Dienstag, 28. April 2009

Berlin-Charlottengrad und Ayn Rand

Bei Bemühungen zu argumentieren, welche große Tradition die multikulturelle Gesellschaft in Deutschland doch habe, werden von Linken in der Regel die Hugenotten und die Ruhrpolen angeführt. Auffällig ist, dass das große Kontingent an russischen Flüchtlingen nach der Oktoberrevolution, das im Deutschland der 20er Jahre strandete, kaum erwähnt wird, obwohl diese Menschen tatsächlich aus einem anderen Kulturkreis kamen (wenn man die Einteilung Samuel Huntingtons heranzieht). Weil Sie politisch unkorrekt vor den Kommunisten flüchteten? Allein in Berlin zählte man über 360 000 "Deutsch-Russen". Berlin-Charlottenburg wurde seitdem im Volksmund auch Charlottengrad genannt. Der Vodka Gorbatschow ist ein Gebräu aus dieser Berliner Emigrantenszene. Auch die Zarentochter Anastasia tauchte in Gestalt der Hochstaplerin Anna Anderson in dieser Zeit in Berlin auf. Ohne Umweg über Deutschland geland es Ayn Rand in den 20er Jahren aus der Sowjetunion zu entkommen. Ihren Egoismus, den ich etwas überdreht finde, kann ich mir eigentlich nur aus der Erfahrung des totalitären Regimes der Bolschewiki erklären, mit seinen ständigen Aufforderungen sich für den Fortschritt der Gesellschaft aufzuopfern. Wie kommt man sonst darauf, folgendes auszurufen?

"Ich schwöre bei meinem Leben und bei meiner Liebe zum Leben: Ich werde nie für andere leben, und ich werde nie von anderen verlangen, dass sie für mich leben."

via http://www.objektivismus.blogspot.com/

Montag, 27. April 2009

Nachtrag zur Ausstellung "Die Große Unschuld": Kunst der 68er und Terrorismus

Ein Ausstellung in Bielefeld über die Kunst der 68er-Generation wird mit "Die Große Unschuld" betitelt.

Ich muss sagen, dass mir die Kunst der 68er in ganz anderer, gar nicht unschuldiger Weise aufgefallen ist, nämlich als krasse Wegbereitung und Verherrlichung von Straßengewalt und schließlich auch Terrorismus.

Ein Beispiel hierfür ist der Film "Rote Sonne". Ein Jahr vor den ersten Anschlägen der RAF wurde er mit Rainer Langhans am Set abgedreht. Er thematisiert eine im wahrsten Sinne des Wortes männermordende Frauenclique (Auch in der RAF waren Frauen stark repräsentiert). Die Filmszenen weisen beklemmende Parallelen etwa zu den späteren Ermordungen von Geiseln auf.

Mit Austellungen wie in Bielefeld wird anscheinend an der zivilreligiösen Verklärung der 68er gearbeitet, bevor auch die jüngsten Generationen, die dieses Jahr erlebt haben, in die Rente gehen oder ihre Beamtenpension verzehren. Wie sich wohl 68er im Altersheim benehmen werden? Werden sie versuchen, die Pfleger zu Aufständen gegen die Ärzte anzustacheln? Oder werden sie sich mit Drogen ruhigstellen? Freiwilliges Zurückstecken zu Gunsten der überlasteten jüngeren Generationen ist wahrscheinlich von diesen Leuten nicht zu erwarten, wenn man betrachtet, wie sie sich als Jugendliche aufgeführt haben. Oder soll man erwarten, dass die 68er-Greise das Lied von der wechselseitigen intergenerationalen Solidarität anstimmen werden?

