt damit paradoxerweise an, dass viele die deutsche Sprache in jeder Hinsicht bedroht sehen, sogar CDU-intern.

Ministerpräsident Günther Oettinger meinte einmal:
„Englisch wird die Arbeitssprache. Deutsch bleibt die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest.“


Langfristig ist wohl die Ergänzung des Amtssprachenkatalogs mit Englisch (und auch Türkisch) denkbar. Wie sonst soll Deutschland in der Globalisierung mithalten können?

Dienstag, 2. Dezember 2008

Rote Armee Fraktion und rotgrüne Bundesregierung

Der Gedanke kam mir heute: Ist es Zufall, dass die RAF den bewaffneten Kampf einstellte, als Rot-Grün im Bund an die Macht kam - 1998? Immerhin brachte diese Regierung ja ehemalige RAF-Anwälte und -Sympathisanten in höchste Ämter.

Über "Islamophobie" und "nützliche Idioten"

Eine lesenswerte Stellungnahme von Gideon Böss zum pseudopsychologischen Begriff "Islamophobie".

"Die Deutschen sind im Zweifelsfall eher islamophil als islamophob und in Wahrheit weder das eine noch das andere."


Interessant sind auch die Kommentare zum Eintrag von Böss. Ramon Schack meldete sich zu Wort, und bezeichnete die Politically-Incorrect-Fraktion als "nützliche Idioten" der Islamisten und "Mullahs" Der Ausdrück "nützliche Idioten" stammt von Lenin. In der Bundesrepublik wurde er während des Kalten Krieges von Konservativen benutzt, um linken Friedensaktivisten und Intellektuellen vorzuhalten, sie seien doch nur die nützlichen Idioten der Machthaber in Moskau.
Robert Redeker bezeichnete ,eher im Gegensatz zu Ramon Schack, diejenigen, die Islamkritik als "islamophob" abkanzeln, als nützliche Idioten der Islamisten.

Sonntag, 30. November 2008

Stadtschloss Berlin: Endlich eine Entscheidung...

...., die aber aus Sicht von Lür Waldmann von der Stadtschloss Berlin Initiative nicht die Optimale ist:


"Hier wird sichtbar, dass in der Politik Geld überhaupt keine Rolle spielt, es geht bei Entscheidungen nur darum, was die Politiker wollen. Da wird ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, ohne dass das Nutzungskonzept für das Gebäude feststeht. Wir befürchten, dass sich so die Kosten für das Humboldtforum deutlich erhöhen werden. Wenn die Nutzung irgendwann klar ist, wird das Architektenkonzept angepasst werden und das
kostet Geld. Dies soll mit Steuergeldern finanziert werden, die dann bei der Beseitigung von Straßenlöchern und der Sanierung der Schulen fehlen."


Die Stadtschloss Berlin Initiative setzt seit 2001 auf ein eigenes Konzept zur Errichtung des Stadtschlosses mit allen vier Fassaden -also mit dem Renaissanceflügel- und der Kuppel über dem Eosanderportal sowie dem
vorgelagerten "Apothekerflügel". Der Wiederaufbau soll privat finanziert werden und das Schloss - mit Humboldt-Forum, wenngleich auf kleinerer Fläche - privatwirtschaftlich betrieben werden.
Weitere Informationen unter www.stadtschloss-berlin.de

Der Entwurf des italienischen Architekten Francesco Stella wirkt, was die Spreeseite anbelangt, in der Tat etwas trist - Neo-Renaissance, Italien 1930er Jahre. Ob man damit die Gegend wiederbeleben kann? Kleinräumige und aufgelockerte Renaissance-Architektur wäre etwas gewesen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Nutzung wenigstens nicht rein museal wird, wie der Staat plant.

Samstag, 29. November 2008

Westerwelle, der deutsche Obama?

Gegen eine Einordnung von Obama als Sozialdemokrat wendet sich dieser Beitrag im Tagesspiegel.
Möglicherweise war das Hochjazzen Obamas in Deutschland eher ein Ausdruck der sozialdemokratischen Tendenzen und Sehnsüchte hierzuland. Aber auch Linke in den USA sehen sich getäuscht.

John le Carré

Ein lesenswertes Interiew mit John le Carré in der FAZ.

Carré erkennt einen hohen Standard des Freiheitsschutzes in Deutschland an und verweist auf die totaldemokratische Vergangenheit Englands. Er registriert auch den "Sinn für Selbsthass" als aktuell nationale Besonderheit der Deutschen.

Freitag, 28. November 2008

Vermächtnis des Widerstands

Christian Graf von Krockow schrieb über das Vermächtnis des Widerstands gegen Hitler, der sich zu weiten Teilen aus Angehörigen der "alten Milieus", insbesondere dem Adel, dem Christentum und der Arbeiterbewegung rekrutierte:

[Die demokratische Gesellschaft] lässt den Menschen ihren eigenen Willen, der aufs Vorwärtskommen, auf die Zukunft, das persönliche Wohlergehen, die `Selbstverwirklichung` richtet. (...) die alten Milieus gleichen Erinnerungsbildern, die allmählich verblassen. Sogar die Familienbindungen verlieren immer mehr an Kraft.[...] Was immer dabei der Ertrag, der Zuwachs an Freiheit sein mag, der uns zufällt und gewiss nicht gering ist, im Blick auf eine künftige Gewaltherrschaft besagt der Sachverhalt, dass wir ihr beinahe hilflos ausgeliefert sein werden. Denn wo noch sollten wir vor ihr eine Zuflucht, wo den Rückhalt finden, aus dem die Möglichkeit zum Widerstand erwächst? In Büchern oder Filmen, die die Zukunft ausmalen, findet sich natürlich immer ein Held, der das Gebäude des Bösen zum Einsturz bringt. Aber dürfen wir darauf vertrauen? Um es deutlich zu sagen: Ein Claus Stauffenberg wird kaum wiederkehren, und dann mit einer verdoppelten Sprengladung erfolgreich sein. Kaum zufällig erscheint uns manches an ihm inzwischen als fremd, und das hat damit zu tun, dass die Jugendwelt, in der er aufwuchs, nicht mehr die unsere ist. Rechtzeitig vorbeugend handeln. Das ist ein Vermächtnis des Widerstands." (Christian Graf von Krockow: Eine Frage der Ehre, Hamburg 2004, S. 165 ff.)

Das um sich greifende Präventionsdenken ist demnach ein Ausdruck der Schwäche, die die vereinzelten Individuen in den westlichen Gesellschaft heute empfinden. Dabei droht, dass sich die Demokratie Angst vor Islamisten, NPDlern und anderen totalitären Bedrohungen auch von innen heraus totalitarisiert, das ist dann ein schleichender Prozess, in dem durch immer neue "BKA-Gesetze" die Grundrechte weiter durchlöchert und ausgehöhlt werden und schließlich jegliche gefährlich erscheinenden Abweichler "zivilgesellschaftlich" ausgegrenzt und sozial vernichtet werden. Eine Demokratie mit langer geschichtlicher Tradition wird die befristete Kappung von Grundrechten im Kriegsfall überleben. Was ist aber, wenn sich der Kriegszustand über Jahrzehnte hinzieht? Gegenwärtig ist zudem die Lage so, dass der antitotalitäre Grundkonsens, von dem Krockow mit seiner Zurückweisung sozialitischen Utopismus noch ausging, in der BRD durch die DDR-Ideologie des "Antifaschismus" weitgehend verdrängt worden ist, was mit einer weit offenen Flanke gegenüber den freiheitsfeindlichen Bestrebungen der Linkspartei einhergeht. Die Idee Krockows zum Schutz der Demokratie "rechtzeitig vorbeugend" zu "handeln" ist übrigens keineswegs neu. In der Demokratie des antiken Athens gab es das Scherbengericht (Ostrakismus) mit dem jeder außer Landes verbannt werden konnte, der als Gefahr für die Demokratie erschien, ohne eines Vergehens überführt worden zu sein. Offensichtlich führt ein solches Verfahren zu großer Willkür, es soll die Athener auch um ihre besten Männer gebracht haben, wenn auch die Quellenlage wenig hergibt.


Eine Adnote: Krockow erkennt auch die Nähe der historischen Stauffenberg-Figur zu den Superhelden-Figuren der amerikanischen Comic-Industrie. Kein Wunder, dass sich ein Superman-Fan jetzt der Umsetzung der Stauffenberg-Geschichte fürs Kino angenommen hat. Stauffenberg als Figur aus der Realität ist mit seinem Vorhaben weitgehend gescheitert, also kein Happy End, immerhin hatte er aber den Erfolg, die Existenz einer deutschen Widerstandsbewegungen unter Beweis zu stellen, was oft ein Anliegen derartiger Gruppierungen ist.

Donnerstag, 27. November 2008

Der "moderne Präventionsstaat" wird ausgebaut...

...und die Befugnisse des BKA werden erweitert. Das letzte Wort in dieser Sache wird wohl das BVerfG haben. In den medialen Kommentaren zum neuen Gesetz tauchen böse Worte wie "Geheimpolizei" und "Totalitarismus" auf.

Was mir auffällt ist, dass anscheinend das Kostenargument gegen den "modernen Präventionsstaat", wie ihn Juristen nennen, keine Rolle spielt. Das muss doch alles ein Schweinegeld kosten, Menschen zu verfolgen, die (noch) gar keine Verbrechen begangen haben.

Über die Mächte der Zukunft

Der US-Geheimdienstrat hat eine Prognose über die Weltlage im Jahr 2025 veröffentlicht. Demnach könnten Kanada und Russland vom Klimawandel profitieren. Ebenfalls werden Indien und China zu den Mächten der Zukunft gehören. Der Stern der USA sinkt, teils weil der Aufstieg der anderen Mächte wirkt wie ein Abstieg der USA wirke, teils weil wirtschaftlich und politische Macht vom Westen in den Osten transferiert werde. Die EU wird für überbordende Blockade-Demokratie kritisiert. In einem mittelosteuropäischen Land könnte das organisierte Verbrechen die Macht übernehmen. Weltweit wird es Kriege um die knapp werdenden Ressourcen geben. Die Menschheit hat sich exponentiell vermehrt, die natürlichen Ressourcen sind endlich. Kann sich jeder ausrechnen, was da passieren wird.

Auf die zunehmend multipolare Welt hat schon Helmut Schmidt hingewiesen. Und auf den relativen Abstieg des Westens durch den Aufstieg der anderen Gabor Steingart.

Auch die Auflösung des El-Kaida-Netzwerks wird prognostiziert. Damit sind freilich nicht Entwicklungen gemeint, die von heute auf morgen stattfinden. Der islamistische Terrorismus wird noch längere Zeit eine Gefahr darstellen.



Lesehinweise:
Gabor Steingart: Weltkrieg um Wohlstand
Helmut Schmidt: Die Mächte der Zukunft

FAZ will die LINKE nicht im Haus, und die

...beschwert sich prompt. Lesenswerte Kampfansage der FAZ an diese Partei.

Es ist noch lange nicht vorbei...

...der islamistische Terror geht weiter. Jetzt mit einer ungeheuerlichen Anschlagswelle in Indien.

