Freitag, 26. September 2008

"Sterben vielleicht?"

Um mal eine vorgezogene Presserückschau auf dieses Jahr zu machen: Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist mir diese FAZ-Reportage über die ausländerfeindlichen Unruhen in Südafrika, die die ganze Hilflosigkeit des Flüchtlings in der Fremde aufzeigt, sodass auf die Frage, was er denn in Zukunft machen werde, sich die Antwort aufdrängt: "Sterben vielleicht?"

43 Prozent der Bevölkerung in Südafrika leben unter der offiziellen Armutsgrenze, da wirkt es sich besonders existenzbedrohend aus, wenn über Einwanderung in den Arbeitsmarkt die Löhne immer weiter nach unten gedrückt werden.

Henri IV

Ein historische Figur, die gerade mein Interesse geweckt hat, ist die des Henri IV, oder Henri de Navarre. Die Franzosen haben ihm eine sehr schwungvolle Hymne gewidmet, die auch den Dichter des Deutschlandliedes, Heinrich Hoffmann von Fallersleben, begeisterte.



Henri IV ist interessant, weil er selbt religiös hochgradig indifferent war und die französischen Religonskriege zwischen Katholiken und Hugenotten zu einem vorläufigen Ende brachte. Das Auftreten ähnlicher Figuren wünscht man sich im Westen mittlerweile wieder. Auch der Appeal den Barrack Obama mit seiner allseitig bekundeten Dialogbereitschaft ausübt, wurzelt in dieser Sehnsucht nach Frieden einer durch Terrorismus und Terrorbekämpfung bereits ziemlich zermürbten Gesellschaft. Der Komödiant Dieter Nuhr artikulierte gar die Sehnsucht nach dem Auftreten einer neuen Prophetengestalt, die den Konflikt der Konflikten religiös überwindet. Vielleicht aber reicht auch ein areligiöser Politiker.

Donnerstag, 25. September 2008

Das Schicksal der Äußerungsfreiheit in Ländern der Mitte

Ein interessanter Überblick über die Knebelungen der Äußerungs- und Meinungsfreiheit in Deutschland findet sich bei heise.de. Die juristischen Einschätzungen Peter Mühlbauers halte ich im Detail freilich an einigen Stellen für fragwürdig.

Nichteinwanderungsland USA

In den USA greift die Angst vor der Hispanisierung um sich, was zu immer härterem Vorgehen gegen illegale Einwanderung führt. John McBama und Barrack McBama unterscheiden sich kaum in ihrer Haltung dazu, heißt es.

Freiheit, die ich nicht meine

Unter Freiheit verstehe ich nicht die Freiheit, sich rücksichtslos zu Lasten anderer verhalten zu können, wie man will.

Beispielsweise habe ich was gegen Raucher, die mir ins Gesicht qualmen.

Generation Luschi

Thomas Kerstan stieß in der ZEIT-Ausgabe Nr. 32 bereits ins selbe Horn wie Jens Jessen, als er über die "Zahnlose Elite" schrieb.

Mittwoch, 24. September 2008

Interventionsspirale

Es wird von Liberalen darauf hingewiesen, dass ein staatlicher Eingriff ins Wirtschaftsleben den nächsten nach sich ziehe.

Dies gilt auch für ärztliche Eingriffe. Ärzte lösen permanent Probleme, die es ohne sie gar nicht gäbe.

Ein Beispiel hierfür ist das zunehmende Auftreten von Schwangerschaftskomplikationen aufgrund zu enger Becken der Schwangeren. Dies ist eine Folge der von den Ärzten angebotenen Kaiserschnittgeburten. Diese führen dazu, dass Frauen mit für die Fortpflanzung eigentlich ungeeigneten Becken sich immer besser fortpflanzen können. In der darauffolgenden Generation entsteht dann deswegen ein noch ein viel größerer Bedarf an Kaiserschnittgeburten usw.

Wie andere Berufsgruppen tendieren auch Ärzte dazu, ihren Einfluss immer weiter zu vergrößeren und sich selbst unverzichtbar zu machen.

