Donnerstag, 23. Juli 2009

Politik als Zorn- und Angstmanagement

Sloterdijk schreibt in seinem Buch "Zorn und Zeit", die Tätigkeit von Sozialisten, Faschisten und Islamisten bestehe im Zornmanagement der "zornigen Verlierer". Der Zorn ist sicherlich einer der Hauptquellen für die politische Demagogik.

Dann ist da noch die Angst, die ich als politische Emotion eher von bürgerlichen oder rechten Parteien kennzeichnen würde: Angst vor Kriminalität, Angst vor Abweichlern, inbesondere auch sexueller Abweichung (derzeit Pädophilie im Internet als Thema), auch als Angst vor politischer Abweichung, als Angst vor Extremisten, derzeit insbesondere vor vermeintlichen oder tatsächlichen Nazis, den Terroristen und Islamisten. Bei den Muslimen in Europa zeigt sich, dass das kulturell Fremde schnell Opfer der Abweichungsangst vor dem Extrem werden können.

Auch die Grünen sind den Angst-Management-Parteien zuzurechnen, sie schüren und verwalten die Angst vor moderner Risiko-Technologie, insbesondere der Atomkraft, sowie die uralte Menschheitsangst vor dem "Jüngsten Tag", die sie "Klimakatastrophe" nennen. Immerhin hat das Thema der Angst vor Naturgewalten und Technik das Potential eine kulturell und sozial heterogene Gesellschaft zu integrieren und zu binden, ähnlich der Schäuble-Angst vor den "Terroristen", die irgendwo da draußen in Afghanistan am Aufbau von Terrorcamps gehindert werden müssen, ähnlich dem furchterregenden rechten Pfadfindergrüppchen, das er kürzlich verboten hat.

Die Angst-Parteien müssen die Kunst beherrschen, ihr spezifisches Angstthema zu verwalten, und nicht zu viel Angst auf einmal in den Markt zu werfen, zu laut auf die Pauke zu hauen, würde auch ihre Klientel in die Flucht jagen.

Zum Verwalten gehört auch Haushalten.

Angst würde ich in einer alternden Gesellschaft, die zunehmend Vitalitätsverluste erleidet, als die bedeutendere politische Ressource als den Zorn ansehen. Sie ist der Quell´ für die zunehmenden Freiheitsverluste der letzten Zeit, vor allem dann, wenn die Freiheit in Konflikten zwischen versteift Ängstlichen und den wenigen Zornigen aufgerieben wird.

Welche politische Partei wird in der Lage sein, die Angst vor der Armut zu verwalten? Und welche den Zorn über die erlittene Armut? Ersteres könnte die FDP übernehmen, wobei diese eigentlich keine Angstpartei ist, vielleicht eher die CDU, letzteres besorgt wohl DIE LINKE und Demagogen in ihrem ideologischen Umfeld. Westerwelles Task könnte das Management des Zorns auf die Verlierer sein.

Keine Kommentare: