Sonntag, 3. August 2008

Gunnar Heinsohns Fragen von Leben und Tod II

Der in diesem Blog mehrmals diskutierte Genozidforscher Gunnnar Heinsohn hat auch eine These geliefert, mit der er die vielbehauptete Einzigartigkeit des Holocaust unterfüttert:

"The Holocaust - however twisted the road leading to its realization - was "uniquely unique" (Eckhardt/Eckhardt 1980) because it was a genocide for the purpose of reinstalling the right to genocide. Hitler was not unprecedented in ruthlessly and massively breaking th Fifth Commandment; he was irreducibly distinct from other megamurderers by abrogating it." (Gunnar Heinsohn: Why was the Holocaust different from all other genocides?; Bremen, 1998, S. 86)

Oft wird die Einzigartigkeit des Holocaust oberflächlich auf die hohe Opferzahl von 6 Millionen gestützt, die wie Heinsohn aufzeigt, von anderen Genoziden leicht überboten werden kann. Den Gedanken, der Holocaust sei die einzige industrielle Massentötung gewesen, diskutiert er in dem zitierten Aufsatz gar nicht erst.

Nach Heinsohns Theorie verfolgte Hitler die Juden primär wegen bestimmter von ihnen getragener Glaubensinhalte, konkret, dem 5. Gebot: "Du sollst nicht töten!" und wegen des ihnen vorgeworfen Egalitarismus (Alle Menschen sind gleich viel wert) In der von Hitler angestrebten Umwertung der Werte sollte, so Heinsohn, für das im Judentum wurzelnde Prinzip der unbedingten Lebensheiligkeit kein Platz mehr sein, an seine Stelle sollte das Recht der Tötung von "lebensunwertem Lebem" im Sinne der Rassezucht und das Recht zur Ausrottung und Dezimierung als minderwertig eingeschätzer Völker zur Gewinnung von "Lebensraum" treten. Hitler habe persönlich keine Animositäten gegenüber Juden gehabt, sondern bekämpfte sie als Träger einer Weltanschauung, die seiner diametral gegenüber stand.

Demnach war der Holocaust der Völkermord zur Ermöglichung von Völkermorden, und ist dann in dieser Gruppe des Völkermords zur Durchsetzung von Völkermorden der einzige seiner Art.

Die Deutung Heinsohn legt allerdings nahe, den Holocoaust mit den Ketzerverfolgungen des Mittelalters zu vergleichen, in der ganze Menschengruppen wegen bestimmter Glaubeninshalte vernichtet wurden.

Fragwürdig erscheint an der Theorie Heinsohns vor allem, dass die Nazis auch Menschen als "Juden" und "Judenstämmlinge" verfolgten, die kulturell gar nichts mehr mit dem Judentum zu tun hatten. Außerdem vertreten Christen Lebensheiligkeit und Egalitarismus genauso.

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