Montag, 8. September 2008

Hohenschönhausen - In den Katakomben der DDR

In den Stasi-Knast Berlin-Hohenschönhausen will auch heute noch niemand. Jedenfalls lagen am vergangenen Samstag die Dinge so, dass mich niemand dorthin begleiten wollte. Auch am Eingang des Geländes sah ich Teile einer Touristengruppe, die sich diese Station ihres Besuchsprogramms sparen wollten und vor den Toren der Anlage warteten.

In Hohenschönhausen befand sich bis zum Kriegsende eine Großküche der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV). Danach verdichteten die Sowjets hier ihren willkürlichen Besatzungsterror und machten den Backsteinbau zum "Speziallager Nr. 3". Hier wurde also zunächst Essen gekocht, dann wurden hier Menschen zugerichtet. Im "U-Boot", dem Keller des Hauses, lassen sich die tageslichtlosen Zellen besichtigen, in denen die Menschen, Männer, Frauen, Kinder, Jugendliche gepfercht wurden. Man erfährt bei der Besichtigung, was "Weiße Folter" bedeutet. Ringsum liegen in zugeschütteten Bombentrichtern diejenigen, die Hohenschönhausen nicht überlebten. Grabungen bringen immer wieder Skelette zu Tage.

Neben dem "U-Boot" wurde von den Häftlingen dasjenige Gefängnis errichtet, in dem auch der Zeitzeuge Harry Santos, der den Teilnehmern des Rundganges die Anlage erklärt, kurze Zeit einsaß. In den Zellen dieses moderneren Baus schien die Sonne durch Milchglassteine. Die politischen Häftlinge sollten in diesem Trakt jedweder Orientierung beraubt und vollständig isoliert werden. Auch Harry Santos wurde erst anlässlichen einer ungeplanten Besichtigung des Stasi-Untersuchungsgefängnisses klar, dass er einmal in Hohenschönhausen war.

Solche Gedenkstätten wie Hohenschönhausen sind wichtig, um verdeutlichen zu können, wie sehr der Mensch seiner Freiheit beraubt werden kann, sodass Bürger eines freiheitlichen Gemeinwesens nicht verlernen, die Freiheit, die sie in diesem genießen, zu schätzen. Angesichts einer Situation, in der die DDR-Schergen frei herumlaufen und ihre Biografie weißwaschen, den DDR-Staat rechtfertigen und die Opfer verhöhnen (siehe dazu die Seite www.mfs-insider.de), stellt die Gedenkstätte einen unerlässlichen Gegenpol gegen die allgegenwärtige DDR-Nostalgie dar.

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