Mittwoch, 14. Juli 2010

"Best of" Karl-Herrmann Flach

Was liberale Politiker in rot geprägten Dekaden so von sich geben, dafür ist Karl-Herrmann Flach ein warnendes historisches Beispiel:

"Die Auffassung, daß Liberalismus und Privateigentum an Produktionsmitteln in jedem Fall identisch seien, gehört zu den Grundirrtümern der Geschichte."

"Der Kapitalismus als vermeintlich logische Folge des Liberalismus lastet auf ihm wie eine Hypothek. Die Befreiung des Liberalismus aus seiner Klassengebundenheit und damit vom Kapitalismus ist daher die Voraussetzung seiner Zukunft."

"Der Egoismus der Menschen wird als Triebfeder zwar nicht verschwinden, kann aber durch Veränderung der Wertmaßstäbe zugunsten gemeinschaftsbezogener Leistungskriterien sublimiert werden."


aus VLA (Hrsg): Liberale Perspektiven 4/2009

Karl-Herrmann Flach feiert in der FDP gerade wieder eine gewisse Auferstehung, wie es heißt.

Sonntag, 11. Juli 2010

Sommerlyrik: D-ZUG

Braun wie Kognak. Braun wie Laub. Rotbraun.
Malaiengelb.
D-Zug Berlin - Trelleborg und die Ostseebäder. –

Fleisch, das nackt ging.
Bis in den Mund gebräunt vom Meer.
Reif gesenkt. Zu griechischem Glück.
In Sichel-Sehnsucht: wie weit der Sommer ist!
Vorletzter Tag des neunten Monats schon! –

Stoppel und letzte Mandel lechzt in uns.
Enthaltungen, das Blut, die Müdigkeiten,
Die Georginennähe macht uns wirr. –

Männerbraun stürzt sich auf Frauenbraun:

Eine Frau ist etwas für eine Nacht.
Und wenn es schön war, noch für die nächste!
Und dann wieder dies Bei-sich-selbst-sein!
Diese Stummheiten. Dies Getriebenwerden!

Eine Frau ist etwas mit Geruch.
Unsägliches. Stirb hin. Resede.
Darin ist Süden, Hirt und Meer.
An jedem Abhang lehnt ein Glück. –

Frauenhellbraun taumelt an Männerdunkelbraun:

Halte mich! Du, ich falle!
Ich bin im Nacken so müde.
O dieser fiebernde süße
Letzte Geruch aus den Gärten. –


Gottfried Benn, 1912

Sonntag, 4. Juli 2010

Westerwelle: FDP war nie Ein-Themen-Partei

In dem jüngsten Strategiepapier des FDP-Parteichefs Guido Westerwelle mit dem Titel "Freiheit heißt Verantwortung" heißt es:

Wir haben unseren Wahlkampf als Anwalt der vergessenen Mitte geführt. Das bleibt weiter unser politisches Ziel, von dem wir uns nicht ablenken lassen dürfen. Wir haben mit fünf Schwerpunktthemen unseren Wahlkampf geführt:

- „Arbeit muss sich wieder lohnen“. Das bedeutet, dass die kleinen und mittleren Einkommen entlastet werden, dass das Wirtschaftswachstum angeregt wird und reguläre Arbeit attraktiver sein muss als die Abhängigkeit von Sozialtransfers
- „Bürgerrechte stärken“. Das bedeutet: Privat vor Staat, Schutz der Privatsphäre und Einsatz für eine tolerante, weltoffene Gesellschaft
- „Bildung ist Bürgerrecht“. Das bedeutet, dass Investitionen in Bildung, Ausbildung und Forschung auch in Zeiten knapper Kassen Vorrang haben und Bildung nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen darf.
- Für eine rationale Umweltpolitik. Das bedeutet, dass wir das Zeitalter der erneuerbaren Energien erreichen wollen. Aber aus ökonomischen und ökologischen Gründen brauchen wir zugleich noch Brückentechnologien.
- Liberale Außenpolitik. Das bedeutet, dass wir eine Außenpolitik brauchen, die das gemeinsame Europa stärkt, Abrüstungsinitiativen ergreift, Menschenrechte verteidigt und internationale Verantwortung übernimmt.

Und wir haben geworben – auch auf unseren Plakaten – mit unserem Kompetenzteam. Wir waren keine Ein-Themen-Partei und wir waren keine Ein-Personen-Partei. Wir sind es heute nicht und werden es auch in Zukunft nicht sein. Wir dürfen uns dies auch nicht einreden lassen.