Dienstag, 30. Juni 2009

Über den deutschen Gaullismus

"Der wohl bekannteste Vertreter des Gaullismus in Deutschland war Franz Josef Strauß. Genau wie Charles de Gaulle strebte Strauß die Erlangung der Atombombe für sein Land an, um eine unabhängigere Politik zu machen. Der politische Ziehsohn von Franz Josef Strauß ist Peter Gauweiler, der auch eine unabhängigere Politik gegenüber den USA und einen Ausgleich mit Russland favorisiert. Als Strauß' Mann in Bonn galt Jürgen Todenhöfer.

In den 60er Jahren gab es Konflikte um die Ausrichtung der deutschen Außenpolitik. Hierbei standen sich Atlantiker (wie z.B. Ludwig Erhard, Gerhard Schröder, Kai-Uwe von Hassel) und Gaullisten (wie u.a. Franz Josef Strauß, Heinrich Krone und Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg) gegenüber. Auf den Gaullisten Konrad Adenauer folgte Kanzler Erhard mit einer pro-amerikanischen Außenpolitik. Unter Kanzler Kurt-Georg Kiesinger bekamen die Gaullisten wieder Aufwind, bis Charles de Gaulle 1969 als französischer Präsident zurücktrat. Der Konflikt Atlantiker-Gaullisten wurde durch den Konflikt um die Ostpolitik abgelöst."

http://de.wikipedia.org/wiki/Gaullismus

Und wie ist die Lage heute? Todenhöfer opponierte mit humanitären Argumenten gegen die Kriege in Afghanistan und Irak. Interessant zu lesen, aus welcher politischen Tradition er kommt. Auch Karl-Theodor zu Guttenbergs Großvater, der ebenfalls Karl Theodor hieß, nur ohne Bindestrich, gehörte zu den "deutschen Gaullisten".

Dem Irakkrieg blieb Deutschland mit Frankreich als gaullistisches "Old Europe" fern, am Afghanistankrieg beteiligt man sich wie auch Frankreich: Es scheint da ein Manövrieren zwischen gaullistischer und transatlantischer Linie zu geben.

Aktuell bringt der linke Publizist Jürgen Elsässer wieder den deutschen Gaullismus ins Spiel, es geht ihm aber dabei in erster Linie um die Rettung des deutschen Sozialstaats.

Koch-Mehrin: Deutscher Bundestag muss jetzt dringend nachbessern

Zur heutigen Urteilsverkündung des Bundesverfassungsgerichts zum Vertrag von Lissabon erklärte die Vorsitzende der FDP im Europäischen Parlament, Dr. Silvana Koch-Mehrin:

"Die Karlsruher Richter haben zwar bestätigt, dass der Vertrag von Lissabon für Deutschland und für ganz Europa ein Schritt in die richtige Richtung ist. Sie haben aber auch zu Recht Kritik angebracht. Schon der bereits gültige Vertrag von Nizza räumt den nationalen Parlamenten zahlreiche Mitbestimmungsrechte ein - sowohl die rot-grüne als auch die schwarz-rote Koalition in Deutschland haben diese Möglichkeiten nur unzureichend ausgeschöpft. Der Vertrag von Lissabon, der das Prinzip der Subsidiarität stärkt, sieht erfreulicherweise eine noch weit über Nizza hinausgehende Stärkung der nationalparlamentarischen Mitwirkungsrechte vor, die aber von der Bundesregierung bei der Formulierung und Verabschiedung des ersten Begleitgesetzes ignoriert wurde.

Der Fingerzeig des Bundesverfassungsgerichts ist daher sehr wichtig: Der Deutsche Bundestag muss jetzt dringend das Begleitgesetz nachbessern, um den Ratifizierungsprozess nicht noch länger aufzuhalten und um Europa und seine Themen endlich mehr in den Blickpunkt der nationalen parlamentarischen Arbeit zu rücken.“

Le Chant des partisans auf Persisch

Das berühmte Lied der Resistance-Kämpfer des Freien Frankreich gibt es auch in singbarer persischer Übersetzung:

Ami, entends-tu le vol noir des corbeaux sur nos plaines ?
Ami, entends-tu ces cris sourds du pays qu'on enchaîne ?
Ohé partisans, ouvriers et paysans, c'est l'alarme !
Ce soir l'ennemi connaîtra le prix du sang et des larmes.
Montez de la mine, descendez des collines, camarades,
Sortez de la paille les fusils, la mitraille, les grenades ;
Ohé les tueurs, à la balle et au couteau tuez vite !
Ohé saboteur, attention à ton fardeau, dynamite ...
C'est nous qui brisons les barreaux des prisons, pour nos frères,
La haine à nos trousses, et la faim qui nous pousse, la misère.
Il y a des pays où les gens aux creux du lit font des rêves
Ici, nous, vois-tu, nous on marche et nous on tue, nous on crève.
Ici chacun sait ce qu'il veut, ce qu'il fait, quand il passe ;
Ami, si tu tombes, un ami sort de l'ombre à ta place.
Demain du sang noir séchera au grand soleil sur les routes,
Chantez, compagnons, dans la nuit la liberté nous écoute.
Et voilà:
آیا صدای پرواز سیاه کلاغ را
شنیدی شنیدی شنیدی؟
ای دوست
یا فریاد تلخ این خاک خشک را
شنیدی شنیدی شنیدی؟
ای سرباز ای سرباز
برزگر کارگر ای همراه پرواز
امشب دشمنان کوردلان خواهند دید
قیمت سیل خون گرز اشک مشت خلق
ای دوست
کوه در انتظار گامت
دشت در اختیار نایت
رزم آور همسنگر
کارگر برزگر
داس تو گرز تو شمشیرت
رزم افزار پاکت
بتازید بتازید
توانا و دانا سد شکن صف شکن
برادر و خواهر
ما هستیم ما هستیم
بگسلیم قید و بند
بشکنیم این دیوار بلند
بی پروا برزگر کارگر
کین خواهی و غرور
ای سرباز غیور
ای خواهر صبور
خضر راه ناخدا و پناه
ای دوست
گر رفتی
برخیزد از سایه
همراهت به جایت
بتازید بتازید
توانا و دانا سد شکن صف شکن
برادر و خواهر
فردا خون سرخ
در خورشید میخشکد
وسیاه و سیاه می گردد
چون دل اهرمن
بخوانید همرزمان
بخوانید همرازان
آزادی آزادی آزادی
گوشت را به آواز بسپار
این آواز این آواز
آزادی آزادی
ترجمه مریم دیلمقانی
http://en.wikipedia.org/wiki/The_Partisan

