Montag, 18. Mai 2009

Die Kunst des Trailers: "Dr. Schiwago" (1965) und der russische Bürgerkrieg



Einer der besten Trailer, den ich je sah, obwohl er noch von 1965 und der Sprecher ein wenig marktschreierisch ist. Pasternaks "Dr. Schiwago" ist mittlerweile mit einem Remake nochmals gedreht worden, aber schon der Trailer weckt die Neugier eher die alte Originalverfilmung zu sehen - wobei er sogar unterhaltsamer als der Film selbst sein könnte, der als "Schmonzette" kritisiert wird.
Es werden die Ausschnitte so gezeigt, dass unklar bleibt, wie der jeweilige Handlungsstrang endet. Etwa der Pistolenschuss, den Lara (Julie Christie) abfeuert, wer wird damit getroffen? Wohin fährt sie auf dem Schlitten? In welche Schlachten des russischen Bügerkriegs reiten die Befehlshaber zu Pferde? Woher hat der "young revolutionary leader" die frische Narbe her? Zu allem ist die Filmmusik von Maurice Jarre bemerkenswert.

Oktoberrevolution 1917 und russischer Bürgerkrieg zwischen Roten und Weißen sind zeitgeschichtliche und politische Schlüsselereignisse des "Zeitalters der Extreme", die die Fraktionsbildungen der späteren Kämpfe im 20. Jahrhundert für Europa vorprägten. Die Pasternak-Kektüre könnte hier ein erster Schlüssel sein.

Ich freue mich über Hinweise von Lesern auf besonders geniale Trailer. Mithin ja eine Kunstform für sich.



Der Trailer hat mich motiviert, mich einmal auf dem ukrainischen Kriegsschauplatz nach der Oktoberrevolution umzusehen:
Dort bekriegte sich die finstere anarchistische Partisanenbewegung des Nestor Machno (links)
mit der Weißen Armee des General Denikin (rechts).




Offiziere Denikins wurden von der Machno-Bewegung bei Gefangennahme sofort hingerichtet, den Soldaten ihre Oberbekleidung abgezogen, ein auch sehr grausamer Akt im russischen Winter. Nestor Machno musste dann zuletzt vor seinen ehemaligen Verbündeten aus Moskau nach Frankreich fliehen. Denn die Revolution frisst bekanntlich ihre Kinder. Denikin ähnelt einer der Figuren aus dem Trailer zu "Dr. Schiwago".

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