Konkret: Alt-68er über die subversive FDP

Die Ausstellung "Die Große Unschuld" über die Kunst der 68er in Bielefeld hat mich daran erinnert, dass es ja immer noch ein Relikt dieser Zeit am Kiosk gibt: Die Zeitschrift "konkret". Es handelt sich um eine intellektuelles Paralleluniversum um den Journalisten Hermann L. Gremliza, in dem Publikumsautoren halluzinieren, "konkret" sei die einzige Zeitschrift, die sich der Bewältigung der deutschen NS-Vergangenheit widme - während gerade durch alle Medien rauf und runter der Trawniki John Demjanjuk als "KZ-Bestie" durchs Dorf getrieben wird.
Die Atmossphäre des Blattes scheint mittlerweile sehr von Untergangsphantasien bestimmt: "Auf dem Weg in ein neues Mittelalter?" fragt eine Werbanzeige gleich zu Beginn. Mit Michel Friedman plant Gremliza in einem aktuellen Interiew schonmal die Auswanderung aus der nach Meinung der Diskutanten Nazi-verseuchten Bundesrepublik. Die Juden können nach Israel auswandern, die Türken in die Türkei zurückkehren, aber wohin können die Deutschen gehen? Diese Frage stellt Friedman sorgenvoll in den Raum.
Ja, wohin kann dieser säuerliche Griesgram Gremliza im Fall des Falles auswandern, der sein Blatt auf antideutsch-antiislamisch-proisraelischen Kurs hält, die Katholische Kirche durch den Kakao zieht und die Linkspartei als "antisemitisch" geißelt, aber auch am Kapitalismus vernichtende Fundamentalkritik übt und sich schon auf das Ende des "Reichs der Freiheit" der "Brüderles und Westerwelles" freut? In Moskau müsste er mittlerweile stundenlange orthodoxe Gottesdienste mit Putin und Medwedjew über sich ergehen lassen, das wird nichts für ihn sein.

Svenna Triebler steuert der aktuellen Ausgabe (5/2009) eine Satire über die FDP als "Staatsfeind Nr. 1" bei: Das subversive Potential der FDP werde sträflich unterschätzt.

"Manch einem mag es zunächst schwerfallen, sich den Wahlverein der Besserverdienenden als Sammelbecken verkappter Rebellen vorzutäuschen, aber die biedere Fassade täuscht. Beim Attribut 'Besserverdienende' fängt es ja schon an: Die wirklichen Großverdiener haben ihre traditionelle Heimat in der CDU - oder aber parteipolitische Präferenzen gar nicht nötig, da sie es schließlich sind, die die Politik machen. Gemessen an dieser Einkommensebene sind die sogenannten Besserverdiener die Zukurzgekommenen - darin liegt schon mal ein gewisses Potential."


Das hat echten Analysewert. Auch vom Libertarismus und dessen Nähe zum Anarchismus hat sie schon gehört. Außerdem weiß sie, dass die FDP mit ihrem Ehrenvorsitzenden Otto Graf Lambsdorff einen "vorbestraften Outlaw" in ihren Reihen hat.

Sei schließt mit:
"FDP ist Anti, FDP ist Anarcho, FDP ist Punkrock. Quod erat demonstrandum."


Ob sie wohl jo@chim vom Blog Antibürokratieteam kennt? Die FDP ist eine Partei, die mit die besten gesellschaftsliberalen Errungenschaften der 68er absorbiert hat. Bei "konkret" scheint der verbitterte Rest gelandet.

Nordrhein-Westfalen: Nachtrag zum Landesparteitag der FDP

Ein Blick in die bundesamtliche Definition des Wortes "Migrationshintergrund" belehrt mich, dass ich statistisch auch zu den Menschen mit Migrationhintergrund gehöre, da ich nicht in Deutschland geboren bin. Jetzt weiß ich auch, warum ich "so schlecht" in die "Gesellschaft" "integriert" bin und die deutsche Sprache so mangelhaft beherrsche, was für mich laut eines Diskussionantrags auf dem vergangenen Parteitag der FDP/NRW jegliche Aussicht verbaut, im Arbeitsmarkt unterzukommen. Immerhin wissen die Verfasser des Antrag "Liberale Integrationspolitik in Nordrhein-Westfalen" auch, dass es ohne Zuwanderer eine negative Bevölkerungsdynamik in NRW gäbe und zahlreiche Migranten zu "einem großen Gewinn für unser Land" geworden sind, allerdings hätten nur die Rendite abgeworfen, die "sich in unsere Gesellschaft integriert" haben. Parallelgesellschaften will die FDP in NRW nicht dulden, unter Integration versteht der Antrag auch Schulpflicht. Ist die Beherrschung der deutschen Sprache aber wirklich die alles entscheidende Bedingung, um im Stadtteil Duisburg-Marxloh eine Anstellung in einem türkischen Lebensmitteleschäft zu finden?