Montag, 29. Juni 2009

ZEIT-Reise in die Zukunft

Die ZEIT hat einen Schwerpunkt zur Zukunftsforschung auf ihrer Webpräsenz eingerichtet: Erde 3.0.

http://www.zeit.de/themen/wissen/erde-der-zukunft/index

Meist springt dabei nicht mehr heraus, als Gegenwärtiges in die Zukunft zu extrapolieren.

Grenzen der Vergeltung und Expansion: Der Iran bräuchte einen Gandhi

Auge um Auge - und die ganze Welt wird blind sein. (Mahatma Gandhi)

Es ist umstritten, ob Gandhi dieses Zitat wirklich zuzurechnen ist. Oft wird dazu angemerkt, die Regel "Auge um Auge, Zahn und Zahn" sollte historisch überschießende Vergeltungsgrausamkeit eindämmen. Es ist aber klar, dass "Gandhi" erst recht die nach oben multiplizierte Vergeltung ablehnt.

Im Iran gab es kürzlich einen Fall, in dem ein Gericht als Strafe für entstellende Körperverletzung die selbe Art von Körperverletzung festsetzte, die vom Opfer am Täter vorgenommen werden soll. Schon im Sinne des Opferschutzes ist diese Art der Bestrafung abzulehnen, da sich beim Opfer nach der Ausführung Schuldgefühle entwickeln können, außerdem ist die Körperstrafe grausam.

Auch nach Kriegen kann es vorkommen, dass Amnestien gewährt werden müssen, da die Gesellschaft sonst so viele Menschen bestrafen müsste, dass sie nicht mehr lebensfähig wäre, zumal wenn sie durch die Kriegsereignisse ohnehin schon dezimiert ist.

Nach Kurzanalysen im SPIEGEL ist die revoltierende Opposition als eher national-iranisch einzuschätzen. Sie wendet sich insbesondere dagegen, Einnahmen aus den Ölverkäufen für internationale schiitische Expansion und die damit verbundene Unterstützung militanter Gruppen einzusetzen, und fordert, dass das Geld stattdessen im Iran bleibt. Damit wird auch ein Zusammenhang zur Wirtschaftskrise sichtbar.

Der Iran bräuchte einen muslimischen Gandhi, der die Rechtspraxis reformiert, sowie nationale Selbstbeschränkung und Gewaltlosigkeit einfordert.


Donnerstag, 25. Juni 2009

Warum die Bundeswehr laut Josef Jung nicht im Krieg ist

Verteidigungsminister Josef Jung lehnt es weiterhin ab, davon zu sprechen, die Bundeswehr stehe in Afghanistan im Krieg mit den Taliban. Hintergrund dessen ist, dass die Bundesregierung den partisanisch vorgehenden, nicht uniformierten Taliban-Kämpfern keinen Kombattanten-Status zuerkennen will. Dies hat Jung schon offen ausgesprochen, heute ist es in der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Bei Gefangennahme müssten Kombattanten wie Kriegsgefangene behandelt werden müssen, die besondere Rechte hätten, insbesondere Auskunftsverweigerungsrechte. Die Taliban sollen laut Jung in der SZ als Verbrecher gesehen werden. Diese Linie verfolgten die Deutschen gegenüber Partisanen auch schon im 2. Weltkrieg, auch aus propagandistisch-psychologischen Gründen. Anschläge von Partisanen gegen die deutschen Streitkräfte wurden auch damals als heimtückische "feige Mordtat" bezeichnet. Jung haut schon länger verbal in die gleiche Kerbe.

Davon zu sprechen, die Bundeswehr-Soldaten seien "gefallen", wie sich das mittlerweile einschleicht, ist eine inkonsequente sprachliche Durchbrechung dieser Nicht-Kriegs-Sichtweise, man müsste demnach davon sprechen, sie seien ermordet, getötet oder umgekommen. Man darf gespannt sein, wie lange die Bundeswehr diesen Nicht-Kriegs-Standpunkt noch durchzuhalten in der Lage ist. Im modernen Kriegsvölkerrecht gibt durchaus die Auffassung, auch Guerilla, die nicht uniformiert ist, aber die Waffen offen trägt und unter einem einheitlichen Kommando steht, den Kombattanten-Status zuzuerkennen.

Man könnte fragen, ob man Taliban nicht leichter dazu bewegen könnte, sich zu ergeben, wenn ihnen der Kombattanten - und Kriegsgefangenenstatus zugesprochen würde.

Mittwoch, 24. Juni 2009

Das Doppelgesicht des Varus in der deutschen und englischen Wikipedia

Die Unterschiede in thematisch identischen englischen und deutschen Wikipediaeinträgen sind schon fast eine Wissenschaft für sich. Die folgenden tendenziösen Darstellungsunterschiede zur Biografie des Varus, des Feldherrn, dessen Legionen durch den Cheruskerfürsten Arminus zerschlagen wurden, sind aber das Gravierendste, was mir seit längerem untergekommen ist.

Englische Wikipedia
über die Aktivitäten des Varus in Judäa, bevor er nach Germanien kam:

Between 9 and 8 BC, following the consulship, Varus was governor of the province of Africa. After this, he went to govern Syria, with four legions under his command. The Jewish historian Josephus mentions the swift action of Varus against a messianic revolt in Judaea after the death of Rome's client king Herod the Great in 4 BC. After occupying Jerusalem, he crucified 2000 Jewish rebels, and may have thus been one of the prime objects of popular anti-Roman sentiment in Judaea, for Josephus, who made every effort to reconcile the Jewish people to Roman rule, felt it necessary to point out how lenient this judicial massacre had been. Indeed, at precisely this moment, the Jews, nearly en masse, began a full-scale boycott of Roman pottery (Red Slip Ware). [1] Thus, the archaeological record seems to verify mass popular protest against Rome because of Varus' cruelty.

Deutsche Wikipedia über Varus in Judäa, die weichzeichnende Version:

Von 7/6 v. Chr. bis 5/4 v. Chr. war Varus legatus Augusti pro praetore provinciae Syriae, wo er einen der stärksten Heeresverbände des Reiches mit drei Legionen befehligte. Er löste damit Gaius Sentius Saturninus ab. In Syrien[3] war er politischer Berater des Herodes in Judaea und an dem Prozess gegen dessen Sohn Antipatros maßgeblich beteiligt und sorgte bei den ausbrechenden Revolten nach dem Tod des Herodes für Ruhe und Ordnung.

Syrien war eine außerordentlich wichtige „kaiserliche“ Provinz an der Grenze des Imperiums zum Partherreich. Reichhaltige literarische Zeugnisse zeigen, dass Varus hier mit den besonderen Problemen der vorderorientalischen Welt konfrontiert war, um deren Lösung er sich tatkräftig bemühte. Flavius Josephus schildert ihn während der Zeit in Syrien als friedfertigen, ruhigen und zurückhaltenden, ja sogar behäbigen und bequemen Menschen. Varus’ vielfältigen Vermittlungsbemühen in der Provinz, in Judäa und Rom sprechen für ein diplomatisches Geschick. Varus darf als erfahrener Militär und Verwaltungsfachmann gelten, der seine menschlichen Schwächen hatte. Dies widerspricht dem Bericht des Velleius Paterculus, nach dem Varus das Land ausgebeutet haben soll.

(dunkle Hervorhebungen von mir)

Man fragt sich, ob Varus mit seiner Massenkreuzigung von Juden sogar mit zur Kreuzigungsüberlieferung der Christen beigetragen hat. Dann wäre er, da er mit seiner Niederlage gegen Arminius auch noch den deutschen Nationalmythos begründete, ein zweifacher historischer Mythenstifter gewesen. Varus wird anscheinend, da die EU (oder auch die USA, oder der "Westen") mit Rom idenfiziert wird, mittlerweile im europabegeisterten Deutschland so wohlwollend beurteilt. Mit Arminius begann der "Deutsche Sonderweg" der zum 2. und 3. Reich geführt hat (und damit zu Auschwitz, das beinhaltet diese Rechnung), diese Auffassung fand ich im Feuilleton der FAZ. Dabei führt gar kein direkter Weg von Rom zur EU. Denn dazwischen kam bekanntlich die Völkerwanderung, die die Gründung von germanischen Reichen nach sich zog, auf die sich die westlich gelegenen Staatswesen der nationalstaatlich gegliederten EU letztlich zurückführen. Allein Italien ist in seinen Grenzen fast deckungsgleich mit der gleichnamigen römischen Provinz. Das Kerneuropa der EU hat eher noch mit dem Karolingerreich zu tun. Das Imperium Romanum war vor allem ein Seereich, das sich um das Mittelmeer gruppierte und Europa durch Wallanlagen in zwei Häften teilte. Die heutige EU ist hingegen eine kontinentales Gebilde aus Staaten, die sich im frühen Mittelalter herausbildeten, mit Deutschland als geographischem Zentrum, mit vielen Ländern, die nie irgendwelche römischen Garnisonen gesehen haben.
Ein europäischer Imperator ist für mich auch weit und breit nicht in Sicht.

Die Sache mit der Gleichung USA = Rom ist nochmal eine Geschichte für sich.



Dienstag, 23. Juni 2009

Kampf um die Märkte: Facebook attackiert StudiVZ

Eine sehr hohe Eskalationsstufe hat mittlerweile die Auseinandersetzung zwischen Facebook und StudiVZ erreicht (siehe den letzten Beitrag über Macht und Märkte). Facebook ist mit einer Klage gegen StudiVZ in Deutschland ersteinmal gescheitert. Das aggressive Vorgehen mit nicht-wettbewerblichen Mitteln kostet Facebook Sympathien: Wo ist da das Amerika des freien Marktes und des "anything goes". Die Internet-User-Szene ist sowieso skeptisch gegenüber dem Urheberrecht, sodass Facebook diese Klage insofern eher Imageeinbußen bringt.

Das StudiVZ kann mit possierlichen und kreativen Wortbildungen wie "Gruscheln", "Nachrichtendienst" und "Buschfunk" punkten, vor allem auch mit besserem Deutsch. Facebook ist hier noch nicht ganz ausgereift. Außerdem hat das StudiVZ einen Zuschnitt auf die Universitäten und glänzt durch seine Diskussionsforen, auch sind seine Benutzeroberfläche und seine Funktionen nicht ganz so komplex, was man als Vorteil ansehen kann. Mittlerweile gibt es unzählige Netzwerke im Internet, die alle nach dem ähnlichen Prinzip aufgebaut sind: Man legt ein Profil an, und kann dies mit anderen Profilen verknüpfen.

Hier eine Abwerbeseite von Facebook, die Deutsche zum Überlaufen vom StudiVZ auffordert, so als ob sich die Mitgliedschaft in diesen Communities gegenseitig ausschließen würde. Diese Internet-Plattformen werben um Follower wie Armeen um Soldaten.