Mittwoch, 26. November 2008

Wenn Religion verboten gehört

Eine Seminarbeit über die prinzipielle Verbietbarkeit verfassungsfeindlicher Religionsgemeinschaften.

Wie Lafontaine Freiheitsrechte relativiert

In diesem Interiew äußerte sich Oskar Lafontaine wie folgt:

"[...]was nützt einem Aids-Kranken in Afrika die Pressefreiheit? Der braucht eine gesundheitliche Versorgung".



Eckhard Jesse schreibt dazu:

"Wieso soll für einen Aids-Kranken Pressefreiheit unnütz sein? Wäre mit Unfreiheit Aids-Kranken zu helfen? Es verbietet sich, den Wert der Freiheit derart zu relativieren. Als Vorsitzender einer Partei des smarten Extremismus kann Lafontaine solche verräterischen Ressentiments bedienen, als Demokrat darf er es aber nicht. Innerparteiliche Kritik wurde nicht laut, auch nicht auf dem Parteitag im Mai 2008, als der Saarländer diese Aussage wiederholte."
(Eckhard Jesse: Die Linke - der smarte Extremismus einer deutschen Partei; 2008, S. 278)

"Erst kommt das Fressen, dann die Moral" - genau diese Logik des bekannten Bertolt-Brecht-Zitats ist es, die sich hinter den Äußerungen Lafontaines auftut.

Warum sich Liberale auf den 20. Juli 1944 beziehen dürfen

Die Widerstandskreise, die hinter dem Hitlerattentat des 20. Juli 1944 standen, weisen nicht nur Bezüge zu einem patriotischen Konservatismus und zur Sozialdemokratie, sondern auch zum Liberalismus auf.
Wortwörtlich wurden sie von Nationalsozialisten als "liberal" gekennzeichnet:

"Das Bekenntnis zur Schuld kam aus einer ethischen Haltung, die die Stauffenbergs und ihre Freunde über die Masse der Mitläufer in allen Schichten der Gesellschaft weit heraushob. Empört stellte einer die Untersuchung gegen die Erhebung führenden Beamten der Geheimen Staatspolizei nach Monaten eingehender Vehöre fest:
'Die ganz innere Fremdheit, die die Männer des reaktionären Verschwörerkreises gegenüber den Ideen des Nationalsozialismus kennzeichnete, kommt vor allem in der Stellung zur Judenfrage zum Ausdruck. Die Erlebnisse der Jahre [vor] 1933 und die auf ein breites Tatsachenmaterial gestützte Aufklärungsarbeit der NSDAP über die Judenfrage ist an diesem Kreis von Personen spürlos vorübergegangen. Trotz aller bitteren Erfahrungen, die das deutsche Volk und wahrscheinlich auch sie selbst bis 1933 haben machen müssen, stehen sie stur auf dem Standpunkt des liberalen Denkens, das den Juden grundsätzlich die gleiche Stellung zuerkennen will wie jedem Deutschen.'
Die Aussagen von Berthold und Alexander Graf Stauffenberg gegenüber ihren Vernehmern belegen diese allgemeine Feststellung auch im Einzellfall."

(Peter Hoffmann: Clauf Schenk Graf von Stauffenberg und seine Brüder, Stuttgart 1993, S. 11. Hervorhebg v. mir)

Die Opposition gegen Hitler kennzeichnete sich auch selbst als liberal:

Helmuth James Graf von Moltke berief sich bei seinen Kontaktversuchen zu den Engländern "in Istanbul auf ungenannte Personen in hohen und militärischen und zivilen Stellen, sowie andere >liberale< Elemente und Arbeitervertreter" (S. 357).

Die Zielsetzung der Fronde des 20. Juli weist mit der Wiederherstellung der von Hitler außer Kraft gesetzten Grundrechte der Weimarer Verfassung unverkennbar liberale Gehalte auf (S. 343). Die "Regierungserklärung", die unter Mitarbeit Stauffenbergs entstand, erkennbar aber vom wirtschaftliberalen Nationalkonservativen Carl Goerdeler geprägt war, umfasste:
"Wiederherstellung des Rechts; Wiederherstellung der Moral; Kampf gegen die Lüge der Propaganda; Wiederherstellung der Freiheit des Geistes, des Gewisssens, des Glaubens und der Meinung; Erneuerung der Erziehung und Bildung der Jugend auf christlich-religiöser Grundlage bei äußerster Duldsamkeit gegenüber Andersgläubigen,...,eine neue Verfassung, grundsätzliche Freiheit der Wirtschaft; ausgleichende Sozialpolitik; ... Zur Wiederherstellung des Rechts gehörten Rechtsgleichheit, ...die Bestrafung rechtsbrecherischer Richter, die Sicherheit der Person und des Eigentums, die Auflösung der Konzentrationslager, die Festsetzung einer Verfassung mit Zustimmung des Volks und der Frontsoldaten... Die Judenverfolgung, 'die sich in den unmenschlichsten und unbarmherzigsten, tief beschämenden und gar nicht wiedergutzumachenden Formen vollzogen hat', werde sofort eingestellt. Die Androhung, alle Rechtsbrecher werden der verdienten Strafe zugeführt, gilt natürlich auch für die hier Schuldigen."
(S. 346 f., Hervorhebg v. mir)

Donnerstag, 20. November 2008

Aktion Freiheit

Der unermüdliche Marco Kanno hat eine "Aktion Freiheit" gestartet. Alles noch im Aufbau begriffen, aber vielleicht finden sich ja schon bald viele Miststreiter. Vernünftige Portale, die Bürgerinnen und Bürger nicht nur über Rechtsextremismus, sondern auch über Linksextremismus und Islamismus informieren, tun in der Tat Not. Politically Incorrect hat zu viele Trash-Artikel und verbale Entgleisungen in den Kommentaren (jüngst gegen Obamas Mutter). Über linksextreme Gewalt-, Aktions-, und Agitationsformen gibt es überhaupt nichts speziell Zugeschnittenes. Die Lektüre des Tagesspiegels bringt einiges: Der Tagesspiegel ist eigentlich ein linksliberales Blatt, das allerdings angesichts der zugespitzten Situation in Berlin linke Gewalt in der Berichterstattung nicht ignorieren kann, wenn es sich vor den Lesern nicht unglaubwürdig machen will.

Marco Kanne ist mit seinen Ausflügen in den Anarchismus auf jeden Fall selbst Extremismus-Experte. Auf seinem Profil bei studivz findet sich folgender Ausspruch:
"Extremism in the defense of liberty is no vice.“ -- Barry Goldwater

Montag, 17. November 2008

Rebellionspotential entlädt sich

Erst im Oktober warnten Soziologen vor einem zunehmenden "Rebellionspotenzial", halb redeten sie es selbst herbei.

Jetzt hat sich ein Schülermob, offensichtlichst unter agitatorischem Einfluss von Linksextremen, bei Protesten in Berlin ausgetobt. Dabei tobte er auch gegen eine Ausstellung über jüdische Unternehmer.

Jens Jessen scheint mit seiner Brandrede über die "Jugend ohne Charakter" und "traurige Streber" Erfolg gehabt zu haben.

Über die konkreten schulpolitischen Forderung in Berlin vermag ich nicht zu urteilen. Ich selbst habe noch in 13 Jahren Abitur gemacht. Schon den Nachmittagsunterricht, den ich nur in der 11. Klasse zu genießen hatte, fand ich allerdings unproduktiv. Für Klassen mit nur 20 Schülern dürfte im Armenhaus Berlin das Geld nicht reichen.

An den Universitäten ist eigentlich ähnliches passiert: Die Professoren haben es sich bei der Bachelorreform leicht gemacht und denselben Stoff einfach auf weniger Semester zusammengeschoben. Studenten klagen über Überforderung, Leistungsdruck und psychische Probleme, putschen sich mit leistungssteigernden Drogen auf. Ich denke, auch hier wird sich bald einiges entladen.

Sonntag, 16. November 2008

Huntington revisited

Gunnar Heinsohn hat darauf hingewiesen, dass Samuel Huntington bereits in seinem Buch "Clash of Civilizations" von einer kulturalistischen auf eine demographische Betrachtungsweise umgeschwenkt sei, die den "youth bulge", einen hohen Anteil von jungen Männern in einer Gesellschaft, in Rechnung zieht:

"Während der Aufstieg Ostasiens durch [...] Wirtschaftswachstum angeheizt worden ist, ist die Resurgenz des Islam durch nicht minder spektakuläre Raten des Bevölkerungswachstums angeheizt worden. Das riesige Reservoir an oft beschäftigungslosen Männern zwischen 15 und 30 ist eine natürliche Quelle der Instabilität und Gewalt innerhalb des Islam wie gegen Nichtmuslime. Welche anderen Gründe auch sonst noch mitspielen mögen, dieser Faktor allein erklärt zu einem großen Teil die muslimische Gewalt."


(Huntington 1996, zit nach Gunnar Heinsohn: Söhne und Weltmacht 2008, S. 31)
Gunnar Heinsohn verdeutlich die demograpischen Ungleichgewichte zwischen Orient und Okzident:

"Die Palästinenser im Gazastreifen hingegen kämpfen im youth bulge-Bereich mit etwa 50 Prozent unter 15 Jahren um den aktuellen Welthöchststand außerhalb Schwarzafrikas. Im Jahre 2002 kommen auf 1000 Araber in Gaza 42 Geburten (1998 sogar noch 50), dagegen 2002 in Deutschland und Österreich 9, der Schweiz 10, den USA 15 (PRB 2003). In der übrigen islamischen Welt hat 2002 lediglich Afghanistan (43 auf 1000) eine höhere Geburtenrate als Gaza, in der arabischen Welt liegt Yemen mit 44 Geburten auf 1000 noch vor dem Palästinensergebiet. Womöglich gilt das auch für Saudi-Arabien, wenn man nur die arabische Bevölkerung ( 18 von 23,5 Millionen) betrachtet, da die 5,5 Millionen Fremdarbeiter von der Fortpflanzung weitgehend ausgeschlossen sind. Ohne die Ausländer sind womöglich 55 Prozent der Menschen im Ölland unter 15 Jahre alt. Zwischen 1963 und 2003 steigt die innersaudische Gesamtbevölkerung von 5 auf 18, die jenige Jemens von 5,5 auf fast 19 Millionen." (Heinsohn s. 32 f.)


Diese träge zur "Überrepräsentation von Palästinensern, Yemeniten und Saudis in Führungspositionen des transnationalen Terrorismus" mit bei. (Heinsohn, S. 33) In globaler Perspektive ergibt sich folgendes Bild:


"Das aktuell quantitativ beeindruckendste Beispiel für youth bulges liefern die islamisch geprägten Ländern, die in nur fünf Generationen (1900 - 2000) von 150 auf 1200 Millionen Menschen zugenommen haben und immer noch - neben einigen schwarzafrikanischen Nationen - das Siegesbanner der Fortpflanzung tragen. Zum Vergleich: das immer wieder als Weltbedrohung ... gezeichnete China, hat sich im selben Jahrhundert von 400 auf 1200 Millionen Menschen nur verdreifacht, das Territorium des heutigen Indien von 250 auf 1000 Millionen verfierfacht. " (Heinsohn S. 25)


Laut Heinsohn wäre noch bis ins Jahr 2020 mit Unruhe innerhalb und an den Rändern der islamisch geprägten Weltregionen mit zu rechnen, d.h. wohl auch in Mitteleuropa.