Der FDP-Landesvorstand bemerkt auch, dass "insbesondere in den Parteien ... Menschen mit Zuwanderungsgeschichte unterproportional repräsentiert" sind. Vor allem gilt dies für die FDP, deren bundesweiter Anteil an türkischen Mitgliedern derart unterirdisch niedrig ist, dass er selbst die CDU mit ihren islam- und türkenfeindlichen Tiraden unterbietet. Vor diesem Hintergrund ist die Forderung des Antrags zu sehen, dass "die Liberalen ... verstärkt die Möglichkeit nutzen wollen, Zuwanderer als sachkundige Einwohner in die politische Arbeit miteinzubeziehen."

Da sich gerade qualifizierte Menschen in ein Leben als Wanderarbeiter drängen lassen, und nirgend mehr Wurzeln schlagen können, dürfte es für die FDP auf lokaler Ebene aber schwierig werden, Mitstreiter zu finden. Sie bietet daher auch eine Mitgliedschaft auf Bundesebene und den Beitritt über das Internet an.

Dienstag, 21. April 2009

Schockierender Vorschlag: Heribert Prantl will DDR in der Nationalhymne wiederauferstehen lassen.

Bisher habe ich Heribert Prantl nur für den größten Jammerlappen des deutschen Journalismus gehalten. Jetzt trauert er aber nicht mehr nur dem BRD-Sozialstaat der 1980er Jahre hinterher, sondern lässt schockierend die Ostalgie-Hosen herunter: Die erste Strophe der ehemaligen Hymne der DDR soll mit der dritten Strophe des Deutschlandliedes zu einer neuen Nationalymne verschmelzen.

Auferstanden aus Ruinen
Und der Zukunft zugewandt,
Laß uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland.
Alte Not gilt es zu zwingen,
Und wir zwingen sie vereint,
Denn es muß uns doch gelingen,
Daß die Sonne schön wie nie
|: Über Deutschland scheint. :|

Prantls Vorschlag ist historisch denkbar unsensibel. Der Dichter der DDR-Nationalhymne, Johannes R. Becher, schrieb auch peinliche Huldigungsverse an Stalin ("Danksagung", 1953), der laut Becher damals bald am Bodensee stehen und im Schwarzwald ein "scheues Reh" zu sich heranwinken werde. Wenn Leute wie Prantl sich durchsetzen, werden diese kranken Phantasien auf gewisse Weise doch noch späte Wirklichkeit werden.
Denn nicht nur die Zukunft, die in der von Prantl vorgeschlagenen Strophe besungenen wird, meinte eine stalinistische, auch die Wiedervereinigung stellte sich Becher in der "Danksagung" unter stalinistischen Vorzeichen vor: "Es wird ganz Deutschland einmal Stalin danken/ In jeder Stadt steht Stalins Monument."

Trotz futuristischen Inhalts der Strophe ist der Vorschlag ostalgisch-rückwärtsgewandt. Der Vers "Auferstanden aus Ruinen" ist nicht zeitlos genug und weist nur für damalige Trümmerfrauen und -Männer eine Identifikationsebene auf.
Vor allem aber ist das Ansinnen aufgrund des stalinistischen Kontextes der DDR-Hymne skandalös.

Montag, 20. April 2009

Hotdog in Moskau: Wie man osteuropäische Städte im Taschenformat besichtigt

Ein Youtube-Kanal mit wirklich handlichen Porträts osteuropäischer Metropolen. Sehenswert!

