Samstag, 4. Juli 2009

Die Hermannsstatue und das Berliner Stadtschloss - das bald Staatsschloss heißen sollte?

Was haben die Hermannstatue bei Detmold und das Berliner Schloss, auch Stadtschloss genannt, gemeinsam? Beide Bauwerke scheinen nationale Symbole zu sein, deren Wiedererrichtung von patriotisch denkenden Bürgern unterstützt wurde und wird.

Lesen wir nach bei Heinrich Heine, "Deutschland, ein Wintermärchen", 11. Kapitel:
"Gottlob! Der Hermann gewann die Schlacht,
Die Römer wurden vertrieben,
Varus mit seinen Legionen erlag,
Und wir sind Deutsche geblieben!
...

O Hermann, dir verdanken wir das!
Drum wird dir, wie sich gebühret,
Zu Dettmoldt ein Monument gesetzt;
Hab’ selber subskribiret."

Während das Gedicht phasenweise sehr spöttisch ist ("die deutsche Nationalität, die siegte in diesem Drecke"), lässt Heine doch keinen Zweifel daran, dass er den Bau der Hermannsstatue, die an die Schlacht im Teutoburger Wald, heute Varusschlacht genannt, erinnert - wohl auch finanziell - unterstützt. "Hab´selber subskribiret". Daraus spricht wohl unter anderem auch der innere Widerstreit eines vielfach wegen seiner jüdischen Abstammung gekränkten deutschen Patrioten, der Heine auch war.

Die Wiedererrichtung des Stadtschloss steht nicht wie das Hermannsdenkmal für Heines Zeitgenossen für den nationsstiftenden Befreiungsschlag gegen (römische/napoleonisch-französische) Fremdherrschaft, sondern für die symbolische Heilung der Wunden, die die Weltwirtschaftskrise vor 80 Jahren, der folgende Krieg und (National-)Sozialismus hinterlassen haben. Beide Bauwerke stehen allerdings auch für Bemühungen um die Herstellung bzw. Wiederherstellung der deutschen Einheit.

Mittlerweile wird beim Stadtschloss, um das sich drei Bürger-Initiativen mit Vorschlägen bemühten, und man eifrig "subskribieren" konnte, die bürgerschaftliche Beteiligung vom Staat aber immer mehr ins Abseits gedrängt. Die neue Staatsgläubigkeit trägt auch hier einen schaurigen Sieg davon. Die Initiative des Rechtsanswalts Lür Waldmann, die das Schloss durch einen Privatinvestor wiedererrichten wollte, ist schon so gut wie aus dem Rennen gedrängt. Obwohl es keine Monarchie mehr gibt, wird das Schloss offenbar nach wie vor als Staatsheiligtum betrachtet, und der Gedanke, dieses privat finanzieren zu lassen, erscheint den Politikern allzu abwegig oder zu profan, zumal sie auch den Staat ums Prestige der Wiedererrichtung brächte.

Nunmehr wird auch der Förderverein des Herrn Wilhelm von Boddien, der eifrig Spenden sammeln wollte, von einer Staatsstiftung konkurriert und wohl bald überflüssig gemacht. Man sollte wohl bald vom Berliner Staatsschloss, nicht vom Stadtschloss sprechen.

Die Staatsgläubigkeit, die siegt im Berliner Spreemoraste.

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