Samstag, 5. April 2008

Joachim Fest über den Nationalsozialismus

Joachim Fest in seinem Buch "Staatsstreich - Der lange Weg zum 20. Juli", btb 1997, S. 24 f. über die Nationalsozialisten:

"Was dieser von den neuen Machthabern vertretenen Spielart des Sozialismus die besondere Anziehungskraft sicherte, war wiederum ihre Verbindung mit dem nationalen Gedanken. Dies, und strenggenommen fast ausschließlich dies, war es, was seine revolutionäre Wucht verschleierte und die vielen Mißverständnisse, damals wie später, möglich machte, wonach der Nationalsozialismus eine konservative Erscheinung sei. In Wirklichkeit war er viel eher progressistisch, strukturzerstörend, gleichmacherisch. Aber indem er seinen sozialen Radikalismus national verblendete, schien er nicht nur den lange vernachlässigten Interessen des eigenen Landes Rechnung zu tragen. Vielmehr schmolz er auch das verbreitete Verlangen nach Veränderung mit dem nicht minder starken Bedürfnis nach Bewahrung des Vertrauten zusammen. In dem von vielen ersehnten, aber auch mit dunklen Ängsten erwarteten Modernisierungsprozeß waren Thingtheater, Brauchtumspflege und landsmannschaftliche Folklore die anheimelnden Kulissen, hinter denen der gewollte Bruch mit dem Vergangenen vorangetrieben wurde. Gerade die Verbindung von scheinkonservativem mit zukunftsgerichteten Perspektiven, die Abmilderung des einen durch das andere, hat ihm eine Resonanz eingetragen, die dem nur auf seinen Fortschrittstremor eingeschworenen marxistiscehn Völkersozialismus versagt geblieben ist."

Keine Kommentare: