Dienstag, 14. Oktober 2008

Blick von links auf Lichtschlag & Co

Unter der Überschrift "Radikale Schnösel" berichtete schon 2007 das Linksnet über die Pläne des Verlegers André F. Lichtschlag und seine libertäre Truppe. Ein bißchen verwirrt sind die Linken schon, weil sie das Phänomen nicht ganz einordnen können. Mit dem historischen Faschismus haben Libertäre nichts zu tun, weil Hitler und die Faschisten eine Art New-Deal-Politik gemacht und staatliche Wirtschaftslenkung betrieben haben, die Libertäre gerade ablehnen.

In seinen radikalsten und dann in der Tat verfassungsfeindlichen Ausprägungen, die als Anarchokapitalismus anzusprechen sind, liefe der Libertarismus auf eine Art Neo-Feudalismus hinaus, in dem Staaten Privateigentum sind und die öffentliche Sphäre aufgelöst ist. Diese Art von Radikallibertarismus steht dann den Absolutismustheoretikern der frühen Neuzeit plötzlich sehr nah, die durchaus ökonomisch argumentierten, wenn der Staat dem Fürsten gehöre, habe dieser ein Eigen-Interesse daran, den Staat zu erhalten und möglichst gut einzurichten.

Daneben dringt der Begriff libertär aber auch nur als neues Modewort aus den USA in den deutschen Sprachraum ein, und wird oft als ein Synonym für liberal gebraucht.

Kommentare:

Emmett Grogan hat gesagt…

also einen Neo-Feudalismus würde ich nicht Anarchokapitalismus nennen und auch nicht Libertarismus. Das ist etwas ganz anderes. Auf jeden Fall eine Art Elitarismus und entschieden abzulehnen.

jo@chim hat gesagt…

Ziemlich schwache Polemik im Link (nicht dass ich aus dem Spektrum etwas anderes erwarten würde). Die übliche Mischung aus Verdrehungen, Halbwahrheiten und Unterstellungen - Teils auch sachlich falsch, der Anarchokapitalismus (nur ein Teil der Libertären bezeichnen sich als Anakaps) wurde z.B. keineswegs in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts formuliert. Nicht dass mir die Entwicklung der ef sonderlich gefallen würden - Lichtschlag rechnet sich ja inzwischen in der Tat zu den "neuen Reaktionären" und lobt "neudeutschen und lebensfrohen Patriotismus" als Teil einer "Kulturrevolution". Aber diese eigentlich randständigen Positionen repräsentieren keineswegs das gesamte Spektrum des Libertarianismus oder gar radikalen Liberalismus. Am entgegengesetzten Flügel stehen Linkslibertäre, wie die paxx:ies. Antietatismus und den Bezug auf den klassischen Liberalismus haben sie (wir, in diesem Bezug) alle gemeinsam, bei sich grundlegend unterscheidenden Werteorientierungen.

scrutograph hat gesagt…

@joachim
Es ist auch nicht unbedingt ausgemacht, wie die linken Kommentatoren schreiben, dass die Bestrebungen zur Beseitigung des Sozialstaats verfassungsfeindlich sind.
In der gesetzlichen und richterlichen Definition der freiheitlich-demokratischen Grundordnung kommt der Sozialstaat nicht vor, was freilich seltsam ist, da er per "Ewigkeitsklausel" verbürgt ist. Vielleicht ist er einfach vergessen worden?
(http://de.wikipedia.org/wiki/Verfassungsfeindlichkeit)
Mich betrifft das freilich nicht, da ich die zB die gänzliche Abschaffung der Sozialhilfe nicht befürworte. Zumindest eine Überbrückungssozialhilfe halte ich auch ökonomisch für sinnvoll.

@emmett grogan
Der historische Feudalismus ergab sich aus dem Zusammenbruch des römischen Staatswesens. Da sehe ich die Ähnlichkeit zu heute, wenn immer weitere staatliche Domänen in Privatverwaltung gegeben werden.
Ich gehe allerdings davon aus, dass alle Libertären und auch Ankaps die Leibeigenschaft und die Sklaverei an sich ablehnen und das Selbsteigentum am Körper aufrecht erhalten wollen, jedenfalls habe ich noch nichts gegenteiliges gelesen. Alles andere wäre in der Tat Verrat am Liberalismus, da die Liberalen historisch die Sklavenbefreier waren.

scrutograph hat gesagt…

Zu der "Bonner Erklärung" der Libertären fallen mir ganz andere Sachen ein. Haben Unternehmen überhaupt ein Interesse daran, eine derartige Last von Verantwortung vom Staat zu übernehmen, oder ist ihnen der Staat als Boxsack, an dem der Bürger seine Frustrationen ablassen kann, nicht ganz lieb?

Wie das Linkspapier dafür den Sezessionismus kritisiert, gefällt mir gar nicht. Warum schieben sie die Schuld an Sezessionskriegen den Sezessionisten zu, und nicht der repressiven Zentralregierung, die die Sezession nicht zulässt. Zudem gibt es viele Beispiele von friedlicher Sezession, man denke an die Auflösung der Sowjetunion.

Ich wäre schon froh, wenn sich Radikalliberale innerhalb der bestehenden Ordung um 1. die Durchsetzung der Grundrechte und 2. die Gleichheit vor dem Gesetz bemühten. Denn beides ist bereits massiv beschädigt und wird weiter bedroht.

Blog-Leser hat gesagt…

Lichtschlag ist mitnichten ein "Libertärer" zu nennen!