Dienstag, 30. Juni 2009

Über den deutschen Gaullismus

"Der wohl bekannteste Vertreter des Gaullismus in Deutschland war Franz Josef Strauß. Genau wie Charles de Gaulle strebte Strauß die Erlangung der Atombombe für sein Land an, um eine unabhängigere Politik zu machen. Der politische Ziehsohn von Franz Josef Strauß ist Peter Gauweiler, der auch eine unabhängigere Politik gegenüber den USA und einen Ausgleich mit Russland favorisiert. Als Strauß' Mann in Bonn galt Jürgen Todenhöfer.

In den 60er Jahren gab es Konflikte um die Ausrichtung der deutschen Außenpolitik. Hierbei standen sich Atlantiker (wie z.B. Ludwig Erhard, Gerhard Schröder, Kai-Uwe von Hassel) und Gaullisten (wie u.a. Franz Josef Strauß, Heinrich Krone und Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg) gegenüber. Auf den Gaullisten Konrad Adenauer folgte Kanzler Erhard mit einer pro-amerikanischen Außenpolitik. Unter Kanzler Kurt-Georg Kiesinger bekamen die Gaullisten wieder Aufwind, bis Charles de Gaulle 1969 als französischer Präsident zurücktrat. Der Konflikt Atlantiker-Gaullisten wurde durch den Konflikt um die Ostpolitik abgelöst."

http://de.wikipedia.org/wiki/Gaullismus

Und wie ist die Lage heute? Todenhöfer opponierte mit humanitären Argumenten gegen die Kriege in Afghanistan und Irak. Interessant zu lesen, aus welcher politischen Tradition er kommt. Auch Karl-Theodor zu Guttenbergs Großvater, der ebenfalls Karl Theodor hieß, nur ohne Bindestrich, gehörte zu den "deutschen Gaullisten".

Dem Irakkrieg blieb Deutschland mit Frankreich als gaullistisches "Old Europe" fern, am Afghanistankrieg beteiligt man sich wie auch Frankreich: Es scheint da ein Manövrieren zwischen gaullistischer und transatlantischer Linie zu geben.

Aktuell bringt der linke Publizist Jürgen Elsässer wieder den deutschen Gaullismus ins Spiel, es geht ihm aber dabei in erster Linie um die Rettung des deutschen Sozialstaats.

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