Wenn die Entwicklung weiter so läuft, und niemand den Ärzten rechtlich und ökonomisch Einhalt gebietet, wird der Mensch ohne die Unterstützung ärztlicher Technologie völlig überlebensunfähig sein. Danach sieht es allerdings derzeit nicht aus, werden doch Ärzte in unserer Gesellschaft quasi als Heilige verehrt. Ihre Machtbasis vergrößert sich ständig.

Montag, 22. September 2008

Der letzte Mensch

Nietzsches Beschreibung des "letzten Menschen" wird in europäischen Breitengraden zunehmend antreffbare Realität:

"Für Nietzsche ist das Gegenteil des Übermenschen der "letzte Mensch". Ihm gilt die ganze Verachtung Nietzsches. Dieser letzte Mensch ist kein primitiver Proletarier, sondern ein wohlhabender Spießbürger in Spätzeit der menschlichen Entwicklung. Der letzte Mensch flieht aus dem kalten Norden in den angenehme warmen Süden. Er achtet sehr auf seine Gesundheit und vermeidet es krank zu werden. Er geht achtsam mit seinen Mitmenschen um und vermeidet es, sie zu ärgern oder zu provozieren. „Ein Tor, der noch über Steine oder Menschen stolpert !“ formuliert Nietzsche den Standpunkt des „letzten Menschen“. Der letzte Mensch arbeitet noch, aber er arbeitet nur zu seiner Unterhaltung. Man ist wohlhabend, aber nicht superreich, denn das wäre, ebenso wie Armut, zu beschwerlich. Niemand will mehr regieren, niemand will mehr gehorchen. Auch dies ist dem dekadenten „letzten Menschen“ zu beschwerlich. Nietzsche sagt: „Jeder will das gleiche, jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig ins Irrenhaus...Man ist klug und weiß alles, was geschehen ist...Man hat ein Lüstchen für den Tag und ein Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit. 'Wir haben das Glück erfunden' - sagen die letzten Menschen und blinzeln."

Hier schildert Nietzsche eine überalterte Wohlstandsgesellschaft von Warmduschern, Schattenparkern und Dünnbrettbohrern, die sich im Winter in den Süden flüchtet.

"They don´t love each other."

...Dieses Diktum eines Amerikaners über die Deutschen gehört zu den vielen interessanten Notizen in Götz Alys "Unser Kampf", einer sehr emotional geprägten Auseinandersetzung mit den 68ern, die wie man ahnen kann, überaus vernichtend ausfällt. Fazit: Gott sei Dank hatten die 68er mit ihrer Revolution keinen ähnlichen Erfolg wie ihre braunen Vorgänger, mit denen sie viel gemeinsam hatten.
Es handelt sich denn auch um eine Art vergleichende Darstellung der 68er und des NS-Hochschulbundes. Auch Ähnlichkeiten zwischen dem universitären Antisemitismus der NS-Akademiker und der heutigen Bekämpfung der Männer an den Universitäten durch den Femifaschimus und die Einstellungs-Diskriminierung werden aufgezeigt:

"Ensprechend der nationalsozialistischen Idee der Chancengleichheit sollte der Zugang für Christen und Juden entsprechend dem Bevölkerungsanteil, der für Juden bei 0,5 Prozent lag, quotiert werden. Für die Immatrikualitionsbüros waren, wie man heute sagen würde, Gleichstellungsbeauftragte vorgesehen, die für eine "gerechte" Judenquote zu sorgen hätten. Ein solches Gesetz wurde im April 1933 tatsächlich erlassen und für einige Monate - bis zum endgültigen Ausschluss jüdischer Studenten - wirksam." (Götz Aly: Unser Kampf, Bonn 2008, S. 174)

Ob der heute mittlerweile abgeklungene, aber manchmal noch zu erspürende Hass der Deutschen aufeinander vor den zwei verlorenen Weltkriegen, als man im Kaiserreich fröhlich dem Platz an der Sonne entgegendampferte, auch schon so ausgeprägt oder überhaupt vorhanden war? Der Dichter Stefan George registrierte den Selbsthass in der Weimarer Republik als Folge der Kriegsniederlage.

Das Buch Alys ist überaus lesbar und anregend geschrieben und befasst sich auch mit der Fragestellung dieses Blogs, nämlich der Generationgeschichte und der darin festzustellenden Weiterwirken der finsteren Vergangenheit. Die Frage muss demnach nicht nur lauten: "Welcher Generation gehörst Du an?, sondern auch: "Welcher Generation gehörten deine Eltern an?"

Ein muslimisches Freidenkerschicksal

Der Islamkunde-Professor Muhammad Sven Kalisch, der die Existenz Mohammeds als historisch Gestalt in Frage stellte, fürchtet jetzt nach Morddrohungen, so berichtet die WELT, um sein Leben.

Sonntag, 21. September 2008

Niederlage für die Versammlungsfreiheit

Aus liberaler Sicht kann man zu den Vorgängen an diesem Wochenende in Köln, dem Anti-Islamisierungskongress, folgendes anmerken:

Aus liberaler Sicht können die Muslime ihre Moscheen in beliebiger Weise errichten, allerdings dürfen auch Gegendemonstranten dagegen demonstrieren, wie dies ja in Deutschland gegen jede beliebige Art von Bauwerk praktiziert wird. Insbesondere sind Linke im Falle von zu errichtenden Sporttempeln oder Konsumtempeln, wie die Vorgänge in Berlin zeigen (siehe dazu auch diesen Blog), sehr viel unwillieger als im Bereich von anderen nicht-christlichen Gotteshäusern. Selbstverständlich dürfen auch die Gegendemonstranten gegen die Gegendemonstranten, die Islamophilen gegen die Islamophoben, friedlich demonstrieren.

Insofern die Polizei die Kundgebung der Islam-Gegner am Heumarkt verbot, kann man dies als Versuch des Staates verbuchen, das Gesicht zu wahren. Denn eigentlich hat der Staat vor den linken Gegendemonstranten kapituliert: Staatsversagen im Bereich Grundrechtsschutz. Verlust des Gewaltmonopols an Linke und Linksextreme.

Dieses Muster findet sich auch in Bayern. der Staat hat hier massive Grundrechtseinschränkungen bei der Versammlungsfreiheit vorgenommen. Anlass war auch hier weniger die Angst vor den Aufmärschen der marginal auftretenden Neonazis, sondern die Angst vor dem Terror der linken Gegendemonstranten.

Deutschland wird also von einer Kombination aus rechten Aufmärschen. linkem Straßenterror und religiösen Konflikten immer weiter in die Diktatur getrieben.

Aufgabe eines liberalen aber auch eines konservativen Journalismus wäre, die Fälle von Staatsversagen im Bereich des Grundrechtsschutzes zu sammeln und aufzuzeigen.

Samstag, 20. September 2008

Gegenläufige Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und Großbritannien.

Für die Zukunft wird eine geradezu gegenläufige Bevölkerungsentwicklung in Deutschland einerseits, in Großbritannien andererseits prognostiziert. In Deutschland soll die Bevölkerung beträchtlich zurückgehen, in Großbritannien zunehmen. Das Vereinigte Königreich bleibt auf seinem Pfad zum multikulturellen Hexenkessel, der sich ständig aus dem ganzen ehemaligen Commonwealth ergänzt. In Deutschland wird die beschauliche Ruhe eines Großaltersheims inmitten einer für die Natur zurückgewonnen Landschaft einkehren.

Donnerstag, 18. September 2008

Helmut Schmidt, Nina Hagen, Madonna...

und der Fürst von Liechtenstein, so heißt es, haben schon getan, was bei den Freunden der offenen Gesellschaft zur Löschung von Kommentaren führen kann. Auch die Prominenten bestätigen nur die Debatten-Statistik:

"Letztendlich können ohne weitere Erklärung Kommentare entfernt werden, die von Blog-Autoren als unangebracht eingeschätzt werden. Trotzdem begnügen wir uns meist mit einer Verwarnung.

Godwin’s Rule of Nazi Analogies: As a Usenet discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one. [#]

Kommentare, die unnötigerweise ad nazium gehen, können ohne viel Aufhebens gelöscht werden. Es genügt die individuelle Entscheidung eines der Autoren, um den Kommentar zu löschen."

Schonmal ein Beitrag zu weniger Gequassel im Internet.