Donnerstag, 13. November 2008

Schwarz-gelb in Hessen?

Es gibt einige Hinweise darauf, dass sich bei den Neuwahlen in Hessen Anfang 2009 ein schwarz-gelbes Bündnis durchsetzen könnte.

Der linke Scherbenhaufen hat sich ja weitgehend unwählbar gemacht.

Die FDP hatte zum letzten Wahlkampf wirklich gute Kinowerbung:



Über die Lage in Neuseeland berichten die FDOG: Gewinner der Wahlen sind Rechtsliberale und Radikalliberale, eine Koaltion ist denkbar. Verlierer sind Sozialdemokraten und eine xenophobe Partei (die allerdings im Gegensatz zu in Deutschland oft völkischen Parteien dieser Art rein ökonomisch gegen Einwanderung zu argumentieren scheint). Ein interessantes Auswanderungsziel bleibt erhalten.

Mittwoch, 12. November 2008

Stauffenberg revisited

Claus Graf Stauffenberg, der Hitler-Attentäter, hat es bis heute nicht leicht in der deutschen Bevölkerung. Vor allem die Linken (zB in Foren) kolportieren zum Zwecke der Diskreditierung mit großer Enthüllungspose bevorzugt ein Briefzitat, dass sich so anhört:

Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun. In Deutschland sind sie sicher gut zu gebrauchen, arbeitsam, willig und genügsam.

Dieses Zitat wurde auch in neueren filmischen Darstellungen eingebaut, sowie im Wikipedia-Artikel zu Stauffenberg, und soll wohl dramaturgisch die Wandlung vom NS-Mainstream-Saulus zum Widerstands-Paulus illustirieren. Harald Steffahn schreibt dazu vor diesem Zitat:

In anderen Briefen an seine Frau Nina gab er [Stauffenberg] seine Eindrücke über Land und Leute wieder, wobei der Tonfall sich in nichts von dem traditionellen deutschen Überlegenheitsgefühl gegenüber den Slawen unterschied:

[...]

Offenbar völlig verträglich mit diesem Weltbild fand er den gehobenen polnischen Lebenstil auf den Landsitzen. In den letzten Stabsquartieren habe ich in ziemlich heruntergekommenen Chateaus herrliche Empirmöbel gesehen. Unwahrscheinlich schöne Sache, bei denen mir die Augen übergehen. Gerade jetzt bin ich einem Landhaus eines sehr kultivierten Künsters mit sehr schöner Bibliothek und fabelhaften Empiresachen, Betten Nachttische, Spiegel, Bücherschränke, klassisch im Stil und so, wie man sie sich vorstellt.


Besser verständlich wird dieser scheinbare Widerspruch, wenn man annimmt, dass Stauffenberg nicht nur vom völkischen Denken seiner Zeit beeinflusst, sondern auch noch im supranationalen altaristokratischen Denken des gehobenen Adels verwurzelt war. Demnach enthielte das Zitat die Wiedergabe des nationalsozialistischen Kriegsplans zur Unterwerfung Polens unter Ausklammerung der Entvölkerungsabsichten Hitlers, verbunden mit zwei Gemeinplätzen einer Konversation in Adelskreisen jener Zeit, nämlich dass der Pöbel unglaublich sei und man auch an die Landwirtschaft denken müsse. (Man beachte auch den Widerspruch von "Pöbel" zu "arbeitsam", einer oft den Deutschen zugeschriebenen Eigenschaft). Steffahn weiter:


Der kultivierte Kenner und Genießer, der auch mit Vorliebe guten Weinen zusprach ..., konnte übergangslos zu unbarmherziger Härte wechseln, wenn sein Rechtsempfinden verletzt wurde. Im Bereich seiner Einheit wurden zwei Polinnen, Mutter und Tochter, mit Taschenlampen auf dem Speicher entdeckt. Da sie angeblich der polnischen Artillerie Zeichen zugeblinkt hatten, ließ ein Unteroffizier sie umbarmherzig erschießen. Stauffenberg brachte den Mann [...] vor ein Kriegsgericht [...] Bei strafwürdigen Taten endete abrupt seine vielgerühmte Kameradschaftlichkeit. Zusätzlich beweist diese Reaktion, daß sein abschätziger Blick auf die slawische Bevölkerung nichts mit Willkür und dem Herrenmenschenwesen gemein hatte, die sich jetzt bei der Besatzungsmacht auszutoben begannen. Nicht lange, und sie trugen mit zu seiner inneren Wende bei.
(Harald Steffahn, Stauffenberg, Hamburg, 1994, S. 56 f.)


Man kann dazu noch anmerken, dass die Bundesrepublik Stauffenberg nicht deswegen gedenkt, weil er bis etwa 1943 das NS-Regime mittrug, sondern weil er es ab 1943 nicht mehr tat. Wohl nicht zufällig überliefert Steffahn nur sehr wenige politische Stellungnahmen Stauffenbergs, da diese zum Teil noch haarsträubender ausfallen, und widmet sich der Ereignisgeschichte. Dass Zitat oben eignet sich in den Händen von Linkspopulisten besonders gut zur Diffamierung, da das Wort "Jude" fällt, womit man Stauffenberg dann auch noch als großen Antisemiten darstellen kann.

Was ein denkbar gewordenes neopopulistisches Regime mit Menschen anstellen wird, die ihr (christliches) Gewissen entdecken und ihre Rechtsvorstellungen gegen die des konformistischen BRD-Volksheims setzen, kann man angesichts solcher Zitat-Attacken gegen historische Widerständler schon erahnen.

Die Widerstandskämpfer des 20. Juli sind übrigens schon relativ früh rehabilitiert worden.

Über noch einen Aufstand des Gewissens in der FAZ: Ypsilanti-Kritikerin Metzger geht.

Montag, 10. November 2008

Obama außenpolitisch

In den "Foreign affairs" hat Barrack Obama Ankündigungen im Jahr 2007 über seine Außenpolitik gemacht, Überschrift "Renewing American Leadership". Obama sieht also die globale Vormachtstellung der USA als beschädigt oder gar aufgehoben an und will sie erneuern.

Einige Dinge, die mir in dem Papier auffielen:

MOVING BEYOND IRAQ

To renew American leadership in the world, we must first bring the Iraq war to a responsible end and refocus our attention on the broader Middle East.


Das hört sich nach einer Ausweitung der amerikanischen Aktivitäten an, die sich allerdings durch mehr Diplomatie auszeichnen sollen.

REVITALIZING THE MILITARY

To renew American leadership in the world, we must immediately begin working to revitalize our military. A strong military is, more than anything, necessary to sustain peace.

Obama hängt also der Meinung an: "Si vis pacem, para bellum."
Wie ist sein Verhältnis zur Gewalt?

I will not hesitate to use force, unilaterally if necessary, to protect the American people or our vital interests whenever we are attacked or imminently threatened. We must also consider using military force in circumstances beyond self-defence in order to provide for the common security that underpins global stability -- to support friends, participate in stability and reconstruction operations, or confront mass atrocities.

Also radikaler Pazifist ist er keiner.

But when we do use force in situations other than self-defence, we should make every effort to garner the clear support und participation of others -- as President George H. W. Bush did when we led the effort to oust Saddam Hussein from Kuwait in 1991. The consequences of forgetting that lesson in the context of the current conflict in Iraq have been grave.

Künftig müssen also die Europäer wieder stärker ran, vor allem Franzosen und Deutsche, die sich beim Irak-Krieg rausgehalten haben.

Wie ist Obamas Ansicht zur Terrorismusbekämpfung?

Although vigorous action in South Asia and Central Asia should be a starting point, our efforts must be broader. There must be no safe haven for those who plot to kill Americans. To defeat al Quaeda, I will build a twenty-first-century military and twenty-first-century partnerships as strong as the anticommunist alliance that won the Cold War to stay on the offense everywhere from Djibouti to Kandahar.

Deutschland sollte darüber darangehen, sich als Einwanderungsland für Islamisten unattraktiver zu machen.
Man darf gespannt sein, was Obama in Zeiten der Finanzkrise denn außenpolitisch umsetzen kann. Manchmal suchen Politiker den Ausweg aus Wirtschaftskrisen im Krieg (Revitalizing the military).

Samstag, 8. November 2008

Mehr oder weniger Antisemitismus in Deutschland?

Die aktuellen Artikel in der WELT zum Thema Antisemitismus bringen mich immer mehr zum Grübeln über den Journalismus dieses Blatts.

Ein Artikel über die Kriminalitätsstatistik wird betitelt mit "Antisemitismus in Deutschland nimmt stark zu",
ohne dass diese Aussage mit Daten im Text belegt wird. Schlechter journalistischer Stil. Der Artikel wird zudem offenbar von der Tagespost abgeschrieben.

Ein anderer Artikel heißt: "Propagandaoffensive der Rechtsradikalen".
Liest man sich diesen durch, könnte man meinen, antisemitische Straftaten seien sogar zurückgegangen:

"Nach Angaben Zierckes wurden zwischen Januar und September dieses Jahres mit 15 280 rechtsextremen Straftaten bereits 8,9 Prozent mehr Delikte erfasst als 2007. Der Anteil antisemitischer Vorfälle lag dabei mit 1108 Delikten bei etwas über sieben Prozent. Das entspreche einem Rückgang von knapp zehn Prozent zum Vorjahr, sagte der BKA-Präsident. 60 Prozent aller registrierten rechtsextremen Straftaten seien Propagandadelikte gewesen, der höchste Anteil seit Jahren. Den Anstieg der Vorfälle führt Ziercke auf einen geänderten Erfassungsmodus der Delikte und auf ein gesteigertes Selbstbewusstsein der Rechtsradikalen zurück."
Aussagekräftig wäre aber nur ein direkter Vergleich der Fallzahlen, so dass auch hier der Leser im Unklaren darüber gelassen wird, wie die Zahlen einzuordnen sind. Wenn die Aussage der Überschrift im Text nicht validiert wird, sind Artikel als Argumentationsstütze wertlos.
Die WELT ONLINE-Artikel strotzen zudem von Tippfehlern. Das bekommt jeder Blogger auch hin.

WELT-Artikel sollte man nicht unkritisch konsumieren.

Islamo-Rebellion im Geschichtsunterricht?

Zwar schon aus dem letzten Jahr, aber diese Meldung aus England ist verlinkenswert schon aus Anlass des 9. November, der auch der Jahrestag der brennenden Synagogen in Deutschland ist. Demnach heben Schulen in England den Holocaust vom Lehrplan, aus Angst vor allem muslimische Schüler könnten sich antisemitisch äußern. Ich denke, derartige Maßnahmen werden nicht ohne Anlass erfolgt sein. Tobt da eine Islamorebellion in den Klassenzimmern?

Donnerstag, 6. November 2008

Der Krieg bringt die Sozialdemokratisierung der USA

Die bevorstehende Sozialdemokratisierung der USA scheint mir auch eine Folge des nun über Jahre andauernden Krieges zu sein. Krieg wird vor allem auf dem Rücken der kleinen Leute ausgetragen. Zumal das untere Gesellschaftsdrittel muss in der amerikanschen Berufsarmee bluten. Die Zustimmung zur Fortsetzung des Krieges muss mit dem Ausschütten des sozialdemokratischen Staatsfüllhorn an Minderheiten und Unterprivilegierte erkauft werden.

Auch die Entstehung der athenischen Demokratie in der Antike geht wohl auf die zunehmende Last, die einfachen Menschen als Ruderer in der Flotte zu tragen hatten, zurück.

In Deutschland gab es den sozialdemokratischen Rutsch nach 4 Jahren 1. Weltkrieg. Auch die Nationalsozialisten erkauften sich Zustimmung zu ihrer Kriegspolitik durch Ausweitung des Sozialstaats.

Darüber hinaus ist halbweiße-halbschwarze Obama auch der erste Präsident der Hispanisierung Amerikas, da sich zumal die Hispanics als rassische Mixidentität sehen, und nicht der erste schwarze Präsident, wie deutsche Leitartikler hinauskrähen, und sich damit den Standpunkt der amerikanischen Rassisten zu eigen machen.

Mittwoch, 5. November 2008

Australien will keine behinderten Deutschen

Deutschland ist kein Einwanderungs- sondern ein Auswanderungsland. Unglückliche Schicksale können Höchstqualifizierte, die in hoher Zahl Deutschland verlassen, ereilen. Einem Arzt droht die Ausweisung aus Australien, da er einen behinderten Sohn hat. Immerhin entfacht dieser zugespitzte Fall von starrem behördlichem Staats-Utilitarismus noch Widerspruch in der australischen Gesellschaft. Die Anglo-Länder geben sich wirklich sehr wählerisch in der Auswahl ihrer Migranten, sie können es sich auch eher leisten als Deutschland, da sie attraktiver für Einwanderer sind.

Montag, 3. November 2008

Von Schalldämpfern, Haartönungen und verlorenen Freiheiten

Einige aus rechtlicher Sicht interessante Fragestellungen wirft dieses Interiew mit Bettina Röhl auf. Die Witwe von Jürgen Ponto, Ignes Ponto, klagt gegen die Macher des Films "Baader-Meinhof-Komplex". Unklar bleibt auf welcher Grundlage. Vielleicht auf Grundlage von § 131 StGB (Gewaltdarstellung)?

Oder zivilrechtlich über Persönlichkeitsrechte, von denen im Interiew die Rede ist? Demgegenüber wird die Kunstfreiheit geltend gemacht.

Ihrer Ablehnung von staatlich finanzierter Kunstproduktion kann man aus liberaler Sicht freilich zustimmen, jedoch bleiben Bernd Eichinger und Uli Edel in ihrer Kunstfreiheit geschützt, auch wenn sie staatlich bezuschusst wurden.

Seltsam, dass Frau Röhl zu ihrer eigenen Position (immerhin tritt sie im Film, wenn auch verfremdet, selbst auf) nicht befragt wird, ist sie doch selbst hochgradig von den Geschehnissen des Eichinger-Streifens berührt. Wohl ein Fall eines abgekarteten Interiews, noch dazu WELT-intern (Röhl bloggt für die WELT).

Die letzten Seufzer der RAF-Bewältigung drehen sich nicht nur um Haarfarben und schallgedämpfte Pistolen, bemerkenswert finde ich Röhls Hinweis auf das untergegangene Deutschland der 1970er Jahre. In diesem wurden mehr Freiheit und vor allem auch mehr Meinungsfreiheit gewährt als heute, meint mancher Zeitzeuge.

Bettina Röhl scheint ähnliches Talent zu haben, sich mit dem heutigen 68er-Establishment anzulegen wie ihre Mutter Ulrike Meinhof als Publizistin mit den Adenauern und kalten Kriegern, worauf das Establishment mit Argumenten ad hominem ("Terroristentochter") reagiert.
Hier legt sie dar, was sich hinter Gender Mainstreaming verbirgt, die Gleichstellungs- und Quotierungsprogramme, mit denen männliche Wesen heute, in einer kollektivistischen Vorstellung von Recht, für vergangene Privilegien ihrer Vorväter büßen sollen (ohne dass zu ersehen ist, wie sie individuell denn von dieser Vergangenheit profitieren könnten).

Eine echte Wucht, diese Frau.

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Bertrand Russel über Liberalismus

Bertrand Russel war ein hochgeachter englischer Mathematiker und Philosoph, der dem damaligen Zeitgeist der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entsprechend wie viele Intellektuelle dem Sozialismus zuneigte, allerdings Bolschewismus und Faschismus ablehnte.

Zur Verteidigung der Menschenrechtslehre schrieb er 1938 in seinem politologischen Buch "Power" mit Zugeständnissen an die Gegner derselben:

"It is customary in our day to pour scorn on the Rights of Man, as a piece of shallow eighteenth-century rhetoric. It is true that, philosophically considered, the doctrine is indefensible; but historically and pragmatically it was useful, and we enjoy many freedoms which it helped to win. (...)
It is obvious that the doctrine is, in origin and sentiment, anti-governmental. The subject of a despotic government holds that he should be free to choose his religion as he pleases, to exercise his business in all lawful ways without bureaucratic interference, to marry where he loves, and to rebel against an alien domination. Where governmental decisions are necessary, they should - so the advocate of the Rights of Man contends - be the decisions of a majority or of their representatives, not of an arbitrary and merely traditional authority such as that of kings and priests. These views gradually prevailed throughout the civilised world, and produced the peculiar mentality of Liberalism, which retains even when in power a certain suspicion of governmental action.
Individualism has obvious logical and historical relations to Protestantism, which asserted its doctrines in the theological sphere, although it often abandoned them when it acquired power. Through Protestantism, there is a connection with early Christianity, and with its hostility to the pagan State. There is also a deeper connection with Christianity, owing to its concern with the individual soul."

(Bertrand Russel: Power, Routledge 2005, S. 90 f.)

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Suizidales Österreich

Österreich weist eine statistische Auffälligkeit auf: Eine im europäischen Vergleich hohe Selbstmordrate. Es kommen doppelt so viele Österreicher durch Selbstmord als durch Autounfälle um. Wo wohl Jörg Haider (142 km/h in der Ortschaft) statistisch hinzuzurechnen ist?

Montag, 27. Oktober 2008

Schwarz-gelbes Bayern

Die Koalition aus CSU und FDP in Bayern ist perfekt. Das ist auch Genugtuung für mich, da ein schwarz-gelbes Bayern genau die Vision war, die mich in meiner Zeit bei den Jungen Liberalen Bayern umtrieb. Ich wurde deswegen bei den JuLis auch "CSUler" gescholten ;-). Zynische CSU-Sympathisanten hingegen erklärten mir, man könne den Bayern auch einen Besenstiel mit CSU-Schild hinstellen, er würde trotzdem gewählt. Ob ein Besenstiel mehr Stimmen als Beckstein geholt hätte?

Für mich selbst kommt das freilich alles zu spät, da ich mittlerweile schon aus dem seinerzeitigen Unfreistaat Bayern abgewandert bin.

Sonntag, 26. Oktober 2008

Nichtwählen ist konservativ?

„Wer sich nicht mit Politik befasst, hat die politische Parteinahme, die er sich ersparen möchte, bereits vollzogen: er dient der herrschenden Partei.“


In diesem Zitat von Max Frisch ist der Wurm drin. Wie ist die Lage bei einem Mehrparteiensystem?

Freitag, 24. Oktober 2008

Warum es keine schwarz-gelbe Partei gibt

Ich bin gerade auf der Suche nach den historischen Gründen für die Spaltung des liberalkonservativen Lagers in Deutschland in CDU und FDP, die ich bedauerlich finde.

Im Westen des geteilten Deutschland hing die CDU anfangs noch den Gedanken eines christlichen Sozialismus nach. Die FDP warf der CDU Klerikalisierung vor, und man entzweite sich über Konfessionsschulen. Letzteres ist wohl ein alter Hut.

In der sowjetisch besetzten Ostzone lagen die Gründe dafür, dass es nach dem Krieg nicht zur Gründung einer gemeinsamen liberalen Partei kam in unterschiedlichen Auffassungen zum Verhältnis von Religion und Staat.

Vielleicht wird der Streit um Laizismus und Trennung von Kirche und Staat einmal libertär aufgelöst.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Das letzte Aggressionsventil

Diese Gedanken von Michael Klonovsky kamen mir in letzter Zeit auch. Der Kampf "gegen Rechts" könnte das einzige Aggressionsventil sein, das noch offiziell in unserer Gesellschaft zugelassen ist. (Gegen den Islam hat man offiziell nichts, man führt nur nolens volens Krieg gegen die Taliban und den Terrorismus) Der Dampf darf nur nach innen abgelassen werden. Die kurzlebigen deutschen Staatswesen brauchen zudem stets neue "Reichsfeinde" um sich zu stabilisieren und den Zusammenhalt neu zu organisieren. Unter Bismark war es der Kampf gegen Katholiken und Sozialdemokraten, unter Bismerkel und unter neosozialistischen Vorzeichen ist es der "Kampf gegen rechts". Wenn man in einer multikulturellen Gesellschaft unbedingt jemand zum Feind erklären, liegt es nahe diesen gegen diejenigen zu richten, die eine kulturell homogene Gesellschaft vorschlagen.
Westdeutsche rechtsgewirkte Kommentaren, die das ganze für einen Kampf gegen Windmühlen halten, übersehen allerdings leicht die Situation in ländlichen Gebieten, die sich in Teilen Ostdeutschlands verdichtet: Dort gibt es die Neonazis wirklich, sie sind kein Phantom.
Es ist auch die internationale Perspektive zu beachten: in vielen westlichen Ländern wird ein Kampf gegen Rassismus initiiert, um die fragilen, von Einwanderung geprägten Gesellschaften zu stabilisieren.

Wir brauchen ein Bollwerk der Freiheit

In Zeiten von Finanzkrise und regulierungswütiger EU würde man sich wünschen, die FDP positionierte sich als entschiedenes Bollwerk der Freiheit. Sie könnte sich Verdienste dabei erwerben, unter Druck geratene Grundrechte und Freiheiten möglichst lange zu sichern und durch den wirtschaftlichen Winter zu bringen. Ein derartiger defensiver Liberalismus gegen die Angriffe auf die Freiheit könnte weiterhin ein stabiles Wählerpotential um sich scharen. Denn ob man in dieser Hinsicht auf die CDU-Orange, die schon farblich zu signalisieren scheint, dass sie kein Kontrastprogramm zur Partei "DIE LINKE" mehr bieten will und im Osten auf kommunaler Ebene sogar mit der Linkspartei zusammenarbeitet, vertrauen kann, ist fraglich. Ein defensiver Liberalismus hätte mehr reaktiv, als Anwalt der bedrängten Freiheit, zu agieren. Die FDP muss aufpassen, dass sie sonst im Strudel des Linkrutsches nicht untergeht.