Sonntag, 19. April 2009

Erfurt: Durchsetzung von Eigentumsrechten statt Appeasement gegenüber Linksextremen

Hier die Text- und Filmberichterstattung über die Räumung eines von Linken besetzten Areals der ehemaligen Ofenbaufirma Topf & Söhne in Erfurt mittels massiver Polizeipräsenz (Hubschraubereinsatz, vermummte und schwerstbewaffnete Beamte).

Zu den Hintergründen: Es fällt auch im Zusammenhang mit dieser Hausbesetzung einmal wieder auf, wie von den Linksextremen die deutsche NS-Vergangenheit zur Legitimation dazu benutzt wird, sich über heutige Eigentumsrechte Privater hinwegszusetzen. Der Spin dieser Art von Stimmungsmache geht dahin: Deutsche Firmen haben im 3. Reich mit den Nazis zusammengearbeitet, d.h. oft auch nur: beliefert. Die Privatunternehmer haben sich also am Holocaust bereichert, ihn vielleicht sogar ermöglicht oder gar mitverantwortet. Daher ist es doch nur legitim, diese zu enteignen bzw. den nach linksradikaler Lesart geradewegs in den Völkermord führenden Kapitalismus außer Kraft zu setzen. "Wie gut", dass es die Linksextremen gibt, die wie in Erfurt an die Schuld der Vergangenheit erinnern.

Dabei gerät unter den Tisch, dass die NS-Diktatur ein System war, dass sich über die Eigentumsrechte Privater hinweggesetzt hat, die Juden enteignet und auch den übrigen wohlhabenden Teil der Bevölkerung geschröpft hat, um ihren Sozialstaat und den Krieg zu finanzieren. Ausgerechnet eine Sozialdiktatur, die enteignet hat, wird also von den Linken herangezogen, um -unterschwellig - neue Enteignungen zu rechtfertigen. Diese Art von Stimmungsmache lässt sich auch im Fall des Schäffler-Konzern beobachten. Es ist dies eine alte Taktik des Machterhalt politischer Gruppen: Die Verlagerung von Schuld und Verantwortlichkeit für Verbrechen und Fehler vom Staat auf die Geldgeber und Händler.

In Erfurt wird in Zukunft eine Gedenkstätte an die Firma Topf & Söhne erinnern, die, wenn sie verstaatlicht worden wäre, "sicherlich" keinen Beitrag zur Menschenvernichtung geleistet hätte.

Kriegskindheit und Terrorismus

An der LMU München befasst sich Michale Ermann mit dem Thema "Kriegskindheit", dem ich auch in diesem Blog ein paar Einträge widmete. Dabei werden Biografien von Menschen untersucht, die während der Zeit 1933 bis 1945 geboren wurden. Dabei soll Europa und Japan untersucht werden.
Eine Beobachtung kann ich dazu spontan beisteuern: Auf einem alten RAF-Fahndungsplakat, das ich einmal in einem dieser pseudolinken "In"-Lokale im 70er-Jahre-Retrostyle sah, fiel mir auf, dass ALLE der gesuchten Terroristinnen und Terroristen noch in die letzten Kriegsjahre hineingeboren waren, zum Teil in zerstörte Familienverhältnisse geratend (Ulrike Meinhof war Vollwaise). Auch im vom Krieg schwerst betroffenen Japan gab es in den 1970er Jahren eine überaus brutale linksterroristische Vereinigung. Sie trat genauso unerklärlich in einem sehr wohlhabenden Land auf.

Bernd Eichinger zog die faschistischen und autoritären Kriegs-Diktaturen in Japan, Deutschland und Italien als Erklärung dafür heran, dass sich dort eine so starke linksterroristische Szene entwickelte.

