Donnerstag, 31. Januar 2008

Anmerkung zu Gandhi

Zum 60. Todestag des indischen Unabhängigkeitskämpfers, Juristen und Denkers Mahatma Gandhi scheint mir vor allem sein Prinzip Satyagraha, das "Festhalten an der Wahrheit", erinnerungswürdig.

Vor einiger Zeit setzte ich mich mit ihm auseinander, unter dem Gesichtspunkt, dass sich der muslimische Bevölkerungsanteil in Deutschland und Europa durch Einwanderung und Gebietserweiterung der EU beständig erhöhen wird, wir somit auf indische Verhältnisse einer konfliktreichen Chaos-Demokratie zusteuern. Der Wahnsinns-Wahlkampf in Hessen mag in Deutschland ein Vorbote dessen gewesen.

Inmitten einer von religiösen Spannungen erschütterten alten Zivilisaton setzte sich Gandhi nicht nur gegen die britischen Kolonialherren ein, sondern hatte auch viel zu tun, die Konflikte der Inder untereinander zu schlichten. Obwohl er Gewaltlosigkeit predigte, fiel er letztlich der Gewalt zum Opfer.

Festhalten an der Wahrheit ist gerade in einer Zeit wichtig, in der Fanatiker die Wahrheit zu verzerren und zu entstellen trachten, um Menschen gegeneinander aufzuhetzen, aber auch Sachverhalte verschwiegen werden, weil man hofft, damit Konflikten aus dem Wege zu gehen, zugleich aber auch die Problemlösung vereitelt.
(Im Krieg stirbt als erstes die Wahrheit, meinte der antike Zeit-Historiker Thukydides.) Auch Widerstandsgeist gegen ungerechte und unverständliche Gesetze kann immer wieder gefragt sein.

Jeder kann in seinem Bereich dazu beitragen, die Wahrheit zu erhalten, und sich abseits von Vorurteil, Ideologie, Religion und Weltanschauung um richtige Erfassung von Tatsachen bemühen, sich gegen falsche Beurteilungen und Fehlsteuerungen "von oben" zur Wehr setzen.
Die Suche nach Wahrheit bietet nicht nur die Möglichkeit seinem Leben einen ethischen Wert, sondern auch seinem Handeln Orientierung zu geben. Dabei darf das Festhalten an dem als richtig Erkannten nicht in dogmatischem Starrsinn münden. Der Zweifel muss immer erlaubt sein und wachgehalten werden.

Mittwoch, 30. Januar 2008

Die Grünen - die Partei für den deutschen Spießer

Wie konnte es dazu kommen, dass die einstige Außenseiter-Partei die Grünen in die Mitte der Gesellschaft vorstoßen konnte, um sich damit auch als Konkurrenz für die FDP zu etablieren?

Dazu drei Überlegungen:

Das Chaos im Mülleimer widerstrebt dem deutschen Ordnungssinn. Bananen, Dosen, Zeitungspapier, Kondome - alles in einem Beutel? Das kann nicht sein. Zudem ist der Leichtsinn und die Gedankenlosigkeit beim Vorgang des "Wegschmeißens" an sich schon der Vorstellungswelt des ernsthaften und nachdenklichen deutschen Spießers ein Gräuel. Diesen Sauhaufen haben die Grünen versprochen, mit eisernem Besen auszufegen.

Sonnenenergieanlagen lassen sich immer, Windräder zum Teil im Eigenheim oder auf Privatgrundstücken verwirklichen. Das kommt der Sehnsucht des deutschen Spießers entgegen, "alles von zu hause" zu erledigen, auch die Energieversorgung im Sinne von häuslicher Autarkie. Zudem kommen die erneuerbaren Energien in Form des Dachaufsatz auch noch der Bastelleidenschaft im Hobby-Keller entgegen, denn da gibt es sicher viel zu warten und zu reparieren.

Sodann spricht das ökologistische Prinzip der "Nachhaltigkeit" auch Denkstrukturen in der schwäbisch-deutschen Krämerseele an, ist es doch sehr haushalterisch. Logik: Die Ressourcen gehen uns aus, deswegen müssen wir den Verbrauch strecken, um uns im Hobby-Keller geschwind noch technische Auswege ausdenken zu können.