Sonntag, 21. Juni 2009

Kampf um Macht und Märkte: Ignorieren, Verlachen, Bekämpfen, Verlieren und Gewinnen

“First they ignore you. Then they laugh at you. Then they fight you. Then you win.” Mahatma Gandhi

Kluges Zitat Ghandis, das auch für Konservative verwertbar ist: Die Radikalen und Revolutionäre ignorieren sie vorzugsweise am besten, so lange es geht. Jede Berichterstattung über Radikale und Außenseiter, die nicht notwendig ist, treibt diesen nur Aufmerksamkeit zu. Sodann versuchen sich die Etablierten über die Neuen lustig zu machen. Das Gelächter ist in der Tat eine scharfe Waffe, auch in der Politik. Wenn das nichts nutzt, geht man zum Maulkorbverteilen und zu Verboten über, schließlich lassen die Herrschenden Polizei und Militär los. Dadurch schädigen sie aber ihr Image, was die Gefahr ihres Sturzes bringen kann.

Demokratische Diskussion kommt in diesem Zitat nicht vor. Vielleicht ist für Ghandi der argumentative Widerstand, die argumentative Auseinandersetzung, im "fight" enthalten. Ghandi führte den Aufstand gegen ein Kolonialregime. Das Zitat sollte in erster Linie auf den Widerstand gegen undemokratische bzw. defizitär-demokratische Regime bezogen werden. Die Beobachtungen lassen sich jedoch auch auf die Reaktion auf Neulinge in politischen Systemen jeder Art übertragen, oder auch auf die Reaktion auf Marktneulinge, die als neue Konkurrenz für etablierte Anbieter auftreten.

Gandhi wird bei Liberalen und Konservativen bis heute wenig geschätzt, weil die Umsetzung seiner ökonomischen Ideen als Hindernis für Wirtschaftswachstum gesehen wird.

Ein Licht in der Dunkelheit

Man muss ein Licht anzünden, wenn die Nacht am finstersten ist.

Samstag, 20. Juni 2009

Stauffenbergs Schwur, Varus, Arminius und Richard Herzinger

Bevor Claus Graf Stauffenberg zur Umsetzung des Putschversuchs gegen Hitler schritt, schrieb er seine politischen und weltanschaulichen Vorstellungen auf, die "Stauffenbergs Schwur" genannt werden. Dieser Schwur stellt ein interessantes historisches Zeugnis für die intellektuelle Entwicklung der Deutschen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts dar.

Darin ist, was das Verhältnis der deutschen Konservativen zur römischen Vergangenheit anbelangt, folgende Überlieferung interessant:

"Wir bekennen uns im Geist und in der Tat zu den grossen Überlieferungen unseres Volkes, das durch die Verschmelzung hellenischer und christlicher Ursprünge in germanischem Wesen das abendländische Menschentum schuf."

Die römischen Ursprünge der deutschen Kultur werden nicht angesprochen, obwohl sie doch tagtäglich anzutreffen sind, etwa in Fremdwörtern und Bauwerken. Wie kommt das? Stauffenberg könnte als Katholik das Römertum schon vom Christentum mit umfasst angesehen haben. Für die andere Erklärung muss man weiter ausholen. Das deutsche Reich, das bis 1806 bestand, bezeichnete sich noch als "Heiliges Römisches Reich deutscher Nation", sah sich also in römischer Tradition stehend. Mit Napoleon ging es aber schnöde unter, Kaiser Franz legte die Krone nieder. Neue politische Gebilde entstanden, so der Rheinbund. Napoleon krönte sich selbst zum Kaiser und übernahm römisch-imperiales Machtgehabe. Als die Deutschen der napoleonischen Vorherrschaft überdrüssig wurden, begannen die Befreiungskriege unter Preußen. Das war aber eine protestantische Macht, die mit der römisch-katholischen Tradition nichts zu anzufangen wusste. Mit der deutschen Romantik verstärkte sich dafür die deutsche Griechenbegeisterung, die dazu führte, dass sich deutsche Intellektuelle immer mehr mit dem antiken Griechentum identifizierten und auch den damals aktuellen Freiheitskampf der Griechen gegen die Osmanen unterstützte. Gleichzeitig rang man um die deutsche Einigung, verbunden mit einer Emanzipationsbewegung gegen Frankreich. Die Hermannsstatue in Detmold, die während der Einigungsbewegung entstand, richtet ihr Schwert denn auch drohend gegen das welsche Frankreich, das mit Rom identifiziert wurde. Die Griechen hingegen galten aufgrund ihrer philosophischen Tiefgründigkeit den Deutschen als nahverwandt.

Heute wird Rom mit Europa, den USA oder dem "Westen" identifiziert, was ich keineswegs für zwingend geboten halte, sodass sich deutsche Journalisten fast aller größeren Zeitungen verpflichtet sehen, aufgrund von Erwägungen der Political Correctness den aufständischen germanischen Hilfstruppenführer Hermann/ Arminius in Grund und Boden zu schreiben. Die antiimperialistische Linke und die NPD sollen sich ja nicht an diesem historischen Vorbild für Sezessionismus hochziehen können. Dass Hitler und überhaupt der Faschismus den Rom-Kult zu neuen Blüten trieb, und der Feldherr Varus ein grausamer Judenschlächter war, stört die deutsche Presse dabei nicht. Besonders grobschlächtige Kommentatoren führen sogar an, dass ja sogar die Nazis, die dann plötzlich einen Absatz lang offen als Vorbild dienen, Hermann aufgrund seines Verrats an den Römern skeptisch gesehen hätten. Freilich findet sich bei den Nazis beides: Germanentümelei und römischer Größenwahn, letzterer insbesonder bei Hitler. Vielleicht auch dies ein Grund für Stauffenberg, Rom nicht im Schwur zu erwähnen.

Richard Herzinger hat noch die feingeistigste Kommentierung zur Varuschlacht alias Hermannschlacht geschrieben. Er titelt: "Wir stehen den Römern näher als den Germanen." Herzinger als Germanist könnte auch zu einer anderen Auffassung gelangen, er argumentiert jedoch politisch-journalistisch. Zu Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der Varusschlacht-Ausstellung Imperium-Konflikt-Mythos trotzdem einen Besuch abgestattet, was man insofern schon - fast - als mutig ansehen muss.

Wenn Spiel und Wirklichkeit, Geschichte und Gegenwart miteinander verwechselt werden: Antifaschistische Hysterie in Sachsen-Anhalt

In Ostdeutschland gibt es einen neuen Fall von antifaschistischer Hysterie. Weil bei einem historischen Umzug u.a. auch Kostümierte in Wehrmachts- und Waffen-SS-Uniformen mitmarschierten, um das Kriegsende 45 zu illustrieren, ermittelt jetzt der "Staatsschutz", wohl ergebnislos, da die NS-Symbole abgeklebt waren. Die Reaktion darauf zeigt nur, dass der Nationalsozialismus und der 2. Weltkrieg keineswegs als geschichtliches Phänomen eingeordnet ist, sondern der 2. Weltkrieg in Deutschland als ewiger kalter Krieg fortlebt und die Gesellschaft immer noch durch die Zeit von 1933 bis 1945 traumatisiert ist. Militärvereine, die in deutschen Uniformen posieren, gibt es in der ganzen westlichen Welt zuhauf, gerade bei den Militaria-Narren in Großbritannien und auch in den USA.

In Sachsen-Anhalt gibt es ein aktuelles Problem mit Neonazismus, und man ist offenbar nicht in der Lage, Geschichte und Politik voneinander zu trennen.

Freitag, 19. Juni 2009

Napoleon über die Deutschen

"Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgen sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung, als ihre wirklichen Feinde."

Napoleon I: "Proklamation an die Völker", die vor seinem Abzug auf die Insel Elba erschien.

Worauf das wohl bezogen war? Auf eine mögliche Verfolgung seiner deutschen Helfer und Bündnispartner nach dem Untergang der napoleonischen Regime in Deutschland?

Mittwoch, 17. Juni 2009

Wie Popper mit Perikles 1939 gegen die platonisch-marxistische Weltverschwörung ankämpfte

Zu den wirkungsmächtigsten philosophischen Pamphleten des letzten Jahrhunderts gehört Karl Poppers Buch "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde". Geschrieben ist es mitten im 2. Weltkrieg (was man ihm polemischerweise anmerkt) und prägt bis heute das dualistische Freund-Feind-Denken liberaler Meinungsführer in der Bundesrepublik und in weiten Teilen der westlichen Welt.
Popper gehörte in finsterer Zeit zu den wenigen Philosophen, die sich dem Marxismus und sonstigem Kollektivismus gedanklich entgegenstellten, das ist sein Verdienst. Wenn es Popper nicht gäbe, hätte man als Liberaler philosophisch gegen den Kommunismus und Linksextremismus sehr viel weniger in der Hand. Hegel wird von Popper als Schwätzer entlarvt und Platon wird auch angegriffen. Und da wird es meiner Erinnerung nach fragwürdig, wenn Popper moderne individualistische, universalistische, egalitäre und utilitaristische Vorstellungen in die vorchristliche athenische Demokratie und in Platons Auseinandersetzungen mit ihr hineinprojiziert. Erkennbar wird insbesondere auch, dass Popper eigentlich über die damalige Lage des "Seereichs" Großbritannien spricht, wenn er Athens Lage im Peloponnesischen Krieg darstellt.
Athen war eine Sklavenhaltergesellschaft, die den ursprünglich gegen Persien gerichteten Attisch-Delischen Seebund benutzte, um die in ihm organisierten benachbarten Stadtstaaten zu schröpfen. Nach Popper sollen diese Überlieferung aber durch die Missgunst antiker Historiker geprägt sein. Unbotmäßige griechische Ansiedlungen wurden der Überlieferung nach wegen ihrer Ohnmacht von den Athenern verhöhnt und grausam ausgelöscht (siehe etwas den "Melierdialog" in Thukydides' "Der Peloponnesische Krieg"). Den Freidenker Sokrates verurteilte diese "offene Gesellschaft" zu nichts weniger als zum Tod, weil er Gebrauch von dem machte, was wir heute Redefreiheit nennen würden, und damit die Jugend verdorben haben soll. Perikles war der militärische Führer dieses Athen, auch Hitler bezog sich damals auf diese historische Figur, die stets mit Kriegshelm auftrat. Popper zitiert wie amerikanische Politiker des letzten Jahrhunderts aus der Leichenrede des Perikles, in dem dieser den Opfertod gefallener Soldaten rühmte und die besonderen Freiheiten der Athener gegenüber dem damaligen spartanischen Erzfeind hervorhob. Heute wird das Ziehen solcher interkulturellen Parallelen über Jahrtausende hinweg in der Wissenschaft ziemlich kritisch gesehen. Man findet aber heute noch Rom-Vergleiche häufig in der Presse und in der politischen Debatte.

Mir schien damals, dass es Popper nicht gelungen ist, Platon vollständig zu demontieren. Ich meine, Platon gelang es, mit seiner Beschreibung des ewigen Idealstaates, nebenbei Strukturmerkmale aufzuzeigen, die JEDER menschlichen organisierten Gemeinschaft feststellbar sind und sein werden. Diese lassen sich auch nicht durch Revolution beseitigen, sondern stellen sich nach jedem, auch gelungenem, Umsturz wieder ein. Demnach müsste die "offene Gesellschaft" als rein gedankliches Ideal-Konstrukt angesehen werden. Weltweit wären demnach real nur mehr oder weniger "geschlossene" Gesellschaften anzutreffen, die sich mehr oder weniger geöffnet haben, und Tabus verschiedenen Inhalts verteidigen. Deutschland scheint hinsichtlich der Äußerungsfreiheit vom Ideal der offenen Gesellschaft weiter entfernt als die USA.

