Dienstag, 1. Juli 2008

"Tertium non datur."

Der Essay von Henryk M. Broder "Hurra, wir kapitulieren!", der von der "Lust am Einknicken" handelt, bietet eine Fülle von Witz und Pointen, die letztlich Broder letztlich in eine sehr ernste Zuspitzung münden lässt, die kurz vor dem Schlusskapitel auf S. 136 die Quintessenz seiner Polemik enthält:

"Man kann auf vielen Wegen vor der Einsicht davonlaufen, dass der Terrorismus eine Gefahr ist, der man sich stellen muss. Man kann sich in die Befindlichkeit von Terroristen hineinversetzen und die Verbitterung nachvollziehen, von der sie angetrieben werden. Man kann zum Kampf gegen die Ursachen aufrufen und sich mit dieser großen Geste zufrieden zurücklehnen. Man kann auf das viel größere Übel verweisen, den Kapitalismus, der niedergerungen werden muss. Man kann Kosten-Nutzen-Berechnungen anstellen, die damit enden, dass der Kampf gegen den Terror mehr Opfer kostet als der Terror selbst.
Egal, welchen Notausgang man nimmt, man gewinnt Zeit. Nicht gegenüber den Terroristen, die irgendwo sitzen und den nächsten Anschlag planen, nein, gegenüber sich selbst. Ein nüchterne Analyse der Lage würde zwei Optionen ergeben, tertium non datur: Man kapituliert sofort, tritt zum Islam über und einer besonders militanten Richtung bei, oder man überlegt sich ernsthaft, was man tun könnte, um den Terrorismus zu stoppen, wofür man leider einige Grundsätze des befriedeten Zusammenlebens opfern müsste."
(Henryk M. Broder. Hurra, wir kapitulieren!, 8. Auflage, wjs-Verlag, Berlin 2006)


Der Beitrag des publizistischen Netzwerks der Achse des Guten zum Krieg gegen Terrorismus ist darin zu sehen, dass es antiamerikanische Ressentiments, die dieser in Mitteleuropa unweigerlich nach sich ziehen muss, eindämmt. Dass es noch eine dritte Alternative geben könnte, nämlich sich als Christ oder Jude in den Dhimmistatus zu unterwerfen, unterschlägt Broder, es setzte auch voraus, dass die radikalsten Kräfte im Islam sich nicht durchsetzen.
Zeit zu gewinnen, fanatische Gegner hinzuhalten, kann manchmal strategisch überlebensnotwendig sein, etwa wenn man in der Vergangenheit die Rüstung vernachlässigt hat, wie das bei den USA vor dem 2. Weltkrieg der Fall war.
Selbst wenn man dem Islam beiträte, ich glaube nicht, dass man damit seinen Frieden gewinnt. Denn welcher Konfession im Islam soll man beitreten, den Sunniten oder Schiiten? Man fände sich erneut inmitten mit Gewalt ausgetragener Glaubenskämpfe innerhalb der ein chaotisches Bild bietenden Religion des Islam wieder.

Broder redet viel von Kapitulation, um den Gedanken an sie gar nicht erst aufkommen zu lassen.

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