Bonner Erklärung der Libertären

Beim Bundestreffen der Libertären am vergangenen Wochenende wurde eine "Bonner Erklärung" verabschiedet, eine nicht gerade orginelle Betitelung, so dass sie unter verschiedenen Bonner Erklärungen bei Google schwer zu finden ist. Man muss sich auf der Libertären Plattform der FDP im Internet durchklicken.

Beim Durchlesen wird einem klar, wie einfach die Welt auf Unternehmer-Schultern organisiert werden könnte, wenn man nur auf die Libertären hörte...

Was ist Islamisierung?

Dieses Wochenende wird in Köln ein Anti-Islamisierungskongress mit 1500 Teilnehmern und etwa 40 000 Gegendemonstranten erwartet. Geht es dabei nur um den Bau von Groß-Moscheen?

Im Wikipedia-Artikel zum Thema Islamisierung findet sich auch die auch von Gunnar Heinsohn vertretene Prognose, dass 2050 Muslime erstmals die Bevölkerungsmehrheit in Europa stellen könnten.

Desillusionierung für Menschenfreunde



In dem Film Dr. Aleman spielt August Diehl einen jungen deutschen Mediziner, der ein praktisches Jahr in Südamerika ableistet. Über dem Film liegt eine traurige Grundstimmung der Desillusion. Der Nachwuchsmediziner Marc ist ein typischer Vertreter der jüngeren Generation: Er äußert keinerlei politische Vorstellungen und verkündet keinerlei gesellschaftliche Utopie. Als Erklärung, warum er sich in Südamerika aufhalte, gibt er an, dass die heimische elterliche Arztpraxis von einem Geschwister übernommen sei: "Deswegen bin ich hier".
Der Protagonist zeigt sich leicht verführbar durch Drogen und Frauen, und wird in den Bandenkrieg verstrickt. Erkennbar ist sein Bemühen in der Fremde Anschluss und Liebe zu finden, jedoch scheitert diese Annäherung.

Einige interessante ethische Probleme, die Ärzte betreffen, tauchen im Film auf:

In einer Sequenz muss sich Marc vom Chefarzt darüber belehren lassen, dass es der Hippokratische Eid, den er abgeleistet habe, gebiete, alle Patienten gleich zu behandeln, was auch bedeute, dass Arme gegenüber Reichen keine bevorzugte Behandlung verdienten.

Marc weigert sich zuletzt einen der mörderischen Bandenkriminellen zu operieren, worauf er vom Chefarzt mit den Worten "Tolle Philosophie, Heil Hitler!" umgehend gefeuert wird. Der Arzt darf sich nicht zum Richter aufspielen.

Der Film endet in Mord und Totschlag. Marc kann nicht davon lassen, das Recht in die eigene Hand zu nehmen, und erschießt aus Rache den Profikiller El Juez. Da war es wohl für jemanden, der aus dem Land kommt, wo "Sonntags schon das Rasenmähen verboten ist", zu viel an Chaos und Anarchie geworden.

Weltkriegsopfer ohne Lobby

In Litauen gibt es verschiedentliche Bemühungen, kommunistische Kriegsverbrecher des 2. Weltkriegs juristisch zu belangen, was aber auf internationalen, insbesondere russischen Widerstand stößt. Auch bei der EU können Osteuropäer, die das Pech hatten, dass ihre Dörfer im Weltkrieg nicht von Nazis, sondern von Kommunisten angezündet wurden, nicht auf Sympathie für juristische Sühnebestrebungen hoffen. Burkhard Schröder berichtet über einen Teilaspekt des Geschehens, nämlich Ermittlungen gegen jüdische Partisanen. Möglicherweise will Schröder, der im Beitrag auch darüber stolpert, dass in Litauen Kommunistensterne wie Hakenkreuze gleichermaßen verboten sind, durch seinen Fokus die Vergeltungsbemühungen der litauischen Justiz als antisemitisch diskreditieren. Eine Tendenz in diese Richtung ergibt sich dadurch, dass die Litauer mit ihren Ermittlungen bei der Großmacht Russland natürlich nicht weiterkommen. Auf seiner Homepage gibt Schröder an, in seiner Studentenzeit in der "maostischen KPD" mitgearbeitet zu haben, ohne sich in seiner Selbstdarstellung "Zur Person" vom Kommunismus zu distanzieren. Schröder mit seinem listigen Blickt wirtk auf mich wie die Verkörperung des Großstadtjournalisten schlechthin, wie es ihn vor 80 Jahren in Berlin als Typus auch schon gegeben haben mag.

