Montag, 27. April 2009

Konkret: Alt-68er über die subversive FDP

Die Ausstellung "Die Große Unschuld" über die Kunst der 68er in Bielefeld hat mich daran erinnert, dass es ja immer noch ein Relikt dieser Zeit am Kiosk gibt: Die Zeitschrift "konkret". Es handelt sich um eine intellektuelles Paralleluniversum um den Journalisten Hermann L. Gremliza, in dem Publikumsautoren halluzinieren, "konkret" sei die einzige Zeitschrift, die sich der Bewältigung der deutschen NS-Vergangenheit widme - während gerade durch alle Medien rauf und runter der Trawniki John Demjanjuk als "KZ-Bestie" durchs Dorf getrieben wird.
Die Atmossphäre des Blattes scheint mittlerweile sehr von Untergangsphantasien bestimmt: "Auf dem Weg in ein neues Mittelalter?" fragt eine Werbanzeige gleich zu Beginn. Mit Michel Friedman plant Gremliza in einem aktuellen Interiew schonmal die Auswanderung aus der nach Meinung der Diskutanten Nazi-verseuchten Bundesrepublik. Die Juden können nach Israel auswandern, die Türken in die Türkei zurückkehren, aber wohin können die Deutschen gehen? Diese Frage stellt Friedman sorgenvoll in den Raum.
Ja, wohin kann dieser säuerliche Griesgram Gremliza im Fall des Falles auswandern, der sein Blatt auf antideutsch-antiislamisch-proisraelischen Kurs hält, die Katholische Kirche durch den Kakao zieht und die Linkspartei als "antisemitisch" geißelt, aber auch am Kapitalismus vernichtende Fundamentalkritik übt und sich schon auf das Ende des "Reichs der Freiheit" der "Brüderles und Westerwelles" freut? In Moskau müsste er mittlerweile stundenlange orthodoxe Gottesdienste mit Putin und Medwedjew über sich ergehen lassen, das wird nichts für ihn sein.

Svenna Triebler steuert der aktuellen Ausgabe (5/2009) eine Satire über die FDP als "Staatsfeind Nr. 1" bei: Das subversive Potential der FDP werde sträflich unterschätzt.

"Manch einem mag es zunächst schwerfallen, sich den Wahlverein der Besserverdienenden als Sammelbecken verkappter Rebellen vorzutäuschen, aber die biedere Fassade täuscht. Beim Attribut 'Besserverdienende' fängt es ja schon an: Die wirklichen Großverdiener haben ihre traditionelle Heimat in der CDU - oder aber parteipolitische Präferenzen gar nicht nötig, da sie es schließlich sind, die die Politik machen. Gemessen an dieser Einkommensebene sind die sogenannten Besserverdiener die Zukurzgekommenen - darin liegt schon mal ein gewisses Potential."


Das hat echten Analysewert. Auch vom Libertarismus und dessen Nähe zum Anarchismus hat sie schon gehört. Außerdem weiß sie, dass die FDP mit ihrem Ehrenvorsitzenden Otto Graf Lambsdorff einen "vorbestraften Outlaw" in ihren Reihen hat.

Sei schließt mit:
"FDP ist Anti, FDP ist Anarcho, FDP ist Punkrock. Quod erat demonstrandum."


Ob sie wohl jo@chim vom Blog Antibürokratieteam kennt? Die FDP ist eine Partei, die mit die besten gesellschaftsliberalen Errungenschaften der 68er absorbiert hat. Bei "konkret" scheint der verbitterte Rest gelandet.

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