Sonntag, 10. Januar 2010

Jahresrückblick 2009: Das alte Jahr.

Das Jahr 2009 bleibt mir in Erinnerung als ein Jahr, in dem deutlich sichtbar wurde, wie sich Deutschland in ein Altersheim mit angegliederter Museumslandschaft verwandelt. Der kollektive Alters-Museumspark. Das alte Jahr, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Streitigkeiten im Lande drehen sich um Erinnerungsbauten wie das Zentrum gegen Vertreibungen oder das nostalgische Berliner Stadtschloss , das, spannend und außergewöhnlich, ein Museum werden soll.
In den Schranken der Gerichte wurden uralte Greise (zäh wie leder, hart wie Kruppstahl, alt wie Schildkröten) medial vorgeführt, die an Krieg und Völkermord vor 64 (!) Jahren beteiligt waren, woran sich umfangreiche Vergangenheitsbewältigungsdebatten entzündeten. Weitere Vergangenheitsbewältigungsdebatten entzündeten sich, nachdem auch der greise Kurras als Stasimitarbeiter enttarnt worden war. Er fand sich ebenfalls vor Gericht wieder. Wegweisende Verfahren, da in der Zukunft der Greisenprozess zum Alltag gehören wird.

Ein Drittel der Wähler bei den Bundestagswahlen waren über 60 Jahre. Es werden anteilig immer mehr werden.

Derweil dankt Deutschland auf den Weltmärkten als Exportnation zugunsten Chinas ab, und zahlreiche seiner Traditionsunternehmen gingen ein. Damit wurden diese auch für ihre mangelnde Innovationsfähigkeit bestraft. Gegen den aus dem kommunistischen Schlaf erwachten chinesischen Riesen ist aber auch so kein Kraut gewachsen. Soziale Unruhen nach der Wirtschafts- und Finanzkrise wurden nocheinmal mit der Abwrackprämie und anderen fragwürdigen Improvisationen auf das nächste Jahr abgedrängt. 2009 war das Jahr in dem die Autos kleiner wurden. In Berlin brennen sie zuweilen auch schon.

Der Konflikt in Afghanistan dürfte auch deswegen so unbeliebt sein, da die alternde Nation kaum Nachwuchs hat. Der Demographieforscher Gunnar Heinsohn bezeichnet die Geburtenrate in Deutschland als "suizidal". Kritische Konfliktfähigkeit liberaler Demokraten gegenüber dem Islamismus wird -schief- mit dem Antisemitismus im traditionalistischen Deutschland bis Hitler verglichen, in der die vergreisende Gesellschaft gefangen ist, da kann auch der Afghanistankrieg nur wie der letzte deutsche Krieg verloren gehen. Einer Gesellschaft, die hauptsächlich von der Sorge um die Pflegesituation im Alter bestimmt ist, bleibt auch nichts anderes übrig als Pazifismus.

Wie das geschichtlich neuartige Phänomen der Gesellschaftsalterung zu erfassen sei, dazu kann die "Aufarbeitung" der Vergangenheit zwischen 33 bis 45 nichts beitragen, könnte man zumindest meinen.

Die Krönung wäre gewesen, wenn in den USA vor Beginn des Jahres 2009 statt Obama der greise McCain gewählt worden wäre. Obwohl die Bevölkerung altert, werden auch in Deutschland immer jüngere Politiker aufgeboten. Der bayerische Ministerpräsident bietet ein Buberlkabinett auf, im Bund sind Westerwelle und zu Guttenberg die Hoffnungsträger von alt und jung.

Derweil mehren sich im Straßenbild die Grauköpfe und Silberhaare wie der Schnee im Winter, der sich über Deutschland gelegt hat.

Und bei der Jugend mehrt sich angesichts des Problemstaus die Ratlosigkeit.

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