Mittwoch, 17. September 2008

England als Zukunftsbarometer auch beim Thema Repression?

Eigentlich suche ich bei Telepolis gerade einen bestimmten Artikel, der aufzeigte, dass in den nächsten Jahrzehnten die europäische Ur-Bevölkerung in den europäischen Großstädten in die Minderheit geraten wird, was erstmalig in einer englischen Stadt der Fall sein soll. Dabei stoße ich über jede Menge weitere hochinteressante Beiträge, zB diesen hier über zunehmende staatliche Repression gegen Jugendliche, ebenfalls in England, die meine in diesem Blog schon geäußerten Thesen zur Marginalisierung der Jugendlichen in der aufziehenden Rentnergesellschaft stützen.
Kürzlich berichtete mir jemand von der unglaublichen Story, man plane in England, zukünftig durch Aussenden von schrillen Tönen, die aufgrund ihres besonderen Hörvermögens nur von Jugendlichen wahrgenommen werden können, Jugendliche von bestimmten Plätzen fernzuhalten. Ich warte noch auf nähere Informationen dazu.

Mit Marx für Studiengebühren!

Die "Internetpartei der Liberalen" wirbt auf der Politikplattform dol2day mit folgendem Marx-Zitat um virtuelle Wähler:

"Wenn in einigen Staaten [...] auch 'höhere' Unterrichtsanstalten unentgeltlich sind, so heißt das faktisch nur, den höheren Klassen ihre Erziehungskosten aus dem allgemeinen Steuersäckel zu bestreiten."
(Karl Marx in "Kritik des Gothaer Programms")

Immer noch treffend!

Inzest - leider bald kein Randthema mehr?

Ein hochinteressanter Beitrag zum Thema Inzest findet sich im Tagesspiegel.

(1) Verwandtenheiraten sind in Teilen der muslimischen Welt weit verbreitet: Insofern Mitteleuropa Einwanderungsgebiet für Muslime ist, werden Mitteleuropäer der Konfrontation damit nicht ausweichen können.

(2) Durch die künstliche Befruchtung könnte es vermehrt zu ungewollten Liebeleien zwischen leiblichen Geschwistern kommen. Offenbar ist die sexuelle Attraktion zwischen diesen sogar besonders stark, wenn sie nicht zusammen aufgewachsen sind.

Letzteres bedeutet, dass die Verhinderung von Inzest über die Gesetzesnorm wichtiger wird, weil die biologischen Abwehrmechanismen gegen Inzest zusehends von Medizin und Gesellschaft überlistet werden.

Die "feine englische Art" der "Vergangenheitsbewältigung"

Der Penseur hat auf einen lesenswerten Beitrag im Guardian aufmerksam gemacht, in dem kritisch beleuchtet wird, wie die feine englische Art aussieht, die eigene problematische Kolonialvergangenheit zu beschönigen. Der Artikel selbst ist allerdings Beweis für Strömungen schlechten Gewissens, von denen auch die Briten angenagt sind, was sie aber in ihrer außenpolitischen Mobilität, die nach wie vor durch hohe Kriegsbereitschaft und Sendungsbewußtsein gekennzeichnet ist, wenig einschränkt.

Freitag, 12. September 2008

Neuigkeiten für Ahnenforscher aus der Biologie

Der SPIEGEL berichtet über eine von Biologen entwickelte Europakarte, die die genetische Verwandtschaft der Europäer untereinander aufzeichnet. In den genetischen Unterschieden schlägt sich nieder, in welchem Maße die verschiedenen Nationen und nationale Teilgruppen voneinander räumlich isoliert bzw. entfernt waren waren, was möglicherweise für Ahnenforscher aus Übersee auf der Suche nach den Herkunftsregionen ihrer Vorfahren hilfreich ist.

Mittwoch, 10. September 2008

Offshore Drilling

Während man in Europa Offshore-Windparks errichtet oder zu errichten erwägt, diskutiert man in den USA "Offshore Drilling", d.h. die Freigabe von Ölbohrungen in bestimmten Küstenabschnitten der Vereinigten Staaten, wo dies bisher nicht zulässig ist. Die Demokratische Partei möchte McCains "Drill, Baby, drill!" nur mitmachen, wenn den Öl-Multis dafür mehr Steuern abgeknüpft werden, die in erneuerbare Energien gesteckt werden sollen.

So oder so: Die Amerikaner bemühen sich darum, von arabischem Öl unabhängig zu werden.

Politiker und T-Shirts

Eine gut lesbare Analyse des Charismatikers Barrack Obama, der ich nur zustimmen kann, findet sich in Zettels Raum.

Leute, die wenig subtil arbeiten, sind die Mickey-Mouse-Macher von "ThoseShirts.com". Dort kann man sich auch mit Anti-Obama-Shirts eindecken und tiefe Blicke in die Gefühlswelt der amerikanischen Konservativen einschließlich ihres von Gott geschenkten Nachwuchses werfen. Ann Coulter ist eine derjenigen, die amerikanische Politik nach dem ThoseShirts-Geschmack in ganz einfache Worte fassen kann. Sie sagte nach dem 11. September:

"Wir wissen, wer diese mörderischen Verrückten sind. Es sind diejenigen, die jetzt jubeln und tanzen. Wir sollten in ihre Länder einfallen, ihre Führer töten, und sie zum Christentum bekehren.“

Protektionismus in China

EU-Unternehmer beklagen chinesischen Protektionismus.

Dienstag, 9. September 2008

Warum Deutschland Migrationssverlierer ist

Was Gunnar Heinsohn in einem Kommentar mit der problematischen Überschrift "Der Kampf um die Köpfe" nicht anspricht, ist, dass Kanada, England, die USA eine Weltsprache - Englisch - als Landessprache haben, was die Selbstergänzung durch Einwanderung doch außerordentlich vereinfacht. Deutsch ist hingegen nunmal keine Weltsprache, kein Wunder, dass seine Migranten sich in Deutschland im Vergleich so schwertun.
Das wirft die Frage auf, ob die Rezepte, mit denen die Anglos ihre demographischen Probleme lösen, auf Deutschland übertragbar sind. Deutschland ist auf dem Migrationsmarkt strukturell gegenüber den angelsächsischen Ländern nicht konkurrenzfähig.
Dies könnte eine Politik der Geburtenförderung nahelegen.

Montag, 8. September 2008

Hohenschönhausen - In den Katakomben der DDR

In den Stasi-Knast Berlin-Hohenschönhausen will auch heute noch niemand. Jedenfalls lagen am vergangenen Samstag die Dinge so, dass mich niemand dorthin begleiten wollte. Auch am Eingang des Geländes sah ich Teile einer Touristengruppe, die sich diese Station ihres Besuchsprogramms sparen wollten und vor den Toren der Anlage warteten.

In Hohenschönhausen befand sich bis zum Kriegsende eine Großküche der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV). Danach verdichteten die Sowjets hier ihren willkürlichen Besatzungsterror und machten den Backsteinbau zum "Speziallager Nr. 3". Hier wurde also zunächst Essen gekocht, dann wurden hier Menschen zugerichtet. Im "U-Boot", dem Keller des Hauses, lassen sich die tageslichtlosen Zellen besichtigen, in denen die Menschen, Männer, Frauen, Kinder, Jugendliche gepfercht wurden. Man erfährt bei der Besichtigung, was "Weiße Folter" bedeutet. Ringsum liegen in zugeschütteten Bombentrichtern diejenigen, die Hohenschönhausen nicht überlebten. Grabungen bringen immer wieder Skelette zu Tage.

Neben dem "U-Boot" wurde von den Häftlingen dasjenige Gefängnis errichtet, in dem auch der Zeitzeuge Harry Santos, der den Teilnehmern des Rundganges die Anlage erklärt, kurze Zeit einsaß. In den Zellen dieses moderneren Baus schien die Sonne durch Milchglassteine. Die politischen Häftlinge sollten in diesem Trakt jedweder Orientierung beraubt und vollständig isoliert werden. Auch Harry Santos wurde erst anlässlichen einer ungeplanten Besichtigung des Stasi-Untersuchungsgefängnisses klar, dass er einmal in Hohenschönhausen war.

Solche Gedenkstätten wie Hohenschönhausen sind wichtig, um verdeutlichen zu können, wie sehr der Mensch seiner Freiheit beraubt werden kann, sodass Bürger eines freiheitlichen Gemeinwesens nicht verlernen, die Freiheit, die sie in diesem genießen, zu schätzen. Angesichts einer Situation, in der die DDR-Schergen frei herumlaufen und ihre Biografie weißwaschen, den DDR-Staat rechtfertigen und die Opfer verhöhnen (siehe dazu die Seite www.mfs-insider.de), stellt die Gedenkstätte einen unerlässlichen Gegenpol gegen die allgegenwärtige DDR-Nostalgie dar.

Freitag, 5. September 2008

Der Kampf gegen die Heuschrecken

Schon seit einiger Zeit geht mir ein frühes Filmerlebnis meiner Kindheit durch den Kopf. Es war ein Schwarz-Weiß-Film, der in China spielte. Der glatzköpfige Hauptdarsteller, es hätte Yul Brynner gewesen sein können, organisierte den Widerstand eines Dorfes gegen den Angriff eines Heuschreckenschwarms. Ich meine die echten, die Tiere. Im gruseligen Höhepunkt des Films kleben die Heuschrecken auf den Körpern der Menschen, die mit Schaufeln auf sie einschlagen. Ihr Widerstand gegen die Heuschrecken, die die Ernte vernichten, ist letztlich zwecklos.

Die von Medien, Politik und Wissenschaftlern geschürte Angst vor Klimakatastrophen ruft mir diese Bilder immer wieder in Erinnerung: Der Mensch im Kampf gegen die Naturgewalt. Gerade aus China liest man immer wieder von unglaublichen Kämpfen, die die Menschenmassen gegen Flut und andere Plagen führen.

Deswegen meine Botschaft an die Natur- und Tierschützer: Macht euch keine Sorgen darum, dass die Natur vom Menschen vernichtet wird, sie wird auch ihn überdauern, wie schon viele andere ausgestorbene Arten auch.

Gerade die Insekten sind außerordentlich widerstandsfähig.

Und wer kann man mir verraten, um welchen Film es geht?
Vielleicht war es dieser hier:

Donnerstag, 4. September 2008

Herdentrieb in der S-Bahn

Gestern abend hatte ich ein denkwürdiges Erlebnis, das auch zu politischen und historischen Assoziationen einlädt.
Ich steige in die wartende S-Bahn in der Station Friedrichstraße. Es ist schon spät. Der Zug ist gut gefüllt, so dass ich mich erstmal in den Gang stelle. Die übrigen Fahrgäste warteten offenbar schon geraume Zeit, dass der Zug endlich losfährt. Plötzlich scheint einem ein Licht aufzugehen. "Der Zug auf der anderen Seite ist es, in den wir steigen müssen!" Er prescht hinaus, und mit ihm fast alle Zuginsassen! Sie müssen sich beeilen, weil der Zug auf der anderen Bahnsteigseite schon gleich abfährt. Sie quetschen sich in die schließenden Türen.

Ich bleibe mit einer alten Dame im Abteil zurück, während der andere Zug in entgegengesetzter Richtung abfährt. Ich setze mich hin. "Die werden garantiert nicht dort ankommen, wo sie hinwollen, der Zug drüben fahrt ja nach Ahrensfelde, nicht nach Westen", meint die Frau resignativ: "Offenbar haben die Leute das Vertrauen verloren, dass der Zug doch noch losfährt. Da sieht man, dass der Mensch vom Herdentier abstammt."

Wer Zeichen (wie Abfahrtstafeln) erkennen und richtig deuten kann und seiner eigenen Wahrnehmung vertraut, ist in unserer Welt klar im Vorteil. Auch sollte man nicht die Nerven verlieren und vorschnell bewährte Systeme zu verlassen, wenn mal was nicht klappt.

Und mein Zug Richtung Spandau setzte sich in Bewegung.

Jessen hält der Jugend den Spiegel vor

Bei der ZEIT ist man auf Nachwuchssuche und fragt gleichzeitig, ob die "Jugend ohne Charakter" sei. Jens Jessen hat offenbar einen Stapel Bewerbungen in die Hand bekommen, was die schiere Wut bei ihm ausgelöst hat. In "Die traurigen Streber" hält er der Gesellschaft und ihrer Jugend den Spiegel vor (nicht das Konkurrenzmagazin, den metaphorischen). Was ihm gut gelungen ist, dass muss man ihm als 68er-Remnanten zugestehen. Ich schrieb ja schon in diesem Blog, dass man aus der Außenseiterperspektive hellsichtig wird. Vor allem Jessens Wort von den "Rehaugen" habe ich mir gemerkt - einfach Klasse!

Die ZEIT bevorzugt freilich, wenn man auf ihre Praktikaauschreibung schaut, selbst schon bei den Berufsschnupperern die gepflegt bürgerlich-akademischen Lebensläufe. Leute, die ihr Studium abgebrochen haben, brauchen sich erst gar nicht bewerben. Kein Wunder, dass Jessen so den Eindruck gewinnt, dass keine Brüche und Umwege mehr in den Biografien zu finden seien.

Es heißt ja, man müsse den Menschen Macht geben, um ihren Charakter zu erkennen. Wenn die Jugend tatsächlich keinen Charakter mehr zeigt, ist das ein Hinweis darauf, dass sie sich ohnmächtig fühlt. Die Übermacht der Alten ist bereits historisch ohne Beispiel, ihre Interessen dominieren die Medien und die Politik. Die Jugendjahrgänge sind durch Geburtenschwund, Verhütung und Abtreibung dezimiert. Es sind überhaupt zu wenig Mitstreiter da, als dass sich noch jugendkollektivistische Prozesse aufbauen könnten, die in irgendwelchen Straßen-Revolten münden. Die Revolte ergäbe eine "sterbende Jagd".

Man kann vielmehr vermuten, dass ich die Jugend in Zukunft noch stärkerer Repression ausgesetzt sehen wird. Jedes Strohfeuer jugendlicher Lebendigkeit und Gefährlichkeit jenseits der Gleise wird vom Rentnerregime panisch ausgetreten werden. Discos und Partyveranstaltungen werden zunehmendem Anwohnerprotest einer lärm-, licht- und rauchempfindlichen Altengesellschaft ausgesetzt sein.

Ja, auch die Akzeptanz der Raucherverfolgung dürfte mit auf die zunehmende Vergreisung der Gesellschaft zurückzuführen sein, denn statistisch nimmt der Anteil der Raucher jenseits der Verrentung rapide ab.

Die Kapitalismuskritik, die Jessen aufwärmt, verkennt, dass der Globalisierungs-Kapitalismus, den es so zur Zeit der 68er noch gar nicht gab, selbst eine revolutionäre Erscheinung ist, die den Globus umwälzt und umkrempelt. Insofern ist die Gründung eines start-up-Unternehmens eine revolutionäre Tat. Jessens Kriminalisierung von kaufmännischer Betätigung mag ich nicht teilen. Zur Unternehmengründung gehört zweifellos Mut, Charakter und auch Idealismus.

Auch sind Wirtschaftsunternehmen Einrichtungen, die sich im Gegensatz zu Parteien und Vereinen fortlaufend verjüngen. Sie sind so ziemlich der letzte Raum, in dem junge Menschen noch ohne die Rentnerkohorten unter sich sein können, während sie in Vereinen und Parteien einer ungeheuerlichen Altenübermacht gegenüberstehen.

Montag, 1. September 2008

Philosophischer Unterschied zwischen Juristen und Ökonomen

Der Unterschied zwischen den innig verfeindeten Juristen und Ökonomen, wie er sich in Deutschland auf philosophischer Ebene darstellt, ist in der Tendenz folgender:

Die Ökonomen sind Utilitaristen und Verantwortungsethiker, die Juristen Idealisten und Gesinnungsethiker.