Dienstag, 30. Dezember 2008

Verlorene Verwandte

In der Süddeutschen fand sich gerade unter der Überschrift "Aus den Augen, wieder in den Sinn", 29.12. 2008, ein Bericht über den Personensuchdienst "Wiedersehen macht Freude". Ein verlorenes Familienmitglied über Anfragen bei Behörden und Institutione zu finden, kann man als verständiger Mensch zwar ohne weiteres selbst in die Hand nehmen, wenn man allerdings die Zeit nicht investieren kann, lohnt sich vielleiht die Beauftragung einer derartigen Agentur, zumal dadurch noch ein diplomatischer und sondierender Vermittler zwischen Suchendem und gesuchter Person tritt.

Gerade in Deutschland gab es durch Krieg und Nachkriegszeit schwere Verwerfungen und ungeklärte Verluste in Familien, die durch derartige Suchen wieder gekittet werden können, wobei für Vertriebene und Kriegsvermisste im engeren Sinn immer noch der Suchdienst des Roten Kreuzes zuständig ist.

Montag, 29. Dezember 2008

Huntington tot

Samuel P. Huntington ist gestorben. Ein wohlwollender Nachruf findet sich im Tagesspiegel.

Auch Gérard Bökenkamp stellt unter Beweis, dass er Huntington wenigstens gelesen hat. Da habe ich sonst bei den tausenden von Trash-Kommentaren zu Huntington in der deutschen Presse meine Zweifel.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Weitere Kritik am Zentrum für Antisemitismusforschung

Eine lesenswerte Reaktion auf die Konferenz des Zentrums für Antisemitismusforschung "Feindbild Jude - Feindbild Muslim" findet sich bei Clemens Heni.

Er verweist auf die enormen Unterschiede zwischen Antisemitismus und "Islamopobie": Vor allem ist zu bemerken, dass die Juden in der Vergangenheit bis heute den Hass auf den Kapitalismus abbekommen haben und abbekommen. Er notiert auch den Paradigmenwechsel, den die Konferenz mit dem Vergleich vornahm, den im deutschen Blätterwald schon kaum jemand mehr skandalisierte, wie das vor einigen Jahren sicherlich noch der Fall gewesen wäre.

Verglichen muss allerdings auch Clemens Heni haben, wie könnte er sonst die Unterschiede benennen?

Hier noch der Link zu Matthias Küntzel "Zentrum für Antisemitismusforschung auf Abwegen".

Derweil hat schon längst Mitte dieses Jahres in England eine wissenschaftliche Konferenz mit genau demselben Thema wie die des ZfA stattgefunden.

Die Klage von europäischen Moslems sie seien "die neuen Juden" findet sich ebenfalls nicht nur in Deutschland.

Der muslimische Blogger von Islamically Incorrect aus Deutschland trägt allerdings gleich richtig dick auf und warnt vor der "Auferstehung des nächsten Holocausts", womit er einen zukünftigen Völkermord an den Muslimen meint.

Mit diesen teils wohl durchaus ernstgemeinten Ängsten muss man sich zwar auseinandersetzen, darf sie aber nicht auch noch schüren.

Unruhe der Zukunft

Eine CIA-Analyse prognostiziert bürgerkriegsähnliche Zustände in Europa für das Jahr 2020. Eine Studie erwartet aber auch mittelfristig Unruhen in den USA.

Washington Post, 1. Mai 2008: CIA Chef Sees Unrest Rising With Population.

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Alan Posener, Äpfel, Birnen

Auf den Geschmack gekommen, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, ist auch Alan Posener. Hier vergleicht er den Koran mit den Protokollen der Weisen von Zion. Beides diene zum Beweis einer Verschwörung zur Erlangung der Weltherrschaft. Unterschied: Die Protokolle der Weisen von Zion sind von Antisemiten (genauer: dem zaristischen Geheimdienst) frei erfunden und eine Fälschung, ohne jeden Belang für das Verhalten von Juden. Der Koran ist für Muslime hingegen verbindlich und wird von diesen als authentisch angesehen.

Ist das nicht eigentlich islambeleidigend und antisemitisch zugleich, was Posener da von sich gibt? So kann es enden, wenn man als Liberaler zwischen den Eiferern vermitteln will.

