Montag, 3. November 2008

Von Schalldämpfern, Haartönungen und verlorenen Freiheiten

Einige aus rechtlicher Sicht interessante Fragestellungen wirft dieses Interiew mit Bettina Röhl auf. Die Witwe von Jürgen Ponto, Ignes Ponto, klagt gegen die Macher des Films "Baader-Meinhof-Komplex". Unklar bleibt auf welcher Grundlage. Vielleicht auf Grundlage von § 131 StGB (Gewaltdarstellung)?

Oder zivilrechtlich über Persönlichkeitsrechte, von denen im Interiew die Rede ist? Demgegenüber wird die Kunstfreiheit geltend gemacht.

Ihrer Ablehnung von staatlich finanzierter Kunstproduktion kann man aus liberaler Sicht freilich zustimmen, jedoch bleiben Bernd Eichinger und Uli Edel in ihrer Kunstfreiheit geschützt, auch wenn sie staatlich bezuschusst wurden.

Seltsam, dass Frau Röhl zu ihrer eigenen Position (immerhin tritt sie im Film, wenn auch verfremdet, selbst auf) nicht befragt wird, ist sie doch selbst hochgradig von den Geschehnissen des Eichinger-Streifens berührt. Wohl ein Fall eines abgekarteten Interiews, noch dazu WELT-intern (Röhl bloggt für die WELT).

Die letzten Seufzer der RAF-Bewältigung drehen sich nicht nur um Haarfarben und schallgedämpfte Pistolen, bemerkenswert finde ich Röhls Hinweis auf das untergegangene Deutschland der 1970er Jahre. In diesem wurden mehr Freiheit und vor allem auch mehr Meinungsfreiheit gewährt als heute, meint mancher Zeitzeuge.

Bettina Röhl scheint ähnliches Talent zu haben, sich mit dem heutigen 68er-Establishment anzulegen wie ihre Mutter Ulrike Meinhof als Publizistin mit den Adenauern und kalten Kriegern, worauf das Establishment mit Argumenten ad hominem ("Terroristentochter") reagiert.
Hier legt sie dar, was sich hinter Gender Mainstreaming verbirgt, die Gleichstellungs- und Quotierungsprogramme, mit denen männliche Wesen heute, in einer kollektivistischen Vorstellung von Recht, für vergangene Privilegien ihrer Vorväter büßen sollen (ohne dass zu ersehen ist, wie sie individuell denn von dieser Vergangenheit profitieren könnten).

Eine echte Wucht, diese Frau.

1 Kommentar:

scrutograph hat gesagt…

Konkret spricht Bettina Röhl in dem Interiew wohl über einen Unterlassungsklage wegen Verletzung des Persönlichkeits-rechts gem. § 823 Abs. 1, § 1004 BGB analog. Die Klage ist nicht ohne jede Aussicht auf Erfolg.