Dienstag, 8. Januar 2008

Gysi, der Linkslibertäre

WESTERWELLE-GYSI-Streitgespräch in der der „Wirtschaftswoche“ (07.01.2008)

"Frage: Herr Gysi, Herr Westerwelle, eigentlich könnten Sie sich sehr ähnlich sein. Sie stammen beide aus bürgerlichen Verhältnissen, sind promovierte Juristen, haben als Anwälte gearbeitet und sitzen heute im Bundestag. Wie kommt es, dass der eine links und der andere liberal geworden ist?

Gysi: Oh, wie wird man liberal? Schwierige Frage. Ich versuche mal, das Herrn Westerwelle zu erklären. Aber dann muss er auch erklären, wie man links wird.

Westerwelle: Einverstanden.

Gysi: Also, es gibt zwei Seiten des Liberalismus. Ich bin ein libertärer Sozialist. Der ganze Staatssozialismus in der früheren DDR war so illiberal und in seiner Besserwisserei anmaßend, dass ich ein Verfechter des politischen Liberalismus bin. Deshalb ist auch eine Partei wie die FDP wichtig. Nur ein Beispiel: Die Liberalen haben sich schon um gleichgeschlechtlich Liebende gekümmert, als sich das keine andere Partei getraut hat.

Frage: Damit erklären Sie aber nicht die politische Sozialisation von Herrn Westerwelle.

Gysi: Wenn man wie Herr Westerwelle aus Bonn kommt, in einer Anwaltsfamilie groß wird und mit Brüdern aufwächst, die sich gern keilen, dann erkennt man in jeder Hinsicht die Notwendigkeit von Toleranz und Liberalismus. Was ich bei Herrn Westerwelle allerdings überhaupt nicht verstehen kann, das ist sein Eintreten für den wirtschaftlichen Liberalismus, den ich immer bekämpfen werde."

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