Mittwoch, 8. Juli 2009

Das Eiserne Kreuz - ist älter und jünger als das Dritte Reich














Ein deutscher Tank im 1. Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz als Hoheitszeichen und das Eiserne Kreuz als Hoheitszeichen der Bundeswehr.



Wer sich historisch bilden will, dem sagt Wikipedia schon einiges über das Eiserne Kreuz, über das noch eine Art Phantom-Diskussion fortlebt:

Das Eiserne Kreuz war nach der französischen Ehrenlegion der zweite europäische Kriegsverdienstorden, der ohne Ansehen von Stand und Dienstgrad vergeben wurde, was zu seiner Popularität enorm beitrug. Vielleicht lässt sich der einzigartige Ruf des Ordens in seiner Zeit auch mit seiner betonten Schlichtheit und auffälligen Einmaligkeit unter den Kriegsorden erklären.
Es wird deutlich, dass das Eiserne Kreuz einen Bezug zu den demokratischen Strömungen nach der französischen Revolution hat. Durchaus demokratisch ist es, weil es ohne die Voraussetzung von Adel oder Dienstgrad verliehen wurde. Diese alten Beschränkungen erklären aber auch die Vorbehalte, die in Demokratien gegenüber der Verleihung von Orden bestehen. In der Weimarer Republik wurde sogar nur ein "Ehrenschild" an verdiente Bürger vergeben, erst in der Bundesrepublik gibt es ein Bundesverdienstkreuz.

In der Debatte im Bundestag und in der Öffentlichkeit wurde die inflationsartige Verleihung unter Hitler für moralisch verurteilenswerte Kriege angeprangert, insbesondere die Verleihung im 2. Weltkrieg an "Partisanen"- und "Judenjäger". Die so argumentieren, bleiben freilich die Erklärung dafür schuldig, warum sie nichts daran auszusetzen haben, dass die Bundeswehr das Eiserne Kreuz selbstverständlich als Hoheitszeichen auf ihren Fahrzeugen führt, wie das bereits auf den Fahrzeugen der Wehrmacht im 2. Weltkrieg (dort in der Form des Balkenkreuzes) und des kaiserlichen Heeres im 1. Weltkrieg der Fall war. Auch bleibt in dieser Argumentationslinie unklar, warum der 2. Weltkrieg daran hindern soll, das Eiserne Kreuz in einer - noch nicht gegeben - existenziellen Konfliktsituation in veränderter Aufmachung neu zu stiften und mit anderen Inhalten zu füllen. Es gelang ja auch unter vielen Mühen und Opfern, Deutschland nach dem 2. Weltkrieg mit neuen Inhalten neu erstehen zu lassen.
Überträgt man die Argumentation der Kritiker auf andere Symbole, die von der Bundesrepublik Deutschland benutzt werden, hieße das, dass auch der Bundesadler abgeschafft werden müsste, da auch die NSDAP und das Dritte Reich den Adler als Zeichen verwendeten.

Es ist freilich einiges an Stimmungsmache gegen die Träger dieser Auszeichung denkbar, etwa mit historischen Fotografien von dekorierten SS-Männern, die mit den Bundeswehr-Ordensträgern zusammenmontiert werden, sodass die Attraktivität fraglich ist. Dem könnte man freilich entgegensteuern, indem man das neugestiftete Eiserne Kreuz optisch anders gestaltet, etwa in Silber- und Blautönen, statt im düsteren Schwarz der historischen Vorläufer.

Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr führt das Eiserne Kreuz als "Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit" eingestanzt in die Auszeichnung - was nicht abwegig ist, wurde es doch zuerst 1813 in den Befreiungskriegen gegen einen französischen Diktator gestiftet. Das Ehrenzeichen der Bundeswehr wird allerdings nicht als spezifische Auszeichnung für Kombattanten, also Kriegsteilnehmer, angesehen. Im Krieg befinden wir uns ja auch nicht, wie der Verteidigungsminister Josef Jung, der ja dann die Kommandogewalt an die Bundeskanzlerin abgeben müsste, gebetsmühlenartig erklärt. Das Eiserne Kreuz scheidet daher derzeit für eine Verleihung aus, da es von seiner Tradition her a) eine Kriegsauszeichnung darstellt, die in b)Kriegen, die einen existenzielle Auseinandersetzung für die Nation bedeuten, verliehen wurde. Weder das eine noch das andere ist derzeit gegeben.

Das Eiserne Kreuz wurde übrigens in seiner Geschichte vielfach auch an Juden (hier nur zwei davon) verliehen.

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