Vielleicht hat das alles aber doch nichts mit der Vergangenheit, mit Kriegskindheit oder faschistischer Diktatur zu tun, sondern damit, dass West-Deutschland, Italien und Japan in unmittelbarer Nachbarschaft zum kommunistischen Einflussgebiet lagen, mit entsprechenden Infiltrations- und Einflussmöglichkeiten der Sowjets, ihrer Geheimdienste und ihrer Ideologie.
Man sollte die Ursachen der Dinge zuerst in der Gegenwart suchen, und dann in der Vergangenheit.

Samstag, 18. April 2009

Wie Tauwetter den eigenen Standpunkt verwässert: Die Gefahren von Annäherungsspolitik

Die Gefahr, die Appeasement-, Tauwetter-, Entspannungs- oder Annäherungspolitik mit sich bringt, ist die Preisgabe eigener Wertvorstellungen und die Übernahme von Ideen und Vorstellungen des gegnerischen oder feindlichen Lagers, mithin der Verlust der eigenen Identität durch das Verschwimmen der Gegenmasse. Das ist es, was dem Argument entgegensteht, Konfrontationspolitik würde der gegnerischen Fraktion die Sympathien und Anhänger, bzw. den Radikalen und Hardlinern des Gegners die Untentschlossenen oder Gemäßigten nur zutreiben.

Es kommt natürlich auch auf die konkreten Machtverhältnisse in der historischen Situation an. Beschwichtigungspolitik zu Hinhaltezwecken gegenüber einem noch übermächtigen Gegner kann sehr wohl sinnvoll sein.

Mittwoch, 15. April 2009

Thatcher, Chomeini, Deng Xiaoping: 1979 - ein Jahr der politischen Umstürze

Der Historiker Niall Ferguson hat mir in seiner Jahrhundertrückschau "The Descent of the West" klar gemacht, dass mein Geburtsjahr 1979 gleich drei politische Erdbeben hervorbrachte, die unsere Gegenwart prägen: Die Wahl Margaret Thatchers zur britischen Premierministern, die der Lehre von den Free Markets zu neuer Geltung verhalf, dann die islamische Revolution Khomeinis im Iran, und last but not least die faktische Machtübernahme Deng Xiaopings, der in China eine wirtschaftsliberale Öffnungspolitik einleitet, weil es ja gleich ist, ob die Katze schwarz oder weiß, Hauptsache, sie fange Mäuse. Thatcher war insofern besonders verhängnisvoll, da sie mit Ronald Reagan im darauffolgenden Jahr einen politischen Verbündeten fand, mit dem sie das Sowjetimperium niederpowern konnte, so dass ich 9. November 1989 den Fall der Mauer erleben durfte. Khomeini jagte das Bevölkerungswachstum mit Verfolgung von Abtreibung und Geburtenkontrolle hoch und trug neuen Fanatismus in die muslimische Welt. Eine der Folgen erlebte ich am 11. September 2001 am Fernsehschirm mit. Wird das chinesische Fernbeben auch noch irgendwelche Bauwerke zum Einsturz bringen?

Das Geheimnis der Freiheit ist Mut

Ein lesenswertes Buch für den politischen Redenschreiber ist "Das Geheimnis der Freiheit ist Mut" von Joachim Rieker, das fast komplett ins Web gestellt ist. Es handelt davon, wie sich die amerikanischen Präsidenten in ihren Reflexionen und Reden auf die Antike beziehen. Das eingehendste Verständnis vom Römischen Reich scheint noch Franklin D. Roosevelt gehabt zu haben. Seine Nachfolger verwandten die Bezüge eher nur noch, um bei gebildetem Publikum Eindruck zu machen. Neben Rom, das den Amerikanern aufgrund seiner imperialen Eigenschaften gar nicht mal so sympathisch war, bezogen sich die amerikanischen Präsidenten vor Bush und Obama vor allem auf Athen. Gerade die vom antiken Zeithistoriker Thukydides wiedergegebene "Leichenrede des Perikles" im "Peloponnesischen Krieg" war sehr beliebt:

"Ihnen [den Gefallenen] eifert jetzt nach, erkennt das wahre Glück in der Freiheit, die Freiheit aber in kühnem Mut und schaut nicht ängstlich auf die Gefahren des Kriegs." (II 43,4)