Und was wird mit all dem erreicht? Das mit seinen Protuberanzen dem deutschen Ordnungsinn heftig widerstrebende Weltklima wird erstmals in der Erdgeschichte konstant gehalten und ganz wichtig: Die Deutschen können mal wieder die Welt retten, und es bewahrheitet sich das Wort Stefan Georges: "dass einst des erdteils herz die welt erretten soll".

Samstag, 26. Januar 2008

Death Proof - Bürokratie gefährdet die Gesundheit

Durch ihr hochentwickeltes Organisationstalent und ihre administrativen Traditionen sind die Deutschen ständig der Gefahr ausgesetzt, sich durch Überorganisation selbst ein Bein zu stellen.

Ansatzweise hat man das jetzt auch in der deutschen Bürokratieverteidigungs- und Beamtenversorgungsorganisation bemerkt, die sich "Bundeswehr" nennt. Der Aufenthalt im rauhen Afghanistan macht´s möglich. Auch dort trennen Deutsche brav ihren Müll, doch es ist zu offensichtlich, dass nach der Trennung wieder alles auf einem Haufen landet. Das wird selbst deutschen Bundeswehrbeamten zu bunt.

Rauchfreie Sicht im Discolicht - und eine hässliche Anzeige

Gestern habe ich einen ersten Clubbing-Abend in rauchfreier Umgebung verlebt. Ein ganz neuer Eindruck. Die Disco-Beleuchtung kam mit ihren Farbeffekten viel besser zur Geltung und man kann die Teilnehmer der Party viel besser wahrnehmen. Ich hatte auch den Eindruck, dass ich von den anderen besser wahrgenommen wurde. Völlig unbekannte Menschen stießen mit mir an. Die Raumatmossphäre wirkte so clean wie in vielen Science-Fiction-Filmen, in denen die Zukunft rauchfrei dargestellt wird.

Und die Kleidung stinkt nicht so, wenn man wieder draußen ist.

Der gleiche Tag wurde getrübt von einer hässlichen Anzeige gegen Helmut Schmidt, wegen Verstoß gegen das Rauchverbot und wegen Körperverletzung durch Rauch!

Übereifrige Kulturrevolutionäre innerhalb der Nichtraucherbewegung schaden mit solchen Aktionen wie gegen den beliebtesten Altkanzler der Deutschen nur ihrer Sache. Hier fehlt der Sinn für Großzügigkeit, Takt und Ausnahmen von der Regel, das deutet darauf hin, dass wildgewordene Kleinbürger mit Megaphon am Werk sind.

Würde in der Rechtsprechung gelten, dass Rauchen in Gegenwart anderer strafbare Körperverletzung sei, hätte sich die EU und die deutschen Länder den Bürokratiezirkus ums Nichtraucherschutzgesetz sparen können. Wäre Rauchen Körperverletzung, wäre die Bestrafung der Raucher drakonischer, die Gesetzes- und Verordnungslage aber einfacher. Das deutet an: Einfachere Regulierung muss nicht unbedingt mit geringerer Repression einhergehen.

Mittwoch, 23. Januar 2008

Libertäre und Hobbes

Die Libertären, eine aus den USA eingesickerte radikalliberale Fraktion, ist in Deutschland vor allem im Internet sehr aktiv. Dies gilt auch für viele Einträge in Wikipedia, auch für den von Thomas Hobbes.

Zuletzt wird auch das "konstituierte" Vertragsrecht von Hobbes strapaziert. Hans-Hermann Hoppe fragt daher "Wer würde einen Vertrag eingehen, der seinem Beschützer [gemeint ist: Der Staat] unwideruflich und unmissverständlich das Recht einräumt zu bestimmen, welche Kosten er für seinen Schutz zu bezahlen hat?"


Hans-Hermann Hoppe lehrt in den USA und ist einer der Hauptgewährsmänner der Libertären.

Um auf seine Frage zu antworten: Jemand, der verzweifelt nach Schutz sucht, würde diesen Vertrag eingehen. Es sind aus der Geschichte genug Beispiele für bedingungslose Unterwerfung bekannt.

Auch beim Eintritt in einen Verein unterwirft man sich der einseitigen Festsetzung des Mitgliedsbeitrages durch die Mitgliederversammlung.

Das Zitat weckt Zweifel, ob Hoppe verstanden ist, dass das Vertragsmodell von Hobbes einen Vertrag von Menschen auf Gewaltverzicht untereinander zugunsten eines Dritten (des Souveräns) vorsieht.

Ob man den Problemen der Libertären mit dem Staat abhelfen könnte, indem man ihnen erlaubte, sich selbst für staatenlos und vogelfrei zu erklären? Dann wären sie aller aufgedrängten und mit Zwangsabgaben finanzierten Protektion durch den Staat ledig und allein auf die Selbstverteidigung zurückverwiesen. Der Staat hätte dann nämlich auch keine Verpflichtung mehr, die Rechtsverfolgung von Straftaten gegen Libertäre einzuleiten.

Deutsche Allesverstaatlichung

"In England, so bemerkte ein englischer Sozialphilosoph, besteht die Tendenz, den Staat zu einer Art von Club zu machen und die Satzungen eines Clubs auf die Staatsregierung anzuwenden, während die Deutschen die entgegengesetzte Neigung haben, selbst einen Club zu einer Art von Staat zu machen und die Regierungsmethoden auf den Club zu übertragen. Wer jemals einer deutschen Studentenverbindung angehört hat, wird ohne weiteres verstehen, was gemeint ist."
Wilhelm Röpke: Die deutsche Frage, Zürich 1948, 3. Aufl., S. 147 f.

Montag, 21. Januar 2008

Wenn das Staatsschiff sinkt...

Der Staats- und Absolutismustheoretiker Thomas Hobbes über das Verhalten bei Staatsversagen- und -Zusammenbruch:

"Wenn in einem auswärtigen oder inneren Krieg die Feinde den Endsieg erringen, so daß ein weiterer Schutz der staatstreuen Untertanen nicht mehr möglich ist, da die Kräfte des Staates das Feld nicht länger beherrschen, dann ist der Staat aufgelöst und jedermann frei, sich in der Weise zu schützen, die ihm sein eigener Verstand anrät." (S. 254)

Um festzustellen, ob ein Staat versagt, muss geklärt werden, was überhaupt die verfehlbare Aufgabe oder der Zweck des Staates ist:

"Die Aufgabe des Souveräns, ob Monarch oder Versammlung, ergibt sich aus dem Zweck, zu dem er mit der souveränen Gewalt betraut wurde, nämlich der Sorge für die Sicherheit des Volkes. ... Mit 'Sicherheit' ist hier aber nicht die bloße Erhaltung des Lebens gemeint, sondern auch alle anderen Annehmlichkeiten des Lebens, die sich jedermann durch rechtmäßige Arbeit ohne Gefahr oder Schaden für den Staat erwirbt." (S. 255)

Es geht also offenbar um Sicherung von Leben, Einkommen und Vermögen (Eigentum).

"Die Verpflichtung der Untertanen gegen den Souverän dauert nur so lange, wie er sie auf Grund seiner Macht schützen kann, und nicht länger. Denn das natürliche Recht der Menschen, sich selbst zu schützen, wenn niemand anderes dazu in der Lage ist, kann durch keinen Vertrag aufgegeben werden. ...
Der Zweck des Gehorsams ist Schutz. Findet ihn ein Mensch in seinem eigenen Schwert oder in dem eines anderen, so ist er von Natur aus diesem Schutz gehorsam und bemüht sich, ihn zu erhalten. Denn obwohl die Souveränität nach der Absicht ihrer Schöpfer unsterblich sein soll, so ist sie doch ihrer eigenen Natur nach nicht nur einem gewaltsamen Tod durch einen auswärtigen Krieg ausgesetzt, sondern trägt auch wegen der Unwissenheit und der Leidenschaften der Menschen von ihrer Errichtung an viele Keime einer natürlichen Sterblichkeit in sich, und zwar durch innere Zwietracht." (S. 171)

Man kann wohl im Einklang mit Hobbes folgern: Ist der Staat nicht mehr in der Lage, den öffentlichen Frieden zu gewährleisten, ist man seiner Verpflichtungen ihm gegenüber ledig. Wenn auf den Straßen der Mob tobt, während die Staatsorgane untätig bleiben und in Saus und Braus leben, entfällt etwa die Pflicht zur Steuerleistung.

Man kann auch dem Gesagten auch folgern: Geht der Staat selbst dazu über, seine Bürger ohne Rechtsgrundlage zu töten oder enteignet er sie, verfehlt er Aufgabe und Zweck ebenfalls. Ein Staat der seine Bürger zu schützen in der Lage ist, kann seine Macht mißbrauchen, die Bürger zu terrorisieren. Man wird hier dem Bürger ein Nonkooperationsrecht und ein Widerstandsrecht zugestehen müssen. Diese Möglichkeit könnte von Hobbes übersehen worden sein.

