Freitag, 27. Februar 2009

Churchill über die deutsche Opposition gegen Hitler

"In Deutschland lebte eine Opposition, die zum Edelsten und Größten gehört, was in der politischen Geschichte der Völker je hervorgebracht wurde. Die Männer kämpften ohne eine Hilfe von innen oder von außen, einzig getrieben von der Unruhe ihres Gewissens ... Ihre Taten und Opfer sind das Fundament eines neuen Aufbaus."


- Winston Churchill kurz nach Ende des Krieges, zit. nach Joachim Fest: Staatsstreich; btb Taschenbuchausgabe 1997

Kennt jemand das Zitat im englischen Original? Und bei welcher Gelegenheit und zu wem sagte Churchill dies, der sich während des Kriegs noch sehr abfällig über den gescheiterten Staatsstreich des 20. Juli 1944 geäußert hatte?

Wisdom of Crowds?

Nachdem das Vertrauen in die Weisheit der Märkte ("wisdom of markets") und die Regierenden immer mehr Schaden erleidet, erfährt das Vertrauen in die Weisheit der Menge ("wisdom of crowds") eine Renaissance. Die CSU will in diesem Wahljahr das Thema Volksentscheide mobilisieren. Gerade machte ein Leser mich auf die überparteilche Wählervereinigung FÜR VOLKSENTSCHEIDE aufmerksam, die die EU- und Bundestagswahlen zur Abstimmung über Volksentscheide machen möchte.

Gerade in Fragen der Abgabe von nationalen Souveränitätsrechten muss das Volk gehört werden, wenn das Prinzip der Volkssouveränität noch irgendeine Bedeutung haben soll.

Ich fände vor allem auch Vetovolksentscheide interessant, um die Regierungs- und Bürokratietätigkeit einzuschränken. Wir benötigen eine Bändigung des Leviathans Staat und der Gesetzes- und Richtlinienflut.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Alte Verkehrswege und ihre wirtschaftliche Bedeutung: Beispiel Bielefeld

Ein altes Steckenpferd des Scrutographen ist die Wirtschaftsgeographie. Warum Bielefeld die drittgrößte Stadt Westfalens ist, ergibt sich aus ihrer Lage am Bielefelder Pass, einem Durchbruch des Teutoburger Waldes, in dem sich mehrere alte Verkehrswege, auch eine nördliche Abzweigung des nordrhein-westfälischen Hellwegs, bündeln. Die Grafen von Ravensberg sperrten den Pass mit der Sparrenburg. Auch Zoll wurde hier genommen. Im 19. Jahrhundert siedelte sich hier die größte Flachsspinnerei Europas an. Die Nähe zu tauglichen Verkehrsstraßen und damit zu Absatzzentren war in alten, langsameren Zeiten für das produzierende Gewerbe wohl bedeutsamer als heute.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Schaeffler: Wirtschaftspolitik mit Geschichte als Waffe?

Gegen Schaeffler setzt es jetzt historische Attacken von linksradikaler Seite (Die Süddeutsche lässt sich davon einfangen). Dahinter stecken die "Informationen zur Deutschen Außenpolitik" (www.german-foreign-policy.com), in deren wissenschaftlichem Beirat auch ein ehemaliger organisierter Kommunist sitzt, der einer marxistischen Strömung zugerechnet wird. Na wenn das mal nicht mit diesen Enteignungs-Tiraden von Lafontaine zu tun hat.

Das Argument mit den "braunen Flecken" kann man natürlich beliebig erweitern: Die heute bestehenden Firmen und Konzerne sind, wenn es sie nicht schon damals unter ihrem Namen gab, vielfach aus irgendwelchen Firmen und Konzernen entstanden, die es auch in der NS-Zeit gab und auf irgendeine Weise mit dem Kriegswirtschaftssystem verbunden gewesen sind. In den Augen der Linkssozialisten ist Enteignung wahrscheinlich dann späte, aber gerechte Kollektiv-Sühne für juristische Vor-Existenz im Dritten Reich.

Hungerkrieg und die Folgen

Ein wirklich interessanter Geschichtsartikel von Dag Krienen über die Hungerblockade der Briten gegen das Deutsche Reich im 1. Weltkrieg findet sich in der "Jungen Freiheit". Interessant, weil auch über die psychologischen Folgen für die Generationen 1915 bis 1918, die später die aktivsten Nationalsozialisten stellten, spekuliert wird.

Die kriegsvölkerrechtswidrige Hungerblockade wird auch von Gunnar Heinsohn in seinem "Lexikon der Völkermorde" angeführt.

