Samstag, 5. April 2008

Über die Hintergrunde des Anti-Etatismus in den USA

Über die trüben Hintergründe der amerikanischen Abneigung gegen den Sozialstaat (und wohl die Staatstätigkeit überhaupt) klärt ein Beitrag von Eduardo Porter in der International Herald Tribune auf: Race and the social contract.

Quintessenz: je höher die ethnische und "rassische" Vielfalt in einem Staatswesen, desto geringer die Bereitschaft der Bürger, Steuern und Abgaben an einen Sozialstaat zu entrichten, da die Büger dann nicht davon ausgehen können, dass das Geld bei "Ihresgleichen" landet. Sie investieren dann lieber in eigene karitatitive Betätigung etwa über religiöse Gruppierungen, wo sie sicherstellen können, dass das Geld zu den "Richtigen" fließt.

Man weiß also jetzt, wo Deutschland mit zunehmender Multikulturalität landen wird.
Das Freiheitspathos in dieser Angelegenheit kann man sich wohl schenken.

Bertrand Russel über Stolz

"Stolz, soweit er eine Tugend ist, ist der Entschluss, nicht von den Zielen abgelenkt zu werden, die der Mensch für gut befindet, ganz gleich, welcher Druck von außen auf ihm lastet."

Bertrand Russel: Wie die Welt gemacht werden kann; Darmstadt, Darmstädter Blätter 1989, S. 104

Joachim Fest über den Nationalsozialismus

Joachim Fest in seinem Buch "Staatsstreich - Der lange Weg zum 20. Juli", btb 1997, S. 24 f. über die Nationalsozialisten:

"Was dieser von den neuen Machthabern vertretenen Spielart des Sozialismus die besondere Anziehungskraft sicherte, war wiederum ihre Verbindung mit dem nationalen Gedanken. Dies, und strenggenommen fast ausschließlich dies, war es, was seine revolutionäre Wucht verschleierte und die vielen Mißverständnisse, damals wie später, möglich machte, wonach der Nationalsozialismus eine konservative Erscheinung sei. In Wirklichkeit war er viel eher progressistisch, strukturzerstörend, gleichmacherisch. Aber indem er seinen sozialen Radikalismus national verblendete, schien er nicht nur den lange vernachlässigten Interessen des eigenen Landes Rechnung zu tragen. Vielmehr schmolz er auch das verbreitete Verlangen nach Veränderung mit dem nicht minder starken Bedürfnis nach Bewahrung des Vertrauten zusammen. In dem von vielen ersehnten, aber auch mit dunklen Ängsten erwarteten Modernisierungsprozeß waren Thingtheater, Brauchtumspflege und landsmannschaftliche Folklore die anheimelnden Kulissen, hinter denen der gewollte Bruch mit dem Vergangenen vorangetrieben wurde. Gerade die Verbindung von scheinkonservativem mit zukunftsgerichteten Perspektiven, die Abmilderung des einen durch das andere, hat ihm eine Resonanz eingetragen, die dem nur auf seinen Fortschrittstremor eingeschworenen marxistiscehn Völkersozialismus versagt geblieben ist."

Freitag, 4. April 2008

Auszug aus der Aufklärung

(II,6) "Im Naturzustand herrscht ein natürliches Gesetz, das für alle verbindlich ist. Die Vernunft aber, welcher dieses Gesetz entspringt, lehrt alle Menschen, wenn sie sie nur um Rat fragen wollen, dass niemand einem anderen, da alle gleich und unabhängig sind, an seinem Leben, seiner Gesundheit, seiner Freiheit oder seinem Besitz Schaden zufügen soll. Alle Menschen nämlich sind das Werk eines einzigen allmächtigen und unendlich weisen Schöpfers, die Diener eines einzigen souveränen Herren, auf dessen Befehl und in dessen Auftrag sie in die Welt gesandt wurden. Sie sind sein Eigentum, denn sie sind sein Werk, von ihm geschaffen, dass sie so lange bestehen, wie es ihm gefällt, nicht aber, wie es ihnen untereinander gefällt. Und da uns allen die gleichen Fähigkeiten verliehen wurden und wir alle Glieder einer einzigen Gemeinschaft, der Natur, sind, kann nicht angenommen werden, dass uns irgendeine Rangordnung unter uns dazu ermächtigt, einander zu zerstören, als wären wir einer zu des anderen Nutzen geschaffen, so wie die untergeordneten Lebewesen zu unserem Nutzen geschaffen sind. Wie ein jeder verpflichtet ist, sich selbst zu erhalten und seinen Platz nicht freiwillig zu verlassen, so sollte er aus dem gleichen Grund, wenn er seine eigene Selbsterhaltung gefährdet, nach Möglichkeit auch die übrige Menschheit erhalten." (John Locke: Abhandlung über die Regierung, 2. Teil, 1689, zit. nach der Übersetzung bei Reclam)

Über die religiösen Wurzeln des Aufklärungsdenkens und des Liberalismus würde man gern mehr erfahren. Oder handelt es sich nur um sprachliche Zugeständnisse Lockes, um sich bei seinen damaligen Leser verständlich zu machen?