Thomas Hobbes: Leviathan, Frankfurt a. Main: Suhrkamp 1999, 9. Aufl.

Steuerrevoluzzer

Bei der Suche nach Informationen über das Teeren und Federn stieß ich auf diese frühen Steuerrevoluzzer.

Ein weiteres denkwürdiges Vorbild für den Bund der Steuerzahler wäre sicherlich auch Mahatma Gandhi mit seinem Salzmarsch...

Freitag, 18. Januar 2008

Abschiebeland USA

In den USA scheint es weniger Probleme mit Gewaltkriminalität von Migranten zu geben, dafür werden straffällige Ausländer umso konsequenter abgeschoben.
In Amerika hat die Strafform der Ausweisung große Tradition, man denke nur an die Lynchjustizmethode des Teerens und Federns, die die Pioniere in Ermangelung von staatlicher Ordnungsmacht und Gefängnisbauten pflegten.
Es ist aber zu beachten, dass in den USA das ius soli gilt. Wer dort geboren ist, ist automatisch amerikanischer Staatsbürger, und nicht mehr abschiebbarer "Ausländer", so dass es das deutsche Phänomen des desorientierten und verhaltensauffälligen Gastarbeiterkindes der 2. oder 3. Generation, das nicht weiß, welchem Land es sich zurechnen soll, in dieser Form nicht gibt.

Am meisten fürchtet die Regierung derzeit, dass radikalisierte Moslems aus Europa einwandern könnte. Bürger aus westeuropäischen Staaten und Australien
können visafrei in die USA fliegen, und in diesen Staaten leben um die 30 Millionen einheimische Moslems. Michael Chertoff, Chef des Department of Homeland Security hat bereits erwogen, Briten pakistanischer Herkunft vom Visa-Waiver-Programm auszunehmen oder aber die visafreie Einreise von Briten gänzlich zu unterbinden. (Eva Schweitzer, DIE ZEIT)



...

Donnerstag, 17. Januar 2008

Die Altenfrage

Die heftigen Reaktionen auf den Münchner Überfall vor Weihnachten und auf die Einlassungen des ZEIT-Redakteurs Jens Jessen müssen wohl auch vor dem Hintergrund verbreiteter Ängste im älteren Teil der Bevölkerung gesehen werden.

Ich kann mich noch erinnern, wie vor Jahr und Tag bei einer Busfahrt nach Berlin meine weißhaarigen Mitreisenden beim Gespräch über die Probleme der Rentenversicherung galgenhumorig blödelten:

"Irgendwann schlagen´s uns tot! "

Es können sich nur wenige in Deutschland vorstellen, dass die Gleichung, nach der immer weniger Arbeitsfähige immer mehr Rentner finanzieren, aufgehen könnte.
Aufgrund der dunklen deutsch-europäischen Vergangenheit, die alten Menschen noch in den Knochen steckt, haben düsterste Szenarien in der Vorstellungswelt eine Chance.
So ist es nicht schwer zu erklären, warum Jessen mit seiner grimmigen Rentner-Anklage vor dem Lenin-Bild derart Angst und Hass hervorzurufen vermag.

Es steht allerdings zu vermuten, dass der Respekt der Jugend vor dem Alter mit der Alterung der Gesellschaft immer mehr abnehmen wird, zumal wenn noch ethnische Dissonanzen hinzutreten.

Dienstag, 15. Januar 2008

68er

Wann kam der Begriff 68 bzw. 68er für die Ereignisse und die Aktivisten der 1960er Jahre eigentlich auf?

Und welche Voraussetzungen muss man eigentlich erfüllen, um zu den "68er" gerechnet zu werden. Jens Jessen (letzter Beitrag) streitet ab, zur 68er Generation zu gehören. Jahrgang 55, 1968 war er also 13, also kann er höchstens 68er-Flakhelfer gewesen sein, den Deutschen Herbst als Spätausläufer von 68 hat er aber als Twen miterlebt. Die Gnade der späten Geburt rettet vor dem "Verdikt"? Wie alt muss man also 1968 dann mindestens gewesen sein, um dazuzugehören? Es gab Ende der 1960er übrigens auch Tumulte an Schulen, nicht nur an Universitäten.
Gibt es nicht auch 68er im Geiste, abseits der Frage des Alters? Wie ist es mit den Grünen?