Für weniger Bundesländer

In Zeiten, in denen der Banken und Unternehmen vor dem Bankrott rettende Staat damit auch selbst dem Staatsbankrott entgegengeht, ist die liberale Forderung nach einem schlanken Staat aktuell wie nie. Dazu gehört auch, den Föderalismus-Popanz von Duodezfürstentümern in Deutschland zu reduzieren. Auf alle Fälle müssten wohl Bremen und das Saarland künftig in größeren Bundesländern aufgehen. Das grundgesetzliche Erfordernis von Volksentscheiden erweist sich allerdings als große Hürde. Eine Möglichkeit dies zu umgehen, wäre die Übertragung von Aufgaben an länderübergreifende Institutionen, wie das schon im Rundfunk mit Mehrländersendern der Fall ist. Die Gliederungen von Bundesbehörden wie etwa der Bundespolizei könnten Anregungen geben, wie man am besten Länder zusammenlegt.

In Ostdeutschland müssen schon wegen des fortlaufenden Bevölkerungsschwundes Länder oder Aufgaben zusammengelegt werden. Ein Land "Mitteldeutschland" (eine geografische Bezeichnung mit Tradition) könnte Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt umfassen.
Mecklenburg-Vorpommern könnte wegen der gleichen maritimen Probleme sinnvollerweise mit Schleswig-Holstein fusionieren.

Sonntag, 22. Februar 2009

Gegen den Keynesianismus

Mit einem Zwischenruf ("Gegen die Wand") reagiert Gerd Habermann von der Hayek-Gesellschaft auf die aktuellen keynesianischen Irrwege der Politik.

Die Erkenntnis, dass Wirtschaft zu komplex ist, um von der Politik gelenkt zu werden, behält auch in Zeiten der Finanzkrise ihre Gültigkeit. Deswegen wirkt die Politik auch so hilflos.

Ich gehe davon aus, dass Europa verarmt aus dieser Krise hervorgehen wird. Der Abstieg ist struktureller Natur, nicht nur vorübergehend.

Heimtückische Bürostühle aus China

Mit diesem Posting ist der opponent in protektionistisches Campaigning gegen chinesische Produkte geraten - und das als Libertärer!

Chinesische Produkte sind Terrorismus, soll uns wohl damit gesagt werden. ;-)

Donnerstag, 19. Februar 2009

Dr. Michael Blume bloggt: Ein wissenschaftlicher Kompass durch religiöse Wirren

Wer sich in unseren Zeiten religiöser Auseinandersetzungen, die von Hasspredigten bis hin zu Gewalt und Krieg reichen, und einer immer multireligöser werdenden Gesellschaft orientieren will, dem sei das religionswissenschaftliche Blog von Dr. Michael Blume empfohlen. Dr. Blume steht gedanklich Hayek nahe. Er gehört mithin auf die Blogroll eines jeden ambitionierteren liberalen Blog-Projekts. Alleine seine Buchtitel halte ich für problematisch ("Warum Glaube nützt!"). Blume stellt auf den evolutiven "Nutzen" der Religion ab, nicht auf den individuellen, aber ob das jeder versteht? Was sich verkaufen will, muss wohl irgendwie plakativ sein.

Zu den Beobachtungen, die er publiziert, gehört unter anderem, dass Vorbehalte gegenüber Religionen generell, auch dem Christentum, in Europa zunehmen. In den Tageszeitungen erfährt man hier oft nur ausschnittsweise etwas, meist in Form von Artikeln, die Antisemitismus- oder Islamophobie-Alarmismus betreiben.

Montag, 16. Februar 2009

Werde Teil der Bielefeldverschwörung!

...derartige Werbesprüche mögen gerade den Verantwortlichen für das Stadtmarketing Bielefelds durch den Kopf gehen. Eine der bekanntesten Verschwörungstheorien, die besagt, Bielefeld sei ein Fake, soll nämlich jetzt verfilmt werden, und die Stadt Bielefeld macht mit.
Das ist natürlich eine ausgefallene Marketingstrategie: Während sonst Marketing den Menschen in Erinnerung ruft, dass es einen Anbieter gibt, ist die Bielefeld-Verschwörung eigentlich aus Spaß in die Welt gesetze Antiwerbung, die besagt, dass es etwas nicht gibt. Nach dem Motto: "Zahnbürste X reinigt zwar hervorragend die Zähne, ist aber nirgends im Handel erhältlich." Das kann besondere Neugier und Interesse für das Produkt hervorrufen. Wo soll eigentlich dieses Bielefeld liegen?