Hier bediente sich auch Ronald Reagon, als er auf seinem weltumfassenden Kriegszug gegen den Kommunismus und gegen die Sandinisten im Besonderen war:

"Nun, wir sollten uns an etwas erinnern, was Perikles, der große Führer des Alten Athen sagte: Das Geheimnis der Freiheit ist Mut.(Rieker, S. 188)"


Beeindruckt hat mich allerding mehr noch dieser selbstgeprägte Satz Dwight D. Eisenhowers:

"Wir würden Armut in Freiheit dem Reichtum in Unfreiheit vorziehen." (Rieker, S. 143)


Eisenhower sagte dies, als die Amerikaner Ende der 50er Jahre fürchteten, von der Sowjetunion wirtschaftlich abgehängt zu werden. Irgendwie aktuell.

Dienstag, 14. April 2009

Woher kommt der Begriff "Bundesrepublik"?

Woher der Bezeichnung Bundesrepublik für den deutschen Staat unserer Tage herrührt, das ist gar nicht so leicht auf Anhieb rauszufinden. Auf der Seite "Grundgesetz-Gratis" wird die französische Besatzungsmacht als Urheber des Begriffs genannt.

Nach einer anderen Auffassung hat den Begriff erstmals der Pfarrerssohn Johannes Müller im 18. Jahrhundert bei der Übersetzung eines Werks von Montesquieu benutzt.

Ich meine, kürzlich gelesen zu haben, dass die deutsche Sozialdemokratie schon im 19. Jahrhundert eine Bundesrepublik als Staatsform anstrebte und diesen Begriff verwendete, finde jedoch die Quelle nicht mehr. Für Hinweise dahingehend bin ich dankbar.

Aus der Zeit der deutschen Teilung herrührend, wurde der Begriff Bundesrepublik sehr oft und gerne benutzt, man sah sich im Westen primär als "Bundesbürger", denn zum geografischen Deutschland gehörte ja auch die DDR. Außerdem passte das vielfach zu einer a- bis antinationalen Attitüde, die gepflegt wurde. Heute befindet sich der Begriff Bundesrepublik eher auf dem Rückzug, und man spricht wieder mehr von Deutschland und den Deutschen.

Was ist rechts - was ist links? 3. Teil

Die Ergebnisse der Tagung "Was ist rechts - was ist links?" finden sich in der Märzausgabe der "Freiheit der Wissenschaft". Folgende Passage erscheint mir besonders interessant:


Die historische Betrachtung ergibt
einen Paradigmenwechsel. Waren Marxisten
noch gegen den Staat und seine
Ordnung und folgerichtig für deren Zerstörung,
wollen die heutigen Linken als
echte Reaktionäre den Staat als Mittel
zur Umverteilung nutzen. Während für
konservative Kräfte vormals der Staat
als Hüter von Ordnung und Sicherheit
geschätzt war, steht er heute für die
Kraft, die dem Individuum die persönliche
Entscheidungsfähigkeit über das
eigene Wohl und Wehe nicht mehr
zugesteht.
Zitat Dr. Holger Thuss: „Zum Thema
dieser Tagung bleibt noch zu sagen, daß
eine Beschränkung auf Links-Rechts-
Gegensätze nicht greift, um unsere politischen
Probleme sinnvoll zu beschreiben.
Der Hauptkonflikt ist heute nicht
mehr der zwischen linken Liberalen und
rechten Konservativen, sondern zwischen
den neuen ungeheuer mächtigen
etatistischen Eliten und dem noch nicht
von diesem System des Gebens und
Nehmens erfaßten Bürger.“


Nur: Welcher Bürger ist eigentlich vom System des staatlich organisierten Geben-Nehmens noch nicht erfasst? Vielleicht meint Thuss, dass noch nicht jeder innerlich vom Subventions-, Interventions- und Sozialstaat korrumpiert sei.

