Mittwoch, 1. Oktober 2008

Bruno Ganz rastert die RAF



Da musste ich im Kino fast laut auflachen, als mir klar wurde, dass im Film "Der Baader Meinhof Komplex" die Rolle des die RAF jagenden BKA-Chefs Horst Herold von Bruno Ganz gespielt wurde. Bruno Ganz spielte auch schon Adolf Hitler im Führerbunker in Bernd Eichingers "Der Untergang". Nun also gibt der Schweizer den räsonierenden und auch ein wenig verständnisvoll politisierenden Ober-Kriminaler in der polizeilichen Kommmandozentrale, der im übrigen brav, gutmütig, hochrational und ohne cholerische Anfälle seine Pflicht tut.

Der Film ist den deutschen Endkampfs- und Selbstvernichtungsepen einzuordnen, zu denen neben "Der Untergang" auch "Stalingrad" gehört. Im dürftigen intellektuellen Gehalt des Films tritt besonders die antiamerikanische und antiisraelische Ausrichtung der RAF hervor, man ahnt auch wenig, dass es sich Kommunisten handeln muss, aber die Protagonisten schreien nur heraus, wogegen sie sind. Die Linksextremisten werden in Eichingers Werk als selbstmitleidig decouvriert und ihre Selbststilisierung als Opfer des Systems ohne persönliche Verantwortung als Selbsttäuschung offenngelegt. Dies alles zu erkennen ist freilich nicht jedermanns Sache. In einem Berliner Kino gab es Randale: Antideutsche Parolen wurden skandiert. Die offene Artikulation von Antiamerikanismus scheint mir seit RAF-Tagen bei den Linksauslegern deutlich abgenommen zu haben.

Bei den widerholten äußerst brutalen Politmordsequenzen, die der Film als "dramaturgische Höhepunkte" aufzuweisen hat, stieß mir die Ähnlichkeit zu Sequenzen in dem IRA-Drama "Michael Collins" auf. Die RAF richteten ihre Opfer demnach hin wie eine nationale Befreiungsbewegung, die sich im Kampf gegen fremde Besatzer und ihre Kollaborateure sieht. Angelsächsische Beobachter fragten sich damals, ob man "Hitlers Enkel" vor sich habe.

Man kann wohl sagen, dass mit der RAF auch der vorerst letzte gewaltsame deutsche Widerstand gegen die globale amerikanische Vorherrschaft niedergekämpft wurde. Gegenwärtig scheint sich anzudeuten, dass immer Deutsche nunmehr im Namen Allahs statt für die Weltrevolution im Terrorismus auf sich aufmerksam machen. Das Ganze spielt dann aber in der Besetzung intellektuell offenbar nochmal eine Etage tiefer als der damalige Aufstand wildgewordener deutscher Pfarrerstöchter (Johanna Wokalek spielt Gudrun Ensslin).

Für die vielen Tagesschau-Wiedergaben, die eingeblendet werden, lohnt sich der Kinobesuch kaum, da tun es auch die Fernsehdokumentationen und Dokumentarspiele zum Thema, etwa die sehr gelungene zur Schleyer-Entführung. In der Fernsehumsetzung wird auch klar, dass Hanns-Martin Schleyer auch intellektuell etwas zu bieten hatte, und nicht nur die dicke und hässliche Statistenfigur war, deren Leiche in der Schlusseinstellung des Kinofilms verächtlich ins Gras gestoßen wird.

Als nächste cineastische Anschlagserzählung erwartet uns im nächsten Jahr der wahrscheinlich kitschige und triviale Stauffenberg-Film, der uns Claus Graf Stauffenberg als eine Art Batman vorführen wird. Ich werde die Leser dieses Blogs auf dem Laufenden halten.

Lesehinweis: Bettina Röhl, die Tochter Ulike Meinhofs, über den RAF-Film.

Keine Kommentare: