Dienstag, 28. April 2009

Berlin-Charlottengrad und Ayn Rand

Bei Bemühungen zu argumentieren, welche große Tradition die multikulturelle Gesellschaft in Deutschland doch habe, werden von Linken in der Regel die Hugenotten und die Ruhrpolen angeführt. Auffällig ist, dass das große Kontingent an russischen Flüchtlingen nach der Oktoberrevolution, das im Deutschland der 20er Jahre strandete, kaum erwähnt wird, obwohl diese Menschen tatsächlich aus einem anderen Kulturkreis kamen (wenn man die Einteilung Samuel Huntingtons heranzieht). Weil Sie politisch unkorrekt vor den Kommunisten flüchteten? Allein in Berlin zählte man über 360 000 "Deutsch-Russen". Berlin-Charlottenburg wurde seitdem im Volksmund auch Charlottengrad genannt. Der Vodka Gorbatschow ist ein Gebräu aus dieser Berliner Emigrantenszene. Auch die Zarentochter Anastasia tauchte in Gestalt der Hochstaplerin Anna Anderson in dieser Zeit in Berlin auf. Ohne Umweg über Deutschland geland es Ayn Rand in den 20er Jahren aus der Sowjetunion zu entkommen. Ihren Egoismus, den ich etwas überdreht finde, kann ich mir eigentlich nur aus der Erfahrung des totalitären Regimes der Bolschewiki erklären, mit seinen ständigen Aufforderungen sich für den Fortschritt der Gesellschaft aufzuopfern. Wie kommt man sonst darauf, folgendes auszurufen?

"Ich schwöre bei meinem Leben und bei meiner Liebe zum Leben: Ich werde nie für andere leben, und ich werde nie von anderen verlangen, dass sie für mich leben."

via http://www.objektivismus.blogspot.com/

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