Eine allgemein interessante Frage, wie lange es dauert, bis die Benennungen epochaler Vorgänge und von Generationen auftauchen.

ZEIT-Jessen: Rentner-Gangs terrorisieren die Städte

Jens Jessen (Jahrgang 55) von der ZEIT erteilt die Absolution zum Angriff gegen deutsche Rentner, von denen es seiner Ansicht nach zu viele gibt in Deutschland.

Ein Claqueur der Gewalt mit Lenin-Bild als "Trophäe" im Hintergrund. Dass sich vor einiger Zeit in der ZEIT ein übler bolschewistischer Hetzartikel gegen den bürgerlichen Brauch "des Erbens und Schenkens") fand, ist also kein Zufall, sondern wird offenbar durch die Gestaltung der Redaktionsräume angeregt...

Interessant seine Frage nach ausländischen Opfern der Gewalt. Diese gibt es aber schon deswegen, da sich ein Großteil der Gewalt von Ausländern und Migranten gegen Ausländer und Migranten selbst richten dürfte.

Äußerst unglücklich von Jessen, seine Monty Python´s würdigen Ausführungen zu den von garstigen Rentnern gegängelten Jugendlichen auf den Fall in der Münchner U-Bahn zu stützen, bei dem, wie er selbst hervorhebt, astreine Kriminelle am Werk waren.

Jessen blendet dabei die grassierende Deutschenfeindlichkeit unter einer bestimmten Gruppe von Migranten aus. Lesenswert ist hierzu die Entgegnung von Frank Schirrmacher in der FAZ.

Ich habe auch einmal einen maßregelnden Rentner erlebt, der meinte, im Bus eine Muslima darüber belehren zu müssen, dass die Frau im allerchristlichsten Abendland ihr Haar offen zu tragen habe. Das war in einer bayerischen Provinzmetropole und ist Jahre her.

...Grannies are no respector of race, creed or sex...

"Herdprämie"

Zur Abwechslung mal ein "Unwort", mit dem ich etwas anfangen kann. Als würden Hausfrauen oder Hausmänner den ganzen Tag nur am Herd stehen.
Man besehe sich nur die Aktivitäten der Zahnarztgattin Susanne Winter (letzter Eintrag)...

Montag, 14. Januar 2008

Hilfe, die Kinderschänder kommen

In Österreich ist das politische Klima seit je um einiges herzhafter und konfrontativer als in Deutschland. Dazu trägt auch eine Partei bei, die sich FPÖ nennt. Neueste Tiraden einer Wahlkandidatin in Graz sorgen auch über die Grenzen Österreichs hinaus für Aufsehen.



Bemerkenswert finde ich die Beobachtung, dass die Bierzeltversammlung zum Skandieren das Ausrufs "Hilfe" aufgefordert wurde und darauf auch einschwenkte. Das führt zu einer neuen Deutungsperspektive des Rufes "Heil" auf den Veranstaltungen einer rechtspopulistischen Vorgängergruppierung, die vor 60 Jahren in Mitteleuropa virulent war. Schrien die Massen damals den nationalreligiösen Messias (Erlöser) Hitler in einer Art kollektiver Panik recht eigentlich um Hilfe an?

Der Blick in ein "Kleines mittelhochdeutsches Wörterbuch" von Beate Hennig sagt mir:
heilen mhd: ...erlösen von, retten, gesund machen...
heil mhd: Glück, Erfolg, Wohlergehen, Gesundheit, Heil, Seligkeit, Erlösung, Segen, Segenswunsch, Schicksal...

Würde die FPÖ lieber das religiöser aufgeladene "Heil" skandieren lassen, woran sie aber durch die Rechtslage und die Geschichte gehindert wird? Oder wäre sie als modernes Populismus-Phänomen viel zu antireligiös dafür?
Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen in Österreich, Eva Glawischnig, bezeichnete Winters Äußerungen als "noch nie dagewesende antireligiöse Attacke"(SPON).


Wer ins Video hört, vernimmt, dass Susanne Winter dem Islam vorwirft, keine Religion zu sein. Das spricht nicht für eine antireligiöse Einstellung, sondern für eine Art christlichen Religionsschauvinismus.

Samstag, 12. Januar 2008

Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

Friedrich Hölderlin, 1805

Donnerstag, 10. Januar 2008

Elemente der Unruhe

"Wo eine Klasse, die energische und fähige Persönlichkeiten zu den ihren zählt, von Aufstiegsmöglichkeiten ausgeschlossen ist, entsteht ein Element der Unruhe, das früher oder später leicht zum Aufstand führen kann."