Montag, 13. April 2009

Bush und Obama - mehr Kontinuität als die Süddeutsche glauben machen will

Im Obama-Blatt "Süddeutsche Zeitung" schreibt Rudolph Chimelli, Obama versichere in Abkehr von der Bush-Administration, die einen "unbegrenzten Weltkrieg" beabsichtigt habe, die USA würden nie Feinde des Islam sein.

Sein Vorgänger Georg W. Bush hat allerdings auch nichts anders getan, und von mangelnder Begrenzung des Feindbilds kann auch keine Rede sein:



Ob Barack Obamas zweiter Vorname "Hussein" wirklich bei einer Tauwetterpolitik gegenüber islamischen Ländern so viel Vorteile bringt, wage ich zu bezweifeln, denn er kennzeichnet Obama als Islam-Abtrünnigen.

Was ist rechts - was ist links? 2. Teil

Eine interessante Definition von links und rechts fand ich kürzlich in den Untiefen des Internets:

Nach "rechts" gehören alle Ideologien und Programme, die entschlossen sind, sich zur Aufrechterhaltung der bestehenden oder zur Durchsetzung einer neuen Ordnung über das konkrete Wohl der konkreten Mitglieder einer Gesellschaft hinwegzusetzen. Als "links" wären nur solche Forderungen zu bezeichnen, die die tatsächliche Existenzverbesserung, Bewussteinserweiterung und Entfaltungsfreiheit des tatsächlich hier und heute lebenden Menschen im Sinne hat. Dort wo die Linke die Durchsetzung eines Systems über das Wohl des Einzelnen stellt, wird aus ihre eine rechte Position.


(Gerhard Szczesny)

In jedem Fall erkennt Szczesny hier zwei sich ausschließende Grundpositionen, die man zur politischen Gestaltung einnehmen kann. Szczesny hat noch den als "rechts" geltenden Faschismus und Nationalsozialismus erlebt, der letzte Satz dürfte sich auf den Stalinismus bzw. den real existierenden Sozialismus beziehen. Vielleicht sollte man eher die Begriffspaare anarchistisch/liberal/libertär vs. totalitär/ autoritär/etatistisch zur Kennzeichnung der beiden Positionen heranziehen. Man kann feststellen, dass westliche Ordnungen dem Individuum einem hohen Stellenwert einräumen, östliche Despotien einen eher geringen. Das deutsche Grundgesetz hat eine vermittelnde Position bezogen, wonach Eingriffe in die Rechte des Einzelnen im öffentlichen Interesse bzw. im Namen des Gemeinwohls zulässig sind, wenn sie verhältnismäßig sind.

Das fundamental-freiheitlich verstandene Christentum fordert offenbar, dass um keinen Preis unschuldige Menschen getötet werden dürfen, selbst wenn damit eine Vielzahl von Menschen oder gar der ganze Staat gerettet werden kann, was sich etwa im seinerzeitigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Abschuss von terroristisch umfunkionierten Passagierflugzeugen niederschlägt.

Diejenigen, die große Opfer im Kampf gegen den Terrorismus einfordern, gelten als "rechte" Hardlinder, auch wenn die Terrorbekämpfung dazu dienen soll, eine freie - liberale Gesellschaft zu verteidigen. Die Sicht von Szczesny auf "rechts" scheint also noch sehr lebendig zu sein.

Der Klimaschutzideologie scheint es aber gelungen zu sein, "rechte", "totalitäre" Gedanken in der Gesellschaft insofern salonfähig gemacht zu haben, dass heute "konkret" lebende Menschen zurückstecken müssen, um zukünftigen Generationen das Leben auf der Erde zu ermöglichen. Es sprechen ja auch manche vom "Ökofaschismus".

Sonntag, 5. April 2009

George Orwell über Freiheit

"Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen."

George Orwell,

via "Bavaria for Ron Paul".

http://de.wikiquote.org/wiki/George_Orwell

Donnerstag, 2. April 2009

"Die Neoliberalen haben keine Antworten" - die Jusos auch nicht.



