Montag, 2. Februar 2009

Alle Obrigkeit will Gewissenlosigkeit

Angehörige des militärisch-bürgerlichen Widerstands gegen Hitler stießen nach dem Krieg noch lange Zeit auf Ablehnung und Unverständnis, sowohl bei den Deutschen wie bei der allierten Besatzungsmacht, der sie nicht ins Konzept passten.

Ein besonders kafkaeskes Schicksal hatte Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff, der einzige Überlebende aus dem engeren Widerstandskreis. Joachim Fest hat es notiert:

Im Sommer 1947 entließ die amerikanische Militärverwaltung Hitlers Heeresadjudanten, General Engel, und eine Anzahl von Generalstabsoffizieren aus der Kriegsgefangenschaft. Der zurückgehaltene General v. Gersdorff, der sich im März 1943 mit Hitler hatte in die Luft sprengen wollen, erhielt vom Lagerkommandanten die Belehrung darüber, warum er weiterhin im Lager bleiben müsse:
"Der General Engel hat in seinem ganzen militärischen Leben gezeigt, daß er stets nur die ihm gegebenen Befehle ausführt. Er wird uns auch im Zivilleben keinen Widerstand leisten und ist daher für uns keine Gefahr. Sie aber haben bewiesen, daß sie gegebenenfalls ihrem Gewissen gehoren und dann unter Umständen unseren Anordnungen nicht Folge leisten würden. Deshalb sind Leute wie Sie (...) für uns gefährlich. Aus diesem Grunde müssen wir Sie noch weiterhin in Gewahrsam behalten."

(zit. nach Joachim Fest: Staatsstreich, Goldmann 2007, S. 323)

Beeindruckend finde ich die völlig bruchlose Identifikation der neuen Obrigkeit mit der alten ("Er wird uns auch im Zivilleben keinen Widerstand leisten") im Mißtrauen gegenüber dem unberechenbaren Gewissen. Heute ist die Gewissensfreiheit zwar in der deutschen Verfassung festgeschrieben, jedoch wird jemand, der allein an seinem Gewissen orientiert geltendes Recht verletzt, nach wie vor mit Bestrafung rechnen müssen. Wie heißt es ja weise bei Apostel Paulus, Römer, Kapitel 13, über die Obrigkeit:
"Die aber widerstreben, werden über sich ein Urteil empfangen."

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