Verfasser unklar. Ich habe das Zitat auf einem Entleihschein für Bertrand Russels Buch "Macht" notiert.


Ersetzt man Klasse durch Gruppe hat das Zitat schon mehr Anwendungsmöglichkeiten für die Warnung, die in ihm steckt. Wirtschaftlicher Aufstieg scheint ja möglich zu sein, und wir werden auch nicht mehr von tatterigen Fürsten, sondern von Ökonomen und Physikern regiert. Gibt es da aber nicht aktuell eine Gruppe, die positiv diskriminiert wird?

Mittwoch, 9. Januar 2008

Paradoxon der Toleranz

"Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren." - Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde

Kann jemand Band und Seitenzahl zu diesem sehr wichtigen Zitat angeben? Ich habe das Buch gerade nicht zur Hand.

Die offene Gesellschaft scheint gar nicht so offen gedacht gewesen zu sein, wie mancher Libertäre vielleicht glauben mag. Jedenfalls berufen sich auch Anhänger der wehrhaften Demokratie auf Popper, der im 2. Weltkrieg die Beobachtung des Paradoxes der Toleranz machte. Absolute Toleranz kann zur gänzlichen Vernichtung der Toleranz durch die Intoleranz führen.

Dienstag, 8. Januar 2008

Vom Erben und Schenken

Auf dem grünen mawalog lässt sich Matthias Warkus von der Neidwelle mitreißen, die ihren Weg auch in die ZEIT gefunden hat.

Er stellt den Zusammenhang von Schicht und Intelligenz in Frage, wer anderes behauptet oder feststelle, sei unseriös oder sogar ein Rassist, wobei sich mir letzter Zusammenhang nicht erschließt, und mir Untersuchungen zum Zusammenhang Schicht/Berufserfolg und Intelligenz doch eine andere Qualität zu haben scheinen, als zur Korrelation Hautfarbe/Intelligenz.

Warren Buffet oder Bill Gates, reichste Männer der Welt, Plätze 3 und 1, sind intelligent, und zumindest letzterer scheint hat auch nicht nennenswert geerbt zu haben. Reiche verfügen eben über bestimmte Eigenschaften, Vermögen zu erhalten, zusammenzuhalten oder aufzubauen. Das ist auch eine Leistung. Natürlich gibt es viele arme Philosophen und verkannte Genies, die mit dem Schicksal ihre brotlosen Existenz hadern, während IQ-lose Fußballer oder Stars vom Markt, der durchaus demokratische Qualitäten hat, mit großen Erlösen prämiert werden. Das kann freilich bei mangelnder Intelligenz und Disziplin schnell ins private Verderben für diese Menschen führen.

Eine Zivilgesellschaft definiert sich gerade dadurch, dass sie durch »freiwilliges bürgerschaftliches Engagement" aufrechterhalten wird. Alles andere ist Etatismus. Beim Bau von Philharmonien u.a. hat sich der Staat in der Tat rauszuhalten, diese sind durch Schenkungen und Stiftungen zu finanzieren. Stetigkeit durch staatliche Umverteilung sehe ich bei der sozialen Mindestsicherung gefragt.

Über das was, eine sinnvolle Geldanlage ist oder wer Geld erhält, entscheiden am besten die Individuen und Marktteilnehmer.

Über den Zusammenhang Schicht/Intelligenz/Erblichkeit gibt es offenbar so wenig definitives Wissen, dass es eine Anmassung von Wissen seitens des Staates wäre, alle Erbmassen zu konfiszieren und nach planerischem Gutdünken zu verteilen.

Persönlich meine ich, dass zumindest ein Schulsystem bestehen muss, dass in der Lage ist, talentierte Kinder aus den Unterschichten zu identifizieren und Wege zur Förderung zu eröffnen.

Bei zu hoher Erbschaftssteuer entfällt der Anreiz, Werte zu schaffen, damit "die Kinder es einmal besser haben". Auch sehe ich die Konstanz wirtschaftlicher Aufbauleistungen bedroht.

An der Story vom Tellerwäscher zum Millionär ist übrigens insoweit was dran, als Underdogs oft einen besonderen Zug nach oben haben, der saturierten oder aufgrund neuerdings auch von der ZEIT geschürten Sozialneids komplexbehafteten Bürgerskindern zuweilen fehlt.

