Dienstag, 19. Mai 2009

General Wlassow in Ton und Bild: Verlesung des Prager Manifestes 1944



Die historische Aufnahme zeigt den mit den Deutschen verbündeten russischen General Andrej A. Wlassow bei der Präsentation des Prager Manifests des "Komitees für die Befreiung der Völker Russlands", KONR, 1944. Es ist nicht zu verwechseln mit dem Prager Manifest der deutschen Exil-SPD, enthält allerdings liberale und sozialdemokratische Forderungen. Joachim Hoffmann, der verstorbene Direktor des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, schrieb als einer seiner wohlwollendsten Historiker über Wlassow: "Sein Name ist mit dem einzigen Versuch zum Sturz des Sowjetregimes verbunden, der reale Erfolgschancen hatte." In Wirklichkeit verfügte Wlassow aber bis 1944 über keine reale Kommandogewalt über die "Russische Befreiungsarmee", dies war ein Phantomarmee: Mit dem Ausdruck wurden alle verstreuten russischen Klein-Verbände und russischen Soldaten auf der Seite der Wehrmacht bezeichnet, die mit Wlassow sympathisierten und dies mit einem Abzeichen bekundeten. Dieses ist oben rechts im Filmausschnitt zu sehen. Erst Ende ´44 wurden gerade mal zwei Divisionen gebildet und Wlassow unterstellt. Die in Prag stationierte KONR-Division wechselte kurz vor Kriegsende noch die Seiten hin zu den tschechischen Aufständischen und lieferte sich Scharmützel mit den deutschen Besatzern.

Wlassow kam viele Jahrzehnte zu früh und hatte mit den Nationalsozialisten die falschen Verbündeten, die ihn zuletzt nur aus Opportunismus und Verzweiflung propagandistisch ins Spiel brachten. Wlassow seinerseits rechnete Ende 1944 nicht mehr mit einem Sieg NS-Deutschlands. Der Sinn des Prager Manifestes dürfte gewesen sein, sich den Westmächten als Verbündeter in der sich abzeichnenden Ost-West-Konfrontation zu empfehlen.

Ende der 1940er Jahre wurde von den Amerikanern nochmals eine antikommunistische Bewegung ins Leben gerufen, die fast namensgleich mit dem Komitee Wlassows "American Committee for the Liberation of the Peoples of Russia" hieß.

Eine personelle Kontinuität zwischen beiden Organisationen verkörperte Konstantin G. Kromiadi, der auch in obigem Filmausschnitt (Sekunde 14, ganz rechts) zu sehen ist, und für das "Radio Liberty" des amerikanischen Komitees arbeitete. Viele andere, die im Video zu sehen sind, überlebten die Kriegserklärung an den Bolschewismus nicht.

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