Mittwoch, 9. Januar 2008

Paradoxon der Toleranz

"Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren." - Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde

Kann jemand Band und Seitenzahl zu diesem sehr wichtigen Zitat angeben? Ich habe das Buch gerade nicht zur Hand.

Die offene Gesellschaft scheint gar nicht so offen gedacht gewesen zu sein, wie mancher Libertäre vielleicht glauben mag. Jedenfalls berufen sich auch Anhänger der wehrhaften Demokratie auf Popper, der im 2. Weltkrieg die Beobachtung des Paradoxes der Toleranz machte. Absolute Toleranz kann zur gänzlichen Vernichtung der Toleranz durch die Intoleranz führen.

Kommentare:

DF hat gesagt…

Auf die Schnelle lässt sich die englische Variante genau finden. http://en.wikiquote.org/wiki/Karl_Popper#The_Open_Society_and_Its_Enemies_.281945.29

Roberto J. De Lapuente hat gesagt…

"Die offene Gesellschaft" darf als Popperscher Versuch verstanden werden, sich mit den Diktaturen seiner Zeit auseinanderzusetzen. Da Poppers liberales Demokratieverständnis die größtmögliche Freiheit für jedes Individuum gesichert wissen wollte, muß zwangsläufig wehrhaft gegen jene vorgegangen werden, die diese Auffassung zunichte machen wollen.

Popper postuliert zwar Freiheit, klammert aber die ökonomischen Wurzeln, an die jede individuelle Freiheit gefesselt ist, aus. Die materielle Grundlage autonomer Menschen spielt bei ihm keine, bestenfalls eine kleine Rolle. Als Staatstheorie, die sich einer liberalen Auffassung verschreibt, ist Popper sicher zu begrüßen, gemünzt auf den Realismus, der Freiheit für "ökonomisch Beschnittene" zum zynischen Irgendwas macht, kann Popper aber wenig beitragen.

Dennoch spricht Popper von der größtMÖGLICHEN Freiheit, nicht von der größten. Mir scheint, diverse Möglichkeiten ins Extreme werden in diesen Tagen bis zum Erbrechen umgesetzt.

Leider kann ich die Seitenangabe nicht bestimmen, da ich seinerzeit dies Buch nur geliehen hatte und es nicht mehr zur Hand habe.