Dienstag, 3. März 2009

These Liberals...

Wenn amerikanische Konservative auf "these Liberals" schimpfen, mag mancher deutsche Liberale
oder Liberalkonservative zunächst schockiert sein, doch der deutsche Wirtschaftsliberalismus ist gar nicht gemeint.

Alan Posener erklärt in seiner John F. Kennedy - Biographie die Bedeutung des Begriffs „liberal“ in den USA. Mit deutschem Wirtschaftliberalismus, verstanden als Nichteinmischung des Staates ins Wirtschaftsgeschehen, habe er nichts zu tun. Im Gegenteil, Roosevelt habe den Begriff neu definiert, um sein Programm der staatlich gelenkten Reform des Kapitalismus, den „New Deal“, zu umschreiben:
Die Zivilisation ist ein Baum, der beim Wachsen stets totes und verrottendes Holz produziert. Der Radikale sagt: „Fällen wir ihn.“ Der Konservative sagt: „Rühren wir ihn nicht an.“ Der Liberale sucht den Kompromiß: Beschneiden wir ihn, so daß wir weder den alten Stamm noch die neuen Äste verlieren.

Liberale nach amerikanischem Verständnis träten gerade für eine Einmischung des Staates ins Wirtschaftsleben ein, wenn sie auch gleichzeitig die politischen Freiheitsrechte des einzelnen gegen die kollektiven Ansprüche des Staates verteidigen. Das Mißtrauen gegenüber dem Staat trete aber meistens zurück gegenüber dem Wunsch, ihn für die eigenen Zwecke, etwa die Verbesserung der Lebensqualität in Bewegung zu setzen. Zu typisch "liberalen" Forderungen nach amerikanischem Verständnis gehörten Mindestlohn oder Staatsaufträge, während Konservative in den USA gegen den großen Leviathan Staat wettern. Kennedy habe beide Klaviaturen beherrscht, sei seiner Grundstimmung aber sogar eher Konservativer gewesen, der sich selbst als „zurückhaltend“ bezeichnete.
(Vgl. Alan Posener: John F. Kennedy, Hamburg 1991, S. 50)

Kennedy war als kränkelnder Spross einer irischen Superreichenfamilie eigentlich Repräsentant eines konservativen Milieus, in den 50ern Mitarbeiter von McCarthy und auch sonst auf Konfrontationskurs zum Kommunismus, wurde aber doch zum Idol von Bürgerrechtlern und Linksliberalen und zum beliebtesten Präsidenten der USA überhaupt. Dass ein mit Kennedy ein Katholik Präsident der USA wurde, stellte eine nicht wiederholte Novität dar.
Linksliberal - eine parteimäßig ungebundene Bezeichnung - mag vielleicht die beste deutsche Übersetzung für das amerikanische „liberal“ sein.

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