Jeder der über Bielefeld schreibt oder berichtet, könnte sich als Teil eines weltumspannenden Verschwörungsprogramms vermarkten. Ich habe ja auch schon zwei Beiträge aus kompiliertem Fotomaterial und Berichtfragmenten in diesem Blog dazu beigesteuert, etwa über das Bismarck-Denkmal von Rudolf Siemering aus dem Jahr 1903, das mir stilistisch auffiel - es war eigentlich für Berlin vorgesehen - verdächtig, nicht wahr?

Bielefeld ist auch Geburtsstadt Horst Wessels, eines Idols des sehr verschwörungslastigen Nationalsozialismus. Kein Wunder, dass da manche schon von der Existenz dieser Stadt gar nichts wissen wollen. Eine Ansicht des verschwundenen Wessel-Denkmals der Stadt findet sich noch im Historischen Museum, das ansonsten interessante Exponate aus der industriellen Vergangenheit zeigt.

Donnerstag, 12. Februar 2009

Europa im Würgegriff der Angst vor dem Terror

Dass bei der strafrechtlichen Unterdrückung von Islamkritik und - islamfeindlichkeit tatsächlich Angst vor Terroranschlägen im Spiel ist, zeigt diese Sammlung von Reaktionen auf die - in der Tat - sehr offensive Rede von Susanne Winter (FPÖ). Die Angst vor dem Islam hat also auch die Kritiker von Islamophobie erfasst. Derweil darf der radikale Islamgegner Geert Wilders nicht nach Großbritannien einreisen, man weist ihn zurück wie einen Bombenmagneten.

Greifen die islamischen Terroristen nicht an, wenn europäische Politiker und Islamkritiker verstummen? Ich glaube das nicht. Die Terroristen pflegen wahllos zu morden, Menschen müssen sterben, gleich ob sie jemals islamkritisch waren oder nicht. Der einzige westliche Prominente, der gezielt von einem islamischen Raikalen ermordet worden ist, war der Filmemacher Theo van Gogh.

Auf die Rechtsprechung in der EU wirkt sich möglicherweise aus, dass auch der neue UN-Menschenrechtsrat von islamischen Ländern dominiert wird.

Lesehinweis: Nördliche Länder in der Defensive

Dienstag, 10. Februar 2009

Zu Guttenberg: Genealogie und Politik

Deutschland hat einen neuen Wirtschaftsminister: Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg. Typ jugendlicher Politheld, wie er auch in den USA gerade gefragt ist.
In Politik und Medien ruft diese Personalie heftige Kontroversen hervor. Nachdem jahrelang mit Michael Glos ein gelernter Müllermeister gut genug für die Verwaltung des Postens war, soll der promovierte Jurist zu Guttenberg für das Amt nicht hinreichend qualifiziert sein. Neben der üblichen Oppositionsrhetorik, etwa der FDP, riecht das nach traditionellen Vorbehalten gegen Aristokraten (in der Politik). Der Stern allerdings meint es wieder zu gut und hebt sogar angeheiratete verwandtschaftliche Bande zur Claus Graf Stauffenberg hervor, versucht politische Genealogie zu zeichnen. Dass Guttenbergs Stiefvater Adolf von Ribbentrop ein Sohn des NS-Außenministers von Ribbentrop, ist, verschweigt der Stern.

Guttenberg Kenntnisse als Außenpolitiker können jetzt bei einem Wirtschaftsminister von Vorteil sein, denn Deutschland als Exportnation ist darauf angewiesen, dass sich andere Länder in der Wirtschaftskrise wirtschaftlich nicht abschotten.

Die personelle Zusammensetzung der Politiker und wie sie in Ämter gerufen werden (kleingeistiger Regional- und Parteienproporz), ist in der gegenwärtigen Lage insgesamt bedauernswert, gerade auch angesichts des Krisenkabinetts, das Barack Obama in den USA über Parteigrenzen hinweg zusammengestellt hat.

PS: Die Verbindung Guttenbergs zu Claus Graf Stauffenberg geht über die Heirat einer Tante mit CSU-Politiker Franz Ludwig Graf Stauffenberg, der in seinem einsam wirkenden Kampf gegen den Vertrag von Lissabon dann doch nach seinem Vater zu geraten scheint.

Ein Großonkel zu Guttenbergs wurde wegen Zugehörigkeit zum sogenannten Solf-Kreis im 3. Reich verfolgt und hingerichtet. Karl-Theodor zu Guttenberg hat auch Tom Cruise bei seinem Film beraten.

