Sonntag, 16. November 2008

Huntington revisited

Gunnar Heinsohn hat darauf hingewiesen, dass Samuel Huntington bereits in seinem Buch "Clash of Civilizations" von einer kulturalistischen auf eine demographische Betrachtungsweise umgeschwenkt sei, die den "youth bulge", einen hohen Anteil von jungen Männern in einer Gesellschaft, in Rechnung zieht:

"Während der Aufstieg Ostasiens durch [...] Wirtschaftswachstum angeheizt worden ist, ist die Resurgenz des Islam durch nicht minder spektakuläre Raten des Bevölkerungswachstums angeheizt worden. Das riesige Reservoir an oft beschäftigungslosen Männern zwischen 15 und 30 ist eine natürliche Quelle der Instabilität und Gewalt innerhalb des Islam wie gegen Nichtmuslime. Welche anderen Gründe auch sonst noch mitspielen mögen, dieser Faktor allein erklärt zu einem großen Teil die muslimische Gewalt."


(Huntington 1996, zit nach Gunnar Heinsohn: Söhne und Weltmacht 2008, S. 31)
Gunnar Heinsohn verdeutlich die demograpischen Ungleichgewichte zwischen Orient und Okzident:

"Die Palästinenser im Gazastreifen hingegen kämpfen im youth bulge-Bereich mit etwa 50 Prozent unter 15 Jahren um den aktuellen Welthöchststand außerhalb Schwarzafrikas. Im Jahre 2002 kommen auf 1000 Araber in Gaza 42 Geburten (1998 sogar noch 50), dagegen 2002 in Deutschland und Österreich 9, der Schweiz 10, den USA 15 (PRB 2003). In der übrigen islamischen Welt hat 2002 lediglich Afghanistan (43 auf 1000) eine höhere Geburtenrate als Gaza, in der arabischen Welt liegt Yemen mit 44 Geburten auf 1000 noch vor dem Palästinensergebiet. Womöglich gilt das auch für Saudi-Arabien, wenn man nur die arabische Bevölkerung ( 18 von 23,5 Millionen) betrachtet, da die 5,5 Millionen Fremdarbeiter von der Fortpflanzung weitgehend ausgeschlossen sind. Ohne die Ausländer sind womöglich 55 Prozent der Menschen im Ölland unter 15 Jahre alt. Zwischen 1963 und 2003 steigt die innersaudische Gesamtbevölkerung von 5 auf 18, die jenige Jemens von 5,5 auf fast 19 Millionen." (Heinsohn s. 32 f.)


Diese träge zur "Überrepräsentation von Palästinensern, Yemeniten und Saudis in Führungspositionen des transnationalen Terrorismus" mit bei. (Heinsohn, S. 33) In globaler Perspektive ergibt sich folgendes Bild:


"Das aktuell quantitativ beeindruckendste Beispiel für youth bulges liefern die islamisch geprägten Ländern, die in nur fünf Generationen (1900 - 2000) von 150 auf 1200 Millionen Menschen zugenommen haben und immer noch - neben einigen schwarzafrikanischen Nationen - das Siegesbanner der Fortpflanzung tragen. Zum Vergleich: das immer wieder als Weltbedrohung ... gezeichnete China, hat sich im selben Jahrhundert von 400 auf 1200 Millionen Menschen nur verdreifacht, das Territorium des heutigen Indien von 250 auf 1000 Millionen verfierfacht. " (Heinsohn S. 25)


Laut Heinsohn wäre noch bis ins Jahr 2020 mit Unruhe innerhalb und an den Rändern der islamisch geprägten Weltregionen mit zu rechnen, d.h. wohl auch in Mitteleuropa.




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