Hinweis auf eine Veranstaltung des IUF Berlin: Der Angriff auf die Freiheit.

"Wenn das der Führer wüsste..."

Diese in der Bevölkerung des Dritten Reichs gebräuchliche Wendung stammt laut Wikipedia vom "Soldatensender Calais", einem englischen Propagandasender, der sich als deutscher Sender ausgab. Dieses Vortäuschen einer falschen Identität wird "schwarze Propaganda" im Unterschied zur "weißen Propaganda" genannt. "Graue Propaganda" agiert anonym. Zur "schwarzen Propaganda" des englischen Propagandaexperten Sefton Delmer gehörte auch irritierende Sexpropaganda.
Zu seiner Vorgehensweise gehörte, diverse Mißstände anzuprangern, aber diese aus Gründen der eigenen Glaubwürdigkeit nie Hitler selbst zuzuschieben, sondern stets Hitlers Umfeld.

Manchmal kann man wirklich kuriose Sachen in diesem Internet-Nachschlagewerk finden, fragt sich nur, ob es nicht manchmal Propaganda handelt. Wie soll:

"Das geflügelte Wort "Wenn das der Führer wüsste…" ist auf den Soldatensender Calais zurückzuführen."


eigentlich bewiesen werden?

Dienstag, 21. Oktober 2008

INSM-Watchblog hetzt

Eine Finanzkrise zieht unweigerlich eine weitere Verhärtung des gesellschaftlichen Klimas nach sich. Enttäuschung schlägt in Wut um.

Ein Blog, der sich der Beobachtung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft verschrieben hat, der "INSM-Watchblog", geht unter der Überschrift "Zitat des Tages" am 9. Oktober zu offener Volksverhetzung und subtilen Morddrohungen über:

"Das gleich Mitgefühl müßte übrigens auch jeder Blume zuteil werden, die in den Gräbern von INSM-Köpfen wie Martin Kannegiesser, Hans Tietmeyer, Oswald Metzger und all den anderen volksfeindlichen, kapitalfaschistischen Dreckschweinen landen.

Kein Mitgefühl für die neoliberale Volksschädlinge!"



Ich bringe keinen Link angesichts der möglicherweise strafbaren Inhalte dieses "Watchblogs".
Die Adresse lautet: "http://insmwatchblog.wordpress.com".

Eigentlich bin ich auf der Suche nach einem Watchblog über die Partei "DIE LINKE", aber bisher fand ich nichts dazu. Es gibt Watchblogs zu CDU, SPD, FDP, NPD (zu letzterer 1-Prozent-Partei gibt es dutzendweise, zuzüglich der Antifa wohl tausende Watchblogs).

Ich frage mich, ob es wohl wieder so geht wie in den 60er/70er Jahren, als sich die Öffentlichkeit zunächst der Bekämpfung der NPD verschrieb, bis diese wieder aus den Parlamenten vertrieben war, um dann unvorbereiteterweise vom RAF-Terror von links eingeholt zu werden.

Ist staatliche Finanzmarktstabilisierung mit Liberalismus vereinbar?

Wenn es nach diesem schon älteren Kommentar von Gerald Braunberg in der FAZ geht, könnte das durchaus der Fall sein:

"Nach dem Verständnis dieser Neoliberalen durfte der Staat sich keineswegs auf die Rolle eines Nachtwächters zurückziehen, sondern sollte die Rahmenbedingungen herstellen und sichern, ohne die eine freie Gemeinschaft von Menschen nicht auf Dauer friedlich zusammen leben kann. Becks Vorstellung, der Neoliberalismus erzeuge einen künstlichen Gegensatz von Staat und Freiheit, ist abwegig. Solche Vorstellungen finden sich allenfalls bei einigen versprengten Radikalliberalen (vorwiegend in den Vereinigten Staaten), die Freiheit und Anarchie miteinander verwechseln. [Gemeint sind: Libertäre/Anarchisten]

Nein, der Neoliberalismus braucht den Staat ... Der neoliberale Staat sorgt für einen verlässlichen Rahmen, indem er Rechtssicherheit und Vertragsfreiheit garantiert, das Privateigentum und den Wettbewerb schützt, eine stabile Währungsordnung garantiert und ansonsten weitgehend Marktfreiheit zulässt. ... Man wird daneben keinen bedeutenden Neoliberalen finden, der eine finanzielle Grundsicherung für in Not geratene Menschen ablehnt; wie man diese organisieren kann, hat Milton Friedman mit seinem Konzept einer negativen Einkommensteuer gezeigt."


Den Ausführungen in diesem Beitrag zufolge stehen Neoliberale für die zeitgenössische und gemäßigste Variante des Liberalismus, dann kommen die Laissez-faire-Liberalen, die wohl den klassischen Liberalismus repräsentieren, der den Nachtwächterstaat fordert. Am radikalsten sind die Libertären, die amerikanischen Anarchisten, die Freiheit im Sinne von absoluter Herrschaftsfreiheit verstehen.

Neoliberal wird daneben auch als linker Kampfbegriff wohl für alles verwendet, was sich liberaler als die klassische Sozialdemokratie positioniert.

Sonntag, 19. Oktober 2008

Mal nicht der Markt als Schuldiger, sondern der Krieg

Im Cicero bietet Wolfram Weimer den Irak-Krieg als Ursache der derzeitigen Finanzkrise an.

Kriegführen ist eine essentielle Staatstätigkeit, er kostet und bingt zunächst als solcher nichts ein. Was an Munition verpulvert und Tank-Sprit verbraucht wird, ist quasi verbranntes Geld, vernichtete Werte.

England macht dicht?

Diesem Bericht in der WELT zufolge fordert der englische Einwanderungsminister Phil Woolas den Zuzug von Ausländern zu begrenzen.

Die Argumentation:

Diese Regierung wird es nicht zulassen, dass die Bevölkerung auf 70 Millionen ansteigt“, sagte er. Dem Minister zufolge könnte die durch die Finanzkrise steigende Arbeitslosigkeit bei zugleich erhöhter Einwanderung zu sozialen Spannungen führen.


Auf dem EF-Blog findet eine interessante Darstellung der Situation in England, der anschaulich macht wie sich ein weiteres Fortschreiten in die multiethnische Gesellschaft anfühlen wird.
Theodor Dalrymple: Verwirrung der Zungen

In Deutschland werden sich Prognosen zufolge die allerding die Verhältnisse möglicherweise nie so in diese Richtung zuspitzen wie in England.

Religionsfreiheit in den USA?

Zur Religionsfreiheit, wie sie in Deutschland gewährleistet wird, gehört auch, keinen Glauben zu haben, ohne deswegen Diskriminierungen ausgesetzt zu sein.
Wie ist die Situation für Agnostiker und Atheisten in den USA? Dem folgenden Video zufolge überaus schlecht.





Jetzt verstehe ich auch, warum es heißt, die USA seien ein "melting pot", keine multikulturelle "salad bowl", Einschmelzung und Unterwerfung unter christlichen Theismus wird Einwanderern offenbar in weiten Teilen das Landes abverlangt.

Samstag, 18. Oktober 2008

Sowjetische Gewaltherrschaft im Baltikum

Gerade fand ich einen Post über die "Sowjetische Gewaltherrschaft in Estland". Es handelt sich um einen Vortrag, der einem Kongress “Demokratie braucht Erinnerung” 2000 in Schwerin gehalten wurde. Das estnische Blog, auf dem der Vortrag in Deutsch gepostet ist, kann ich in Ermangelung von Sprachkenntnissen nicht einordnen. Die in der Überschrift verwendeten Runen sind in nordischen Ländern weitverbreitete Folklore. Der Vortrag beschreibt den Völkermord an der estnischen Bevölkerung während des Stalinismus und darüber hinaus.

Auch in Estland gab es, wie in Litauen und der Ukraine, einen "Krieg nach dem Krieg" noch nach Ende des 2. Weltkrieges. Die antisowjetischen Widerständler wurden "Waldkrieger" genannt, mehr oder weniger ging es dabei ums nackte Überleben.

Freitag, 17. Oktober 2008

Im Internet kann bald jeder zum Eduard Zimmermann werden

Nicht nur für Libertäre und Liberale interessant: Ein neuartiges Internet-Tool, mit dem Bürger Steckbriefe ins Internet stellen können, um ungeklärte Kriminalfälle auzuklären. Manchmal winkt gar Belohnung. Verbrechensbekämpfung nach dem Motto "Do it yourself!" und "Verlass dich nicht auf den Staat!".
Post a Crime heißt das hier konkret, allgemein ist wohl Neighbourhood Watch on Internet das Thema. Ob kurz oder lang wird das über den Atlantik auch immer stärker nach Deutschland eindringen.

Ausstiegsorganisation geht Geld aus, weil dem Osten die NPD-Wähler ausgehen

Ich weiß zwar nichts Näheres über die Ausstiegssorganisation EXIT, jedoch scheint es tatsächlich so zu sein, dass derartige Inititiaven mehr bewirken als "Gegen-Rechts"-Demos. Es handelt sich auch um eine aufklärerische Methode, die als milderes Mittel gegenüber Sozialhygiene- und Vernichtungsphantasien, die in der deutschen Gesellschaft gegenüber dem Rechtsextemismus spürbar sind, zu bevorzugen ist.
Der Tagesspiegel berichtet gerade darüber, dass dieser Organisation die staatlichen Mittel wegbrechen.

Vielleicht hängt das mit neuesten Wahlumfragen zusammen, die der "Die Linke" große Erfolge voraussagen, und der NPD eine völlige Marginalisierung auch in Ostdeutschland.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Suizidaler Markt?

Aufgrund der Finanzkrise erwartet die WHO die Zunahme von Suizidfällen. Es treffen bereits die ersten Nachrichten über Selbstmorde auch hochrangiger Finanzjongleure ein.

Sind das die "Selbstheilungskräfte des Marktes", von denen Neoliberale wie Hayek sprachen? Gibt es auch im Kapitalismus stalinistische Säuberungen, nur dass sie durch die "invisible hand" durchgeführt werden, die die Akteure selbst an sich Hand anlegen lässt? Von einem schneidigen und konsequenten klassischen Liberalen kann man eigentlich auch den bürgerlichen Ehrentod erwarten, ehe er der Staatskasse zur Last fällt, oder?

Wie es aussieht, geht jetzt der Staat dazwischen, in Deutschland mit einer Eile wie zuletzt nur noch beim RAF-Terror. Personen und Institutionen, die ihr Versagen beim Umgang mit Geld überdeutlich demonstriert haben, dürfen jetzt weiter Unheil stiften und andere Menschen ins Unglück stürzen, etwa den kleinen Steuerzahler, der dafür jetzt gerade stehen soll.

Dienstag, 14. Oktober 2008

Blick von links auf Lichtschlag & Co

Unter der Überschrift "Radikale Schnösel" berichtete schon 2007 das Linksnet über die Pläne des Verlegers André F. Lichtschlag und seine libertäre Truppe. Ein bißchen verwirrt sind die Linken schon, weil sie das Phänomen nicht ganz einordnen können. Mit dem historischen Faschismus haben Libertäre nichts zu tun, weil Hitler und die Faschisten eine Art New-Deal-Politik gemacht und staatliche Wirtschaftslenkung betrieben haben, die Libertäre gerade ablehnen.