Gysi, der Linkslibertäre

WESTERWELLE-GYSI-Streitgespräch in der der „Wirtschaftswoche“ (07.01.2008)

"Frage: Herr Gysi, Herr Westerwelle, eigentlich könnten Sie sich sehr ähnlich sein. Sie stammen beide aus bürgerlichen Verhältnissen, sind promovierte Juristen, haben als Anwälte gearbeitet und sitzen heute im Bundestag. Wie kommt es, dass der eine links und der andere liberal geworden ist?

Gysi: Oh, wie wird man liberal? Schwierige Frage. Ich versuche mal, das Herrn Westerwelle zu erklären. Aber dann muss er auch erklären, wie man links wird.

Westerwelle: Einverstanden.

Gysi: Also, es gibt zwei Seiten des Liberalismus. Ich bin ein libertärer Sozialist. Der ganze Staatssozialismus in der früheren DDR war so illiberal und in seiner Besserwisserei anmaßend, dass ich ein Verfechter des politischen Liberalismus bin. Deshalb ist auch eine Partei wie die FDP wichtig. Nur ein Beispiel: Die Liberalen haben sich schon um gleichgeschlechtlich Liebende gekümmert, als sich das keine andere Partei getraut hat.

Frage: Damit erklären Sie aber nicht die politische Sozialisation von Herrn Westerwelle.

Gysi: Wenn man wie Herr Westerwelle aus Bonn kommt, in einer Anwaltsfamilie groß wird und mit Brüdern aufwächst, die sich gern keilen, dann erkennt man in jeder Hinsicht die Notwendigkeit von Toleranz und Liberalismus. Was ich bei Herrn Westerwelle allerdings überhaupt nicht verstehen kann, das ist sein Eintreten für den wirtschaftlichen Liberalismus, den ich immer bekämpfen werde."

Geschlechterapartheid in Europa

Hier ein Filmbeitrag über einen der ersten Einschläge einer neuen Geschlechterapartheid in Europa, die aufgrund des anhaltenden muslimischen Einflusses weiter Raum gewinnen wird. Ich denke, die EU-Bürokratie wird ob kurz oder lang mit entsprechenden Gesetzesvorhaben aufwarten.


Sonntag, 6. Januar 2008

Welcher Generation gehörst Du an?

Zu welcher Generation gehöre ich eigentlich? Dieser Beitrag von Franz Walter sagt mir, ich gehörte als 79er gerade noch zur Generation der "Jungen Leistungsindividualisten".

Die Zielgruppe des juvenilen Neuliberalismus schlechthin dagegen sind die sogenannten männlichen "Jungen Leistungsindividualisten", wie sie von Milieuforschern etikettiert werden. Die männlichen "Leistungsindividualisten" gehören überwiegend den Geburtsjahrgängen 1967 bis 1979 an. Sie sind die Kinder des Privatfernsehens, des Internets, des Handys und der New Economy, man mag auch sagen: der "Generation Westerwelle".

Bei ihnen ist der Individualismus gewissermaßen rigide auf die Spitze getrieben, ob im Beruf oder in der Freizeit. Hier wie dort wollen junge Leistungsindividualisten bis an die Grenze gehen, die eigenen Potentiale aber auch Beschränkungen nachgerade brutal erfahren. Das Leben soll in jeder Sekunde intensiv und lustvoll sein.

Dies nach-postmaterialistische Gruppe – zuweilen als "Generation Golf" firmierend - wählt nicht mehr mehrheitlich rot-grün, sondern "bürgerlich". Vor allem die Freien Demokraten haben ihren Aufschwung der letzten Jahre unzweifelhaft dieser Post-Alternativ-Kohorte zu verdanken. Aber allzu viel zivilgesellschaftliches Engagement darf man von dieser Gruppe nicht erwarten. Hier fehlt dem Primat der individuellen Selbstverwirklichung das Korrektiv oder die Ergänzung einer gemeinschaftsbezogenen Verpflichtungsethik.


