Dienstag, 7. Juli 2009

Orden und Tapferkeit im Kampf um die Freiheit

Die Berichterstattung und die Diskussionen in Deutschland um die neue Tapferkeitsauszeichnung der Bundeswehr sind ziemlich neurotisch.
Das ZDF garniert ihre Berichterstattung dazu laut Bodo Wünsch mit Bildsequenzen, die Hitler zeigen, wie er in den letzten Kriegsmonaten noch irgendwelchen Elendsgestalten Orden verleiht. (via antibürokratieteam)
Die Kommentare auf dem Antibürokratieteam sind beispielhaft dafür, auf welch abwegigen Bahnen die Diskussion in Deutschland dazu verläuft. Der Bundestag hat sich vor einiger Zeit dagegen entschieden, das Eiserne Kreuz neu zu stiften. So weit so gut, denn was bringt eine Tapferkeitsauszeichnung, die gesellschaftlich nicht akzeptiert ist? Das neue Ehrenkreuz für Taperkeit wird jetzt trotzdem mit Vergleichen mit dem "Eisernen Kreuz" überzogen, obwohl es mit diesem außer dem Tapferkeitsbezug und der Kreuzform nichts zu tun hat, und sich von einer seit Jahrzehnten in der Bundesrepublik verliehenen Auszeichnung herleitet.

Berichterstattung über die neue Tapferkeitsauszeichnung muss natürlich erklären, was denn der Neuigkeitswert der Angelegenheit ist, und damit zur unmittelbaren Nachkriegszeit zurückschwenken.
Die Folgerung, die nach dem 2. Weltkrieg daraus gezogen wurde, dass die Diktatur, d.h. Hitler - wie alle anderen Kriegsherren damals auch - Orden und Tapferkeitsauszeichnungen verlieh, und besagte, deshalb dürfe die Demokratie, d.h. die Bundeswehr keine vergeben, scheint mir eine der bizarrsten Lehren, die damals aus der Vergangenheit gezogen wurden, zu sein.

Immerhin, damals in den 50er Jahren war das aufgrund der militärischen Erschöpfung der Gesellschaft noch wenigstens psychologisch nachvollziehbar, aber wie kann man ernsthaft aus dem militärischen Untergang einer Diktatur folgern, eine Demokratie dürfe sich nicht militärisch verteidigen, und keine Tapferkeitsorden vergeben? Daran konnten damals nur die SU-orientierten Kommunisten interessiert sein. Wie kann man aus dem desaströsen Scheitern nationalen Hegemoniestrebens vor 64 Jahren folgern, man müsse radikal-pazifistisch auch Bündnisverpflichtungen eines Systems kollektiver Sicherheit demokratischer Staaten ignorieren?

Ich kann nur mal wieder auf die historische Leichenrede des Perikles zum Thema "wehrhafte Demokratie" verweisen, nachzulesen bei Thukydides.

Die ZDF-Berichterstattung passt zu den Unkenrufen in den Medien, dass die Nato wohl ihren ersten Krieg verliere. Demoralisierender als den "Führer" einzublenden, geht es nicht mehr. Immerhin versichern die Mainzelmännchen so, dass sie - obwohl Staatsfernsehen - "total kritisch" und "subversiv" sind. Die Textberichterstattung des ZDF findet sich hier. Dabei wird deutlich, dass sich das ZDF mit der Kritik am Ehrenkreuz für Tapferkeit auseinandersetzt. Immerhin wird darauf verwiesen, dass die übrigen NATO-Staaten selbstverständlich schon lange, ohne jegliche Kontinuitätsbrüche, Tapferkeitsauszeichnungen vergeben.

Es werden wohl die Erfolge der Sicherheitskräfte zu wenig kommuniziert: Es haben sich etwa seit Madrid keine größéren Anschläge in Europa wiederholt. Man bedenke, was das vor Jahren für eine panische Stimmung war!

Es ist zu wenig klar, dass der "Krieg" in eigentlichen Sinne nicht "gewonnen" werden kann, sondern es darum geht, die radikalen Gotteskrieger, die der youth bulge in der Region produziert, zu beschäftigen, im worst case bis zu 10 Jahre. "Engaging the Taliban" heißt es in den Anglo-Sendern dazu. Erfolgreich ist das militärische Engagement dort dann, wenn sich keine Anschläge in Europa oder den USA wiederholen, die Streitkräfte in Afghanistan nicht allzu sehr bluten müssen, und als Tüpfelchen auf dem i der Aufbau eines funktionierenden afghanischen Staates gelingt.

Insgesamt sind die Sicherungsaufgaben mit denen die Bundeswehr in Afghanistan noch zu wenig kampfintensiv, so dass die nicht vorhandene Möglichkeit der Vergabe eines eigenständigen Tapferkeitsordens wie dem "Eisernen Kreuz" oder dem "Pour-le-Merite" gerade noch verschmerzt werden kann. Vom einem existenziellen Konflikt wie in den Befreiungskriegen gegen Napoleon oder den Weltkriegen sind wir noch weit entfernt.

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