Man muss fragen, ob der Vergleich mit Judentum und Antisemitismus die Sicht auf den Islam und die Islamfeindlichkeit nicht mehr vernebelt, als sie erhellt.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Zentrum für Antisemitismusforschung im politischen Fahrwasser

Vergleichen kann man alles, auch Äpfel und Birnen. Das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) widmete sich am vergangenen Montag dem Vergleich "Feindbild Jude - Feindbild Muslim". Derartige Vergleiche seien zulässig, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten festzustellen, so Wolfgang Benz, Leiter des ZfA, eine Gleichsetzung bedeute dies keineswegs. Welche Gemeinsamkeiten zwischen dem (historischen) Antisemitismus und der "Islamophobie" erkennen die Wissenschaftler? Unter dem Strich verbleibt in der Schnittmenge, dass 1. Muslime wie (einst) Juden zunehmende als aggressiver Störfaktor in der Gesellschaft wahrgenommen würden,
2. Muslimen wie (einst) den Juden der Vorwurf gemacht werde, sie würden täuschen, lügen und betrügen. Verglichen wurden ferner die Bemühungen von Antisemiten aus dem Talmud die angebliche Schlechtigkeit der Juden herzuleiten mit Bemühungen heutiger Islamkritiker, den Koran zu interpretieren. Recht bemüht wirkt die These von Angelika Königseder, den Muslimen würde wie (einst) den Juden eine Art Verschwörung vorgeworfen, diesmal zur "schleichenden Islamisierung" Europas. Islamisierung lässt sich statistisch mit der Zahl von Muslimen und Übertritten zum Islam messen, wenn Königseder Szenarien und Prognosen über eine "demographische Entwicklung" als "Verschwörungstheorie" bezeichnet, ist das wenig überzeugend. Den Juden wurde als reine Projektion eine Verschwörung zur Erringung der Weltherrschaft vorgeworfen, Islamisten hingegen erklären nachweislich Machtambitionen, so warfen kritische Stimmen auf der gutbesuchten Tagung ein.

Diese strukturellen Gemeinsamkeiten, die den Forschern um Wolfgang Benz schon ausgereicht haben, um diese Konferenz zu veranstalten, sind also relativ dünn. Interessanter als der Vergleich war daher die Stoffsammlung der Islamfeindlichkeit und die dichte Analyse etwa einer Webseite wie Politically Incorrect durch Yasemin Shoeman. Welches "Feindbild Christ" bzw. "Feindbild Ungläubiger" in der islamischen Welt bestehen könnte, wurde eher versehentlich angedeutet, leider nicht ausgebreitet, man konnte dies aber indirekt erahnen, da die Vorträge starken islamophilen Agitationscharakter gegen Islamkritiker wie Udo Ulfkotte und Alice Schwarzer hatten. Dass die "Islamophobie" dem historischen Antisemitismus immer ähnlicher werden könnte, wurde von Wolfang Benz Befürchung für die Zukunft geäußert, für den Fall, dass Muslime in gesellschaftlich anerkannte Berufe wie Arzt, Mediziner oder Lehrer vorrücken. Das Zentrum hält die Differenzierung zwischen "dem Islam", den es also monolithischen Block sowieso nicht gebe, und Islamismus für sinnvoll und unbedingt geboten, um die Muslime in Deutschland vor Vorurteilen und Verallgemeinerungen zu verschonen.

Ob es dem Zentrum für Antisemitismusforschung gelingen wird, inmitten des "Clash of Civilizations" die gebotene wissenschaftliche Neutralität zu wahren? Der Vortrag von Juliane Wetzel über islamisierten Antisemitismus kam fast wie ein Feigenblatt daher. Die deutsche Gesellschaft nicht mehr die gleiche wie vor 70 Jahren, sie ist nicht mehr so dynamisch und vergreist zusehends. Es spricht also viel dafür, dass diejenigen, die auf die Wiederholung der deutschen Geschichte warten, vergeblich bangen müssen, wenn sie ihre eigenen Parallelisierungen denn tatsächlich für relevant erachten.

Am Hintereingang der Veranstaltung lag Werbematerial der Jusos aus.

Samstag, 6. Dezember 2008

Helmut Schmidt räsoniert über die Weltlage...

Was der hochbetagte Ex-Kanzler Helmut Schmidt zur Weltlage äußert, wird schrittweise unerträglicher. Hier beklagt er eine mangelnde Sensibilität des Westens gegenüber dem Islam. So weit so richtig, so wünschenswert. Aber die Beispiele, die er bringt? Die mangelnde Sensibilität äußere sich darin, dass der Westen wiederholt in "islamische Staaten" einmarschiere. Dazu rechnet Schmidt Bosnien und das Kosovo!
Warum ist "der Westen" denn in Bosnien (ehemals Jugoslawien) und das Kosovo (ehemals Serbien) eingerückt? Um Muslime vor ethnischer Verfolgung zu schützen! Und leben nicht in Bosnien beträchtliche nichtmuslimische Bevölkerungsanteile?

Schmidt ist übrigens relativ kritisch gegenüber Israel eingestellt. Ich lese dazu gerade einen Aufsatz von Shlomo Shafir, "Helmut Schmidt: Seine Beziehungen zu Israel und den Juden."