In einer Rede zum Kongress Linkswende09 fasste Franziska Drohsel ihre linksradikale Sicht jungsozialistischer Standpunkte zusammen und kommentierte die Finanzkrise. "Die Neoliberalen haben keine Antworten", sagt sie. Ich meinte schon, sie fügt dann hinzu: "Wir auch nicht!". Aber das tat sie natürlich nicht, wenngleich es die Quintessenz ihrer Rede ist.

Interessant ist die Rede auch, weil deutlich wird, welchen inneren Anfechtungen sich die Jusos ausgesetzt sehen müssen, wenn Drohsel davor warnt, dass Israelkritik nicht in Antisemitismus münden, oder der Nationsbegriff nicht etwa von links besetzt werden dürfe.

Mittwoch, 1. April 2009

Verschleierte Diskriminierung

In Brüssel gibt es ein neues Tauziehen um die Antidiskriminierungsgesetzgebung. Der deutsche FDP-Abgeordnete Holger Krahmer hält nicht viel von Regulierung und warnt vor verschleierter Diskrimierung. Die hat sich vor dem Hintergrund des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes in Deutschland schon längst etabliert. Regelmäßig komme ich an Modegeschäften vorbei, die mit dem Aushang "Aushilfsverkäufer/in gesucht!" werben. So weit, so neutral. Doch abgebildet ist auf dem Plakat eine lächelnde Frau. Bilder sagen mehr als Worte.

Die Süddeutsche: Das Sprachrohr der Obama-Administration

Ich dachte eigentlich schon, die Süddeutsche Zeitung kann mich nicht mehr auf die Palme bringen. Aber mit diesem Artikel auf Seite 1 hat sie es wieder geschafft. Sie berichtet darüber, dass die Obama-Administration darangeht, die Terminologie auszuwechseln. Es soll demnach nicht mehr "war on terror" heißen, sondern "Overseas Contingency Operation". Die Süddeutsche kommentiert dazu:

"Man kann die Regierung Bush nicht mit den Nazis vergleichen. Die Parallelen aber darf man ziehen. So bemerkte George Orwell ebenfalls 1946: "Politische Sprache ist dazu geschaffen, Lügen wahrhaft und Mord respektabel klingen zu lassen." Die neue US-Regierung aber will sich einer klaren Sprache bedienen."


Die Süddeutsche unterhält auf ihrer Internet-Präsenz eine ganze Rubrik nur für den neuen US-Präsidenten.

Geschichtsblog über Russen auf deutscher Seite im 2. Weltkrieg

Gute Geschichtsblogs zu finden, damit tut sich der Scrutograph noch schwer. Umso erfreulicher ist der Fund des Blogs "The Third Reichs Eastern Legions and POWs from USSR", das sich der Ostfront im 2. Weltkrieg annimmt, und hier insbesondere der Geschichte der Einwohner der UdSSR, die sich aus verschiedensten Gründen auf die deutsche Seite schlugen.
Hier findet sich eine Aufstellung der verschiedenen nationalrussischen Einheiten auf deutscher Seite.

Der Blog sammelt Beiträge aus einer Vielzahl von Blickwinkeln, aktuell findet sich in dem Blog ein Artikel zu den historischen Hintergründen des Films "Defiance" mit Daniel Craig, der von einer jüdischen Partisanengruppierung handelt.

Der Aufbau einer antistalinistischen russischen Befreiungsarmee wurde von einer Minderheit deutscher Militärs vorangetrieben, zu denen auch Hitlergegner wie Claus Graf Stauffenberg oder Henning von Tresckow gehörten.
(Jürgen Leskien: Stauffenberg, Wlassow und die "russische Aufstandsarmee".)

Heute versuchen die Amerikaner, die letzte weit jenseits der Landesgrenzen operierende Großmacht, bei ihren Interventionen grundsätzlich nationale Streitkräfte vor Ort aufzubauen. Hier ein sehenswerter Filmbericht über die amerikanischen Bemühungen für eine afghanische Nationalarmee. Es sieht nicht gut aus.