Montag, 14. Januar 2008

Hilfe, die Kinderschänder kommen

In Österreich ist das politische Klima seit je um einiges herzhafter und konfrontativer als in Deutschland. Dazu trägt auch eine Partei bei, die sich FPÖ nennt. Neueste Tiraden einer Wahlkandidatin in Graz sorgen auch über die Grenzen Österreichs hinaus für Aufsehen.



Bemerkenswert finde ich die Beobachtung, dass die Bierzeltversammlung zum Skandieren das Ausrufs "Hilfe" aufgefordert wurde und darauf auch einschwenkte. Das führt zu einer neuen Deutungsperspektive des Rufes "Heil" auf den Veranstaltungen einer rechtspopulistischen Vorgängergruppierung, die vor 60 Jahren in Mitteleuropa virulent war. Schrien die Massen damals den nationalreligiösen Messias (Erlöser) Hitler in einer Art kollektiver Panik recht eigentlich um Hilfe an?

Der Blick in ein "Kleines mittelhochdeutsches Wörterbuch" von Beate Hennig sagt mir:
heilen mhd: ...erlösen von, retten, gesund machen...
heil mhd: Glück, Erfolg, Wohlergehen, Gesundheit, Heil, Seligkeit, Erlösung, Segen, Segenswunsch, Schicksal...

Würde die FPÖ lieber das religiöser aufgeladene "Heil" skandieren lassen, woran sie aber durch die Rechtslage und die Geschichte gehindert wird? Oder wäre sie als modernes Populismus-Phänomen viel zu antireligiös dafür?
Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen in Österreich, Eva Glawischnig, bezeichnete Winters Äußerungen als "noch nie dagewesende antireligiöse Attacke"(SPON).


Wer ins Video hört, vernimmt, dass Susanne Winter dem Islam vorwirft, keine Religion zu sein. Das spricht nicht für eine antireligiöse Einstellung, sondern für eine Art christlichen Religionsschauvinismus.

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