Bei den Jungen Leistungsindividualisten scheint es sich um die Kinder der vielgeschmähten 68er zu handeln. Wobei die Generation Golf auf Wikipedia beim Jahrgang 1975 aufhört. Was auch zu mir passt, da ich nie einen Golf gefahren habe und auch in der Bekanntschaft bei den Kleinautos bereits der knuffige Polo dominierte. Auch war in meiner Kindheit Privatfernsehen Tabu, sodass ich mit pädogogisch wertvollen Beiträgen der öffentlich-rechtlichen Kindernachrichtensendung "Logo" auf Umweltschutz und Verantwortungsethik eingeschworen werden konnte. Ich kann mich noch erinnnern, wie ich meinen Vater, von dem ich wusste, dass er in der Wirtschaft arbeitete, mit einem selbstgemalten Propagandaplakat von den Umweltgräueln unserer Zeit zu überzeugen suchte. Man sieht, dass man nicht fehlgeht, wenn man sich als Individualist gegen die Einordnung in soziologische Schubladen sträubt.

Tschernobyl ist mir als Ökodesaster aus den frühesten Kindheitstagen in Erinnerung geblieben und der Kalte Krieg, der in meiner bayerischen Heimat, der Oberpfalz, mit dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr greifbare Realität war. Auch wurde mir in den historischen Kalendern verdeutlicht, dass in meinem Geburtsjahr der Schah in Persien gestürzt worden war. Doch der Islamismus geriet noch einmal in Vergessenheit im Taumel der deutschen Wiedervereinigung, die ich eifrig als politologisch frühreifer Zehnjähriger am Bildschirm verfolgte. Mit meiner Familie besuchte ich auch gleich nach der Wende die Ex-DDR. Man konnte noch Rotarmisten sehen und Steinchen aus der Mauer kloppen. Deutschland schien eine Zukunft zu haben und in die Geschichte zurückzukehren.
Viele meiner Klassenkameraden drängte es aus der menschenleeren Oberpfalz nach Berlin. Auch ich spielte mit dem Gedanken ins Neue Deutschland zu gehen, blieb aber skeptisch - und bin bis heute noch in Bayern, wenn auch in seinem fränkisch-preußischen Teil. Die Berlin-Euphorie lebt bei mir noch in Form regelmäßiger Besuche im neuen Metropolis. Die Beobachtung, dass die Bewohner in hellen Scharen Ostdeutschland verlassen, stärkt aber nicht gerade den Pioniergeist, die persönliche Eastern Frontier in diese Richtung voranzuschieben.
Zwischendurch zog es mich in das Philosophenstädtchen Tübingen. Und dort - ausgerechnet beim Schritt nach Westen - musste ich den 11. September im Fernsehen sehen. Ratlosigkeit, Entsetzen und erste Lektüre einer Schnelleinführung in den Islam, gefolgt von Huntingtons "Clash of Civilizations", der auch die Geschehnisse auf dem Balkan in einen übergeordneten Kontext einordnete. Als ich als Kind die Türme des WTC im Guiness betrachtete, wäre mir nie eingefallen, dass sie einmal fallen könnten, während die Mauer durch Deutschland keine Selbstverständlichkeit war.
War es die Verunsicherung und die Herausforderung durch den Terrorismus, die zu meinem Wechsel von den Geisteswissenschaften zur eher wehrhaften Jurisprudenz beitrug? Jetzt tobt schon viele Jahre der Krieg im Irak, und manche reden von einem Krieg gegen den Iran, um diejenigen zu stürzen, die im Jahr meiner Geburt an die Macht kamen - so schließt sich der Kreis.
Es scheint, dass ich zur Generation "Teheran" oder "11. September" gehöre, zu einer Generation von westlichen Individualisten, die den teils gewaltvollen Anprall verschiedenster fremder Kulturen und die Relikte gescheiterter Gesellschaftssysteme bewältigen muss.

Donnerstag, 3. Januar 2008

Spuren des Krieges

Zu Beginn diese Videos wird der im Wahlkampf 1980 Gegendemonstranten konternde Franz Josef Strauß (CSU) bloßgestellt, dann spricht Kanzler Helmut Schmidt aber über die "Spuren des Krieges".





Eigentlich hat er seine Ansichten bis heute nicht verändert, und ist Nicht-Interventionist, weil er meint, dass die deutsche Gesellschaft durch den 2. Weltkrieg tiefer ausgebrannt sei als andere.
Auch ein Beispiel für den Status quo der vergreisenden Gesellschaft: Ihre Ansichten sind kaum mehr wandelbar und sie lebt in der Vergangenheit. Und mit Arthritis kann man auch wirklich kaum noch anderswo einmarschieren, seien die Zwecke diesmal auch noch so hehr.