Mittwoch, 13. Februar 2008

Dresden Bombed to Atoms

Am 13. Februar 1945 begannen die Luftangriffe auf Dresden.



Der Historiker Golo Mann schreibt dazu:
Nachdem die Alliierten im Hochsommer ganz Frankreich überrannt und die deutschen Truppen auf die alten Reichsgrenzen zurückgeworfen hatten, kam der Krieg im Herbst noch einmal zum Stehen. Die Amerikaner waren vorsichtig. Sie machten halt da, wo vor fünf Jahren die Franzosen haltgemacht hatten und von wo aus eine beherzte Offensive vor fünf Jahren dem ganzen Spuk hätte ein Ende machen können, am sagenhaften, kaum bemannten, kaum existierenden "Westwall". Dort hielten Sie an und ließen nun wieder, monatelang, nichts sprechen als das barbarische Argument der Bomben aus der Luft. Damals erst, so kurz vor dem Ende, sind die schwersten Angriffe erfolgt, auch auf Städte, die bisher verschont waren und wegen ihrer industriellen Bedeutungslosigkeit sich geschützt glaubten, auf Darmstadt, auf Dresden; nächtliche Massenmorde an der Zivilbevölkerung, die zeigten, welchen Tiefstand die öffentliche Moral nun überall erreicht hatte. "Kriegsführende", hat ein alter Historiker geschrieben, "tauschen Eigenschaften aus." H. [gemeint ist: Hitler] hatte nichts von den Angelsachsen angenommen, aber die Angelsachsen einiges von H. Während sie sich und den Bomben Zeit ließen, trafen sie sich zu Konferenzen, auf denen die Zukunft großspurig und vage geplant wurde: die Teilung Deutschlands in Besatzungszonen, die Abschaffung des deutschen Heeres und Generalstabes für ewige Zeiten, phantastische Grenzverschiebungen im Osten... (Golo Mann: Deutsche Geschichte 1919-45, Hamburg: Fischer 1961, S. 192)


Die Lizenz zum totalen Krieg in Form der Area Bombing Directive war dem Oberkommandierenden der britischen Luftstreitkräfte, Arthur Harris, am 14. Februar 1942 erteilt worden, also ein Jahr vor der berüchtigten Rede von Joseph Goebbels im Sportpalast am 18. Februar 1943.

Während sich Amerikaner und Briten mittlerweile von der Taktik des Area Bombing abgewendet haben und chirurgische Angriffe aus der Luft favorisieren, scheinen manche Linke, die mitunter als Reaktion auf die Provokationen der NPD übereifrig die Angriffe auf Dresden bis hin zur Umkehr der kriegsrechtlichen Verantwortung rechtfertigen und gegen jedes Gedenken polemisieren, noch in der Vorstellungswelt des totalen Kriegs stehengeblieben zu sein, die Goebbels in Worte fasste.

Denn offenbar ist alles erlaubt, wenn der Gegner nur abscheulich genug ist. (Willkommen damit auch in der Folterdebatte, die für mich mit dem Nietzsche-Zitat "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird." allerdings auch schon wieder beendet ist.)
Möglicherweise hat die mit dem Area bombing angestrebte Zerrüttung der Moral, wenn nicht kurzfristig, doch langfristig so Erfolg gehabt, dass einige Deutsche - unbegründet - fürchten, selbst mit Bombenopfer-Andacht den Zorn westlicher Mächte heraufzubeschwören, und ihnen darüber die Wertmaßstäbe verloren gegangen sind. Es steht also in den nächsten drei Tägen wieder ein würdeloses Schauspiel von Demonstrationen und Gegendemonstrationen in Dresden an.

Die Veranstaltung "Geh-Denken" eines Bündnisses für Demokratie wird auch von einem FDP-Politiker unterstützt. Vielleicht ein Anlass einmal vorbeizuschauen? Denn man kann ja wirklich einige Überlegungen an die historischen Ereignisse anknüpfen.

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