Samstag, 15. August 2009

High Noon, 1952 - Ein einsamer Marshal in einer vom Terror gelähmten Stadt



"High Noon" ist ein wahrhaft aristotelischer Western, da er die Einheit von Ort, Zeit und Handlung realisiert.

Der durchaus politisch konnotierte Film passt gut zur Lage des Westens heute, große Teile der Handlung bestehen in dem erfolglosen Werben des alternden pensionsreifen Marshals Will Kane (Gary Cooper) um Unterstützung der Bürger seiner Stadt gegen eine Gruppe von Gangstern, die um 12 Uhr Mittags mit dem Zug ankommen werden und ihn umbringen wollen. Damit beschreibt der Film gut die Abneigung der Bürger westlich geprägter Demokratien gegenüber militärischen Auseinandersetzungen, die Menschenleben kosten. Die USA weichen immer mehr auf Flug-Kampfroboter, Todesdrohnen, aus, um ihre Feinde zu treffen, ohne der Bevölkerung große Opfer in eigenen Streitkräften zumuten zu müssen. Das Militär der Koalitionstruppen hat schon länger den schlechten Ruf weg, ausgesprochen feige zu sein: G.I.´s gelten als Angstschießer. Das Ausweichen auf den Luftkrieg mit zivilen Kollateralopfern ist letztlich der Höhepunkt der Angstschießerei.

Will Kane trifft nicht nur auf feige Bürger, die sich den Schweiß mit dem Tuch von der Stirn wischen, sondern im Saloon sogar auf offene Ablehnung und Feindseligkeit, dort erhofft man sich nämlich gute Geschäfte mit den zurückkehrenden Banditen zu machen. Auch diese schroff ablehnende Haltung gegenüber der bewaffneten Staatsmacht lässt sich real in westlich geprägten Demokratien vorfinden. Einige Bürger versuchen auch gütlich den Marshall zu bereden, sein Vorhaben, sich mit seiner jungen Frau auf eine Ranch zurückzuziehen, wahrzumachen. Aufgrund der ungünstigen Kräfteverhältnisse machen sie im Ordnungshüter, nicht in den Killern, den Unruhestifter aus, der weichen sollte. Auch dies gibt eine sehr realistische Beobachtung wieder. Der Film erfasst auch die Trittbrettfahrerproblematik beim Gut Öffentliche Sicherheit. Warum soll gerade ich mein Leben für die Sicherheit einsetzen, fragt sich mancher Bewohner der Wild-West-Stadt.

Viele andere Western kann man sich heute eigentlich nicht mehr ansehen, ich denke insbesondere an die knallbunten des Genres mit John Wayne, die oft mit einem männlich-militärischen Auftrumpfen einhergehen. Sie erinnern an Zeiten, in denen die USA auf dem Höhepunkt von Macht und Wohlstand standen - diese Filme aus den Hollywoodstudios der 50er wirken oft schon wie unzeitgemäße Relikte der Vergangenheit in einer zunehmend postamerikanischen Welt, in der mehr diplomatisches Geschick im Weißen Haus gefragt ist, Werben und Verhandlung, um weltweit Bundesgenossen gegen den Terrorismus zu finden und zusätzliche Feindschaften und Angriffe zu verhindern.

Da ich gefragt wurde, warum das Blog ruhen soll: Ich werde die nächsten Wochen keine Gelegenheit haben zu schreiben.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

dann hoffe ich aber doch sehr, dass dein Fernbleiben nur vorübergehend ist und du schon bald in alter Frische weiterbloggst!

Rinchen hat gesagt…

großes sorry, wenn das auch an meiner untätigkeit liegen sollte! hatte einfach zu viel um die ohren!