Dienstag, 21. April 2009

Schockierender Vorschlag: Heribert Prantl will DDR in der Nationalhymne wiederauferstehen lassen.

Bisher habe ich Heribert Prantl nur für den größten Jammerlappen des deutschen Journalismus gehalten. Jetzt trauert er aber nicht mehr nur dem BRD-Sozialstaat der 1980er Jahre hinterher, sondern lässt schockierend die Ostalgie-Hosen herunter: Die erste Strophe der ehemaligen Hymne der DDR soll mit der dritten Strophe des Deutschlandliedes zu einer neuen Nationalymne verschmelzen.

Auferstanden aus Ruinen
Und der Zukunft zugewandt,
Laß uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland.
Alte Not gilt es zu zwingen,
Und wir zwingen sie vereint,
Denn es muß uns doch gelingen,
Daß die Sonne schön wie nie
|: Über Deutschland scheint. :|

Prantls Vorschlag ist historisch denkbar unsensibel. Der Dichter der DDR-Nationalhymne, Johannes R. Becher, schrieb auch peinliche Huldigungsverse an Stalin ("Danksagung", 1953), der laut Becher damals bald am Bodensee stehen und im Schwarzwald ein "scheues Reh" zu sich heranwinken werde. Wenn Leute wie Prantl sich durchsetzen, werden diese kranken Phantasien auf gewisse Weise doch noch späte Wirklichkeit werden.
Denn nicht nur die Zukunft, die in der von Prantl vorgeschlagenen Strophe besungenen wird, meinte eine stalinistische, auch die Wiedervereinigung stellte sich Becher in der "Danksagung" unter stalinistischen Vorzeichen vor: "Es wird ganz Deutschland einmal Stalin danken/ In jeder Stadt steht Stalins Monument."

Trotz futuristischen Inhalts der Strophe ist der Vorschlag ostalgisch-rückwärtsgewandt. Der Vers "Auferstanden aus Ruinen" ist nicht zeitlos genug und weist nur für damalige Trümmerfrauen und -Männer eine Identifikationsebene auf.
Vor allem aber ist das Ansinnen aufgrund des stalinistischen Kontextes der DDR-Hymne skandalös.

Kommentare:

mvR hat gesagt…

Einverstanden mit dem Blog-Eintrag: eine Auferstehung der DDR in der Nationalhymne ist rückwärts gewandt. Unsere derzeitige Hymne gehört allerdings ebenfalls unter die Lupe. Die Begriffe Einigkeit und Recht wurden hier untersucht:

http://rheins.de/forum/viewtopic.php?p=2109#2109

Anonym hat gesagt…

Ich finde das der jenige der dagegen ist genauso ein Betonschädel ist wie Honecker und Co. Die auch noch nicht nach 20 Jahren kapiert haben das wir ein Volk sind und uns nicht zu bekriegen haben!!!! Ich hoffe das, das klappt und wir in Zukunft zwei Strophen singen!!!!!! Das ist eine spitzen idee!!!!!!!

scrutograph hat gesagt…

Und ausgerechnet ein Text, den selbst die DDR abgeschafft hat, weil ihr die Einigung unter sowjet-sozialistischen Vorzeichen zu illusorisch erschien, soll kitten?

Die zwei Strophen würden nichts anderes als die Zweiteilung abbilden und nichts zur Einheit beitragen.

mvR hat gesagt…

Auferstanden aus Ruinen klingt zwar schön, ist aber wie eine Auferstehung aus einer Leichen-Gruft. Ich wünsche mir einen anderen Geburtsort für Deutschland. http://solidar-partei.de/hymne.html