In seinen radikalsten und dann in der Tat verfassungsfeindlichen Ausprägungen, die als Anarchokapitalismus anzusprechen sind, liefe der Libertarismus auf eine Art Neo-Feudalismus hinaus, in dem Staaten Privateigentum sind und die öffentliche Sphäre aufgelöst ist. Diese Art von Radikallibertarismus steht dann den Absolutismustheoretikern der frühen Neuzeit plötzlich sehr nah, die durchaus ökonomisch argumentierten, wenn der Staat dem Fürsten gehöre, habe dieser ein Eigen-Interesse daran, den Staat zu erhalten und möglichst gut einzurichten.

Daneben dringt der Begriff libertär aber auch nur als neues Modewort aus den USA in den deutschen Sprachraum ein, und wird oft als ein Synonym für liberal gebraucht.

Bundeswehr führt Tapferkeitsorden ein

Die Bundeswehr hat nunmehr die kontrovers diskutierte Tapferkeitsauszeichnung eingeführt, die nicht an eine bestimmte Dienstzeit geknüpft ist.

Montag, 13. Oktober 2008

Turbulente Zeiten - Zeitungslektüre wird wieder wichtiger

Während die Finanzkrise und etatistischer Machbarkeitswahnt tobt, geht es auch sonst turbulent zu:

Jörg Haider hat sich mit überhöhter Geschwindigkeit per Autounfall ins Jenseits befördert, ein passendes Schicksal für einen Grenzüberschreiter. Seinen Buchtitel "Freiheit, die ich meine" hat er übrigens von einem deutschnationalen Freiheitslied des Dichters Max von Schenkendorf geborgt. Haiders Freiheit war eine sehr volksgemeinschaftliche.

Nordkorea ist nicht mehr auf der US-Liste der "Schurkenstaaten". Den USA wird es anscheinend langsam zu viel der Feinde. Es ist wohl zu erwarten, dass sie auf lange Sicht Asien dem Reich der Mitte als Hegemon überlassen werden.

Katharina Wagner inszeniert "Rienzi", das verpönte Lieblingsstück Hitlers, in Bremen. Der Revoluzzer Rienzi kommt dabei allerdings nicht gut weg, alle nur machtgeil, diese Freiheitshelden. Schade eigentlich.

Marcel Reich-Ranicki sorgt für einen Eklat, indem er den deutschen Fernsehpreis nicht annimmt, da er die massenmediale Verblödung nicht ertragen kann. Recht hat er! "Ich (auch) nicht!", möchte man diesem Widerständler gegen die Stupidität zurufen. Fernseh- und Radioboykott ist angesagt wie nie, allein schon um die GEZ und ihr unmögliches Gebührensystem zu torpedieren. Dieser Blog entstand auch nicht an einem heimischen Rechner, sondern an Uni-Computern, für die ich schon mittelbar über Studiengebühren an die GEZ zahle.

All dies entnehme ich der Printausgabe der WELT. Zeitungslektüre wird wieder wichtiger, damit man nichts verpasst.

Neueste Wahlumfragen - DDR II ante portas

Nach einer jüngsten Wahlumfrage ist die "Die Linke" jetzt stärkste Kraft in Ostdeutschland, noch vor der Blockflöten-Ost-CDU, die noch alte Kader wie Dieter Althaus zu ihren Protagonisten zählt. Die Rechtsextremen sind wieder genauso marginalisiert wie in Bayern. Nachdem mit Overkill-Methoden wie im "Netz gegen Nazis" der ZEIT gerade die letzten braunen Tapetenreste der völkisch-sozialistischen Konkurrenz beseitigt werden, können die Linksextremen um Fremdarbeiter-Lafontaine und Europa-der-Völker-Gysi wohl bald sattes Dunkelrot in der ostdeutschen Stube auftragen.

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Wenn die bunten Fahnen wehen

1. Wenn die bunten Fahnen wehen,
geht die Fahrt wohl über´s Meer,
woll´n wir ferne Länder sehen
fällt der Abschied uns nicht schwer.
Leuchtet die Sonne, ziehen die Wolken,
klingen die Lieder weit über´s Meer.

2. Sonnenschein ist uns´re Wonne,
wie er lacht am lichten Tag.
Doch es geht auch ohne Sonne,
wenn sie mal nicht scheinen mag.
Blasen die Stürme, brausen die Wellen,
singen wir mit dem Sturm unser Lied.

FDP fragt nach Linksextremismus-Bekämpfung

Die FDP-Bundestagsfraktion hat sich bei der Bundesregierung erkundigt, wo denn die Auseinandersetzung mit dem Linksextremismus bleibe.

Bis dahin wäre es ein weiter Weg, da die Dinge so liegen, dass FDJ-Merkel Linksradikale sogar staatlich im "Kampf gegen Rechts" fördert.

Mittwoch, 8. Oktober 2008

RAF-Film spaltet das Land

Die Witwe von Jürgen Ponto hat ihr Bundesverdienstkreuz zurückgegeben. Ich notiere das als eines der vielen Zeichen der Entfremdung von Liberalen und Konservativen von Staat und Gesellschaft (samt staatlich geförderter Kulturindustrie), und als Warnung, wie weh man Menschen bei der Beschäftigung mit Zeitgeschichte und beim Streit um historische Fakten tun kann.

Sonntag, 5. Oktober 2008

Stationierung ausländischer Truppen in Deutschland

Rechtsextremisten behaupten immer wieder, Deutschland sei immer noch von den Alliierten aus dem 2. Weltkrieg besetzt. Bisher konnte ich dazu nur herausfinden, dass englische, amerikanische und französische Truppen "aufgrund von Verträgen" in Deutschland stationiert sind. Man kann also nicht von einer Besetzung sprechen, da diese ein einseitiger Vorgang wäre. Es ist mir allerdings noch unklar aufgrund welcher Verträge: Nato-Vertrag, 2+4-Vertrag oder bilaterale Verträge?

In Nordwestdeutschland befinden sich übrigens auch holländische Truppen im Rahmen einer gemeinsamen deutsch-niederländischen Einheit. Deutsche Flieger üben auch auf Truppenübungsplätzen in den USA.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Daham und Islam

Ein ausführlicher Beitrag zur steigenden Zahl von Konversionen Deutscher zum Islam findet sich in der FAZ. Die jährlichen Konversionen sollen bereits in den fünfstelligen Bereich gehen. Das sieht nach exponentiellem Wachstum aus. Neukonvertierte, nichtorientalische Muslime tun sich viel leichter, neue Anhänger in der deutschen Bevölkerung zu werben. Die bald errichteten Großmoscheen werden als neuartige Werbeplattform ihr übriges tun.

Eine besonders schillernde Figur in der Konvertitenszene ist der ehemalige Boxer und Prediger Pierre Vogel.

Ähnliche Bekehrungsbemühungen wie durch Muslime kenne ich bisher nur von den Zeugen Jehovas, die einem an der Haustür ihre Zeitschrift andrehen wollen, und Evangelikalen (SMD).

Freiheit statt Angst

Jetzt ist es nur noch etwa eine Woche zur nächsten "Freiheit statt Angst" -Demo in Berlin. Am 11. Oktober ist es wieder so weit.

Bemerkenswert finde ich, dass sich auf der Seite der "Freiheit-statt-Angst"-Aktivisten kein Statement gegen die Islamisten findet, die mit Terror die Angst in die westlichen Gesellschaften tragen und so immer mehr staatliche Überwachungsmaßnahmen provozieren.

Angaben über Kriegsverbrechen

Ein umfangreicher Artikel zu den Kriegsverbrechen der Roten Armee findet sich in der Wikipedia. Die Sachverhalte sind offenbar nicht jedem bekannt. Linksextreme leugnen sie sogar zuweilen.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Bruno Ganz rastert die RAF



Da musste ich im Kino fast laut auflachen, als mir klar wurde, dass im Film "Der Baader Meinhof Komplex" die Rolle des die RAF jagenden BKA-Chefs Horst Herold von Bruno Ganz gespielt wurde. Bruno Ganz spielte auch schon Adolf Hitler im Führerbunker in Bernd Eichingers "Der Untergang". Nun also gibt der Schweizer den räsonierenden und auch ein wenig verständnisvoll politisierenden Ober-Kriminaler in der polizeilichen Kommmandozentrale, der im übrigen brav, gutmütig, hochrational und ohne cholerische Anfälle seine Pflicht tut.

Der Film ist den deutschen Endkampfs- und Selbstvernichtungsepen einzuordnen, zu denen neben "Der Untergang" auch "Stalingrad" gehört. Im dürftigen intellektuellen Gehalt des Films tritt besonders die antiamerikanische und antiisraelische Ausrichtung der RAF hervor, man ahnt auch wenig, dass es sich Kommunisten handeln muss, aber die Protagonisten schreien nur heraus, wogegen sie sind. Die Linksextremisten werden in Eichingers Werk als selbstmitleidig decouvriert und ihre Selbststilisierung als Opfer des Systems ohne persönliche Verantwortung als Selbsttäuschung offenngelegt. Dies alles zu erkennen ist freilich nicht jedermanns Sache. In einem Berliner Kino gab es Randale: Antideutsche Parolen wurden skandiert. Die offene Artikulation von Antiamerikanismus scheint mir seit RAF-Tagen bei den Linksauslegern deutlich abgenommen zu haben.

Bei den widerholten äußerst brutalen Politmordsequenzen, die der Film als "dramaturgische Höhepunkte" aufzuweisen hat, stieß mir die Ähnlichkeit zu Sequenzen in dem IRA-Drama "Michael Collins" auf. Die RAF richteten ihre Opfer demnach hin wie eine nationale Befreiungsbewegung, die sich im Kampf gegen fremde Besatzer und ihre Kollaborateure sieht. Angelsächsische Beobachter fragten sich damals, ob man "Hitlers Enkel" vor sich habe.

Man kann wohl sagen, dass mit der RAF auch der vorerst letzte gewaltsame deutsche Widerstand gegen die globale amerikanische Vorherrschaft niedergekämpft wurde. Gegenwärtig scheint sich anzudeuten, dass immer Deutsche nunmehr im Namen Allahs statt für die Weltrevolution im Terrorismus auf sich aufmerksam machen. Das Ganze spielt dann aber in der Besetzung intellektuell offenbar nochmal eine Etage tiefer als der damalige Aufstand wildgewordener deutscher Pfarrerstöchter (Johanna Wokalek spielt Gudrun Ensslin).

Für die vielen Tagesschau-Wiedergaben, die eingeblendet werden, lohnt sich der Kinobesuch kaum, da tun es auch die Fernsehdokumentationen und Dokumentarspiele zum Thema, etwa die sehr gelungene zur Schleyer-Entführung. In der Fernsehumsetzung wird auch klar, dass Hanns-Martin Schleyer auch intellektuell etwas zu bieten hatte, und nicht nur die dicke und hässliche Statistenfigur war, deren Leiche in der Schlusseinstellung des Kinofilms verächtlich ins Gras gestoßen wird.

