Mittwoch, 7. Januar 2009

Geschichtsumschreibung in der ZEIT

Ein Beispiel dafür, dass es auch heute noch Geschichtsumschreibung zum Nachteil der deutschen Kriegspartei im 2. Weltkrieg geben kann, sind die Bemühungen des Junghistorikers Felix Römer, aufzuzeigen, dass der sogenannte "Kommissarbefehl" in weit größerem Umfang von der Truppe umgesetzt wurde, als dies noch in diesem Jahrzehnt veröffentlichten Standardwerken der Geschichtsschreibung behauptet wurde.

Es gibt eben keine ewigen und eindeutigen Wahrheiten in der Geschichte, sodass sie nicht als Religionsersatz taugt. Neue Quellen und Archivöffnungen können die Sicht auf eine Epoche revidieren. Wenn die Zeitzeugen mit ihren spezifischen Verdrängunginteressen sterben, kann sich ein neues Bild der Vergangenheit durchsetzen.

Manchmal stößt man auch bei Grabungen in der Erde auf neue Funde, zum Beispiel gab es heute die Meldung, dass ein Massengrab mit deutschen Zivilisten aus dem 2. Weltkrieg in Marienburg (heute Polen) gefunden wurde. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Diese Menschen könnten zum großen Teil von der Roten Armee ermordet worden sein.

Zu Felix Römers Erkenntnissen auch:
Otto Langels: "Legende der sauberen Wehrmacht widerlegt": Deutschlandfunk, 5.1.2009

Interessant hierin ist folgende Formulierung Römers:

"Nach allem was wir bislang wissen über die Rote Armee und ihre Strukturen, trafen auch bestimmte Merkmale des deutschen Feindbilds durchaus zu. Die Kommissare gingen tatsächlich mit rigorosen Maßnahmen, mit drakonischem Terror in den eigenen Reihen vor, um die Truppen zu disziplinieren."


Dass der Befehl teilweise nicht umgesetzt wurde, kann auch Römer nicht wegargumentieren:

"Es hat bestimmte Offiziere und Einheiten gegeben, die den Kommissarbefehl eifriger durchgeführt haben, und andere Einheiten wiederum, die mit weniger Sorgfalt und weniger Eifer durchgeführt haben. Und es waren nur einzelne Offiziere, die sich dem Befehl entzogen haben, dem zuwider gehandelt haben. Die häufigste Form, in der man seiner Skepsis oder Ablehnung Ausdruck verleihen konnte, war, die Kommissare nicht selbst zu exekutieren, sondern sie nach hinten abzuschieben."

Ich denke, auch diese teilweise Nichtumsetzung des Kommissarbefehls, sowie der Umstand, dass dies von den höheren Wehrmachtsstellen nicht geahndet wurde, gehört in die Geschichte des deutschen Widerstands gegen Hitler. Der Sachverhalt widerspricht nach wie vor dem Zerrbild der Deutschen als willenlose Befehlsempfangsmaschinen.

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