Donnerstag, 12. Juni 2008

Kapitulationsstimmung

Derzeit gehen mir zwei historische Fotografien zum Thema Kapitulation durch den Kopf. Eine zeigt ein Kind im Warschauer Ghetto, die andere zeigt einen verweinten gefangenen blonden Hitlerjungen in Wehrmachtsuniform (konnte sie noch nicht im Internet aufspüren). Kürzlich stolperte ich passend zum Thema über einen umfangreichen Wikipedia-Beitrag über den Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte im Juni vor 64 Jahren. "Operation Bagration" die wohl bestverdrängte und umfassendste Teil-Niederlage der Deutschen im 2. Weltkrieg. Im OKW-Tagebuch finden sich keine Eintragungen über sie. Mir fällt auch auf, dass man als Westdeutscher wenig über die Umstände der Kapitulationen gegenüber den Russen weiß. Es finden sich schwülstige Propagandafilme der DDR darüber im Internet, in denen es in diesen Szenen nur so von deutschen Überläufern aus kommunistischer Überzeugung wimmelt ("Im Geiste Ernst Thälmanns!") Doch wie ging es wirklich zu?

Man hört und liest derzeit viel von Kapitulation, wenn man sich nicht mit Geschichte befasst. Da sind zum einen die Islamkritiker, die verkünden, der Westen knicke vor islamischen Herausforderung ein. Ich lese dazu gerade Hendryk M. Broders: "Hurra, wir kapitulieren!", das allerdings jede Menge Beleidigungen von Muslimen enthält. So schlimm es kann es noch nicht stehen für Juden, Christen und Atheisten.

Zum anderen säuselt gerade die Band Tocotronic ihr Lied von der "Kapitulation". Ein anderes von ihr nennt sich "Mein Ruin". Es geht irgendwie auch um die Dekonstruktion von Männlichkeit.

Ein Blick in Wikipedia lehrt mich, dass es neben der bedingungslosen auch noch die ehrenvolle Kapitulation gibt. Auf letztere legt man als zivilisierter Westler wohl keinen Wert, da "Ehre" ja als eine Sache dieser als so archaisch und zurückgeblieben geschilderten Muslime geschildert wird, sodass für den Westen wohl nur die bedingungslose Kapitulation bleibt...

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