Unklar bleibt nach der Lektüre, welchen nachweisbaren Pfad es von Platon zu Hitler geben soll, es ist auch keine Verlautbarung bekannt, in der Hitler sich auf Platon bezieht. Nietzsche, der Darwinismus und die deutsche Philosophie nach Hegel und Marx bleiben bei Popper unwiderlegt, da er sich gar nicht mit ihnen beschäftigt. Rassismus schiebt Popper auf Platon und Graf Gobineau, erwähnt aber nicht, dass Kant, auf den er sich positiv bezieht, Rassentheoretiker war.

Für die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Islam oder anderen Kulturen bringt Popper nicht viel, da er sich auf einen innerwestlichen Ideologiekonflikt bezog. Samuel Huntington mit seiner These vom "The West vs. Rhe rest" knüpft bezogen auf Auseinandersetzungen zwischen Kulturkreisen an die Vorstellungswelt Poppers einer von malevolenten Feinden umzingelten offenen Gesellschaft an. In der politischen Ausrichtung der Neokonservativen und der Regierung Bush verflachte das Bild der offenen Gesellschaft und ihrer Feinde zu einem Kampf des Guten gegen das Böse. Bei Geert Wilders wird der Begriff der "offenen Gesellschaft" zum Ausgrenzungsbegriff gegen Muslime. Obama erkennt hingegen, dass Schwarz-Weiß-Malerei nicht weiterbringt, und Menschen weltweit viele Gemeinsamkeiten, aber unterschiedliche Interessen haben, die man zum Ausgleich bringen muss.

Mal sehen, was die zweite Lektüre erbringt.

Eine Schusswaffe für jeden Haushalt ergibt Freiheit und Gleichheit

Was hat das Recht, Schusswaffen zu haben, mit den 1789er Forderungen nach Freiheit und Gleichheit zu tun? Schusswaffen sind egalisierend: Auch Schwache, Krüppel, Frauen und Intellektuelle können sich mit ihnen gegen körperlich stärkere verteidigen. Schusswaffen stärken die Waffengleichheit.
Zudem verschafft eine Schusswaffe im Haus die Möglichkeit zum unkomplizierten Selbstmord, erhöht damit als die Freiheit jedes Einzelnen, über das Ende seines Lebens zu entscheiden.
Außerdem kann ein Staat gegen ein bewaffnetes Volk nicht so leicht totalitär auftreten und dieses unterdrücken. Hätte schon früher jede Familie eine Schusswaffe im Haus haben dürfen, wäre etwa der Holocaust und viele andere Genozide und Soziozide schon sehr viel schwieriger umzusetzen gewesen. Schusswaffen in Händen von Bürgern sind ein Gegengewicht gegen den übermächtigen Staat. Es fügt sich ins Bild, dass den Amerikanern verfassungsmäßig garantiert ist, eine Waffe tragen zu dürfen.

Es kommt darauf, dass die Richtigen, verdiente und zuverlässige Bürger, bewaffnet sind, und so der stets bewaffneten Kriminalität nicht schutzlos ausgeliefert sind. Es geht auch um die organisierte Verteidigung der Freiheit. Die Polizei kommt immer zu spät. Amokläufe wie in Winnenden werden sich durch Schusswaffenverbote nicht aus der Welt schaffen lassen. Die Repressionskampagnen gegen Jugendliche, für die das Geschehen als Vorwand dient, darf man nicht zulassen.
Wenn man alle Haushalte waffenmäßig räumt, gerade die der gesetzestreuen Bürger, heißt das nur, dass Amokläufer ihre Gefechtsfelder von den mit wehrlosen Menschen gefüllten Universitäten und Schulen auch auf Siedlungen, Dörfer, Weiler und Vorstädte ausdehnen werden.

Sonntag, 14. Juni 2009

Nach der Wahl ist nicht vor der Wahl: Die Straßen im Iran brennen

Im Iran tobt ein Aufstand in den Straßen, nachdem Ahmadinedschad gerade wiedergewählt wurde und ihm Wahlmanipulation vorgeworfen wird. Über Internet-Netzwerke dringen Informationen und Gerüchte über die aktuellen Vorgänge im Iran nach außen.

Donnerstag, 11. Juni 2009

Bernhard Schlinks versteckter Pfeil in: "Der Vorleser"

"Erst lochen sie einem die Fahrkarte, dann den Hinterkopf." So charakterisierte Zeitzeuge Ernst Jünger einmal die Schergen des NS-Systems. Pflichtlektüre für jeden deutschen Vergangenheitsbewältiger ist Bernhard Schlinks "Der Vorleser". Hier geht es um eine ehemalige KZ-Wächterin, die erst im KZ Auschwitz beschäftigt war, um dann nach dem Krieg als Schaffnerin die Fahrkarten zu lochen. Bei der Heimkehr von der Arbeit als Schaffnerin lernt sie den Protagonisten des Buchs "Der Vorleser" kennen. Von der Story taugt die Handlung "Minderjähriger hat Sex mit einer KZ-Wächterin" eigentlich für einen B-Movie oder ein schlechtes Groschenheft, ist aber in höchste bildungsbürgerliche und literatische Höhen gehoben. Da auch die 68er-Studentenbewegung vorkommt, kann man sagen, dass das Buch einen wahren Bewältigungsdoppelschlag zu beiden wichtigsten deutschen Bewältigungsthemen darstellt.
Interessant ist, was in der deutschen Wikipedia unterschlagen wird. Die Protagonistin Hanna Schmitz muss sich vor Gericht dafür verantworten, dass sie ihr anvertraute jüdische Gefangene in einer brennenden Kirche umkommen ließ. Was Wikipedia nicht erwähnt ist, dass die Kirche ausgerechnet durch einen Luftangriff alliierter Bomber in Brand gesetzt wurde, es ist von einer "Bombennacht" die Rede. Eine versteckte Spitze Schlinks gegen den Luftkrieg und die ungeahndeten Kriegsverbrechen alliierter Streitkräfte? Die besten Beleidigungen sind immer noch diejenigen, die der Angesprochene nicht merkt.
Ein auch sonst sehr gefährliches Buch, da es zur Identifikation mit der Angeklagten verführt, die im Film ebenfalls wirksam wird. Dort wird sie noch dadurch gesteigert, dass auf der Bildebene die Hanna Schmitz nur als hilflose und gehandicapte Adressatin juristischer Aggression sichtbar wird, die Vergangenheit in Auschwitz jedoch nicht bildlich vergegenwärtigt, nur referiert wird. Im Medium Buch können beide Ebenen nur mit dem Schriftstellerwort vermittelt werden.

Neuer Anschlag gegen Paketdienst DHL

Die Verbündeten der Taliban nennen sich in Deutschland Antimilitaristen, und führen einen Krieg mit Brandanschlägen gegen Bundeswehr und auch den Paketdienstleister DHL. Jetzt gab es wieder einen Anschlag, nachdem im März schon drei Transportfahrzeuge in Brand gesetzt worden waren.

Postreiter war in alter Zeit schon ein gefährlicher Beruf.

Montag, 8. Juni 2009

Europawahl 2009: Gelb und Dunkelrot legen zu. Die Lager bleiben stabil

Bei den Europawahlen haben sich in Deutschland Verschiebungen innerhalb der Lager hin zu den liberalen und sozialistischen Flügelparteien ergeben. Die FDP legte zu Lasten der CDU/CSU stark zu. Die SPD verlor leicht, während Grüne und DIE LINKE leicht zulegten. Im Hinblick auf die Gewinne der FDP unter Silvana Koch-Mehrin wird deutlich, dass die Schmuddelkampagne gegen sie so kurz vor der Wahl auch mit letzten Bemühungen der CDU zu tun haben muss, die Verluste doch noch abzuwenden, denn konservative EU-Parlamentarier taten sich in der Kritik Koch-Mehrins besonders hervor. Das alles dürfte FDP-Wähler aber kalt gelassen haben, denn die legen keinen Wert auf aktionistische Abgeordnete, die unentwegt noch mehr Bürokratie produzieren. Mit der Präsenz von Abgeordneten im EU-Parlament scheint es ohnehin nicht allzuweit her zu sein, man beachte die gähnende Leere, die hier bei einer Stellungnahme Koch-Mehrins im Parlament herrscht:



Rechtsliberale, rechtsradikale oder konservative Parteien, die die EU ablehnen, konnten in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen kleineren Ländern in der EU nicht zulegen. In Ländern wie Großbritannien oder den Niederlanden bahnt sich eine halb liberale, halb nationale Protestbewegung gegen die dominierenden europäischen Zentralmächte Frankreich und Deutschland mit ihrer bürokratisch-etatistischen Tradition an, die für die EU prägend ist. Zudem ist in England oder Holland die Konfrontation mit dem Islam explosiver als in Deutschland. Kleinere Staaten sind zumal von der Finankrise stärker bedroht.
In Deutschland wird die EU auch von den Liberalen und Konservativen überwiegend positiv beurteilt, da sie die Binnenmärkte offenhält, sodass Deutschland die kleinen Nachbarn mit seinen Waren und seinem Ordnungsdenken mehr oder weniger beglücken kann.

Samstag, 6. Juni 2009

Stauffenbergs Uniform als Faschingskostümierung

Claus Graf Stauffenberg, der Hitler-Attentäter, war in dieser Faschingssaison schon als Kostümierung zu sehen, mit Tasche, Augenklappe und Uniform. Dieser Anbieter preist eine wenig passende Stauffenberg-Uniform von der Stange an, Farbton lilagrau, die weiße Sommer-Uniform des hitzigen Tags des historischen 20. Juli wäre besser gewesen. Ansonsten fällt mir dazu auch nicht mehr viel ein. Die Pistole kann man sich ebenfalls sparen.

Frieden



Inschrift auf einem Portal der wiederaufgebauten Dresdener Altstadt.
"Jeder Stein der neuen Stadt trägt unsichtbar die Lettern Frieden."

Die linken Sündenböcke der Finanzkrise

Morgen ist Europawahl, und an diesem verregneten Schafskältetag fallen mir die Wahlplakate der LINKEN nochmal besonders ins Auge. "Millionäre zur Kasse!", wettert diese Partei und erklärt Reiche im Subtext zu Schuldigen der Finanzkrise, die quasi mit höheren Steuern bestraft werden müssen - ähnlich wie Antisemiten Juden zu Schuldigen von Finanz- und Wirtschaftskrisen erklär(t)en. Genauer gesagt, handelt es sich beim Klassenhass der Sozialisten um das Pendant zum Rassenhass der Nationalsozialisten. Antisemitismus galt auch als Sozialismus der dummen Kerls. Es gab mal eine Zeit, in der der Volksverhetzungsparagraph 130 StGB gezielt und explizit gegen Aufrufe zum Klassenhass ausgerichtet war. Heute müsste man eine Klage gegen Klassenhetze auf die schwache Gesetzesformulierung "Teile der Bevölkerung" stützen.

Freitag, 5. Juni 2009

Wenn Gelb Rot sieht: FDP-Wahlkampf im Ruhrpott. Guido Westerwelle, Silvana Koch-Mehrin und Alexander Graf Lambsdorff beim Wahlkampfsendspurt

Einen kontrastreichen Nachmittag erwartete ich mir, als ich heute die FDP-Wahlkampfveranstaltung in Recklinghausen besuchte, tiefstes Ruhrgebiet, dachte ich mir, Land der Malocher: Die Geschäfte sind systematisch mit Antifa-Aufklebern markiert, alte Bausubstanz ist mit der Lupe zu suchen. Hier hatten sich Guido Westerwelle, Silvana Koch-Mehrin und Alexander Graf Lambsdorff angekündigt, und sie kamen auch. Allerdings nicht nur sie, sondern neben vielen FDP-Anhängern auch ein Trupp gewerkschaftsgesteuerter Demonstranten von Karstadt Recklinghausen, die um ihre Arbeitsplätze fürchten, aber den Sinn ihrer Schildaufschriften mir nicht zu erklären vermochten, sowie ein paar kommunistische Störer. Davon ließen sich die FDP-Kandidaten jedoch nicht die gute Laune verderben. Man kann sagen, die Spaßpartei lebt, und Besuche auf ihren Veranstaltungen heben immer noch die Stimmung. Politik als Optimismusfaktor, während die Pfeile der Ökonomen nur noch nach unten zeigen, und die Beschäftigung mit der Geschichte in den Zeitungen immer zuerst die finsterste Vergangenheit vor 64 Jahren nach oben spült. Mit der Absetzung von dieser Vergangenheit spannten die drei blau-gelben Musketiere von der FDP auch den historischen Bogen nach heute, und erinnerten an die positiven Errungenschaften der EU: friedliches Zusammenleben in Europa mit offenen Binnengrenzen und offenem Binnemarkt. Ein liberales Projekt, das sich die FDP als Erfolg zurechnen könne. Es wurde sodann nicht ausgepart, dass es aber an Demokratie und Transparenz fehle, Silvana Koch-Mehrin geiselte die EU-Ökodikatur, eine Glühbirnenprohibition stehe bevor, als nächstes seien bestimmte Spülmaschinen dran. Diese Frau sieht nicht nur gut aus, sondern hat auch eine tolle Stimme. Wenn es die FAZ doch noch schafft, sie aus dem EU-Parlament zu schreiben, wird sie wohl irgendwas anderes als Politik verkaufen.
Westerwelle kehrte im westfälischen Recklinghausen den fröhlichen Rheinländer heraus, und kam sehr herzlich und positiv rüber. Er brachte die üblichen FDP-Themen von Deutschland als Exportweltmeister und von der vergessenen Mittelschicht. Er wetterte gegen Abwrackprämie und gegen Jugendliche, die sich in bestimmten Fernsehtalkshows als faule Sozialhilfeempfänger produzierten. Gegen Rentner fiel hingegen kein böses Wort. Auf diesem Ticket werden wohl bald fast alle Politiker fahren, da junge Menschen im Wahlvolk durch die demographische Entwicklung minorisiert werden. Aber noch hat Westerwelle nicht vergessen, dass er auch mal unter 40 war. Zum Schluss brachte er noch paar Witze auf Kosten der PR-Bemühungen seiner Mitbewerber im Bund, etwa dass Angela Merkel nach Grönland gereist sei, um das Abschmelzen der Polkappen zu besichtigen, wofür sie eigentlich länger dort hätte bleiben müssen. Westerwelle wäre zweifellos der ulkigste Außenminister, den wir in Deutschland je hatten.
Eine resignierte alte Frau weist mich nach Ende der Veranstaltung auf einen Zeitungsartikel über Obama hin: "Der hat gerade auch so einen Blödsinn geredet." Naja.

Dienstag, 2. Juni 2009

"n. H."

Es ist bekannt, dass Josef Joffe (ZEIT) nichts dagegen hat, wenn insbesondere Linke mehr mit Hitler verglichen werden .

Joffe, Journalist jüdischer Provenienz, geboren in Polen oder Litauen(jedenfalls Ground Zero des Holocaust), aufgewachsen in Deutschland, ausgebildet an Universitäten in den USA, belässt es aber nicht bei Hitler-Vergleichen. Er selbst verwendet in seinen Artikeln regelmäßig die Zeitrechnung n.H. Das soll "nach Hitler" bedeuten, genauer: nach Hitlers Tod. Dementsprechend befinden wir uns gerade im Jahr 64 n. H.. Hitler wird damit in eine Reihe nicht mit Stalin oder Mao, sondern mit Jesus und Mohammed gestellt. Christen und Muslime müssen Jesus bzw. Mohammed mit Hitler gleichsetzen um auf Joffes "n.H." zu kommen. Juden bilden hingegen ihre Zeitrechnung nach der biblischen Schöpfung der Welt. Wie kommt Hitler zu diesem Ruhm in Joffes Artikeln?
"n.H." scheint Joffes Beitrag zur multikulturellen Zivilreligion zu sein, die sich negativ über "Hitler" definiert, dessen Wiederauferstehung von den Toten verhindert werden müsse. Die verschiedensten Religionen und Ethnien müssen demnach Abstriche an ihrem eigenen Geltungsanspruch hinnehmen, um UNTER einer staatlichen Zivilordnung zusammenzuleben. "n. H." verdrängt in Joffes Metaphorik die christliche, jüdische und muslimische Zeitrechnung und ordnet sie sich unter: d.h. Jesus, Abraham und Mohammed müssen gegenüber Hitler als Anti-Götzen des säkularen Staates zurückstecken. Aus christlich-konservativer Sicht muss das missfallen. Demnach hätte das Christentum weiterhin die Rolle der Leitkultur in der halb christlich, halb säkularen Bundesrepublik zu spielen, die weiteren Religionen und Weltanschauungen hätten sich anzupassen und nachzuordnen: So wie es heute noch bei den ökumenischen Staatsgottesdiensten, die in christlichen Kirchen stattfinden, der Fall ist.
Da sich die Anti-Hitler-Zivilreligion Joffes und anderer über das definiert, was nicht sein darf, um die Gesellschaft einen allerletzten gemeinsamen Nenner zu geben, benötigt sie ein ständiges Feindbild, was ihr einen hässlichen Zug gibt. Die Gesellschaft stabilisiert sich nicht aus sich selbst heraus. Es werden daher in Zukunft wohl noch einige missliebige Politiker zum "Hitler" erklärt oder mit ihm verglichen werden. Die ewigen zweiten Weltkrieger sorgen dafür.