Sonntag, 19. Juli 2009

Begriffsverwirrung im Aufeinanderprallen der Kulturen

Einen guten Kommentar zum Thema des Vergleichs Antisemitismus und Islamophobie findet sich übrigens auf dem "Netz gegen Nazis". Mal ein hilfreicher Beitrag. Schade, dass man ihn nicht raten kann.

Wissenschaftlich ist der Vergleich selbstverständlich zulässig. Nur die Gleichsetzung als politische Kampfparole ist wegen der großen Unterschiede fragwürdig.

Zum Thema Vergleichbarkeit eine Hilfestellung aus einem alten juristischen Lehrbuch:

"Vergleichbarkeit bedarf zunächst eines Bezugspunktes (tertium comparationis). Der Bezugspunkt ist der gemeinsame Oberbegriff (genus proximum) unter den die die ... verschiedenen behandelten Personen, Personengruppen oder Situationen fallen." (Pieroth/Schlink: Grundrechte, 2002, S. 102)

Der Vergleichspunkt zwischen Juden- und Muslimfeindlichkeit ist mit der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit schon gegeben.
Schlimm sind die agitatorischen Begriffsverwirrungen mit den unterschiedlich besetzten Fremdworten. Der Begriff Islamophobie ist irreführend, und, verstanden als Feindseligkeit gegenüber einer Religion, eher mit dem alten Antijudaismus vergleichbar, wird aber auch zur Bezeichnung von Feindseligkeit gegenüber Muslimen eingesetzt, soll Religionskritik als Rassismus brandmarken.
Der Antisemitismus war gerade zu eine Reaktion darauf, dass die Juden der Assimilationsforderung der christlichen Antijudaisten nachgaben und zum Christentum konvertierten. Die Antisemiten richteten ihren Hass nunmehr gegen eine biologisch definierte Gruppe, weil sie sich um das alte Feindbild betrogen sahen. Der Begriff "Antisemitismus" wird heute zur Kennzeichnung aller möglichen antijüdischen und antiisraelischen Feindseligkeiten eingetzt, obwohl er bereits von den Nazis als veraltet erkannt und seit 1943 von diesen nicht mehr verwendet wurde.

Inwieweit sich der aktuelle Feindseligkeit gegen Muslime gegen die Religion oder rassistisch gegen Orientalen richtet, ist oft schwer zu unterscheiden.

Auch der Begriff des Rassismus ist mittlerweile durch den Gebrauch durch Agitatoren und Politiker schwer verstümmelt und verbraucht geworden, wie die Allerweltsbeschimpfung "Faschist":

Der klassische Rassismus erklärt erhebliche erblich-biologische Unterschiede zwischen fortpflanzungsfähigen Gruppen von Menschen UND folgert daraus, die zu biologisch überlegenen erklärten Menschen auch rechtliche Vorteile gegenüber den anderen haben sollten, zB ein höheres Lebensrecht hätten.

Mittlerweile wird aber auch die bloße Feststellung biologischer Unterschiede für rassistisch erklärt, nicht nur das, auch die Feststellung von Unterschieden überhaupt, auch kulturellen. Auch die oft von links kommenden Forderungen nach rechtlichen Vorteile für eine als benachteiligt geltende "diskriminierte" Gruppe wird manchmal als rassistisch attackiert, auch wenn keine Behauptung kultureller oder biologischer Nachteile nachweisbar ist.

Wahrheitssucher haben in diesem ideologisch verhetzten Minenfeld einen schweren Stand. Der Rassismus-Vorwurf ist wohl deshalb zwischen Juden, Christen und Muslimen von so großer Bedeutung, da alle drei Religionen grundsätzlich von der Gleichwertigkeit aller verschiedenfarbigen oder unterschiedlich befähigten, gesunden oder kranken Menschen ausgehen, - d.b. mindestens gleiches Recht auf Leben und Würde. Für den, der meint, dies sei anders, empfehle ich die Kommentarspalte oder Email an: scruto@online.ms

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