PS: Kleines Update: Der Stern hat Bild und Text zu Claus Graf Stauffenberg mittlerweile aus der in dem Posting verlinkten Bildergalerie entfernt.

Bismarck als Fußgänger und Obama als Marionette

Bei meinem Trip nach Bielefeld hatte ich mehrere Begegnungen mit Kunst. Ein Bismarck-Standbild fiel mir auf, es steht mittlerweile an anderer Stelle als auf diesem Bild. Bismarck kommt einem -fast- auf Augenhöhe entgegen, wie ein Passant, sogar ein bisserl leger und nicht nur wuchtig und vornehm. Lässiger dargestellt als diesen Bürger-Bismarck, der 1903 entstanden ist, war er mir nur noch von Bildern des Jung-Bismarck-Denkmals in Bad Kösen präsent.

Vor der Bielefelder Kunsthalle stieß ich auf eine Nachbildung von Rodins "Le Penseur".

In einem Kinderspielwarengeschäft fand ich Obama als kniehohe Marionettenpuppe ausgestellt. Die Kids fahren drauf ab. Verschwörungstheoretiker wahrscheinlich auch.

Montag, 9. Februar 2009

Farbenprächtige Kunst in Bielefeld

Entgegen eines anderslautenden Gerüchts gibt es die Stadt Bielefeld tatsächlich. Ich überzeugte mich gerade davon. Dass ungemütliche Winterwetter in Ostwestfalen trieb mich allerdings schnell in eine Ausstellung mit Werken von Sonia Delaunay. Tausende ihrer farbenprächtigen Werke kann man auch ergoogeln. Ihre Figuren- und Flächenkompositionen kommen einiger meiner künstlerischen Ideen ziemlich nahe.

Ab 15. Februar ist eine weitere, diesmal für Juristen und Historiker interessante Ausstellung in Bielefeld zu sehen: "Was damals Recht war...", über die NS-Kriegsjustiz.

Die Bielefelder Universität ist für die Geschichts- und Sozialwissenschaften (Hans-Ulrich Wehler, Bielefelder Schule) bekannt. Mir schien sich das sogar in der aushängenden Lokalpresse niederzuschlagen, in der über den demographischen Wandel und die Städtekonkurrenz um Einwohner doziert wurde.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Ein Attentat auf den Tyrannen als Geburtsstunde der Demokratie


Schon in der athenischen Demokratie wurden zwei Teilnehmer - Harmodios und Aristogeiton - eines gescheiterten Tyrannenmords verehrt, obwohl dieser noch nicht unmittelbar zum Sturz der Tyrannis der Peisistratiden führte. Obwohl die Motive stark persönlicher Natur waren, wurde ihnen gar ein Denkmal, eines der ersten politischen Denkmäler überhaupt, errichtet.
Man vergleiche das Stauffenberg-Denkmal im Bendlerblock, das hier auf einer Briefmarke zu sehen ist.









Die Parallelen über untergegangene Kulturen und Jahrtausende hinweg sind nicht ganz zufällig, da dem George-Kreis, dem die Gebrüder Stauffenberg angehört hatten, die Überlieferung von Harmodios und Aristogeiton durchaus bekannt war.

Links anonymisieren

Links zu eher unerfreulichen Seiten anonymisiert man wie folgt:

Schritt 1: verlinkte Adresse hier umwandeln:
http://tinyurl.com/

Schritt 2: dann umgewandelte Adresse hier umwandeln:
http://anonym.to/de.html

Dienstag, 3. Februar 2009

Marxisten in Opposition zum Widerstand gegen Hitler

Warum von Linksaußen so unerbittlich gegen den Film "Operation Walküre" sowie gegen Männer des 20. Juli geschossen wird, ergibt sich aus einem Beitrag in der marxistischen Jungen Welt:

Unbestreitbar ist, daß der Sturz des Hitler-Regimes, wäre er 1944 gelungen, Millionen Menschen das Leben gerettet hätte. Jegliche Glorifizierung der Offiziere des 20. Juli ist aber unangemessen. Die Funktionalisierung der Militärverschwörung zugunsten demokratischer Kriegspropaganda ist darauf angewiesen, daß niemand durch historisch-kritische Fragen an ihrem Heldennimbus kratzt. Eine Aufgabe der Linken ist es deshalb, den Mythos des »sauberen« 20.Juli zu demontieren, anstatt seiner Integrationskraft zu erliegen.


