Sonntag, 19. April 2009

Kriegskindheit und Terrorismus

An der LMU München befasst sich Michale Ermann mit dem Thema "Kriegskindheit", dem ich auch in diesem Blog ein paar Einträge widmete. Dabei werden Biografien von Menschen untersucht, die während der Zeit 1933 bis 1945 geboren wurden. Dabei soll Europa und Japan untersucht werden.
Eine Beobachtung kann ich dazu spontan beisteuern: Auf einem alten RAF-Fahndungsplakat, das ich einmal in einem dieser pseudolinken "In"-Lokale im 70er-Jahre-Retrostyle sah, fiel mir auf, dass ALLE der gesuchten Terroristinnen und Terroristen noch in die letzten Kriegsjahre hineingeboren waren, zum Teil in zerstörte Familienverhältnisse geratend (Ulrike Meinhof war Vollwaise). Auch im vom Krieg schwerst betroffenen Japan gab es in den 1970er Jahren eine überaus brutale linksterroristische Vereinigung. Sie trat genauso unerklärlich in einem sehr wohlhabenden Land auf.

Bernd Eichinger zog die faschistischen und autoritären Kriegs-Diktaturen in Japan, Deutschland und Italien als Erklärung dafür heran, dass sich dort eine so starke linksterroristische Szene entwickelte.

Vielleicht hat das alles aber doch nichts mit der Vergangenheit, mit Kriegskindheit oder faschistischer Diktatur zu tun, sondern damit, dass West-Deutschland, Italien und Japan in unmittelbarer Nachbarschaft zum kommunistischen Einflussgebiet lagen, mit entsprechenden Infiltrations- und Einflussmöglichkeiten der Sowjets, ihrer Geheimdienste und ihrer Ideologie.
Man sollte die Ursachen der Dinge zuerst in der Gegenwart suchen, und dann in der Vergangenheit.

1 Kommentar:

Dagny hat gesagt…

Das ist ein Interessanter Ansatz - Aus den 70ern gibt es imho Forschungsergebnisse zu Kindern, die nicht genügend oder keine Bezugspersonen und Rollenvorbilder haben, wie mir interessanterweise aus linken Kreisen erzählt wurde. Auf die Idee dies auf die RAFler anzuwenden sind die Linken aber nicht gekommen?