Als nächste cineastische Anschlagserzählung erwartet uns im nächsten Jahr der wahrscheinlich kitschige und triviale Stauffenberg-Film, der uns Claus Graf Stauffenberg als eine Art Batman vorführen wird. Ich werde die Leser dieses Blogs auf dem Laufenden halten.

Lesehinweis: Bettina Röhl, die Tochter Ulike Meinhofs, über den RAF-Film.

Freitag, 26. September 2008

"Sterben vielleicht?"

Um mal eine vorgezogene Presserückschau auf dieses Jahr zu machen: Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist mir diese FAZ-Reportage über die ausländerfeindlichen Unruhen in Südafrika, die die ganze Hilflosigkeit des Flüchtlings in der Fremde aufzeigt, sodass auf die Frage, was er denn in Zukunft machen werde, sich die Antwort aufdrängt: "Sterben vielleicht?"

43 Prozent der Bevölkerung in Südafrika leben unter der offiziellen Armutsgrenze, da wirkt es sich besonders existenzbedrohend aus, wenn über Einwanderung in den Arbeitsmarkt die Löhne immer weiter nach unten gedrückt werden.

Henri IV

Ein historische Figur, die gerade mein Interesse geweckt hat, ist die des Henri IV, oder Henri de Navarre. Die Franzosen haben ihm eine sehr schwungvolle Hymne gewidmet, die auch den Dichter des Deutschlandliedes, Heinrich Hoffmann von Fallersleben, begeisterte.



Henri IV ist interessant, weil er selbt religiös hochgradig indifferent war und die französischen Religonskriege zwischen Katholiken und Hugenotten zu einem vorläufigen Ende brachte. Das Auftreten ähnlicher Figuren wünscht man sich im Westen mittlerweile wieder. Auch der Appeal den Barrack Obama mit seiner allseitig bekundeten Dialogbereitschaft ausübt, wurzelt in dieser Sehnsucht nach Frieden einer durch Terrorismus und Terrorbekämpfung bereits ziemlich zermürbten Gesellschaft. Der Komödiant Dieter Nuhr artikulierte gar die Sehnsucht nach dem Auftreten einer neuen Prophetengestalt, die den Konflikt der Konflikten religiös überwindet. Vielleicht aber reicht auch ein areligiöser Politiker.

Donnerstag, 25. September 2008

Das Schicksal der Äußerungsfreiheit in Ländern der Mitte

Ein interessanter Überblick über die Knebelungen der Äußerungs- und Meinungsfreiheit in Deutschland findet sich bei heise.de. Die juristischen Einschätzungen Peter Mühlbauers halte ich im Detail freilich an einigen Stellen für fragwürdig.

Nichteinwanderungsland USA

In den USA greift die Angst vor der Hispanisierung um sich, was zu immer härterem Vorgehen gegen illegale Einwanderung führt. John McBama und Barrack McBama unterscheiden sich kaum in ihrer Haltung dazu, heißt es.

Freiheit, die ich nicht meine

Unter Freiheit verstehe ich nicht die Freiheit, sich rücksichtslos zu Lasten anderer verhalten zu können, wie man will.

Beispielsweise habe ich was gegen Raucher, die mir ins Gesicht qualmen.

Generation Luschi

Thomas Kerstan stieß in der ZEIT-Ausgabe Nr. 32 bereits ins selbe Horn wie Jens Jessen, als er über die "Zahnlose Elite" schrieb.

Mittwoch, 24. September 2008

Interventionsspirale

Es wird von Liberalen darauf hingewiesen, dass ein staatlicher Eingriff ins Wirtschaftsleben den nächsten nach sich ziehe.

Dies gilt auch für ärztliche Eingriffe. Ärzte lösen permanent Probleme, die es ohne sie gar nicht gäbe.

Ein Beispiel hierfür ist das zunehmende Auftreten von Schwangerschaftskomplikationen aufgrund zu enger Becken der Schwangeren. Dies ist eine Folge der von den Ärzten angebotenen Kaiserschnittgeburten. Diese führen dazu, dass Frauen mit für die Fortpflanzung eigentlich ungeeigneten Becken sich immer besser fortpflanzen können. In der darauffolgenden Generation entsteht dann deswegen ein noch ein viel größerer Bedarf an Kaiserschnittgeburten usw.

Wie andere Berufsgruppen tendieren auch Ärzte dazu, ihren Einfluss immer weiter zu vergrößeren und sich selbst unverzichtbar zu machen.

Wenn die Entwicklung weiter so läuft, und niemand den Ärzten rechtlich und ökonomisch Einhalt gebietet, wird der Mensch ohne die Unterstützung ärztlicher Technologie völlig überlebensunfähig sein. Danach sieht es allerdings derzeit nicht aus, werden doch Ärzte in unserer Gesellschaft quasi als Heilige verehrt. Ihre Machtbasis vergrößert sich ständig.

Montag, 22. September 2008

Der letzte Mensch

Nietzsches Beschreibung des "letzten Menschen" wird in europäischen Breitengraden zunehmend antreffbare Realität:

"Für Nietzsche ist das Gegenteil des Übermenschen der "letzte Mensch". Ihm gilt die ganze Verachtung Nietzsches. Dieser letzte Mensch ist kein primitiver Proletarier, sondern ein wohlhabender Spießbürger in Spätzeit der menschlichen Entwicklung. Der letzte Mensch flieht aus dem kalten Norden in den angenehme warmen Süden. Er achtet sehr auf seine Gesundheit und vermeidet es krank zu werden. Er geht achtsam mit seinen Mitmenschen um und vermeidet es, sie zu ärgern oder zu provozieren. „Ein Tor, der noch über Steine oder Menschen stolpert !“ formuliert Nietzsche den Standpunkt des „letzten Menschen“. Der letzte Mensch arbeitet noch, aber er arbeitet nur zu seiner Unterhaltung. Man ist wohlhabend, aber nicht superreich, denn das wäre, ebenso wie Armut, zu beschwerlich. Niemand will mehr regieren, niemand will mehr gehorchen. Auch dies ist dem dekadenten „letzten Menschen“ zu beschwerlich. Nietzsche sagt: „Jeder will das gleiche, jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig ins Irrenhaus...Man ist klug und weiß alles, was geschehen ist...Man hat ein Lüstchen für den Tag und ein Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit. 'Wir haben das Glück erfunden' - sagen die letzten Menschen und blinzeln."

Hier schildert Nietzsche eine überalterte Wohlstandsgesellschaft von Warmduschern, Schattenparkern und Dünnbrettbohrern, die sich im Winter in den Süden flüchtet.

"They don´t love each other."

...Dieses Diktum eines Amerikaners über die Deutschen gehört zu den vielen interessanten Notizen in Götz Alys "Unser Kampf", einer sehr emotional geprägten Auseinandersetzung mit den 68ern, die wie man ahnen kann, überaus vernichtend ausfällt. Fazit: Gott sei Dank hatten die 68er mit ihrer Revolution keinen ähnlichen Erfolg wie ihre braunen Vorgänger, mit denen sie viel gemeinsam hatten.
Es handelt sich denn auch um eine Art vergleichende Darstellung der 68er und des NS-Hochschulbundes. Auch Ähnlichkeiten zwischen dem universitären Antisemitismus der NS-Akademiker und der heutigen Bekämpfung der Männer an den Universitäten durch den Femifaschimus und die Einstellungs-Diskriminierung werden aufgezeigt:

"Ensprechend der nationalsozialistischen Idee der Chancengleichheit sollte der Zugang für Christen und Juden entsprechend dem Bevölkerungsanteil, der für Juden bei 0,5 Prozent lag, quotiert werden. Für die Immatrikualitionsbüros waren, wie man heute sagen würde, Gleichstellungsbeauftragte vorgesehen, die für eine "gerechte" Judenquote zu sorgen hätten. Ein solches Gesetz wurde im April 1933 tatsächlich erlassen und für einige Monate - bis zum endgültigen Ausschluss jüdischer Studenten - wirksam." (Götz Aly: Unser Kampf, Bonn 2008, S. 174)

Ob der heute mittlerweile abgeklungene, aber manchmal noch zu erspürende Hass der Deutschen aufeinander vor den zwei verlorenen Weltkriegen, als man im Kaiserreich fröhlich dem Platz an der Sonne entgegendampferte, auch schon so ausgeprägt oder überhaupt vorhanden war? Der Dichter Stefan George registrierte den Selbsthass in der Weimarer Republik als Folge der Kriegsniederlage.

Das Buch Alys ist überaus lesbar und anregend geschrieben und befasst sich auch mit der Fragestellung dieses Blogs, nämlich der Generationgeschichte und der darin festzustellenden Weiterwirken der finsteren Vergangenheit. Die Frage muss demnach nicht nur lauten: "Welcher Generation gehörst Du an?, sondern auch: "Welcher Generation gehörten deine Eltern an?"

Ein muslimisches Freidenkerschicksal

Der Islamkunde-Professor Muhammad Sven Kalisch, der die Existenz Mohammeds als historisch Gestalt in Frage stellte, fürchtet jetzt nach Morddrohungen, so berichtet die WELT, um sein Leben.

Sonntag, 21. September 2008

Niederlage für die Versammlungsfreiheit

Aus liberaler Sicht kann man zu den Vorgängen an diesem Wochenende in Köln, dem Anti-Islamisierungskongress, folgendes anmerken:

Aus liberaler Sicht können die Muslime ihre Moscheen in beliebiger Weise errichten, allerdings dürfen auch Gegendemonstranten dagegen demonstrieren, wie dies ja in Deutschland gegen jede beliebige Art von Bauwerk praktiziert wird. Insbesondere sind Linke im Falle von zu errichtenden Sporttempeln oder Konsumtempeln, wie die Vorgänge in Berlin zeigen (siehe dazu auch diesen Blog), sehr viel unwillieger als im Bereich von anderen nicht-christlichen Gotteshäusern. Selbstverständlich dürfen auch die Gegendemonstranten gegen die Gegendemonstranten, die Islamophilen gegen die Islamophoben, friedlich demonstrieren.

Insofern die Polizei die Kundgebung der Islam-Gegner am Heumarkt verbot, kann man dies als Versuch des Staates verbuchen, das Gesicht zu wahren. Denn eigentlich hat der Staat vor den linken Gegendemonstranten kapituliert: Staatsversagen im Bereich Grundrechtsschutz. Verlust des Gewaltmonopols an Linke und Linksextreme.

Dieses Muster findet sich auch in Bayern. der Staat hat hier massive Grundrechtseinschränkungen bei der Versammlungsfreiheit vorgenommen. Anlass war auch hier weniger die Angst vor den Aufmärschen der marginal auftretenden Neonazis, sondern die Angst vor dem Terror der linken Gegendemonstranten.

Deutschland wird also von einer Kombination aus rechten Aufmärschen. linkem Straßenterror und religiösen Konflikten immer weiter in die Diktatur getrieben.

Aufgabe eines liberalen aber auch eines konservativen Journalismus wäre, die Fälle von Staatsversagen im Bereich des Grundrechtsschutzes zu sammeln und aufzuzeigen.

Samstag, 20. September 2008

Gegenläufige Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und Großbritannien.

