Donnerstag, 30. Juli 2009

München: Öffentliches Gelöbnis am Marienplatz

Vor dem historischen Münchner Rathaus fand heute ein öffentliches Gelöbnis der Bundeswehr statt. Das öffentliche Gelöbnis vor dem Berliner Reichstag muss derart vor linksradikalen Störern, die dort gar mit hasserfüllten Mordaufrufen arbeiten, abgeschirmt werden, dass man es eigentlich nicht öffentlich nennen kann. In München verdient die Zeremonie diesen Namen.

Die zahlreichen Zuschauer werden bis an die Absperrungen des Appellplatzes gelassen, hinter denen die Soldaten angetreten sind. Eine Zuschauertribüne für die Prominenz war vor dem Rathaus aufgebaut, man sieht unter den militärischen Abordnungen auch Vertreter der Gebirgsschützen. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hält eine einleitende Ansprache, sie enthält links-provozierende Wendungen wie "Vaterland" oder die Erinnerung an die "russischen Panzer", die einst vor der "bayerischen Grenze" standen. Die Linksradikalen werden an Polizeisperren durchsucht, können sich aber unweit der Absperrungen lauthals zu Wort melden, Luftballone hochlassen und ihre Flugzettel mit juristischen Fehlsubsumtionen Kurt Tucholskys verstreuen. Daneben drängen sich ein wenig genervten Touristenströme an Zuschauern und Störern vorbei. Die Stimmung ein Stück hinter den Absperrungen ist teilweise recht emotional und aufgeheizt. Neben den Stören gibt es nämlich noch Bürger, die ihr Recht und ihre Freiheit durchaus verteidigt wissen wollen. Ein junger Mann zerreist ein besonders boshaftes Plakat, das über einem Soldatensarg titelt: "Selber schuld!" Beleidigungen schwirren wechselseitig hin- und her. Ein Mann mit weißem Bart versucht zu ironisch zu agitieren: "Zieh´n ma wieder in den Krieg" "Heult halt, hol´dir ein Taschentuch!", weist ihn ein sich abgeklärt gebender jüngerer Beobachter zurecht. Tatsächlich hat der Linken-Aufzug etwas von Jammer und Klage an sich. Die jungen Soldatinnen und Soldaten, Wehrpflichtige und Zeitsoldaten, wirken teilweise, als sei ihnen recht mulmig zu Mute, teilweise blicken sie voll Unmut und Verachtung auf die Protestierenden. In Deutschland lehnen über 65 Prozent der Bevölkerung den Afghanistan-Krieg ab, was die Stimmung bei der Feier prägte. Die Befürworter und Angehörigen der Soldaten gaben ihrer Unterstützung jedoch mit Beifall Ausdruck. So ist das eben in einer Demokratie, deren Verteidiger die Bundeswehr ist. Dies wird dadurch ausgedrückt, dass die Truppe bei den Gelöbnissen in Berlin und München wie eine Parlamentswache neben Reichstag bzw. Rathaus aufzieht, somit Gebäuden, die für Volksherrschaft stehen. In München wurde die Idee eines Gelöbnisses am Odeonsplatz vor der Feldherrnhalle oder am Königsplatz von Ude verworfen, da man diese Plätze durch die Vereidigungszeremonien der Nationalsozialisten für "belastet" hält. Dieses etwas neurotische Belastungsdenken wird allgemein vom Münchener Institut für Zeitgeschichte geschürt, es ignoriert, dass der Königsplatz schon in den 80er Jahren wieder von der Bundeswehr für Zeremonien genutzt wurde. 64 Jahre nach Hitler wagt man dessen für 12 Jahre von diesem beanspruchte Reviere nicht mehr anzutasten, offenbar aus zunehmender Angst vor Verwechslung und linker Agitation.

Die Linken und Linksradikalen forderten zum Teil, dass die Gelöbnisse in der Kasernen stattzufinden hätten. Das ist insofern merkwürdig, als gerade von links traditionell die Gefahr an die Wand gemalt wird, die Armee könnte einen abgeschirmten Staat im Staate bilden. Die aus liberaler Sicht durchaus problematische Wehrpflicht wird von den Linken und Linksradikalen kaum gesondert thematisiert, ihr Fundamentalismus hindert sie daran.

Die Veranstaltung warf die Frage auf, wie lange die Deutschen den Langzeiteinsatz in Afghanistan noch durchhalten werden. Sie verfügen kaum über psychologische Reserven in der Vergangenheit, der letzte gewonnene Krieg liegt über 130 Jahre zurück, der letzte katastrophal verlorene hingegen nur 64 Jahre. Auch dies sicher ein Grund, warum die Politiker das Wort Krieg wenn möglich vermeiden. In Bayern, dem ältesten Flächenstaat der Bundesrepublik, der sogar Nazis und Alliierte überlebte, gibt die Tradition noch Halt, der überlieferte Wohlstand des bayerischen Wirtschaftswunders vergangener Jahrzehnte puffert derzeit noch die Härte der politischen Auseinandersetzung. Anderswo in Deutschland scheinen diese Kräfte der Stabilität bereits zu fehlen.

Keine Kommentare: