Freitag, 28. November 2008

Vermächtnis des Widerstands

Christian Graf von Krockow schrieb über das Vermächtnis des Widerstands gegen Hitler, der sich zu weiten Teilen aus Angehörigen der "alten Milieus", insbesondere dem Adel, dem Christentum und der Arbeiterbewegung rekrutierte:

[Die demokratische Gesellschaft] lässt den Menschen ihren eigenen Willen, der aufs Vorwärtskommen, auf die Zukunft, das persönliche Wohlergehen, die `Selbstverwirklichung` richtet. (...) die alten Milieus gleichen Erinnerungsbildern, die allmählich verblassen. Sogar die Familienbindungen verlieren immer mehr an Kraft.[...] Was immer dabei der Ertrag, der Zuwachs an Freiheit sein mag, der uns zufällt und gewiss nicht gering ist, im Blick auf eine künftige Gewaltherrschaft besagt der Sachverhalt, dass wir ihr beinahe hilflos ausgeliefert sein werden. Denn wo noch sollten wir vor ihr eine Zuflucht, wo den Rückhalt finden, aus dem die Möglichkeit zum Widerstand erwächst? In Büchern oder Filmen, die die Zukunft ausmalen, findet sich natürlich immer ein Held, der das Gebäude des Bösen zum Einsturz bringt. Aber dürfen wir darauf vertrauen? Um es deutlich zu sagen: Ein Claus Stauffenberg wird kaum wiederkehren, und dann mit einer verdoppelten Sprengladung erfolgreich sein. Kaum zufällig erscheint uns manches an ihm inzwischen als fremd, und das hat damit zu tun, dass die Jugendwelt, in der er aufwuchs, nicht mehr die unsere ist. Rechtzeitig vorbeugend handeln. Das ist ein Vermächtnis des Widerstands." (Christian Graf von Krockow: Eine Frage der Ehre, Hamburg 2004, S. 165 ff.)

Das um sich greifende Präventionsdenken ist demnach ein Ausdruck der Schwäche, die die vereinzelten Individuen in den westlichen Gesellschaft heute empfinden. Dabei droht, dass sich die Demokratie Angst vor Islamisten, NPDlern und anderen totalitären Bedrohungen auch von innen heraus totalitarisiert, das ist dann ein schleichender Prozess, in dem durch immer neue "BKA-Gesetze" die Grundrechte weiter durchlöchert und ausgehöhlt werden und schließlich jegliche gefährlich erscheinenden Abweichler "zivilgesellschaftlich" ausgegrenzt und sozial vernichtet werden. Eine Demokratie mit langer geschichtlicher Tradition wird die befristete Kappung von Grundrechten im Kriegsfall überleben. Was ist aber, wenn sich der Kriegszustand über Jahrzehnte hinzieht? Gegenwärtig ist zudem die Lage so, dass der antitotalitäre Grundkonsens, von dem Krockow mit seiner Zurückweisung sozialitischen Utopismus noch ausging, in der BRD durch die DDR-Ideologie des "Antifaschismus" weitgehend verdrängt worden ist, was mit einer weit offenen Flanke gegenüber den freiheitsfeindlichen Bestrebungen der Linkspartei einhergeht. Die Idee Krockows zum Schutz der Demokratie "rechtzeitig vorbeugend" zu "handeln" ist übrigens keineswegs neu. In der Demokratie des antiken Athens gab es das Scherbengericht (Ostrakismus) mit dem jeder außer Landes verbannt werden konnte, der als Gefahr für die Demokratie erschien, ohne eines Vergehens überführt worden zu sein. Offensichtlich führt ein solches Verfahren zu großer Willkür, es soll die Athener auch um ihre besten Männer gebracht haben, wenn auch die Quellenlage wenig hergibt.


Eine Adnote: Krockow erkennt auch die Nähe der historischen Stauffenberg-Figur zu den Superhelden-Figuren der amerikanischen Comic-Industrie. Kein Wunder, dass sich ein Superman-Fan jetzt der Umsetzung der Stauffenberg-Geschichte fürs Kino angenommen hat. Stauffenberg als Figur aus der Realität ist mit seinem Vorhaben weitgehend gescheitert, also kein Happy End, immerhin hatte er aber den Erfolg, die Existenz einer deutschen Widerstandsbewegungen unter Beweis zu stellen, was oft ein Anliegen derartiger Gruppierungen ist.

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