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Migrationsbericht: Deutsche verlassen die BRD

Der Migrationsbericht für 2007 ist da. Demnach verliert Deutschland 55091 deutsche Staatsangehörige mehr ans Ausland, als hinzukommen, also eine ganze mittelgroße Stadt. Dafür stoßen 99003 Ausländer mehr ins Land, als Ausländer abwandern. Ingesamt ist die Wanderungsbilanz positiv. Über die Qualifikation der Zu- und Abgewanderten sagt der Bericht nichts. Es ist wohl aber so, dass eher die Hochqualifizierten das Land verlassen, ohne durch hochqualifizierte Einwanderer ersetzt zu werden.

Wenn Jugend in der Realität landet...

...kommt ein derartiger Artikel über die bedrohte Situation des Wesents in einer neuen Weltlage heraus. Statt um die weltweite Verbreitung von Menschenrechten wird es für den Westen zunehmend ums Überleben gehen. Pluriversum statt westliches Universum steht bevor. Aber nicht von heute auf morgen. Man muss nicht gleich das Ende des "neuenglischen Weltpolizisten" (Bettina Röhl) ausrufen, weil erstmals kein "Weißer" zum amerikanischen Präsidenten gewählt worden ist.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Die Sprache in der Bundesrepublik Deutschland ist Deutsch?

Die CDU will jetzt Deutsch als "die Sprache in der Bundesrepublik Deutschland" festschreiben lassen.

Die Amtsprache in Verfassungen festzuschreiben ist international nichts Ungewöhnliches. Denn Urhebern des Grundgesetz schien Deutsch als Amtsprache wohl so selbstverständlich, dass sie sie gar nicht ins Grundgesetz schrieben.

Erstaunlich finde ich aber die Formulierung, die in der Tat zum Ausdruck bringt, dass es noch um viel mehr geht, als um die Amtssprache, es geht offenbar darum, die Landessprache normativ festschreiben zu wollen.
Da muss man fragen, ob sich der Gesetzgeber damit nicht überhaupt überhebt, denn ist stimmt nun einfach nicht, dass auf dem Gebiet der Bundesrepublik nur Deutsch gesprochen wird, und ich halte das auch nicht für durchsetzbar. Bestimmte Nationalsprachen durchzusetzen und Minderheiten Sprachverbote zu erteilen, hat man in der nationalitischen Vergangenheit Europas in verschiedenen Ländern versucht, das hat dann zu schlimmen ethnischen Konflikten geführt.

Dagegen, Deutsch als Amtssprache nicht mehr nur wie bisher einfachgesetzlich, sondern grundgesetzlich festzuschreiben, spricht unter dem Gesichtspunkt der Deregulierung eigentlich nichts, die einfachgesetzlichen Regelungen erübrigen sich damit. Wenn Deutsch im Grundgesetz festgeschrieben wird, lässt sie sich das Deutsche allerdings nicht mehr wieder so leicht als Amtssprache rückgängig machen. Der CDU-Beschluss zeigt damit paradoxerweise an, dass viele die deutsche Sprache in jeder Hinsicht bedroht sehen, sogar CDU-intern.

Ministerpräsident Günther Oettinger meinte einmal:
„Englisch wird die Arbeitssprache. Deutsch bleibt die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest.“


Langfristig ist wohl die Ergänzung des Amtssprachenkatalogs mit Englisch (und auch Türkisch) denkbar. Wie sonst soll Deutschland in der Globalisierung mithalten können?

Dienstag, 2. Dezember 2008

Rote Armee Fraktion und rotgrüne Bundesregierung

Der Gedanke kam mir heute: Ist es Zufall, dass die RAF den bewaffneten Kampf einstellte, als Rot-Grün im Bund an die Macht kam - 1998? Immerhin brachte diese Regierung ja ehemalige RAF-Anwälte und -Sympathisanten in höchste Ämter.

Über "Islamophobie" und "nützliche Idioten"

Eine lesenswerte Stellungnahme von Gideon Böss zum pseudopsychologischen Begriff "Islamophobie".

"Die Deutschen sind im Zweifelsfall eher islamophil als islamophob und in Wahrheit weder das eine noch das andere."


Interessant sind auch die Kommentare zum Eintrag von Böss. Ramon Schack meldete sich zu Wort, und bezeichnete die Politically-Incorrect-Fraktion als "nützliche Idioten" der Islamisten und "Mullahs" Der Ausdrück "nützliche Idioten" stammt von Lenin. In der Bundesrepublik wurde er während des Kalten Krieges von Konservativen benutzt, um linken Friedensaktivisten und Intellektuellen vorzuhalten, sie seien doch nur die nützlichen Idioten der Machthaber in Moskau.
Robert Redeker bezeichnete ,eher im Gegensatz zu Ramon Schack, diejenigen, die Islamkritik als "islamophob" abkanzeln, als nützliche Idioten der Islamisten.