Mittwoch, 10. Dezember 2008

Zentrum für Antisemitismusforschung im politischen Fahrwasser

Vergleichen kann man alles, auch Äpfel und Birnen. Das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) widmete sich am vergangenen Montag dem Vergleich "Feindbild Jude - Feindbild Muslim". Derartige Vergleiche seien zulässig, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten festzustellen, so Wolfgang Benz, Leiter des ZfA, eine Gleichsetzung bedeute dies keineswegs. Welche Gemeinsamkeiten zwischen dem (historischen) Antisemitismus und der "Islamophobie" erkennen die Wissenschaftler? Unter dem Strich verbleibt in der Schnittmenge, dass 1. Muslime wie (einst) Juden zunehmende als aggressiver Störfaktor in der Gesellschaft wahrgenommen würden,
2. Muslimen wie (einst) den Juden der Vorwurf gemacht werde, sie würden täuschen, lügen und betrügen. Verglichen wurden ferner die Bemühungen von Antisemiten aus dem Talmud die angebliche Schlechtigkeit der Juden herzuleiten mit Bemühungen heutiger Islamkritiker, den Koran zu interpretieren. Recht bemüht wirkt die These von Angelika Königseder, den Muslimen würde wie (einst) den Juden eine Art Verschwörung vorgeworfen, diesmal zur "schleichenden Islamisierung" Europas. Islamisierung lässt sich statistisch mit der Zahl von Muslimen und Übertritten zum Islam messen, wenn Königseder Szenarien und Prognosen über eine "demographische Entwicklung" als "Verschwörungstheorie" bezeichnet, ist das wenig überzeugend. Den Juden wurde als reine Projektion eine Verschwörung zur Erringung der Weltherrschaft vorgeworfen, Islamisten hingegen erklären nachweislich Machtambitionen, so warfen kritische Stimmen auf der gutbesuchten Tagung ein.

Diese strukturellen Gemeinsamkeiten, die den Forschern um Wolfgang Benz schon ausgereicht haben, um diese Konferenz zu veranstalten, sind also relativ dünn. Interessanter als der Vergleich war daher die Stoffsammlung der Islamfeindlichkeit und die dichte Analyse etwa einer Webseite wie Politically Incorrect durch Yasemin Shoeman. Welches "Feindbild Christ" bzw. "Feindbild Ungläubiger" in der islamischen Welt bestehen könnte, wurde eher versehentlich angedeutet, leider nicht ausgebreitet, man konnte dies aber indirekt erahnen, da die Vorträge starken islamophilen Agitationscharakter gegen Islamkritiker wie Udo Ulfkotte und Alice Schwarzer hatten. Dass die "Islamophobie" dem historischen Antisemitismus immer ähnlicher werden könnte, wurde von Wolfang Benz Befürchung für die Zukunft geäußert, für den Fall, dass Muslime in gesellschaftlich anerkannte Berufe wie Arzt, Mediziner oder Lehrer vorrücken. Das Zentrum hält die Differenzierung zwischen "dem Islam", den es also monolithischen Block sowieso nicht gebe, und Islamismus für sinnvoll und unbedingt geboten, um die Muslime in Deutschland vor Vorurteilen und Verallgemeinerungen zu verschonen.

Ob es dem Zentrum für Antisemitismusforschung gelingen wird, inmitten des "Clash of Civilizations" die gebotene wissenschaftliche Neutralität zu wahren? Der Vortrag von Juliane Wetzel über islamisierten Antisemitismus kam fast wie ein Feigenblatt daher. Die deutsche Gesellschaft nicht mehr die gleiche wie vor 70 Jahren, sie ist nicht mehr so dynamisch und vergreist zusehends. Es spricht also viel dafür, dass diejenigen, die auf die Wiederholung der deutschen Geschichte warten, vergeblich bangen müssen, wenn sie ihre eigenen Parallelisierungen denn tatsächlich für relevant erachten.

Am Hintereingang der Veranstaltung lag Werbematerial der Jusos aus.

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