Linke Geschichtsdarstellung ist hier also ideologisch, antidemokratisch und mit Bezug auf gegenwärtige Ereignisse motiviert, was erklärt, dass selbst die DDR noch ein positiveres Bild vom 20. Juli zeichnete, als es die heutige extreme Linke aktuell tut. Es geht ihnen gar nicht darum, den historischen Personen gerecht zu werden, deswegen übersehen sie, dass es nichts über die innere Einstellung von Verschwörern und Widerständlern aussagt, welche Befehle sie in einem totalitären System abzeichnen und welche Maßnahmen sie unterstützen. Immerhin gehörte zu den herausragenden Vertrauenspersonen etwa des politisch undogmatischen Stauffenberg der Sozialdemokrat Julius Leber, selbst mit Vertretern des kommunistischen Untergrunds nahm er Kontakt auf - das weiß man wohl bei der Jungen Welt, es ist aber derzeit politisch inopportun.

Deutschland ist Hamlet

1844 dichtete Ferdinand Freiligrath:

Deutschland ist Hamlet! Ernst und stumm

In seinen Toren jede Nacht

Geht die begrabne Freiheit um

Und winkt den Männern auf der Wacht.

Dasteht die Hohe, blank bewehrt,

Und sagt dem zaudrer, der noch zweifelt:

»Sei mir ein Rächer, zieh dein Schwert!

Man hat mir Gift ins Ohr geträufelt!«

Er horcht mit zitterndem Gebein,

Bis ihm die Wahrheit schrecklich tagt;

Von Stund' an will er Rächer sein –

Ob er es wirklich endlich wagt?

Er sinnt und träumt und weiß nicht Rat;

Kein Mittel, das die Brust ihm stähle!

Zu einer frischen, mut'gen Tat

Fehlt ihm die frische, mut'ge Seele!

Montag, 2. Februar 2009

Alle Obrigkeit will Gewissenlosigkeit

Angehörige des militärisch-bürgerlichen Widerstands gegen Hitler stießen nach dem Krieg noch lange Zeit auf Ablehnung und Unverständnis, sowohl bei den Deutschen wie bei der allierten Besatzungsmacht, der sie nicht ins Konzept passten.

Ein besonders kafkaeskes Schicksal hatte Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff, der einzige Überlebende aus dem engeren Widerstandskreis. Joachim Fest hat es notiert:

Im Sommer 1947 entließ die amerikanische Militärverwaltung Hitlers Heeresadjudanten, General Engel, und eine Anzahl von Generalstabsoffizieren aus der Kriegsgefangenschaft. Der zurückgehaltene General v. Gersdorff, der sich im März 1943 mit Hitler hatte in die Luft sprengen wollen, erhielt vom Lagerkommandanten die Belehrung darüber, warum er weiterhin im Lager bleiben müsse:
"Der General Engel hat in seinem ganzen militärischen Leben gezeigt, daß er stets nur die ihm gegebenen Befehle ausführt. Er wird uns auch im Zivilleben keinen Widerstand leisten und ist daher für uns keine Gefahr. Sie aber haben bewiesen, daß sie gegebenenfalls ihrem Gewissen gehoren und dann unter Umständen unseren Anordnungen nicht Folge leisten würden. Deshalb sind Leute wie Sie (...) für uns gefährlich. Aus diesem Grunde müssen wir Sie noch weiterhin in Gewahrsam behalten."

(zit. nach Joachim Fest: Staatsstreich, Goldmann 2007, S. 323)

Beeindruckend finde ich die völlig bruchlose Identifikation der neuen Obrigkeit mit der alten ("Er wird uns auch im Zivilleben keinen Widerstand leisten") im Mißtrauen gegenüber dem unberechenbaren Gewissen. Heute ist die Gewissensfreiheit zwar in der deutschen Verfassung festgeschrieben, jedoch wird jemand, der allein an seinem Gewissen orientiert geltendes Recht verletzt, nach wie vor mit Bestrafung rechnen müssen. Wie heißt es ja weise bei Apostel Paulus, Römer, Kapitel 13, über die Obrigkeit:
"Die aber widerstreben, werden über sich ein Urteil empfangen."

Israel-Flagge beschäftigt deutschen Verfassungsschutz

Bei den antijüdischen Kundgebungen der letzten Zeit kam es auch zu einem Zwischenfall, bei dem im Duisburg eine Israelflagge aus einem Wohnungsfenster von der Polizei entfernt wurde, weil sich der Demonstrationszug von ihr provoziert fühlte. Jetzt vermutet der Verfassungsschutzchef NRW, H artwig M öller, gar die sogenannten Antideutschen hinter diesem für die Polizei sehr peinlichen Vorfall.