Für die Zukunft wird eine geradezu gegenläufige Bevölkerungsentwicklung in Deutschland einerseits, in Großbritannien andererseits prognostiziert. In Deutschland soll die Bevölkerung beträchtlich zurückgehen, in Großbritannien zunehmen. Das Vereinigte Königreich bleibt auf seinem Pfad zum multikulturellen Hexenkessel, der sich ständig aus dem ganzen ehemaligen Commonwealth ergänzt. In Deutschland wird die beschauliche Ruhe eines Großaltersheims inmitten einer für die Natur zurückgewonnen Landschaft einkehren.

Donnerstag, 18. September 2008

Helmut Schmidt, Nina Hagen, Madonna...

und der Fürst von Liechtenstein, so heißt es, haben schon getan, was bei den Freunden der offenen Gesellschaft zur Löschung von Kommentaren führen kann. Auch die Prominenten bestätigen nur die Debatten-Statistik:

"Letztendlich können ohne weitere Erklärung Kommentare entfernt werden, die von Blog-Autoren als unangebracht eingeschätzt werden. Trotzdem begnügen wir uns meist mit einer Verwarnung.

Godwin’s Rule of Nazi Analogies: As a Usenet discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one. [#]

Kommentare, die unnötigerweise ad nazium gehen, können ohne viel Aufhebens gelöscht werden. Es genügt die individuelle Entscheidung eines der Autoren, um den Kommentar zu löschen."

Schonmal ein Beitrag zu weniger Gequassel im Internet.

Bonner Erklärung der Libertären

Beim Bundestreffen der Libertären am vergangenen Wochenende wurde eine "Bonner Erklärung" verabschiedet, eine nicht gerade orginelle Betitelung, so dass sie unter verschiedenen Bonner Erklärungen bei Google schwer zu finden ist. Man muss sich auf der Libertären Plattform der FDP im Internet durchklicken.

Beim Durchlesen wird einem klar, wie einfach die Welt auf Unternehmer-Schultern organisiert werden könnte, wenn man nur auf die Libertären hörte...

Was ist Islamisierung?

Dieses Wochenende wird in Köln ein Anti-Islamisierungskongress mit 1500 Teilnehmern und etwa 40 000 Gegendemonstranten erwartet. Geht es dabei nur um den Bau von Groß-Moscheen?

Im Wikipedia-Artikel zum Thema Islamisierung findet sich auch die auch von Gunnar Heinsohn vertretene Prognose, dass 2050 Muslime erstmals die Bevölkerungsmehrheit in Europa stellen könnten.

Desillusionierung für Menschenfreunde



In dem Film Dr. Aleman spielt August Diehl einen jungen deutschen Mediziner, der ein praktisches Jahr in Südamerika ableistet. Über dem Film liegt eine traurige Grundstimmung der Desillusion. Der Nachwuchsmediziner Marc ist ein typischer Vertreter der jüngeren Generation: Er äußert keinerlei politische Vorstellungen und verkündet keinerlei gesellschaftliche Utopie. Als Erklärung, warum er sich in Südamerika aufhalte, gibt er an, dass die heimische elterliche Arztpraxis von einem Geschwister übernommen sei: "Deswegen bin ich hier".
Der Protagonist zeigt sich leicht verführbar durch Drogen und Frauen, und wird in den Bandenkrieg verstrickt. Erkennbar ist sein Bemühen in der Fremde Anschluss und Liebe zu finden, jedoch scheitert diese Annäherung.

Einige interessante ethische Probleme, die Ärzte betreffen, tauchen im Film auf:

In einer Sequenz muss sich Marc vom Chefarzt darüber belehren lassen, dass es der Hippokratische Eid, den er abgeleistet habe, gebiete, alle Patienten gleich zu behandeln, was auch bedeute, dass Arme gegenüber Reichen keine bevorzugte Behandlung verdienten.

Marc weigert sich zuletzt einen der mörderischen Bandenkriminellen zu operieren, worauf er vom Chefarzt mit den Worten "Tolle Philosophie, Heil Hitler!" umgehend gefeuert wird. Der Arzt darf sich nicht zum Richter aufspielen.

Der Film endet in Mord und Totschlag. Marc kann nicht davon lassen, das Recht in die eigene Hand zu nehmen, und erschießt aus Rache den Profikiller El Juez. Da war es wohl für jemanden, der aus dem Land kommt, wo "Sonntags schon das Rasenmähen verboten ist", zu viel an Chaos und Anarchie geworden.

Weltkriegsopfer ohne Lobby

In Litauen gibt es verschiedentliche Bemühungen, kommunistische Kriegsverbrecher des 2. Weltkriegs juristisch zu belangen, was aber auf internationalen, insbesondere russischen Widerstand stößt. Auch bei der EU können Osteuropäer, die das Pech hatten, dass ihre Dörfer im Weltkrieg nicht von Nazis, sondern von Kommunisten angezündet wurden, nicht auf Sympathie für juristische Sühnebestrebungen hoffen. Burkhard Schröder berichtet über einen Teilaspekt des Geschehens, nämlich Ermittlungen gegen jüdische Partisanen. Möglicherweise will Schröder, der im Beitrag auch darüber stolpert, dass in Litauen Kommunistensterne wie Hakenkreuze gleichermaßen verboten sind, durch seinen Fokus die Vergeltungsbemühungen der litauischen Justiz als antisemitisch diskreditieren. Eine Tendenz in diese Richtung ergibt sich dadurch, dass die Litauer mit ihren Ermittlungen bei der Großmacht Russland natürlich nicht weiterkommen. Auf seiner Homepage gibt Schröder an, in seiner Studentenzeit in der "maostischen KPD" mitgearbeitet zu haben, ohne sich in seiner Selbstdarstellung "Zur Person" vom Kommunismus zu distanzieren. Schröder mit seinem listigen Blickt wirtk auf mich wie die Verkörperung des Großstadtjournalisten schlechthin, wie es ihn vor 80 Jahren in Berlin als Typus auch schon gegeben haben mag.

Mittwoch, 17. September 2008

England als Zukunftsbarometer auch beim Thema Repression?

Eigentlich suche ich bei Telepolis gerade einen bestimmten Artikel, der aufzeigte, dass in den nächsten Jahrzehnten die europäische Ur-Bevölkerung in den europäischen Großstädten in die Minderheit geraten wird, was erstmalig in einer englischen Stadt der Fall sein soll. Dabei stoße ich über jede Menge weitere hochinteressante Beiträge, zB diesen hier über zunehmende staatliche Repression gegen Jugendliche, ebenfalls in England, die meine in diesem Blog schon geäußerten Thesen zur Marginalisierung der Jugendlichen in der aufziehenden Rentnergesellschaft stützen.
Kürzlich berichtete mir jemand von der unglaublichen Story, man plane in England, zukünftig durch Aussenden von schrillen Tönen, die aufgrund ihres besonderen Hörvermögens nur von Jugendlichen wahrgenommen werden können, Jugendliche von bestimmten Plätzen fernzuhalten. Ich warte noch auf nähere Informationen dazu.

Mit Marx für Studiengebühren!

Die "Internetpartei der Liberalen" wirbt auf der Politikplattform dol2day mit folgendem Marx-Zitat um virtuelle Wähler:

"Wenn in einigen Staaten [...] auch 'höhere' Unterrichtsanstalten unentgeltlich sind, so heißt das faktisch nur, den höheren Klassen ihre Erziehungskosten aus dem allgemeinen Steuersäckel zu bestreiten."
(Karl Marx in "Kritik des Gothaer Programms")

Immer noch treffend!

Inzest - leider bald kein Randthema mehr?

Ein hochinteressanter Beitrag zum Thema Inzest findet sich im Tagesspiegel.

(1) Verwandtenheiraten sind in Teilen der muslimischen Welt weit verbreitet: Insofern Mitteleuropa Einwanderungsgebiet für Muslime ist, werden Mitteleuropäer der Konfrontation damit nicht ausweichen können.

(2) Durch die künstliche Befruchtung könnte es vermehrt zu ungewollten Liebeleien zwischen leiblichen Geschwistern kommen. Offenbar ist die sexuelle Attraktion zwischen diesen sogar besonders stark, wenn sie nicht zusammen aufgewachsen sind.

Letzteres bedeutet, dass die Verhinderung von Inzest über die Gesetzesnorm wichtiger wird, weil die biologischen Abwehrmechanismen gegen Inzest zusehends von Medizin und Gesellschaft überlistet werden.

Die "feine englische Art" der "Vergangenheitsbewältigung"

Der Penseur hat auf einen lesenswerten Beitrag im Guardian aufmerksam gemacht, in dem kritisch beleuchtet wird, wie die feine englische Art aussieht, die eigene problematische Kolonialvergangenheit zu beschönigen. Der Artikel selbst ist allerdings Beweis für Strömungen schlechten Gewissens, von denen auch die Briten angenagt sind, was sie aber in ihrer außenpolitischen Mobilität, die nach wie vor durch hohe Kriegsbereitschaft und Sendungsbewußtsein gekennzeichnet ist, wenig einschränkt.

Freitag, 12. September 2008

Neuigkeiten für Ahnenforscher aus der Biologie

Der SPIEGEL berichtet über eine von Biologen entwickelte Europakarte, die die genetische Verwandtschaft der Europäer untereinander aufzeichnet. In den genetischen Unterschieden schlägt sich nieder, in welchem Maße die verschiedenen Nationen und nationale Teilgruppen voneinander räumlich isoliert bzw. entfernt waren waren, was möglicherweise für Ahnenforscher aus Übersee auf der Suche nach den Herkunftsregionen ihrer Vorfahren hilfreich ist.

Mittwoch, 10. September 2008

Offshore Drilling

Während man in Europa Offshore-Windparks errichtet oder zu errichten erwägt, diskutiert man in den USA "Offshore Drilling", d.h. die Freigabe von Ölbohrungen in bestimmten Küstenabschnitten der Vereinigten Staaten, wo dies bisher nicht zulässig ist. Die Demokratische Partei möchte McCains "Drill, Baby, drill!" nur mitmachen, wenn den Öl-Multis dafür mehr Steuern abgeknüpft werden, die in erneuerbare Energien gesteckt werden sollen.

So oder so: Die Amerikaner bemühen sich darum, von arabischem Öl unabhängig zu werden.

Politiker und T-Shirts

Eine gut lesbare Analyse des Charismatikers Barrack Obama, der ich nur zustimmen kann, findet sich in Zettels Raum.

Leute, die wenig subtil arbeiten, sind die Mickey-Mouse-Macher von "ThoseShirts.com". Dort kann man sich auch mit Anti-Obama-Shirts eindecken und tiefe Blicke in die Gefühlswelt der amerikanischen Konservativen einschließlich ihres von Gott geschenkten Nachwuchses werfen. Ann Coulter ist eine derjenigen, die amerikanische Politik nach dem ThoseShirts-Geschmack in ganz einfache Worte fassen kann. Sie sagte nach dem 11. September:

"Wir wissen, wer diese mörderischen Verrückten sind. Es sind diejenigen, die jetzt jubeln und tanzen. Wir sollten in ihre Länder einfallen, ihre Führer töten, und sie zum Christentum bekehren.“