Donnerstag, 16. Juli 2009

Krieg ohne Ende führt zu Greisenprozessen in Europa: Der Gebirgsjäger Josef S. vor Gericht in München

Gegen den ehemaligen Wehrmachtsgebirgsjäger Josef S. hat ein weiterer Zeuge ausgesagt, der berichtet, dieser habe sich einst mit der Tötung italienischer Zivilisten im 2. Weltkrieg gebrüstet.

Josef S. ist bereits 90 Jahre alt. Man fragt sich, ob hier ein neuer Rekord für das Guinnessbuch eingestellt wird. Wie alt war der älteste je vor Gericht stehende Mensch? Ich vermute, dass man in Deutschland dafür weit zurückgehen muss, um Vergleichbares zu finden, in die Zeit der Hexenverfolgung? Die Nicht-Verjährbarkeit von Mord gibt es noch nicht so lange in Deutschland, sie wurde eingeführt, um Holocaust-Beteiligte auch noch im Alter jagen zu können. Für gewöhnliche Mordskriminelle gilt: Mitgehangen, mitgefangen. Ironischerweise wurde der dabei angewandte Mordparagraph ausgerechnet unter den Nationalsozialisten in der heute noch bestehenden Form geschaffen. Besonders gesinnungstüchtig-deutsch sind dabei die in der Norm auffindbaren " niederen Beweggründe" und die "Heimtücke" , die in Deutschland Mordmerkmale sind. Besonderer Abscheu über die Prozesse gegen Greise wird in Deutschland von den Leitmedien kaum geäußert, manchmal leises Mitleid, allerdings nicht nur mit den Angeklagten. Der Staatsanwalt Hans-Joachim Lutz, der mit den Verfahren gegen Josef S. wie gegen John Demjanjuk befasst ist, wird in der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung teilnahmsvoll gefragt, wie er die Beschäftigung mit so viel historischem Leid der Opfer von Deutschen verkrafte. Man kann sich mit Prozessen gegen Greise in Deutschland als Held profilieren, wenn sie dem 3. Reich zugerechnet werden können, auch wenn als einzig ersichtlicher Strafzweck , der verwirklicht wird, nur noch die Sühne bzw. Vergeltung übrigbleibt. Das Medieninteresse ist riesig. Die deutschen Medien waren es auch, die Jahrzehnte lang die Vorstellung schürten, in Deutschland seien Kriegsverbrechen und Völkermord im 3. Reich nur ungenügend abgeurteilt worden. Es hat sich mittlerweile eine Auffassung dazu etabliert, die in etwa besagt, dass die Deutschen, weil Hitler durch den Überfall auf Polen den Krieg entfesselte, damals jeglichen kriegsvölkerrechtlichen Schutz verloren, die deutschen Soldaten aber die Standards des Kriegsvölkerrechts peinlich genau einzuhalten hatten, und zwar nicht die damaligen, sondern die heutigen.

Vor kurzem wurde Josef S. mit Verdacht auf einen Schlaganfall in die Klinik eingeliefert worden, es handelte sich jedoch um eine vorübergehende Gehirnblutung, wie ein Arzt versicherte. (SPON, 3.7.2009).
Die JUNGE FREIHEIT vom 24 . 6. 2009 berichtete von einem Schlaganfall als gesichertem Fakt.

Der Scrutograph berichtete schon über ähnliche gelagerte Prozesse in Osteuropa, die sich allerdings gegen ehemalige Rotarmisten und Partisanen richten. Der Rachewunsch der Bauern gegenüber der Soldateska, die ihrer Dörfer verwüstete, ist ein altes Motiv, das nach Kriegen übrigbleibt.

Die Prozesse stoppen könnten Amnestien, wie sie in einigen Ländern für den 2. Weltkrieg eingerichtet wurden. Nach dem 30jährigen Krieg wurde eine Generalamnestie für ganz Europa eingerichtet. Das war aber noch in Zeiten, als man nach Kriegen wirklich Frieden schloss. Gerade die in Deutschland beschlossenen Teil-Amnestien und "stillen" Quasi-Amnestien nach dem 2. Weltkrieg waren aber immer wider heftigen Angriffen ausgesetzt. Freilich hätte ohne jegliche Amnestien auch Westeuropa in eine riesige Straflagerkolonie verwandelt werden müssen.

Keine Kommentare: